{"id":568106,"date":"2025-11-11T16:01:14","date_gmt":"2025-11-11T16:01:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/568106\/"},"modified":"2025-11-11T16:01:14","modified_gmt":"2025-11-11T16:01:14","slug":"verdraengung-in-berlin-eigenbedarfskuendigungen-das-ist-auch-eine-klassenfrage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/568106\/","title":{"rendered":"Verdr\u00e4ngung in Berlin \u2013 Eigenbedarfsk\u00fcndigungen: \u201eDas ist auch eine Klassenfrage&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img313958\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/313958.jpeg\" alt=\"Auch die Bezirksb\u00fcrgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Clara Hermann (Gr\u00fcne, rote Jacke), ist gegen Eigenbedarfsk\u00fcndigungen.\"\/><\/p>\n<p>Auch die Bezirksb\u00fcrgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Clara Hermann (Gr\u00fcne, rote Jacke), ist gegen Eigenbedarfsk\u00fcndigungen.<\/p>\n<p>Foto: Foto: Edgar Rodtmann<\/p>\n<p>Sie wolle ihren lang gehegten Wunsch umsetzen, einen neuen Lebensabschnitt in Berlin zu beginnen, sagt eine Bochumer \u00c4rztin. Ihr Problem dabei: Die Wohnung in der Lychener Stra\u00dfe 50 in Pankow, die sie gekauft hat und in die sie, wie sie sagt, mit ihrem Partner einziehen will, ist bewohnt. Darum hat sie Eigenbedarf angemeldet. Am Dienstag fand eine erste Verhandlung vor dem Amtsgericht Mitte zur Sache statt, vorerst ohne Ergebnis.<\/p>\n<p>Zur Verhandlung sind rund 50 Prozessbeobachter*innen gekommen. Die Pankower Ortsgruppe <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1187001.mietenkaempfe-international-mietergewerkschaft-den-europaeischen-mietstreik-vor-augen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">der Mieter*innengewerkschaft Berlin<\/a> hat zu dem Prozess mobilisiert. Der Gerichtssaal ist klein, der Platz reicht kaum aus. Die Besucher*innen \u2013 viele von ihnen mit pinken Westen der Mieter*innengewerkschaft \u2013 m\u00fcssen auf dem Boden Platz nehmen. Die Eigent\u00fcmerin wird von der Richterin ausf\u00fchrlich zu ihren Lebensumst\u00e4nden befragt. Aktuell wohnt sie mit ihrem Partner in einer Doppelhaush\u00e4lfte mit sechs Zimmern in Bochum, das Haus geh\u00f6rt ihnen. Sobald die Pankower Wohnung frei wird, w\u00fcrde sie sofort einziehen, und das Haus verkaufen, sagt sie. Eine kleinere Wohnung w\u00e4re f\u00fcr sie \u00bbeine Art Befreiung\u00ab.<\/p>\n<p>\u00bbDas ist nur eine von sieben Eigenbedarfsk\u00fcndigungen im Haus\u00ab, sagt die betroffene Mieterin, die alleinerziehend ist und ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, gegen\u00fcber \u00bbnd\u00ab. Von den sechs anderen gek\u00fcndigten Wohnungen werde nach ihrem Wissen nur eine Wohnung von der Person bewohnt, f\u00fcr die der Eigenbedarf angemeldet wurde. \u00bbAber selbst wenn sie wirklich einziehen wollen, ist das auch eine Klassenfrage\u00ab, sagt sie. Denn nur Menschen mit entsprechend viel Geld k\u00f6nnten sich in Berlin eine Wohnung leisten. Sie hat schon 180 Bewerbungen f\u00fcr Wohnungen geschrieben, bislang erfolglos. <\/p>\n<p>In der Verhandlung hatte die Eigent\u00fcmerin gesagt, ihr sei die Problematik bekannt. Aber sie habe schon bei einer Wohnungsbesichtigung, bei der viele Unterst\u00fctzer*innen anwesend waren, gesehen, dass ihre Mieterin ein gro\u00dfes Netzwerk habe, das bei der Wohnungssuche unterst\u00fctzen k\u00f6nne. \u00bbWir sind Betroffene, keine Makler\u00ab, sagt dazu Aaron Pfeiffer von der Mieter*innengewerkschaft Pankow zu \u00bbnd\u00ab.<a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1181279.mietpolitik-eigenbedarf-in-berlin-klassenkampf-ums-wohnen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Er verweist auf das Machtungleichgewicht zwischen Eigent\u00fcmer*innen und Mieter*innen<\/a>. \u00bbAuch das ist Klassenkampf.\u00ab Man unterst\u00fctze einander, einerseits um sich zu solidarisieren, aber auch um Druck aufzubauen und zu sagen: Das ist nicht ok. Die Mieter*innengewerkschaft, die Eigenbedarfsk\u00fcndigungen als K\u00f6rperletzung sehe, fordere deshalb ein komplettes Ende dieser Praxis.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p> \u00bbWir sind Betroffene, keine Makler.\u00ab<\/p>\n<p>Aaron Pfeiffer<br \/>Mieter*innengewerkschaft Pankow<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1186866.mietenwahnsinn-berlin-pankow-facetten-der-verdraengung.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pankow ist einer der Hotspots f\u00fcr Eigenbedarfsk\u00fcndigungen in Berlin<\/a>. In den 90er Jahren wurden dort zahlreiche Wohnungen mit F\u00f6rdermitteln saniert. Die damit verbundenen Sozialbindungen laufen aktuell aus. Allein deswegen sind, der Gruppe Pankow gegen Verdr\u00e4ngung zufolge, in Pankow rund 3000 Mieter*innen bedroht. Nach Sch\u00e4tzungen des Berliner Mietervereins gibt es berlinweit j\u00e4hrlich 10\u2009000 K\u00fcndigungen wegen Eigenbedarf.<\/p>\n<p>Nicht nur Betroffene haben erkannt, dass das ein gro\u00dfes Problem ist. Anfang 2025 hat sich das B\u00fcndnis \u00bbWohnungsnot durch Umwandlungen und Eigenbedarfsk\u00fcndigungen stoppen\u00ab gegr\u00fcndet. Initiiert wurde es vom Berliner Mieterverein und den Bezirks\u00e4mtern Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte, Neuk\u00f6lln und Pankow. Mittlerweile haben sich <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1193001.stadtentwicklung-berlin-charlottenburg-abriss-fuer-die-rendite.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mit Charlottenburg-Wilmersdorf<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1182246.schneller-bauen-gesetz-berlin-die-bezirke-bremsen-das-bauen-nicht.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tempelhof-Sch\u00f6neberg selbst Bezirks\u00e4mter, in denen CDU-Politiker<\/a> die verantwortlichen Stadtentwicklungs\u00e4mter leiten, dem B\u00fcndnis angeschlossen.<\/p>\n<p>\u00bbW\u00e4hrend die Bundesregierung \u00fcber Neubauziele und Stadtbilder diskutiert, verlieren t\u00e4glich Menschen ihr Zuhause durch Umwandlung und Eigenbedarfsk\u00fcndigungen\u00ab, sagt Sebastian Bartels, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer im Berliner Mieterverein. \u00bbWir brauchen endlich die notwendigen Reformen, die Mieter*innen wirksam sch\u00fctzen und die das Wohnen als Grundrecht begreifen \u2013 nicht als Renditeobjekt.\u00ab<\/p>\n<p>nd.DieWoche \u2013 unser w\u00f6chentlicher Newsletter<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/313969.jpeg\" alt=\"\" title=\"\" width=\"170\"\/><\/p>\n<p>Mit unserem w\u00f6chentlichen Newsletter <strong>nd.DieWoche<\/strong> schauen Sie auf die wichtigsten Themen der Woche und lesen die <strong>Highlights<\/strong> unserer Samstagsausgabe bereits am Freitag. <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/newsletter\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hier das kostenlose Abo holen<\/a>.<\/p>\n<p>Ein komplettes Ende von Eigenbedarfsk\u00fcndigungen wie die Mieter*innengewerkschaft fordert das B\u00fcndnis zwar nicht. Aber es ruft die Bundesregierung dazu auf, das Umwandlungsverbot von Miet- in Eigentumswohnungen in angespannten Wohnungsm\u00e4rkten dauerhaft abzusichern. Das Gesetz, das dies erm\u00f6glicht, muss immer wieder verl\u00e4ngert werden. Erst am Dienstag beschloss der Berliner Senat eine Verl\u00e4ngerung der entsprechenden Verordnung bis Ende 2030. Bis dahin sind Umwandlungen in H\u00e4usern mit mehr als f\u00fcnf Wohnungen verboten. Es gibt aber zahlreiche Ausnahmen. Eine weitere Forderung: Eigenbedarf grunds\u00e4tzlich einschr\u00e4nken. <\/p>\n<p>Das B\u00fcndnis veranstaltet am kommenden Freitag auf dem RAW-Gel\u00e4nde in Friedrichshain eine Konferenz. Er\u00f6ffnet wird sie unter anderem von Wohnungssenator Christian Gaebler (SPD). In mehreren Foren werden verschiedene Fragen rund um Eigenbedarfsk\u00fcndigungen und Umwandlungen von Fachpolitiker*innen verschiedener Parteien und Expert*innen diskutiert.<\/p>\n<p>Betroffene Mieter*innen k\u00f6nnen dort aber nicht nur zuh\u00f6ren, sondern sich auch in einem Aktionsforum austauschen, vernetzen und beraten lassen. Zahlreiche mietenpolitische Initiativen sind vor Ort. F\u00fcr Publikum ist auf jeden Fall gesorgt. Allein die Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte und Pankow haben 26\u2009000 Haushalte angeschrieben, deren<a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1182604.mietenwahnsinn-in-berlin-schillerkiez-reiche-verdraengen-in-neukoelln-die-anwohner.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Wohnungen in Milieuschutzgebieten<\/a> umgewandelt wurden. Die Politiker*innen k\u00f6nnen sich darauf einstellen, dass die Konferenz keine Wohlf\u00fchlveranstaltung wird.<\/p>\n<p class=\"wp-block-ppi-ndarticlecommet\">\u00bbWohnungsnot durch Umwandlung und Eigenbedarfsk\u00fcndigungen stoppen! <a href=\"https:\/\/www.wohnungsnot-stoppen.de\/veranstaltung\/wohnungsnot-durch-umwandlung-und-eigenbedarfskuendigungen-stoppen-konferenz-und-netzwerktreffen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Konferenz und Netzwerktreffen<\/a>\u00ab, Freitag, 14. November 2025, 12\u201322 Uhr, Skatehalle auf dem RAW, Revaler Stra\u00dfe 99, 10245 Berlin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Auch die Bezirksb\u00fcrgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Clara Hermann (Gr\u00fcne, rote Jacke), ist gegen Eigenbedarfsk\u00fcndigungen. 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