{"id":5703,"date":"2025-04-03T18:54:09","date_gmt":"2025-04-03T18:54:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/5703\/"},"modified":"2025-04-03T18:54:09","modified_gmt":"2025-04-03T18:54:09","slug":"ruecktritt-von-museumschef-bernhard-maaz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/5703\/","title":{"rendered":"R\u00fccktritt von Museumschef Bernhard Maaz"},"content":{"rendered":"<p>Nach Informationen des Deutschlandfunks dokumentieren interne Unterlagen der Bayerischen Staatsgem\u00e4ldesammlungen (BStGS) mindestens 19 Vorw\u00fcrfe. Dazu z\u00e4hlen unter anderem sexuelle Bel\u00e4stigung Minderj\u00e4hriger sowie rassistische Bel\u00e4stigungen durch Aufsichtspersonal. Au\u00dferdem soll es laut den Unterlagen zum Missbrauch von Videoanlagen in den Museumsr\u00e4umen gekommen sein \u2013 demnach wurden diese zur rechtswidrigen Verhaltenskontrolle von Mitarbeitenden eingesetzt. In der Sicherheitszentrale sollen auch andere Datenschutz- und Sicherheitsvorschriften nicht eingehalten worden sein. <\/p>\n<p>Vorw\u00fcrfe gibt es nach Informationen des Deutschlandfunks auch bez\u00fcglich der Sicherheit der Kunstwerke in mindestens einem Haus der BStGS. Dort soll das zum Teil von Fremdfirmen gestellte Wachpersonal im Rahmen von Kontrollg\u00e4ngen auch Zugang zu Depotr\u00e4umen gehabt haben. An anderer Stelle seien originalgetreue Kopien deutscher Blanko-Reisep\u00e4sse, die f\u00fcr ein Ausstellungsobjekt hergestellt worden waren, aus einem Lagerraum gestohlen und an Mitarbeitende verteilt worden.<\/p>\n<p>              <strong>Interimsnachfolger eingesetzt<\/strong><\/p>\n<p>Der Generaldirektor der BStGS, Bernhard Maaz, muss seinen Posten r\u00e4umen. Dies gab Markus Blume, der bayerische Minister f\u00fcr Wissenschaft und Kunst (CSU), am 2.4.2025 in einer Pressekonferenz in M\u00fcnchen bekannt. Bernhard Maaz wechselt ins Zentralinstitut f\u00fcr Kunstgeschichte. Kommissarischer Nachfolger wird ab sofort der ehemalige M\u00fcnchner Kulturreferent Anton Biebl. Dieser solle \u201edas Schiff wieder auf Kurs bringen\u201c.<\/p>\n<p>              <strong>\u201eTiefe Vertrauenskrise\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Auf der Pressekonferenz \u00e4u\u00dferte sich Blume zu den Vorf\u00e4llen relativ allgemein. Es gebe \u201eHinweise und Vorw\u00fcrfe zu Fehlverhalten und Organisationsversagen\u201c. Nun w\u00fcrden \u201enotwendige Schritte\u201c und eine interne Untersuchung eingeleitet. <\/p>\n<p>\u201eWir haben zu den in den letzten Wochen aufgekommenen Vorw\u00fcrfen und gegebenen Hinweisen in den Staatsgem\u00e4ldesammlungen in aller Konsequenz notwendige Schritte eingeleitet und eine interne Untersuchung gestartet, die sich auch mit den 19 genannten Vorw\u00fcrfen befasst. Dazu haben wir eine fr\u00fchere Staatsanw\u00e4ltin ins Ministerium geholt, die als Untersuchungsf\u00fchrerin diesen Vorw\u00fcrfen nachgehen wird. Die Ergebnisse der Untersuchung m\u00fcssen zun\u00e4chst abgewartet werden.\u201c<\/p>\n<p>Aus den Unterlagen, die dem Deutschlandfunk vorliegen, geht hervor, dass verschiedene der erhobenen Vorw\u00fcrfe der zust\u00e4ndigen Fachabteilung K im Museum seit Monaten bekannt sind. Minister Blume sagte dazu: \u201eVieles ist erst in den vergangenen Wochen so formuliert oder platziert worden, dass es angekommen ist.\u201c Ob sich daraus weitere personelle Konsequenzen erg\u00e4ben, m\u00fcssten die Untersuchungen zeigen. <\/p>\n<p>Der neue Interimschef des BStGS Biebl sprach in einem ersten Statement von einer \u201etiefen Vertrauenskrise\u201c. Zuvor hatte Markus Blume bereits gesagt: \u201eWir k\u00f6nnen nicht zufrieden sein mit der inneren Verfasstheit der bayerischen Museen.\u201c Ob die Stelle eines Generaldirektors neu ausgeschrieben wird oder ob die 18 einzelnen H\u00e4user im Zuge der geplanten, bislang von Biebl koordinierten sogenannten Museumsoffensive mehr Autonomie erhalten, wird nach Angaben des Staatsministers gepr\u00fcft. Neben Berlin, Dresden und Weimar sind die BStGS einer der gr\u00f6\u00dften deutschen Museumsverbunde, zu den BStGS geh\u00f6ren auch die weltbekannten M\u00fcnchner Pinakotheken.<\/p>\n<p>Am Ende geht es auch um die Frage, ob die Museen eine grundlegende Strukturreform brauchen \u2013 mit verpflichtenden Sicherheitsschulungen, besserer Ausbildung im Publikumsumgang und klaren Schutzkonzepten, etwa f\u00fcr Frauen und Minderj\u00e4hrige.<\/p>\n<p>              <strong>Kritik an Provenienzforschung<\/strong><\/p>\n<p>Die nun bekannt gewordenen Vorw\u00fcrfe schlie\u00dfen an die bereits seit l\u00e4ngerem gef\u00fchrte Raubkunst-Debatte an. Schon vor Wochen war es zu Kritik an der Restitutionspolitik der bayerischen Staatsregierung gekommen: Nachfahren von j\u00fcdischen Kunstbesitzern und deren Rechtsanw\u00e4lte hatten verlangt, dass der Freistaat bei der Provenienzforschung zu NS-Raubkunst transparenter und schneller arbeiten m\u00fcsse. <\/p>\n<p>Die Staatsgem\u00e4ldesammlungen, die unter anderem die ber\u00fchmten Pinakotheken in M\u00fcnchen betreiben, standen im Zentrum der Kritik: Die Nachfahren von enteigneten j\u00fcdischen Kunstbesitzern seien von den Staatsgem\u00e4ldesammlungen nicht \u00fcber NS-Raubkunst in deren Besitz informiert worden \u2013 und das, obwohl die Herkunft der geraubten Werke teils schon jahrelang bekannt sei. <\/p>\n<p>Charlotte Knobloch, die Pr\u00e4sidentin der Israelitischen Kultusgemeinde M\u00fcnchen und Oberbayern, schrieb in einem Gastbeitrag f\u00fcr die &#8222;S\u00fcddeutsche Zeitung&#8220;: &#8222;Dass heute, 80 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus und mehr als 25 Jahre nach der Unterzeichnung der Washingtoner Prinzipien, auch nur der Verdacht besteht, dass Nachkommen der einstigen Eigent\u00fcmer von Raubkunst hingehalten und von einem der bedeutendsten Museen des Landes Kunstwerke zur\u00fcckgehalten werden, ist unertr\u00e4glich. Bekenntnisse zur historischen Verantwortung haben wir lange genug geh\u00f6rt.&#8220;<\/p>\n<p>Die Sammlungen wiesen die Vorw\u00fcrfe damals zur\u00fcck. Dennoch votierte der Bayerische Landtag einstimmig daf\u00fcr, mehr Transparenz und Tempo bei der R\u00fcckgabe von Raubkunst anzustreben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nach Informationen des Deutschlandfunks dokumentieren interne Unterlagen der Bayerischen Staatsgem\u00e4ldesammlungen (BStGS) mindestens 19 Vorw\u00fcrfe. 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