{"id":568912,"date":"2025-11-11T23:30:36","date_gmt":"2025-11-11T23:30:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/568912\/"},"modified":"2025-11-11T23:30:36","modified_gmt":"2025-11-11T23:30:36","slug":"musikerleben-zwischen-traum-und-realitaet-in-oerlinghausen-lokale-nachrichten-aus-oerlinghausen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/568912\/","title":{"rendered":"Musikerleben zwischen Traum und Realit\u00e4t in Oerlinghausen | Lokale Nachrichten aus Oerlinghausen"},"content":{"rendered":"<p id=\"absatz1\">Oerlinghausen. Das muss doch toll sein, so ein Leben als Musikerin und Musiker. Doch in der Realit\u00e4t hat es mit \u201eSex and drugs and rock\u2019n\u0091roll\u201c wenig zu tun. Im Soziokulturellen Zentrum KNUP entzauberten jetzt Musikschaffende aus der Region die oft verbreiteten Mythen.<\/p>\n<p id=\"absatz2\">Den Anlass bot nach Mitteilung des KNUP das neue Buch \u201eKommst du mit in den Alltag\u201c von dem ehemaligen Oerlinghauser Andre Jegodka. In den 30 dort versammelten Interviews hat er erfahren: \u201eDie meisten k\u00f6nnen nicht von ihrer Musik leben und verdienen ihr Geld in anderen Bereichen.\u201c <\/p>\n<p>Eigenes Plattenlabel<\/p>\n<p id=\"absatz4\">Auch Michael Girke (63) aus Herford bekannte selbstironisch: \u201eIch habe bis heute keine Karriere vorgelegt.\u201c Dabei waren die ersten Schritte recht vielversprechend. Vom Punk gepr\u00e4gt, gr\u00fcndete er in den Achtzigerjahren gemeinsam mit anderen ein eigenes Plattenlabel, um ihre Musik zu vermarkten. Seine Band \u201eJetzt!\u201c war wichtiger Bestandteil der \u201eHamburger Schule\u201c der 80er und 90er Jahre. \u201eDoch nur ein Star sein zu wollen und alles dem Ruhm zu opfern, haben wir abgelehnt\u201c, berichtete er. <\/p>\n<p id=\"absatz5\">Bei einem Kurzauftritt machte er dann deutlich, dass ihm die Inhalte seiner deutsch gesungenen Texte viel wichtiger sind. \u00dcberhaupt werde in der Kunst der Erfolg allzu sehr an finanziellen Ma\u00dfst\u00e4ben gemessen, kritisierte er. Die reine Orientierung am Erfolg \u201eist zu einer Art Ideologie geworden\u201c. Au\u00dferdem habe ihn das Musikerleben nachhaltig desillusioniert. Girke: \u201eIch empfand eine Leere, tagelang im Auto zu sitzen, um von einem Konzertort zum n\u00e4chsten zu fahren.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie Band ist meine Familie\u201c<\/p>\n<p id=\"absatz6\">Dagegen erkl\u00e4rte Mina Richman (27) vorbehaltlos: \u201eIch liebe das Tourleben.\u201c Gl\u00fccklicherweise seien ihre drei Begleiter zu guten Freunden geworden. \u201eDie Band ist meine Familie, und das empfinde ich als Privileg\u201c, sagte sie. Unterwegs zu sein und zu spielen, sei sicher eine sch\u00f6ne Erfahrung. \u201eAber wir sind eine v\u00f6llig brave Band\u201c, meinten die Bielefelder S\u00e4ngerin. \u201eWir k\u00f6nnen uns gar keine Exzesse erlauben.<\/p>\n<p id=\"absatz7\">Nach dem Konzert gehe ich sofort ins Bett und trinke stilles Wasser.\u201c Trotz einiger Auszeichnungen und viel Lob von den Medien \u201em\u00f6chte ich wirklich kein Popstar sein\u201c, sagte Mina Richman. \u201eIch genie\u00dfe vielmehr, dass ich Musik machen darf und anschlie\u00dfend noch mit den Besuchern ins Gespr\u00e4ch kommen kann.\u201c Ebenso freue sie sich, dass sie jetzt von den Einnahmen der Gema ihre Miete bezahlen kann. Die Musik sei inzwischen mehr als nur ein nettes Hobby. \u201eIch mache ja auch die Buchhaltung und die Steuererkl\u00e4rung, ich bin also im Beruf angekommen\u201c, argumentierte sie. Und dann m\u00fcsse sie ihre T\u00e4tigkeit auch als Arbeit ansehen. Daraus erg\u00e4ben sich nun mal gewisse Verpflichtungen. \u201eIch muss die Vertr\u00e4ge erf\u00fcllen und auftreten, auch wenn ich krank bin\u201c, sagte sie.<\/p>\n<p>In den 90er-Jahren aktiv<\/p>\n<p id=\"absatz8\" class=\"schmaler\">In einer Hinsicht sei die Musik auch f\u00fcr ihn Arbeit, sagte Michael Girke. \u201eSongs zu schreiben, ist unglaublich anstrengend.\u201c Er tritt gelegentlich auf, ist auch als Publizist, Historiker und Kurator t\u00e4tig. \u201eIch bin froh, dass ich nicht von der Musik leben muss\u201c, sagte er. Mina Richman wei\u00df nicht allein die Honorare zu sch\u00e4tzen. \u201eIch treffe auf Menschen, die mir meinen Beruf erm\u00f6glichen\u201c, stellte sie fest.<\/p>\n<p id=\"absatz9\">Autor Andre Jegodka war in den 90er-Jahren im damaligen JZO aktiv. Der jetzige Kulturhistoriker fasste die Erkenntnisse des Abends so zusammen: \u201eWir sind doch alle Idealisten. Wir unterst\u00fctzen Strukturen, die kommerzielle Weise nicht funktionieren w\u00fcrden.\u201c <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Oerlinghausen. Das muss doch toll sein, so ein Leben als Musikerin und Musiker. 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