{"id":570747,"date":"2025-11-12T20:29:23","date_gmt":"2025-11-12T20:29:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/570747\/"},"modified":"2025-11-12T20:29:23","modified_gmt":"2025-11-12T20:29:23","slug":"sheroes-in-frankfurt-afrikas-heldinnen-im-rampenlicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/570747\/","title":{"rendered":"\u201eSheroes\u201c in Frankfurt: Afrikas Heldinnen im Rampenlicht"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Geschichte von \u201eCindy &amp; Zoa\u201c hat Reine Dibussi in einer erfundenen Stadt und einem fiktiven zentralafrikanischen Staat angesiedelt. Es geht um zwei junge Frauen, die zusammen in einer WG wohnen und irgendwann feststellen, dass sie sich ineinander verliebt haben. Dibussi selbst lebt in Frankreich und stammt aus <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"8cc6a9b175b3ed4adf2c8441437293debb5630a9\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/sport\/thema\/kamerun\" title=\"Kamerun\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kamerun<\/a>. In ihrem afrikanischen Herkunftsland wollte sie die Geschichte nicht spielen lassen \u2013 und k\u00f6nnte sie dort auch nicht ver\u00f6ffentlichen, so die Autorin: \u201eIn Kamerun ist Homosexualit\u00e4t illegal.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Auch in ihrem Comic ringen die Studentinnen darum, wie sie mit ihrer Liebe umgehen sollen. Offen leben d\u00fcrfen sie ihre Beziehung nicht, auch wenn gleichgeschlechtliche Liebe in ihrem fiktiven Staat nicht verboten ist. H\u00e4tte jemand gesehen, wie zwei Frauen sich k\u00fcssen, w\u00e4ren sie wom\u00f6glich gelyncht worden, \u00fcberlegt eine der beiden Heldinnen: \u201eObwohl das hier nicht mehr strafbar ist, sind Leute wie ich noch lange nicht sicher.\u201c<\/p>\n<p>Vorbilder sind gefragt<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">In der Ausstellung \u201eSheroes \u2013 Comic Art from Africa\u201c des Weltkul\u00adturen Museums in Frankfurt stellt Dibussi ihren Comic vor, der Teile ihrer eigenen Erfahrungen spiegele. Sie sei schwarz, eine Frau und au\u00dferdem auch noch queer. Sie sei gewarnt worden, es sei kompliziert, diese Themen alle auf einmal in einem Comic unterzubringen, sagt sie. Genau deshalb seien Identifikationsfiguren n\u00f6tig, \u201ef\u00fcr Menschen wie mich\u201c. F\u00fcr sie habe sie den ersten Comic \u00fcber afrikanische queere Frauen ver\u00f6ffentlicht. \u201eWie leben wir unser Leben?\u201c Das habe sie zeigen wollen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"K\u00e4mpfen f\u00fcr ein anderes Afrika: Die \u201eMoongirls\u201c (2016) von Akosua Hanson streiten gegen das Patriarchat, gegen Neokolonialismus und Homophobie.\" height=\"3000\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/kaempfen-fuer-ein-anderes.jpg\" width=\"2167\" class=\"sm:w-content-xs w-full\" tabindex=\"0\"\/>K\u00e4mpfen f\u00fcr ein anderes Afrika: Die \u201eMoongirls\u201c (2016) von Akosua Hanson streiten gegen das Patriarchat, gegen Neokolonialismus und Homophobie.Weltkulturen Museum<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Neue Perspektiven er\u00f6ffnen die Comic-Autorinnen und Illustratorinnen der Ausstellung, zeigen das Leben endlich einmal auch aus afrikanischer und aus weiblicher Sicht: mit ihren Heldinnen, den \u201eSheroes\u201c, wie das aus den Worten \u201eshe\u201c und \u201eheroes\u201c zusammengesetzte Wort schon verr\u00e4t.<\/p>\n<p>Von M\u00e4nnern gepr\u00e4gt<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Lange seien Comics von der amerikanischen, europ\u00e4ischen und japanischen Kultur dominiert worden, sagt Kuratorin Julia Friedel. Und von M\u00e4nnern gepr\u00e4gt: \u201eJetzt stehen die Heldinnen im Vordergrund.\u201c Seit einigen Jahren gebe es immer mehr afrikanische Comicautorinnen und Zeichnerinnen. Mit Start-up-Studios, digitalen Plattformen und Comic-Festivals in <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/afrika\" title=\"Afrika\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Afrika<\/a> bedienten sie eine steigende Nachfrage.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Zu bieten haben sie vielf\u00e4ltige, neue Geschichten, phantasievoll, aufregend und verr\u00fcckt, mit Heldinnen, die klug und stark sind oder auch einmal verletzlich. Mal geht es um Superheldinnen, die gegen Umweltkatastrophen und soziale Ungerechtigkeit k\u00e4mpfen wie die \u201eMoongirls\u201c der Schriftstellerin und Multimedia-K\u00fcnstlerin Akosua Hanson, deren junge schwarze Protagonistinnen von realen Aktivistinnen in Ghana inspiriert sind.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Invasion der Au\u00dferirdischen: In \u201eZufan\u201c, 2023, wehrt sich die Pr\u00e4sidentin der African Alliance gegen Kolonialisierungsversuche des Planeten Mero.\" height=\"3000\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/invasion-der-ausserirdischen.jpg\" width=\"1894\" class=\"sm:w-content-xs w-full\" tabindex=\"0\"\/>Invasion der Au\u00dferirdischen: In \u201eZufan\u201c, 2023, wehrt sich die Pr\u00e4sidentin der African Alliance gegen Kolonialisierungsversuche des Planeten Mero.Weltkulturen Museum<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Oder eine Heldin mit Kr\u00fccken steht im Vordergrund: Farida Bedwei, eine ghanaische Software-Ingenieurin und Autorin, leidet an Zerebralparese, einer Beeintr\u00e4chtigung ihrer Bewegungsf\u00e4higkeit, hat aber ihre ebenfalls eingeschr\u00e4nkte Heldin in dem Comic \u201eKarmzah\u201c mit \u00fcbernat\u00fcrlichen F\u00e4higkeiten ausgestattet: Ein Zauberer hat ihren Kr\u00fccken Superkr\u00e4fte verliehen.<\/p>\n<p>Poppig und farbenfroh<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Werke von rund zwanzig K\u00fcnstlerinnen, unter ihnen wenige K\u00fcnstler, sind in der Ausstellung zu sehen. Jede afrikanische Comicautorin wird mit einer kurzen Biographie und Audiointerviews vorgestellt, neben Ausz\u00fcgen aus ihrem Werk und gro\u00dfen Comic-Bildern an der Wand und Figuren, die einen mit gro\u00dfen Augen anschauen. Das sieht poppig aus, farbenfroh und einladend. Nicht umsonst gelten Comics als nicht elit\u00e4r und jugendlich.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">In der Ausstellung gibt es einen Lesesaal, der ohne Eintritt zug\u00e4nglich ist \u2013 dort kann man in Ruhe st\u00f6bern und auch wiederkommen. Denn ob es um Abenteuer, Liebe, historische Ereignisse oder Politik geht \u2013 mit ihrer Kombination aus Bild und Text sind Comics zug\u00e4nglicher als das gedruckte Wort allein, so Kuratorin Friedel. Und ein Comic sei, weil das recht kosteng\u00fcnstige Medium wenig Equipment zur Herstellung erfordere, auch einfacher zu produzieren als zum Beispiel Videospiele oder Filme.<\/p>\n<p>Lange Tradition des Erz\u00e4hlens<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Dass es in Afrika eine lange eigene Tradition des visuellen Erz\u00e4hlens gibt, auch darauf verweist die Schau. An die \u00e4thiopischen Manuskripte, die Sensuls, die seit dem sp\u00e4ten 15. Jahrhundert religi\u00f6se Geschichten in Bild und Text erz\u00e4hlen, kn\u00fcpft Beserat Debebe mit dem Begriff Sensi\u2019il f\u00fcr Comics an. Zur Welt gekommen und aufgewachsen ist er in Addis Abeba, er habe sich schon als Kind f\u00fcr Fantasy-Geschichten interessiert, sagt er. In den USA lernte er Comics, Graphic Novels und Mangas kennen.<\/p>\n<p>Au\u00dferirdische gegen African Alliance<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Irgendwann habe er den Mut gefasst, die Geschichten zu erschaffen, die er schon immer habe sehen wollen: \u201eErz\u00e4hlungen, die sich mit der Geschichte und Mythologie Afrikas auseinandersetzen.\u201c In seinem Comic \u201eZufan\u201c bedr\u00e4ngen zwar Au\u00dferirdische die Menschen auf der Erde, die Science-Fiction-Story, in der sich die Pr\u00e4sidentin der African Alliance gegen die Gesandten des Planeten Mero wehrt, bezieht sich aber auf ein wichtiges Kapitel in der Geschichte \u00c4thiopiens, den Widerstand Kaiser Meneliks II. gegen die Kolonialisierungsversuche Italiens im 18. Jahrhundert.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Vorbilder sind also gefragt, Mutmacherinnen, die auch im Alltag zur Identifikation taugen. Wie die Figur \u00c9b\u00e8ne Duta, eine Studentin aus Kamerun in Br\u00fcssel, deren Leben Jo\u00eblle \u00c9p\u00e9e Mandengue in ihrem ersten, durch Crowdfounding finanzierten und 2016 ver\u00f6ffentlichten Comic schildert. Mandengue erz\u00e4hlt von den tagt\u00e4glichen Missverst\u00e4ndnissen, die es interkulturell gibt, mit Humor. Und lacht auch selbst viel.<\/p>\n<p>KI-Artikelchat nutzen<\/p>\n<p>Mit der kostenlosen Registrierung nutzen Sie Vorteile wie den Merkzettel.&#13;<br \/>\n                Dies ist&#13;<br \/>\n                kein Abo und kein Zugang zu FAZ+&#13;<br \/>\n                Artikeln.<\/p>\n<p>Sie haben Zugriff mit Ihrem Digital-Abo.<\/p>\n<p>Vielen Dank f\u00fcr Ihre Registrierung<\/p>\n<p>            <a data-registered-resend=\"\" adobe-track=\"true\"\/><br \/>\n            <a data-loggedin-continue=\"\" adobe-track=\"true\"\/><br \/>\n            <a data-login=\"\" adobe-track=\"true\"\/><br \/>\n            <a data-register=\"\" adobe-track=\"true\"\/><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Wahrscheinlich, weil sie einige der geschilderten Szenen selbst erlebt haben k\u00f6nnte. Immerhin stammt sie, wie ihre Heldin, aus Kamerun und hat in Belgien studiert. Es sei ihr wichtig, dass man miteinander ins Gespr\u00e4ch komme, sagt sie: \u201eWir sollten uns gegen\u00fcber denen \u00f6ffnen, die wir nicht kennen.\u201c Andere, Fremde kennenlernen: Die Comics \u00f6ffnen den Weg hierzu.<\/p>\n<p>\u25a0 Sheroes \u2013 Comic Art from Africa Weltkulturen Museum, Schaumainkai 29-37, Frankfurt, bis 30. August 2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Geschichte von \u201eCindy &amp; Zoa\u201c hat Reine Dibussi in einer erfundenen Stadt und einem fiktiven zentralafrikanischen Staat&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":570748,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1829],"tags":[29,2050,2051,30,2052],"class_list":{"0":"post-570747","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-frankfurt-am-main","8":"tag-deutschland","9":"tag-frankfurt","10":"tag-frankfurt-am-main","11":"tag-germany","12":"tag-hessen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115538622631044960","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/570747","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=570747"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/570747\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/570748"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=570747"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=570747"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=570747"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}