{"id":57139,"date":"2025-04-24T10:17:09","date_gmt":"2025-04-24T10:17:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/57139\/"},"modified":"2025-04-24T10:17:09","modified_gmt":"2025-04-24T10:17:09","slug":"was-mit-dem-wald-passiert-wenn-der-golfstrom-kollabiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/57139\/","title":{"rendered":"Was mit dem Wald passiert, wenn der Golfstrom kollabiert"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 24.04.2025 11:00 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Mit dem Klima wird sich die Vegetation ver\u00e4ndern. Eine neue Studie modelliert, welche Folgen die Erderw\u00e4rmung f\u00fcr europ\u00e4ische W\u00e4lder hat, und zeigt, wie sich der Wald ver\u00e4ndert, wenn der Golfstrom zum Erliegen kommt.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Gina La Mela und Max K\u00f6hler, SWR\n                        <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nZwischen hochgewachsenen Kiefern und Eichen im Hardtwald bei Karlsruhe ist eine freie Fl\u00e4che. Auf ihr stehen kleine B\u00e4ume im Abstand voneinander. Es sieht ein bisschen aus wie eine Weihnachtsbaum-Plantage. &#8222;Wir versuchen neue Erfahrungen mit Baumarten zu gewinnen&#8220;, sagt Alexander Abt. Er ist F\u00f6rster bei Forst BW, einem Unternehmen, das mehr als 300.000 Hektar Staatswald verwaltet.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuf der Versuchsfl\u00e4che stehen die Baumarten Douglasie, Atlas-Zeder, Libanon-Zeder und Elsbeere &#8211; Kandidatinnen f\u00fcr den Wald der Zukunft. Die Versuchsfl\u00e4che betreibt Forst BW gemeinsam mit der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-W\u00fcrttemberg. Der Grund: Durch den Klimawandel ver\u00e4ndert sich der Wald.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nF\u00f6rster wie Alexander Abt sehen die Folgen jeden Tag: B\u00e4ume sind von Misteln, Pilzen und Viren befallen, sie sind \u201cangez\u00e4hlt\u201d. Die Experimente mit heimischen wie nicht-heimischen Arten sind der Versuch, mit den Ver\u00e4nderungen Schritt zu halten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n\u201cDer Klimawandel ist ein Unsicherheitsfaktor, weil man nicht wei\u00df, worauf man sich einstellen muss\u201d, sagt der Landschafts\u00f6kologe Allan Buras. Gemeinsam mit zwei Wissenschaftlerinnen der TU M\u00fcnchen und der ETH Z\u00fcrich hat er in einer neuen <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1111\/gcb.70185\" title=\"Studie Wald im Klimawandel\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Studie<\/a> die Auswirkungen der Klimakrise auf 24 europ\u00e4ische Baumarten untersucht. Sie erschien im Fachjournal \u201cGlobal Change Biology\u201d.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nErstmals haben die Forschenden dabei auch die Folgen eines m\u00f6glichen Zusammenbruchs der Atlantischen Meridionalen Umw\u00e4lzstr\u00f6mung (AMOC) der zweiten H\u00e4lfte des 21. Jahrhunderts betrachtet. In diesem Szenario w\u00fcrde das Klima in Europa nicht hei\u00dfer, sondern k\u00e4lter und trockener werden &#8211; Bedingungen wie sie heute etwa in Mittelkanada vorherrschen.<\/p>\n<p>AMOC<\/p>\n<p>            Die Atlantische Meridionale Umw\u00e4lzstr\u00f6mung (Englisch: Atlantic Meridional Overturning Circulation, kurz AMOC) spielt eine wichtige Rolle im Klimasystem. Sie besteht aus mehreren Ozeanstr\u00f6mungen, darunter auch der Golfstrom, und pumpt warme Wassermassen aus den s\u00fcdlichen Breitengraden in den Norden und k\u00fchleres Wasser auf die s\u00fcdliche Halbkugel.<br \/>Mit fortschreitendem Klimawandel prognostizieren Forschende eine Verlangsamung der AMOC und schlie\u00dfen einen vollst\u00e4ndigen Kollaps nicht aus. F\u00fcr das Klima h\u00e4tte das extreme Folgen. Die AMOC gilt als sogenannter Kipppunkt &#8211; kollabiert sie, w\u00fcrde das Klima in Europa abk\u00fchlen und auf der S\u00fcdhalbkugel deutlich hei\u00dfer werden.<br \/>Im IPCC-Bericht von 2021 wird ein AMOC-Kollaps im 21. Jahrhundert als eher unwahrscheinlich eingestuft. Einige Forschungsgruppen warnen inzwischen, dass der Kollaps wahrscheinlicher ist als dort angenommen.\u00a0Unstrittig ist jedoch, dass sich selbst eine Verlangsamung der Ozeanstr\u00f6mung erheblich auf das Klima auswirkt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWas zun\u00e4chst wie die L\u00f6sung der Klimakrise klingt, ist tats\u00e4chlich ein fatales Szenario. Denn ausgel\u00f6st w\u00fcrde der AMOC-Kollaps haupts\u00e4chlich durch die klimawandelbedingte Eisschmelze &#8211; das bedeutet bevor es abk\u00fchlen w\u00fcrde, w\u00fcrde es zun\u00e4chst hei\u00dfer werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Folgen f\u00fcr europ\u00e4ische W\u00e4lder w\u00e4ren gravierend:\u00a0In Nordwestskandinavien verschw\u00e4nde der Wald nahezu komplett. In den verbleibenden Waldgebieten S\u00fcdskandinaviens w\u00e4ren Wachstumsphasen k\u00fcrzer und dadurch die F\u00e4higkeit, CO2 zu binden deutlich niedriger.\u00a0Die Artenvielfalt w\u00fcrde noch st\u00e4rker zur\u00fcckgehen. Die Autorinnen und Autoren der Studie sprechen von voraussichtlich \u201ckatastrophalen \u00f6kologischen Konsequenzen\u201d.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Studie zeigt: In den untersuchten Szenarien schrumpft der klimatisch geeignete Lebensraum der aktuell h\u00e4ufigsten Baumarten in Deutschland &#8211; Kiefer, Fichte, Buche und Eiche &#8211; in den kommenden Jahrzehnten teils drastisch. Verbleibende Best\u00e4nde weichen vor dem zunehmend hei\u00dfen und trockenen Klima nach Nordeuropa und Skandinavien.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEin Zusammenbruch der AMOC w\u00fcrde Temperatur und Niederschlag in Europa abrupt senken. In Deutschland w\u00fcrden die klimatischen Bedingungen f\u00fcr Kiefer, Buche und Eiche zwar wieder besser werden, bestehende Verluste k\u00f6nnten aber nicht vollst\u00e4ndig zur\u00fcckgewonnen werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;In den Hochlagen Skandinaviens w\u00fcrden die Gletscher wieder wachsen, dann muss sich der Wald nat\u00fcrlich zur\u00fcckziehen&#8220;, sagt Studienautor Allan Buras. Fichten, Kiefern und Birken k\u00f6nnten sich dort wegen der kalten Temperaturen nicht mehr halten und w\u00fcrden weitgehend verschwinden.<\/p>\n<p>    Wahrscheinlichstes Szenario: 2,7 Grad bis 2100<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Studie fokussiert sich auf das Szenario, das eine globale Erw\u00e4rmung von 2,7 Grad bis 2100 vorhersagt, da es laut aktuellen Prognosen am wahrscheinlichsten sei. Ob es zu einem AMOC-Kollaps kommen wird, ist allerdings ungewiss. Zuletzt erschien eine <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41586-024-08544-0\" title=\"Wald im Klimawandel\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Studie<\/a> in der Fachzeitschrift &#8222;Nature&#8220;, die einen Zusammenbruch in diesem Jahrhundert f\u00fcr sehr unwahrscheinlich erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn welche Richtung soll der Waldumbau also gehen? Mediterranes Klima oder kalte Temperaturen wie in Kanada? &#8222;Wenn du in den Urlaub f\u00e4hrst, kannst du auch nicht immer die Strandsachen und die Skier einpacken. Du musst dich entscheiden&#8220;, sagt F\u00f6rster Alexander Abt. Bei Forst BW habe man sich entschieden. &#8222;Wir rechnen mit hei\u00dfem und trockenem Klima.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nKlar ist: Der deutsche Wald w\u00fcrde sich auch ohne das AMOC-Kollaps-Szenario stark ver\u00e4ndern: Die Gemeine Fichte findet schon heute nur in bestimmten Lagen passende klimatische Bedingungen. Laut der 2,7-Grad-Vorhersage k\u00f6nnte sie zum Ende des Jahrhunderts fast nirgends mehr wachsen. Auch die Rotbuche w\u00fcrde deutlich seltener gute Bedingungen finden. <strong>\u00a0 \u00a0\u00a0<\/strong><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nNoch am besten w\u00fcrde trotz gro\u00dfer Einbu\u00dfen der Stieleichen-Bestand \u00fcberleben, da diese Art im Vergleich zu Fichte und Buche etwas besser mit Trockenheit klarkommt. Mediterrane Arten wie Steineiche und Seekiefer, die heute in Deutschland eher selten sind, k\u00f6nnten sich bei einer Erw\u00e4rmung um 2,7 Grad hingegen ausbreiten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWie genau der Wald der Zukunft aussehen wird, h\u00e4ngt aber von mehr als nur den klimatischen Bedingungen ab. Der Boden und die Konkurrenz unter den B\u00e4umen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Testfl\u00e4chen, wie die im Hardtwald, werden R\u00fcckschl\u00fcsse auf gut geeignete Baumarten zulassen &#8211; allerdings erst in 30 bis 40 Jahren. &#8222;Forstliche Forschung braucht Zeit, das k\u00f6nnen wir leider nicht verk\u00fcrzen&#8220;, sagt Alexander Abt.<\/p>\n<p>\u00dcber die Daten<\/p>\n<p>            Die Daten stammen aus der Studie\u00a0Projecting the impact of a collapsing Atlantic Meridional Overturning Circulation on European tree-species distributions\u00a0von Sina Heubel (ETH Z\u00fcrich), Anja Rammig und Allan Buras (beide TU M\u00fcnchen).\u00a0Das Team kombinierte Temperatur- und Niederschlagsdaten der Climatic Research Unit an der University of East Anglia, Klimavorhersagen des internationalen Coupled Model Intercomparison Project (CMIP6) und eine Computer-Simulation eines AMOC-Kollapses im Jahr 2060 von Forschern des UK Met Office und den Universit\u00e4ten von Reading und Southampton. Aus diesen Modellen wurden 17 bioklimatische Variablen wie monatliche und j\u00e4hrliche Durchschnittstemperaturen, Niederschlagsmengen, Forsttage abgeleitet. F\u00fcr die 24 untersuchten Baumarten wurden mithilfe von Daten aus dem European National Forest Inventory und der 3. Bundeswaldinventur jeweils die wichtigsten dieser Variablen herausgearbeitet. Mit diesen Werten haben die Forscher berechnet, in welchem Umfang die klimatischen Wachstumsbedingungen jeder Baumart \u00fcberall in Europa unter verschiedenen Klimaszenarien erf\u00fcllt sind. Faktoren wie Bodenqualit\u00e4t, Konkurrenz oder lokale Forstma\u00dfnahmen wurden in der Studie nicht betrachtet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 24.04.2025 11:00 Uhr Mit dem Klima wird sich die Vegetation ver\u00e4ndern. 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