{"id":570762,"date":"2025-11-12T20:37:17","date_gmt":"2025-11-12T20:37:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/570762\/"},"modified":"2025-11-12T20:37:17","modified_gmt":"2025-11-12T20:37:17","slug":"bildung-trotz-lehrermangel-berlin-kuerzt-bei-lehramtsstudium","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/570762\/","title":{"rendered":"Bildung \u2013 Trotz Lehrermangel: Berlin k\u00fcrzt bei Lehramtsstudium"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img314025\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/314025.jpeg\" alt=\"Um Lehrer zu werden, nehmen Studierende einige Strapazen auf sich. K\u00fcrzungen des Senats k\u00f6nnten die Situation verschlechtern.\"\/><\/p>\n<p>Um Lehrer zu werden, nehmen Studierende einige Strapazen auf sich. K\u00fcrzungen des Senats k\u00f6nnten die Situation verschlechtern.<\/p>\n<p>Foto: dpa\/Jens Kalaene<\/p>\n<p>\u00bbEs gibt Studierende, die echt Bock auf diesen Beruf haben. Aber leider kann man das Studium aktuell nicht empfehlen\u00ab, sagt Kevin Gumprecht auf einer Pressekonferenz der Bildungsgewerkschaft GEW am Mittwoch. Gumprecht studiert Sport und Politik auf Lehramt. Nicht nur die Aussicht auf eine katastrophale Unterbesetzung an Berliner Schulen macht ihm zu schaffen, auch der Zustand seines Studiengangs. Und es k\u00f6nnte noch schlimmer werden. Am Freitag wird im Hauptausschuss dar\u00fcber abgestimmt, ob die Sonderprogramme \u00bbBeste Lehrkr\u00e4ftebildung\u00ab und \u00bbSteigerung Lehramtsabsolvierende\u00ab, f\u00fcr die 2025 noch 19\u2005Millionen Euro vorgesehen waren, dem Rotstift zum Opfer fallen.<\/p>\n<p>Sonderprogramme f\u00fcrs Lehramt<\/p>\n<p>Die beiden Programme waren unter Rot-Rot-Gr\u00fcn aufgesetzt worden, um die Universit\u00e4ten mit mehr Personal auszustatten und so mehr Lehramtsstudierende zum Abschluss zu bringen. Die aktuelle schwarz-rote Koalition will die Mittel in die Hochschulvertr\u00e4ge aufnehmen. Philipp Dehne von der Initiative Schule f\u00fcr alle h\u00e4lt das f\u00fcr Augenwischerei. Bei den Hochschulvertr\u00e4gen werde auch gek\u00fcrzt. F\u00fcr 2025 wurde den Hochschulen eine Sparauflage <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1192429.wissenschaft-kuerzungen-an-berliner-unis-mit-dem-beil-statt-dem-skalpell.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">in H\u00f6he von 145\u2005Millionen Euro auferlegt<\/a>. Zwar sollen im kommenden Jahr <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1192849.hochschulvertraege-unis-in-berlin-sparhammer-mit-federung.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die Landeszusch\u00fcsse wieder steigen<\/a>, doch sie bleiben unter dem Niveau von 2024. Im Hinblick auf die Sonderprogramme sagt Dehne: \u00bbDas hei\u00dft, diese Summen sind futsch.\u00ab<\/p>\n<p>Neben den K\u00fcrzungen sollen die Ausbildungsziele der Universit\u00e4ten gestutzt werden. Bislang sollen sie pro Jahr 2500 neue Lehrkr\u00e4fte ausbilden. K\u00fcnftig soll dieses Ziel auf 2200 sinken. \u00bbDiese Zahl hat nichts mit dem Bedarf zu tun\u00ab, sagt Felicia Kompio von der GEW Berlin. Au\u00dferdem w\u00fcrden die Ziele schon jetzt nicht erreicht. 2022 schlossen nur 1259 Personen das Studium ab. \u00bbDas hat mit der Attraktivit\u00e4t des Studiums zu tun.\u00ab<\/p>\n<p>Probleme der Studierenden<\/p>\n<p>Gumprecht etwa wird sein Studium nicht in der Regelstudienzeit abschlie\u00dfen k\u00f6nnen. Das hat mehrere Gr\u00fcnde. Einer davon: ein fehlender Schwimmkurs. \u00bbEs gibt 400\u2005Bewerber*innen f\u00fcr 80\u2005Pl\u00e4tze. Ohne dieses Seminar werde ich Folgemodule nicht belegen k\u00f6nnen\u00ab, sagt er. Dazu kommen die teuren Lebenshaltungskosten. 75\u2005Prozent aller Lehramtsstudierenden seien berufst\u00e4tig, vor allem in Schulen. \u00bbUm beim Beispiel des Schwimmkurses zu bleiben: Dann f\u00e4llt der vielleicht auf einen Tag, an dem ich an der Schule arbeite. Dann stehe ich vor der Wahl: Lebensunterhalt oder Regelstudienzeit.\u00ab<\/p>\n<p>Probleme bei der Kursplatzvergabe haben auch andere. Bei Studierenden, die Lehrer*innen f\u00fcr Englisch, Franz\u00f6sisch oder Spanisch werden wollen, mangele es an Sprachkursen, so der Student. Und in den Naturwissenschaften seien es Tutorien. Auch bei der Betreuung der Abschlussarbeiten hapert es. \u00bbIch bin noch im Bachelor, mir wird aber jetzt schon geraten, einen Betreuer f\u00fcr meine Masterarbeit zu suchen.\u00ab<\/p>\n<p>Neben fehlenden Pl\u00e4tzen f\u00fcr Pflichtkurse bem\u00e4ngelt Gumprecht auch die Betreuung an den Universit\u00e4ten. Die Kurse seien so voll, dass ein Austausch kaum m\u00f6glich sei. Viele Kompetenzen w\u00fcrden nicht vermittelt. Abhilfe daf\u00fcr schaffen ehrenamtliche Initiativen wie der Verein Kreidestaub, in dem Gumprecht aktiv ist. Kreidestaub organisiert unter anderem Lernreisen und Hospitationen. In den letzten Jahren h\u00e4tten \u00fcber 1000 Studierende an den vom Verein organisierten Aktivit\u00e4ten teilgenommen. Gumprecht meint, dass diese Aufgaben eigentlich von den Universit\u00e4ten \u00fcbernommen werden m\u00fcssten. Die geplanten K\u00fcrzungen h\u00e4lt er deswegen f\u00fcr ein \u00bbfatales Signal\u00ab.<\/p>\n<p>Lehrkr\u00e4ftemangel an Schulen<\/p>\n<p>Bedarf an neuen Lehrer*innen gibt es auf jeden Fall. \u00bbBis 2030 haben wir j\u00e4hrlich einen Einstellungsbedarf von 4000 Stellen\u00ab, sagt Philipp Dehne. Schon jetzt gebe es einen erheblichen Mangel. Laut GEW sind 1300 Vollzeitstellen nicht besetzt \u2013 mit entsprechenden Folgen.<\/p>\n<p>Der Mangel werde <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1193717.lehrkraefte-mangel-berliner-schulstart-mit-personalluecke.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">durch die Bildungsverwaltung verschleiert<\/a>, sagt Matthias J\u00e4hne von der GEW. Diese spricht offiziell von 322\u2005fehlenden Lehrkr\u00e4ften. Die Diskrepanz ergibt sich zum einen dadurch, dass Referendar*innen nicht mehr sieben, sondern zehn Stunden pro Woche unterrichten m\u00fcssen \u2013 rechnerisch 470\u2005Vollzeitstellen. Au\u00dferdem seien kurzerhand 500\u2005Stellen f\u00fcr die Einstellung anderer Berufsgruppen umgewandelt worden, etwa Erzieher*innen oder Psycholog*innen. Und: Ein betr\u00e4chtlicher Teil der neu eingestellten Lehrkr\u00e4fte sind Quereinsteiger*innen.<\/p>\n<p>Nur circa 23\u2005Prozent der neu eingestellten Lehrkr\u00e4fte w\u00fcrden \u00fcber eine vollst\u00e4ndige Lehramtsausbildung verf\u00fcgen, erkl\u00e4rt J\u00e4hne. \u00bbDie Schulen stopfen L\u00fccken.\u00ab Die Unterst\u00fctzung sei enorm wichtig, ersetze aber nicht die Arbeit der Lehrkr\u00e4fte. \u00bbEin Medienp\u00e4dagoge gibt keinen Matheunterricht.\u00ab Philipp Dehne sagt, bei der Lehrkr\u00e4fteausbildung zu k\u00fcrzen, sei \u00bbabsolut verantwortungslos\u00ab.<\/p>\n<p>Wegen dieser Zust\u00e4nde fordert die GEW, dass die Sonderprogramme weitergef\u00fchrt und ausfinanziert werden sollen und die Zielzahl f\u00fcr Lehramtsabsolvent*innen bei 2500 bleibe. Bezogen auf die Situation an den Schulen fordert die Gewerkschaft die Landesregierung auf, die Zahl der fehlenden Lehrkr\u00e4fte \u00bbehrlich und transparent\u00ab darzustellen.<\/p>\n<p>Unterst\u00fctzung bekommt die GEW von der Opposition. \u00bbAuch wir sehen die K\u00fcrzungen im Bereich der Lehrkr\u00e4ftebildung mit gro\u00dfer Sorge und teilen die Bedenken von GEW Berlin, Schule muss anders und Kreidestaub\u00ab, teilen Laura Neugebauer, Sprecherin f\u00fcr Wissenschaft und Forschung, und Louis Kr\u00fcger, Sprecher f\u00fcr Schulpolitik mit. Beide sitzen f\u00fcr die Gr\u00fcnen im Abgeordnetenhaus.<\/p>\n<p>\u00bbSchwarz-Rot bringt mit diesem \u00c4nderungsantrag nicht nur den vom Vorg\u00e4ngersenat angesto\u00dfenen, dringend ben\u00f6tigten Kapazit\u00e4tsausbau zum Erliegen\u00ab, erkl\u00e4rt Franziska Brychcy, bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus. Dadurch w\u00fcrden absehbar noch weniger Studierende ihr Studium erfolgreich zum Abschluss bringen, obwohl das Land Berlin nach wie vor h\u00e4nderingend Lehrkr\u00e4fte suche.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Um Lehrer zu werden, nehmen Studierende einige Strapazen auf sich. K\u00fcrzungen des Senats k\u00f6nnten die Situation verschlechtern. 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