{"id":570135,"date":"2025-11-12T13:44:28","date_gmt":"2025-11-12T13:44:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/570135\/"},"modified":"2025-11-12T13:44:28","modified_gmt":"2025-11-12T13:44:28","slug":"urteil-im-bremer-prozess-um-zerstueckelte-leiche-ist-rechtskraeftig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/570135\/","title":{"rendered":"Urteil im Bremer Prozess um zerst\u00fcckelte Leiche ist rechtskr\u00e4ftig"},"content":{"rendered":"<p class=\"article-toplinewrapper\">\n<p>Standdatum: 12. November 2025.<\/p>\n<p>Autorinnen und Autoren:<br \/>\nSteffen Hudemann<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image -image-with-fallback -image-rounded  lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhEAAJAIAAAP\/\/\/\/\/\/\/yH5BAEKAAEALAAAAAAQAAkAAAIKjI+py+0Po5yUFQA7\"   alt=\"Ein Richter h\u00e4lt Prozessunterlagen (Symbolbild)\" data-image-owner=\"dpa | Volker Hartmann\" data-image-title=\"Ein Richter h\u00e4lt Prozessunterlagen (Symbolbild)\" data-image-src=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/gericht-110~_v-800x450_c-1757490267211.jpg\" data-image-rights-src=\"\/bilder\/gericht-110~_v-640x360_c-1757490267211.jpg\"\/><\/p>\n<p>Das Urteil im Prozess um den in der Bremer Neustadt get\u00f6teten Marco W. ist jetzt rechtskr\u00e4ftig. (Symbolbild)<\/p>\n<p>Bild: dpa | Volker Hartmann<\/p>\n<p class=\"article-intro\">Sie erstickten ihren Vermieter Marco W. mit einer T\u00fcte und zerst\u00fcckelten die Leiche. Rund f\u00fcnf Jahre nach der Tat hat der Bundesgerichtshof \u00fcber die Revisionen von zwei Angeklagten entschieden. <\/p>\n<p>Der Hauptangeklagte muss wegen Totschlags f\u00fcr 12 Jahre und 6 Monate ins Gef\u00e4ngnis, ein zweiter Mann wegen Beihilfe dazu f\u00fcr 5 Jahre und 6 Monate. Ihre Revision gegen das Urteil hat der Bundesgerichtshof verworfen, teilte der BGH am Mittwoch mit. Der Freispruch f\u00fcr den dritten Angeklagten war schon zuvor rechtskr\u00e4ftig geworden. Das Urteil des Landgerichts Bremen aus dem Juni 2024 kann somit nicht mehr angefochten werden.<\/p>\n<p>Der Fall war aus gleich mehreren Gr\u00fcnden bemerkenswert. Zun\u00e4chst hatte das Opfer monatelang als vermisst gegolten. Nachdem die drei sp\u00e4ter angeklagten M\u00e4nner ins Visier der Polizei geraten waren, gruben Ermittler auf der Suche nach Leichenteilen einen ganzen Acker nahe der Autobahn 1 bei Posthausen um. Die Bilder dieser Suche sorgten im Oktober 2021 f\u00fcr gro\u00dfes Aufsehen.<\/p>\n<p>Die Suche in Posthausen blieb allerdings erfolglos. Sp\u00e4ter wurden dann Teile der Leiche in einem Waldst\u00fcck bei Gyhum im Landkreis Rotenburg gefunden. Gro\u00dfe Teile der Leiche sind bis heute verschwunden.<\/p>\n<p>Grobe Fehler von Polizei und Staatsanwaltschaft<\/p>\n<p>Und noch etwas erschwerte die Aufkl\u00e4rung: Bei der Befragung der Beschuldigten unterliefen Polizei und Staatsanwaltschaft grobe Fehler. So wurde einer der Verd\u00e4chtigen \u00fcber Stunden ohne Anwalt vernommen, obwohl er mehrmals nach seinem Verteidiger verlangte. Au\u00dferdem wurde ihm suggeriert, er sei als Zeuge zur Aussage verpflichtet. Tats\u00e4chlich wurde er von den Ermittlern zu dem Zeitpunkt l\u00e4ngst als Beschuldigter gef\u00fchrt. Als solcher h\u00e4tte er das Recht gehabt, die Aussage zu verweigern.<\/p>\n<p>Aufgrund dieser T\u00e4uschung erkl\u00e4rte das Bremer Landgericht das Gest\u00e4ndnis des Angeklagten, das er in dieser Vernehmung ablegte, im Prozess f\u00fcr nicht verwertbar. Was genau sich im Haus in der Bremer Neustadt, in dem Marco W. zu Tode kam, genau abspielte, konnte dadurch nie ganz gekl\u00e4rt werden.<\/p>\n<p>Monatelanger Indizienprozess<\/p>\n<p>Erst nach einem monatelangen Indizienprozess kam die Schwurgerichtskammer des Landgerichts zur \u00dcberzeugung, dass zwei der Angeklagten f\u00fcr den Tod von Marco W. verantwortlich sind.<\/p>\n<p>Auch wenn das Urteil Bestand hat, haben Polizei und Staatsanwaltschaft aus der pannenreichen Ermittlung nun Konsequenzen gezogen. Das ist das Ergebnis einer internen Arbeitsgruppe, die der leitende Oberstaatsanwalt Janhenning Kuhn unmittelbar nach dem Urteil im Studio von buten un binnen angek\u00fcndigt hatte.<\/p>\n<p>Ermittlungseifer und fehlende Vorbereitung<\/p>\n<p>&#8222;Wir m\u00fcssen jeden Fehler, der passiert, ernst nehmen und daraus Handlungsempfehlungen ziehen&#8220;, so Kuhn heute. Demnach waren im Fall Marco W. offenbar \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Ermittlungseifer und fehlende Vorbereitung Ursachen f\u00fcr die schief gelaufene Vernehmung, in der elementare Verfahrensrechte des Beschuldigten verletzt wurden.<\/p>\n<p>Nun sollen sowohl Dezernenten der Staatsanwaltschaft als auch Kriminalpolizisten gemeinsam f\u00fcr schwierige Vernehmungssituationen besser geschult werden. Ziel sei es &#8222;handlungssicherer zu werden, was das rechtliche, aber auch das psychologische und taktische Geschehen betrifft&#8220;, sagt Kuhn. Au\u00dferdem m\u00fcsse die Staatsanwaltschaft besser auf &#8222;dynamische Ermittlungsgeschehen&#8220; vorbereitet sein, um sich von diesem Geschehen nicht &#8222;mitrei\u00dfen zu lassen&#8220;.<\/p>\n<p>Kriminalpolizei m\u00fcsse &#8222;Dinge k\u00fcnftig anders machen&#8220;<\/p>\n<p>Auch die Polizei hat Konsequenzen gezogen, sagt die Leiterin des Landeskriminalamtes Petra van Anken. Der Fall habe gezeigt, &#8222;dass wir in der gesamten Kriminalpolizei Dinge k\u00fcnftig anders machen m\u00fcssen&#8220;. Wie bei der Staatsanwaltschaft soll das durch Fortbildungen geschehen: &#8222;Wir m\u00fcssen mehr machen, um Grundlagen zu schaffen, dass meine Ermittlerinnen und Ermittler wissen, wo sind eigentlich die Grenzen in einer Vernehmung.&#8220;<\/p>\n<p>Ein weiterer Grund f\u00fcr die Fehler sei aus Sicht der Polizei die \u00dcberlastung des zust\u00e4ndigen Kommissariats, insbesondere wenn mehrere herausragende Ermittlungen gleichzeitig gef\u00fchrt werden m\u00fcssten. &#8222;Daf\u00fcr werden wir in Zukunft mehr Personal dort einbringen&#8220;, so van Anken.<\/p>\n<p>Pers\u00f6nliche Konsequenzen allerdings hatten die Rechtsverst\u00f6\u00dfe f\u00fcr die ermittelnden Beamten offenbar keine. Die rechtliche Pr\u00fcfung habe keine Anhaltspunkte daf\u00fcr ergeben.<\/p>\n<p class=\"article-legal-broadcast-reference\"><strong>Dieses Thema im Programm:<\/strong><br \/>\nbuten un binnen, 12. November 2025, 19:30 Uhr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Standdatum: 12. 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