{"id":56912,"date":"2025-04-24T08:12:13","date_gmt":"2025-04-24T08:12:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/56912\/"},"modified":"2025-04-24T08:12:13","modified_gmt":"2025-04-24T08:12:13","slug":"generalsanierung-bahnstrecke-berlin-hamburg-das-lila-grauen-kommt-ab-august","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/56912\/","title":{"rendered":"Generalsanierung \u2013 Bahnstrecke Berlin\u2013Hamburg: Das lila Grauen kommt ab August"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img304688\" src=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/img\/jpeg\/640\/304688\" alt=\"In solchen Ersatzbussen werden ab August Pendler entlang der Bahnstrecke Berlin-Hamburg viel Zeit verbringen.\"\/><\/p>\n<p>In solchen Ersatzbussen werden ab August Pendler entlang der Bahnstrecke Berlin-Hamburg viel Zeit verbringen.<\/p>\n<p>Foto: dpa\/Andreas Arnold<\/p>\n<p>Noch etwas mehr als drei Monate Schonzeit haben Pendlerinnen und Pendler aus Falkensee, Nauen oder Wittenberge. Doch <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1182133.generalsanierung-ice-strecke-berlin-hamburg-lange-sperrungen-ab-august.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ab 1.\u2005August wird die Bahnstrecke Berlin\u2013Hamburg f\u00fcr acht Monate komplett gesperrt<\/a> sein. ICE werden wie bei der viermonatigen Sperrung im vergangenen Jahr \u00fcber Uelzen und Stendal umgeleitet \u2013 rund 45\u2005Minuten l\u00e4nger werden die t\u00e4glich rund 30\u2009000 Fernverkehrsfahrg\u00e4ste dann f\u00fcr die Fahrt brauchen. Etwa die H\u00e4lfte mehr Zeit als aktuell.<\/p>\n<p>Ungleich h\u00e4rter trifft es die t\u00e4glich etwa 20\u2009000 Nahverkehrs-Fahrg\u00e4ste in den Berliner und Brandenburger Abschnitten. Sie m\u00fcssen mit Ersatzbussen vorliebnehmen und zus\u00e4tzliche Umstiege in Kauf nehmen \u2013 denn direkt nach Berlin werden die Busse wegen der verstopften Stra\u00dfen nicht fahren. In der Regel in <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1187983.streckensanierung-berlinnhamburg-petition-gegen-vollsperrung-gestartet.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wustermark wird der Umstieg in Regionalz\u00fcge<\/a> in die Hauptstadt stattfinden.<\/p>\n<p>Fast drei Stunden von Wittenberge nach Berlin<\/p>\n<p>Aus Falkensee oder Nauen verdoppeln sich somit die Fahrzeiten \u2013 wenn der Anschluss klappt. Statt bestenfalls etwas unter einer Stunde mit dem Eurocity oder rund 90 Minuten mit dem RE8 muss man aus Wittenberge f\u00fcr die Fahrt zum Berliner Hauptbahnhof dann mindestens fast drei Stunden einplanen.<\/p>\n<p>Der Aufwand f\u00fcr den Ersatzverkehr ist enorm. Eine Flotte aus 173\u2005lila Bussen \u2013 die Deutsche Bahn nennt die Farbe Verkehrspurpur \u2013 wird entlang der kompletten Strecke auf 26\u2005Linien t\u00e4glich bis zu 86\u2009000 Kilometer zur\u00fccklegen.<\/p>\n<p>In der Zeit bis zum 30.\u2005April 2026 soll die 278\u2005Kilometer lange Strecke zwischen Berlin und Hamburg komplett auf Vordermann gebracht werden. 180\u2005Kilometer Gleis und 200\u2005Weichen sollen erneuert, 28 Stationen modernisiert werden. Es ist die bisher l\u00e4ngste Strecke, die die Generalsanierung, so der Name des neuen Instandsetzungskonzepts der Deutschen Bahn, durchl\u00e4uft. Premiere war im vergangenen Jahr auf der 70\u2005Kilometer langen Riedbahn zwischen Frankfurt am Main und Mannheim. Dort sind laut DB rund 1,5 Milliarden Euro investiert worden, um die Strecke von der Zustandsnote 3,7 auf 2,19 zu bringen. Urspr\u00fcnglich waren Baukosten von rund 500 Millionen Euro prognostiziert worden.<\/p>\n<p>Zustandsnote 2,3 unverbindlich angestrebt<\/p>\n<p>Die Grundinstandsetzung der Strecke zwischen Berlin und Hamburg ist bitter n\u00f6tig. Derzeit taxiert Netzbetreiber DB\u2005Infrago den Zustand mit der Schulnote\u20053,7. Das ist bemerkenswert schlecht \u2013 vor allem vor dem Hintergrund, dass bereits 2024 rund 74\u2005Kilometer Gleise und 100\u2005Weichen getauscht worden sind.<\/p>\n<p>\u00bbNach den ersten vorl\u00e4ufigen Prognosen gehen wir davon aus, dass die Zustandsnote f\u00fcr die Strecke Hamburg\u2013Berlin nach Abschluss der Generalsanierung bei\u20052,3 liegen wird\u00ab, erkl\u00e4rt eine Sprecherin der Deutschen Bahn auf Anfrage von \u00bbnd\u00ab. \u00bb\u00c4nderungen der Prognose k\u00f6nnen sich noch ergeben\u00ab, hei\u00dft es weiter.<\/p>\n<p>Das wirft ein Schlaglicht auf den immer weiter zusammengestrichenen Umfang der geplanten Arbeiten. Das <a href=\"https:\/\/www.drehscheibe-online.de\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Fanblatt \u00bbDrehscheibe\u00ab<\/a> berichtet aktuell, dass nur noch der Bau dreier neuer sogenannter \u00dcberleitstellen geplant ist. Dabei handelt es sich um Weichenverbindungen, die den Betrieb flexibler machen. Schnellere Z\u00fcge k\u00f6nnen langsamere dort beispielsweise \u00fcberholen, ohne sie auszubremsen. Auch werden die Einschr\u00e4nkungen geringer, wenn mal ein Zug liegenbleibt oder ein anderes Hindernis ein Gleis blockiert.<\/p>\n<p>Streichkonzert beim Standard<\/p>\n<p>Laut \u00bbDrehscheibe\u00ab h\u00e4tten urspr\u00fcnglich 20\u2005dieser \u00dcberleitstellen neu- oder ausgebaut werden sollen, dazu h\u00e4tten noch \u00dcberholgleise f\u00fcr lange G\u00fcterz\u00fcge entstehen sollen. Dabei war das urspr\u00fcngliche Versprechen der Generalsanierung, dass nicht nur die Bestandsstrecke saniert wird, sondern auch Verbesserungen an der Infrastruktur umgesetzt werden, die Leistungsf\u00e4higkeit und Zuverl\u00e4ssigkeit erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Deutlich eingedampft worden ist auch der Einbau der zeitgem\u00e4\u00dfen europ\u00e4ischen Signaltechnik ETCS, die ebenfalls die Leistungsf\u00e4higkeit erh\u00f6hen w\u00fcrde. Nur noch f\u00fcr zusammen 67\u2005Kilometer ist die Ausr\u00fcstung mit ETCS vorgesehen, einerseits zwischen Berlin-Spandau und Nauen, andererseits zwischen Hamburg-Rothenburgsort und B\u00fcchen.<\/p>\n<p>\u00bbDas, was man bezwecken wollte, wird nicht kommen. Es ist einfach zu teuer geworden\u00ab, sagt Thorsten M\u00fcller \u00fcber die Generalsanierung Berlin\u2013Hamburg Ende M\u00e4rz bei der Fachkonferenz Megatrends im Verkehr in Frankfurt am Main. \u00bbOffensichtlich kriegt man bei Hamburg\u2013Berlin nur noch 20\u2005Prozent davon hin, was bei der Riedbahn umgesetzt worden ist\u00ab, so der Pr\u00e4sident des Zweckverbands Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord. Dort seien die vom Netzbeirat Ende 2022 formulierten Ziele f\u00fcr Hochleistungskorridore komplett umgesetzt worden.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>&#13;<\/p>\n<p>\u00bbOffensichtlich kriegt man bei Hamburg\u2013Berlin nur noch 20\u2005Prozent davon hin, was bei der Riedbahn umgesetzt worden ist.\u00ab<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\nThosten M\u00fcller\u2003<br \/>&#13;<br \/>\nPr\u00e4sident Zweckverband SPNV Nord<\/p><\/blockquote>\n<p>Ohne die zuvor eingeplanten \u00dcberleitstellen und die neue Signaltechnik drohen laut M\u00fcller erhebliche Probleme beim Bahnbetrieb. Als Fallbeispiel nennt er einen Felssturz nahe R\u00fcdesheim an der rechten Rheinstrecke. Wegen fehlender Signale stand auf 15\u2005Kilometer Strecke nur ein Gleis zur Verf\u00fcgung. \u00bbDas war der Herzinfarkt. Statt vielleicht 50\u2005Z\u00fcgen pro Stunde kamen nur noch vier durch.\u00ab<\/p>\n<p>100 Prozent Kostensteigerung seit 2019<\/p>\n<p>Derweil galoppieren die Kosten f\u00fcr die Sanierung der Strecke Berlin\u2013Hamburg. Im Fr\u00fchjahr 2024 lag die Sch\u00e4tzung noch bei 1,7\u2005Milliarden Euro, daraus wurden im Laufe des Jahres 2,2\u2005Milliarden Euro mit Risikopuffer. Inzwischen gilt diese Summe als der Mindestpreis. Allein von 2023 auf 2024 sind die <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1190624.deutsche-bahn-schienennetz-der-bahn-drei-hundertstel-hoffnung.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kosten f\u00fcr die Erneuerung der Infrastruktur<\/a> im Netz der Deutschen Bahn laut Zustandsbericht um 20\u2005Prozent gestiegen, seit 2019 haben sie sich Beobachtern zufolge sogar verdoppelt.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gebe man vorher immer eine Kostensch\u00e4tzung, bevor es auch nur ein einziges Angebot gibt, sagte DB-Infrago-Chef Philipp Nagl vor einigen Tagen bei der Jahres-Pressekonferenz zum Netzzustand zur Sanierung der Strecke Berlin\u2013Hamburg. \u00bbDann schreiben wir das aus, und dann sehen wir, was sozusagen die Sachen wirklich kosten, und was auch leistbar ist. Und darauf designen wir dann sozusagen das finale Produkt, was dann dort gemacht wird.\u00ab<\/p>\n<p>Das Eindampfen der Pl\u00e4ne zur Ausr\u00fcstung mit der Signaltechnik ETCS beruhe auf einem \u00bbganz klaren Learning aus der Riedbahn\u00ab: \u00bbEs dauert ewig, bis es in den Betrieb geht.\u00ab Bis heute ist das ETCS, das zus\u00e4tzlich zum klassischen PZB-System installiert worden ist, nicht vollst\u00e4ndig in Betrieb, obwohl die Strecke seit \u00fcber vier Monaten wieder befahren wird.<\/p>\n<p>N\u00e4chste Sperrung in f\u00fcnf Jahren<\/p>\n<p>\u00bbWir k\u00f6nnen uns keine Doppelausr\u00fcstung in diesem gro\u00dfen Umfang leisten. Das ist einfach zu teuer und zu aufwendig\u00ab, sagt Nagl. Man habe sich daher \u00bbdaf\u00fcr entschieden, dass wir die Stellwerke zwar schon weitgehend erneuern, aber die alte Signaltechnik noch drinnen lassen\u00ab. In f\u00fcnf Jahren werde dann die restliche Strecke auf ETCS umgestellt. \u00bbDas ist in Summe billiger.\u00ab<\/p>\n<p>Damit k\u00fcndigt Philipp Nagl schon die n\u00e4chste gr\u00f6\u00dfere Sperrung der Strecke an, bevor die anstehende Sanierung begonnen hat. Bereits 2021 war die Eisenbahnlinie f\u00fcr drei Monate unterbrochen, weil gro\u00dffl\u00e4chig von Betonkrebs befallene Schwellen ausgetauscht werden mussten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In solchen Ersatzbussen werden ab August Pendler entlang der Bahnstrecke Berlin-Hamburg viel Zeit verbringen. 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