{"id":570039,"date":"2025-11-12T12:13:23","date_gmt":"2025-11-12T12:13:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/570039\/"},"modified":"2025-11-12T12:13:23","modified_gmt":"2025-11-12T12:13:23","slug":"tatort-ludwigshafen-nach-dem-blutrausch-folgt-das-katz-und-maus-spiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/570039\/","title":{"rendered":"\u201eTatort\u201c Ludwigshafen: Nach dem Blutrausch folgt das Katz-und-Maus-Spiel"},"content":{"rendered":"<p>In \u201eMike &amp; Nisha\u201c, der 82. Ermittlung von Lena Odenthal, geraten zwei Liebende erst in einen Blutrausch, dann in eine Katz- und Mausgeschichte. Ein Kriminalfilm wie ein kratziger Winterpullover. Und nichts f\u00fcr Katzenfreunde.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Wenn sich das Jahr dem Ende zuneigt, f\u00e4ngt man ja gern an Bilanz zu ziehen. Listen werden gemacht von Sachen, die besonders waren, an die man sich erinnern will im kommenden Jahr. Preise werden vergeben. Der beste Roman wird gek\u00fcrt, die beste Serie. Wir w\u00fcrden, bevor wir\u2019s bis zwischen den Jahren wieder vergessen, schnell den verst\u00f6rendsten \u201eTatort\u201c auszeichnen.<\/p>\n<p>Er geht an \u201eMike &amp; Nisha\u201c. Geschrieben hat ihn Annette Lober, Didi Danquart hat ihn in Szene gesetzt. Er spielt in Ludwigshafen \u2013 f\u00fcr Kriminalhauptkomissarin Lena Odenthal ist es die 82. M\u00f6rderjagd seit Ende Oktober 1989. Genauer gesagt im pf\u00e4lzischen Frankenthal. Noch genauer am Emil-Nolde-Ring. Die Isenach ist nicht weit, viel Wald und die B9. <\/p>\n<p>Die braucht man auch, um schnell weg zu kommen, nach Frankreich oder Pirmasens. Weil man am Emil-Nolde-Ring, jedenfalls nach dem, was man von ihm in \u201eMike &amp; Nisha\u201c zu Gesicht bekommt, auf gar keinen Fall \u00fcber einem der Z\u00e4une zwischen den Eigenheimen h\u00e4ngen m\u00f6chte, nicht einmal halbtot. <\/p>\n<p>Die Schaubs wohnen da. Und Gerlinde (rechts von ihnen) und Erwin (links). Gerlinde trinkt beim Vorlesen f\u00fcr ihre greise Mutter und auch sonst gern Kirschlik\u00f6r. Den Erwin, der kontrollfreakige Protofaschist von nebenan, als notgedrungener Abstinenzler verweigert, was ihn aber auch zu keinem angenehmen Zeitgenossen macht. <\/p>\n<p>Mike und Nisha k\u00f6nnten ihn vertragen, den Lik\u00f6r. Sie besuchen die Schaubs. Das sind Mikes Eltern. Die wollen in der Nacht mit dem Camper los in die Ferien. Und Mike und Nisha am n\u00e4chsten Tag heiraten. Das wollten sie ihnen rasch noch sagen. Und dass Nisha schwanger ist. <\/p>\n<p>Sie stehen vor der mit schmiedeeisernen Girlanden verzierten T\u00fcr des Hauses, in dem innenarchitektonisch und \u00fcberhaupt die Zeit seit einem halben Jahrhundert stillsteht und das \u2013 wie der ganze Emil-Nolde-Ring (in \u201eMike &amp; Nisha\u201c) \u2013 gut  als Museum f\u00fcr die Miefigkeit der fr\u00fchen Siebziger taugen w\u00fcrde. Es ist hoher Sommer, die Sonne hat die Farben aus dem Film gebrannt wie die Zeit das Leben aus den Menschen in Frankenthal. <\/p>\n<p>Dann explodiert alles<\/p>\n<p>Eine Katze haben die jungen Liebenden \u2013 ein sch\u00f6nes Paar mit gruseligen Frisuren \u2013 mitgebracht und Blumen. Die Katze, das soll Vater Schaub beruhigen, l\u00f6st keine Allergien aus. Was die Eltern allerdings mit der neuen Katze im Camper sollen, ist eine jener Fragen, die man sich in \u201eMike &amp; Nisha\u201c nicht stellen sollte. Und auch wurscht. Weil die Katze keine f\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter tot ist. <\/p>\n<p>Der Vater \u2013 Dreiviertelsommerhose, Sandalen \u2013 hat Nisha komisch angeschaut, den Sohn kann er sowieso nicht leiden. Als das mit der Schwangerschaft ruchbar wird, explodiert er. Dann explodiert \u00fcberhaupt alles. Den Vater trifft ein Sch\u00fcrhaken am Kopf. Mike und Nisha steigern sich in einen Blutrausch. <\/p>\n<p>Sowas kennt man ja. Von Familiendramen aus Boulevard-Bl\u00e4ttern. Und von Horror-Serien. Und w\u00e4re an sich verst\u00f6rend genug. F\u00fcr die eingangs erw\u00e4hnte Auszeichnung h\u00e4tte das alles allerdings nicht gereicht. Auch wenn Lorber und Danquart schon bis dahin wirklich alles getan haben, einen beklommen ahnen zu lassen, dass man an der Seite von Lena Odenthal und ihrem immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Ludwigshafener Team unterwegs zur L\u00f6sung des dunklen Geheimnisses, das dieser Detonation des B\u00fcrgerlichen zugrunde liegt, in einem fort hin- und wieder wegschauen, manchmal einfach fliehen mag aus dem Wohnzimmer. <\/p>\n<p>Es kommt ja noch schlimmer. Eine Katz- und Mausgeschichte schlie\u00dft sich an. Eine achtzigmin\u00fctige Fluchtgeschichte um gewaltige psychologische L\u00f6cher und kavernentiefe logische Br\u00fcche. Ein enormes Kunstwollen ist am Werk und geradezu abenteuerliches dramaturgisches Ungeschick.  Shakespeare wird zitiert, das Drama der beiden K\u00f6nigskinder, die nicht zueinander kommen sollten, geht einem ans Herz, Lena Odenthals neu zusammengesetztes Ludwigshafener Team schon jetzt auf die Nerven. St\u00e4ndig schwankt man zwischen Fasziniert- und Abgeschrecktsein.<\/p>\n<p>\u201eMike &amp; Nisha\u201c ist wie jener der Wollpullover, die man jetzt aus dem Schrank holt. Er ist schick, er w\u00e4rmt einen, man mag ihn sehr. Aber er kratzt, \u00fcbers Jahr ist er komischerweise zu eng geworden, zwickt am Arm und am Hals. Man will ihn ganz schnell wieder loswerden, wenn man in ihm steckt. Verst\u00f6rend. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In \u201eMike &amp; Nisha\u201c, der 82. 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