{"id":569577,"date":"2025-11-12T06:01:22","date_gmt":"2025-11-12T06:01:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/569577\/"},"modified":"2025-11-12T06:01:22","modified_gmt":"2025-11-12T06:01:22","slug":"berliner-pfarrerin-segnet-vier-maenner-die-grosse-empoerung-was-wirklich-hinter-der-polyhochzeit-steckt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/569577\/","title":{"rendered":"Berliner Pfarrerin segnet vier M\u00e4nner: Die gro\u00dfe Emp\u00f6rung \u2013 was wirklich hinter der &#8222;Polyhochzeit&#8220; steckt"},"content":{"rendered":"<p data-end=\"756\" data-start=\"360\">Die Berliner Pfarrerin Lena M\u00fcller steht aktuell im Mittelpunkt einer Debatte, die vor allem eines ist: verzerrt.<\/p>\n<p data-end=\"756\" data-start=\"360\">Am 8. November vermeldete die &#8222;Bild&#8220;: &#8222;Aus vier mach\u00a0eins! Die Berliner Pfarrerin Lena M\u00fcller (33) traute im Sommer bei einem &#8218;Pop-up-Hochzeitsfestival&#8216;\u00a0vier M\u00e4nner und machte sie so zu einem Ehepaar. Dabei ist Polygamie, also Vielehe, in Deutschland verboten.&#8220;<\/p>\n<p data-end=\"1286\" data-start=\"758\">Die Springer-Zeitung suggeriert also nonchalant, eine evangelische Pfarrerin habe vier M\u00e4nner miteinander verheiratet. Wom\u00f6glich ein gefundenes Fressen f\u00fcr ein Medium, dass seit seiner Gr\u00fcndung gut davon lebt, gezielt Emp\u00f6rung, Angst und Ressentiments in der Bev\u00f6lkerung zu sch\u00fcren.<\/p>\n<p data-end=\"1286\" data-start=\"758\">Der tats\u00e4chliche Hintergrund ist komplexer. &#8222;Vorw\u00fcrfe von Polygamie in diesem Kontext sind gegenstands- und haltlos&#8220;, stellte Bischof Christian St\u00e4blein von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) umgehend klar. In einer offiziellen Stellungnahme betonte er: &#8222;Die Evangelische Kirche traut nur Paare, die zuvor standesamtlich verheiratet wurden. Alles andere ist keine Trauung im juristischen Sinne.&#8220;<\/p>\n<p>Segnen ist nicht trauen<\/p>\n<p data-end=\"1801\" data-start=\"1288\">Tats\u00e4chlich hatte M\u00fcller im Sommer im Rahmen eines Pop-up-Hochzeitsfestivals eine gottesdienstliche Segnung f\u00fcr vier M\u00e4nner vollzogen, die sich als polyamore Gemeinschaft verstehen.<\/p>\n<p data-end=\"1801\" data-start=\"1288\">Wie sie gegen\u00fcber der &#8222;<a href=\"https:\/\/www.oz-online.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ostfriesen-Zeitung<\/a>&#8220; erkl\u00e4rte, handelte es sich um eine kleine gottesdienstliche Zeremonie: &#8222;Die vier M\u00e4nner haben sich schon l\u00e4nger gekannt. In diesem Jahr sind sie als polyamore Konstellation zusammengekommen.&#8220; Sie h\u00e4tten sich einen Trauspruch aus dem 1. Korintherbrief ausgesucht: &#8218;Die Liebe h\u00f6rt nie auf.\u2018<\/p>\n<p data-end=\"2116\" data-start=\"1803\">Gegen\u00fcber der &#8222;<a href=\"https:\/\/rp-online.de\/panorama\/religion\/polyhochzeit-pfarrerin-lena-mueller-traute-4-maenner-miteinander-bischof-distanziert-sich_aid-138606169\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rheinischen Post<\/a>&#8220; betonte M\u00fcller auch, die Beziehung sei nicht ins Kirchenbuch eingetragen worden, weil daf\u00fcr eine standesamtliche Trauung erforderlich gewesen w\u00e4re \u2013 und das sei in dieser Konstellation nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p data-end=\"2628\" data-start=\"2118\">Die &#8222;Bild&#8220;-Zeitung hat also einen wichtigen Punkt \u00fcbersehen oder bewusst ignoriert: Es gibt einen Unterschied zwischen Segnen und Trauen. Evangelische Trauungen setzen eine vorangegangene standesamtliche Ehe voraus. Das Segnen selbst kann dagegen flexibel gestaltet werden \u2013 auch in Form kleiner, experimenteller Gottesdienste wie beim Pop-up-Hochzeitsfestival, das es in \u00e4hnlicher Form auch in Bayern gibt, als <a data-entity-substitution=\"canonical\" data-entity-type=\"node\" data-entity-uuid=\"ee96c157-0b91-481e-8edf-87a2eba1aedc\" href=\"http:\/\/www.sonntagsblatt-bayern.de\/artikel\/kirche\/einfach-heiraten-2025-zwei-pfarrerinnen-ueber-bewegende-momente-die-liebe-knistert\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Einfach heiraten&#8220;<\/a>.<\/p>\n<p>Solidarit\u00e4t statt Spaltung<\/p>\n<p data-end=\"2628\" data-start=\"2118\">Die inhaltlich \u00fcberzogene Berichterstattung l\u00f6ste erwartbar einen Sturm der Entr\u00fcstung aus. Auf ihrem Instagram-Account erhielt Pfarrerin M\u00fcller zahlreiche Hasskommentare.<\/p>\n<p data-end=\"2628\" data-start=\"2118\">Die Landeskirche zeigte sich solidarisch: &#8222;Wir sind entsetzt \u00fcber den Hass, der ihr entgegenschl\u00e4gt. Wir stehen an ihrer Seite und verurteilen diese Angriffe aufs Sch\u00e4rfste. Wir stehen an der Seite derer, die Anfeindungen erleben&#8220;, hie\u00df es <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/DQ1cNt6iKey\/?igsh=dTg0M2FpMHp4b2Ju\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">in einem Statement auf Instagram<\/a>.<\/p>\n<p data-end=\"3622\" data-start=\"3115\">Auch das yeet-Netzwerk stellte sich <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/DQ31omTjH3x\/?img_index=1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">in einem Instagram-Post<\/a> hinter M\u00fcller. Die Religionsp\u00e4dagogin\u00a0Jule Grothe schrieb: &#8222;Eine Pfarrerin hat bei einem Pop-Up-Hochzeitsevent eine polyamore Beziehung gesegnet, weil Gottes Segen allen Menschen gilt.&#8220; Und Pfarrer Alex Brandl erg\u00e4nzte: &#8222;Wir m\u00fcssen nicht einer Meinung sein, um zusammenzustehen, wenn jemand Hass abbekommt.&#8220;<\/p>\n<p data-end=\"4082\" data-start=\"3624\">Die Debatte zeigt, wie Medienberichte, die auf \u00dcbertreibung und verk\u00fcrzte Darstellung setzen, leicht falsche Emp\u00f6rung erzeugen k\u00f6nnen. Indem die &#8222;Bild&#8220; aus einer Segnung eine angebliche Polygamie machte, schuf sie ein Feindbild, das Hass und Spaltung f\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Kein Skandal, sondern ein Lehrst\u00fcck<\/p>\n<p data-end=\"4353\" data-start=\"4084\">Der vermeintliche Skandal ist ein Lehrst\u00fcck daf\u00fcr, wie wichtig differenzierte Wahrnehmung in Zeiten von Social Media und Klickjournalismus ist. Nicht jede kirchliche Segnung ist eine Ehe, nicht jeder mediale Aufreger entspricht der Wirklichkeit \u2013 und h\u00f6chstwahrscheinlich bewusst gesch\u00fcrte Emp\u00f6rung darf nie das Sprechen und Handeln einer ganzen Institution bestimmen.<\/p>\n<p data-end=\"4353\" data-start=\"4084\">Kirche darf sich durch derartige Kampagnen nicht spalten lassen, sondern muss Pfarrpersonen sch\u00fctzen, die in den Fokus falsch begr\u00fcndeter Kritik geraten \u2013 auch dann, wenn sie m\u00f6glicherweise nicht alle Meinungen mit ihnen teilen.\u00a0<\/p>\n<p><script async src=\"\/\/www.instagram.com\/embed.js\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Berliner Pfarrerin Lena M\u00fcller steht aktuell im Mittelpunkt einer Debatte, die vor allem eines ist: verzerrt. 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