{"id":570439,"date":"2025-11-12T17:34:15","date_gmt":"2025-11-12T17:34:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/570439\/"},"modified":"2025-11-12T17:34:15","modified_gmt":"2025-11-12T17:34:15","slug":"fremde-pflanzenarten-fuegen-sich-schneller-als-gedacht-in-natur-ein-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/570439\/","title":{"rendered":"Fremde Pflanzenarten f\u00fcgen sich schneller als gedacht in Natur ein \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Fremde Pflanzenarten f\u00fcgen sich mit der Zeit immer besser in heimische Nahrungsnetzwerke ein. Dabei ist es nicht so wichtig, woher die Pflanze urspr\u00fcnglich kommt oder ob sie mit heimischen Pflanzen verwandt ist. Viel bedeutsamer ist es, wie weit sie sich verbreitet hat und wie lange sie schon in Europa w\u00e4chst. Je l\u00e4nger sie angesiedelt und je h\u00f6her ihr Verbreitungsgebiet ist, desto mehr kleinere Pflanzenfresser wie Miniermotten, Gallm\u00fccken oder Blattl\u00e4use nutzen sie \u2013 wobei sich dann \u00e4hnlich vielf\u00e4ltige Interaktionen wie bei heimischen Pflanzen einstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Zu dieser Erkenntnis kommen Forschende der Universit\u00e4t Leipzig und des <a href=\"http:\/\/www.idiv.de\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Deutschen Zentrums f\u00fcr integrative Biodiversit\u00e4tsforschung (iDiv)<\/a> unter der Leitung von Dr. Ingmar Staude. Ihre Studie haben sie gerade in der Fachzeitschrift \u201eEcology Letters\u201c ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Lange Zeit dachten Wissenschaftler:innen, dass hierzulande neu angesiedelte Pflanzen weniger als Nahrung oder Wirt f\u00fcr heimische Tiere und Pilze dienen, weil sie keine gemeinsame Entwicklungsgeschichte mit der heimischen Tierwelt teilen und sich deshalb besonders stark ausbreiten k\u00f6nnen. Die Studie habe diesen Anfangszustand best\u00e4tigt, so Staude.<\/p>\n<p>Sie zeigte aber auch, dass sich das mit der Zeit \u00e4ndert: Nach einigen Jahrhunderten werden viele dieser Pflanzen zunehmend von Pflanzenparasiten genutzt. Im Gegensatz zu Best\u00e4ubern haben kleine Pflanzenfresser eigentlich einen sehr hohen Spezialisierungsgrad auf heimische Pflanzen, was die Forschungsergebnisse nach Einsch\u00e4tzung Staudes umso \u00fcberraschender macht.<\/p>\n<p>Die Rolle der Kleinstpflanzenfresser<\/p>\n<p>\u201eWir beobachten in diesem Zusammenhang jedoch auch, dass die kleinen Pflanzenfresser, die mit fremden Pflanzenarten interagieren, im Mittel generalistischer sind und ein breiteres Spektrum an Wirtspflanzen nutzen als jene, die mit heimischen Pflanzenarten interagieren\u201c, erkl\u00e4rt Staude.<\/p>\n<p>Das bedeute auf der einen Seite, dass sich die Natur besser und schneller an neue Pflanzen anpassen kann als bisher angenommen, aber auf der anderen Seite auch, dass heimische Pflanzenarten essenziell sind, um die hohe Diversit\u00e4t von hoch spezialisierten Kleinstpflanzenfressern aufrechtzuerhalten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Kanadische-Goldrute-6911ed277bbfd.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-638848 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Kanadische-Goldrute-6911ed277bbfd.jpg\" alt=\"Die in Europa nichtheimische Kanadische Goldrute, befallen von dem hier weitverbreiteten und heimischen phytoparasitischen Kleinpilz Podosphaera erigerontis-canadensis, der zu den Echten Mehltauen geh\u00f6rt und ein breites Wirtsspektrum besitzt. Bild: Dr. Ingmar Staude\" width=\"2250\" height=\"1500\"  \/><\/a>Die in Europa nichtheimische Kanadische Goldrute, befallen von dem hier weitverbreiteten und heimischen phytoparasitischen Kleinpilz Podosphaera erigerontis-canadensis, der zu den Echten Mehltauen geh\u00f6rt und ein breites Wirtsspektrum besitzt. Bild: Dr. Ingmar Staude<\/p>\n<p>\u201eUnsere Studie beruht auf einer Datensynthese, in der wir verschiedene Informationsquellen zusammengef\u00fchrt haben. Daf\u00fcr hatten wir Zugriff auf eine paneurop\u00e4ische Datenbank, die \u00fcber 127.000 Interaktionen zwischen 12.000 Pflanzen und 26.000 kleinen Pflanzenfressern dokumentiert.<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzt haben wir diese Daten mit Informationen zu den Pflanzen, darunter ihre Verbreitung in Europa, ihr Einf\u00fchrungszeitpunkt, ihre geografische Herkunft und ihre Verwandtschaft zu heimischen Arten\u201c, sagt Lara Schulte, die die Studie gemeinsam mit Miriam Wahl im Rahmen ihrer Bachelorarbeiten an der Universit\u00e4t Leipzig erarbeitet hat.<\/p>\n<p>\u201eMit Hilfe statistischer Modelle konnten wir so untersuchen, welche dieser Faktoren bestimmen, wie stark sich nichtheimische Pflanzen in \u00f6kologische Netzwerke integrieren\u201c, erg\u00e4nzt Wahl.<\/p>\n<p>Die Forschungsergebnisse erleichtern die Einsch\u00e4tzung, wie neue Pflanzenarten in bestehende \u00d6kosysteme eingebunden werden. Sie zeigen, dass sich \u00f6kologische Netzwerke mit der Zeit an ver\u00e4nderte Floren anpassen k\u00f6nnen, was f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis von Artenwanderungen, speziell auch im weiteren Verlauf des Klimawandels, wichtig ist.<\/p>\n<p>\u201eDieses Wissen kann dazu beitragen, Risiken durch nichtheimische Arten differenzierter zu bewerten. Damit leistet die Studie einen Beitrag dazu, Naturschutz- und Managementstrategien an eine sich wandelnde Artenzusammensetzung anzupassen\u201c, erl\u00e4utert Ingmar Staude.<\/p>\n<p>Die Forschenden haben in ihrer Studie untersucht, wie viele verschiedene Tiere mit den fremden Pflanzen in Kontakt kommen. Nicht erforscht wurde, um welche Arten von kleinen Pflanzenfressern es sich genau handelt, wie stark sie die Pflanzen sch\u00e4digen oder was das f\u00fcr heimische Arten bedeutet. Diese Fragen k\u00f6nnten k\u00fcnftig zum besseren Verst\u00e4ndnis beitragen, wie sich fremde Pflanzen in das bestehende \u00d6kosystem einf\u00fcgen.<\/p>\n<p><strong>Originaltitel der Ver\u00f6ffentlichung in \u201eEcology Letters\u201c<\/strong>: <a href=\"http:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/10.1111\/ele.70247\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eNon-native plants attain native levels of microherbivory richness with time and range expansion\u201d<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Fremde Pflanzenarten f\u00fcgen sich mit der Zeit immer besser in heimische Nahrungsnetzwerke ein. 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