{"id":571865,"date":"2025-11-13T07:28:29","date_gmt":"2025-11-13T07:28:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/571865\/"},"modified":"2025-11-13T07:28:29","modified_gmt":"2025-11-13T07:28:29","slug":"knallt-mehr-als-kokain-warum-sich-crack-in-deutschland-so-rasant-ausbreitet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/571865\/","title":{"rendered":"&#8222;Knallt mehr als Kokain&#8220;: Warum sich Crack in Deutschland so rasant ausbreitet"},"content":{"rendered":"<p>In vielen deutschen Gro\u00dfst\u00e4dten ist es kaum zu \u00fcbersehen: Der Crack-Konsum in der offenen Drogenszene ist stark gestiegen. Das f\u00fchrt zu enormen Problemen, nicht nur f\u00fcr Abh\u00e4ngige.<\/p>\n<p>Der Rausch ist intensiv, aber kurz. <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/panorama\/welt\/drogenbeauftragte-warnt-crack-konsum-wird-in-deutschland-zu-einem-wachsenden-problem_id_260555723.html\" rel=\"follow nofollow noopener\" target=\"_self\">Nur wenige Minuten zeigt das Crack seine Wirkung<\/a>, dann muss schon wieder nachgelegt werden, f\u00fcr den n\u00e4chsten kurzen Kick. <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/panorama\/welt\/behoerden-in-panama-stellen-boot-mit-tonnen-von-kokain-an-bord-sicher_1933dd59-fe30-4b37-a4b2-298fe4e130f8.html\" rel=\"follow nofollow noopener\" target=\"_self\">Crack ist Kokain<\/a>, das mit Natriumkarbonat aufgekocht wurde und in Form von kleinen Steinchen meist in einer Pfeife geraucht wird. Die Droge macht extrem abh\u00e4ngig &#8211; und sie breite sich rasant in Deutschland aus.<\/p>\n<p>In St\u00e4dten wie Berlin, Hamburg oder Frankfurt ist das kaum zu \u00fcbersehen. Immer h\u00e4ufiger sieht man Menschen, die sich in Hauseing\u00e4ngen, am Stra\u00dfenrand oder sogar in U-Bahnh\u00f6fen ihre Crackpfeife anz\u00fcnden. Abh\u00e4ngige, die auf der Stra\u00dfe leben und sich zum Teil in k\u00f6rperlich und psychisch desastr\u00f6sen Zust\u00e4nden befinden. Doch auch in anderen St\u00e4dten <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/kultur\/kino-tv\/wir-kinder-vom-bahnhof-zoo-echte-christiane-f-ist-zurueck-in-der-drogenszene_id_12995085.html\" rel=\"follow nofollow noopener\" target=\"_self\">nimmt der Crack-Konsum in der offenen Drogenszene zu<\/a>. An manchen Orten ist Crack inzwischen die meistkonsumierte Droge.\u00a0<\/p>\n<p>ANZEIGE\u201eCrack knallt mehr als Kokain\u201c<\/p>\n<p>Dabei sind Kokain und Crack per se nicht neu. Wieso greift Crack gerade jetzt so um sich und was f\u00fcr Folge hat das?<\/p>\n<p>\u201eWir sehen weltweit ein stark gestiegenes Angebot an Kokain und das betrifft auch Deutschland\u201c, erkl\u00e4rt die Leiterin der Deutschen Beobachtungsstelle f\u00fcr Drogen und Drogensucht, Esther Neumeier. In den vergangenen Jahren habe sich die Herstellung von Kokain weltweit vervielfacht. Ein Beispiel, das das verdeutlicht: Laut der Drogenagentur der Europ\u00e4ischen Union wurden in Europa 2010 58,4 Tonnen Kokain sichergestellt. 2020 waren es 214,6 Tonnen. Das ist mehr als dreimal so viel.\u00a0<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>\u201eWeil es ein so gro\u00dfes Angebot an Kokain gibt, ist es f\u00fcr Verk\u00e4ufer attraktiv, neue Zielgruppen zu erschlie\u00dfen\u201c, sagt Neumeier. In der offenen Drogenszene w\u00fcrden sie f\u00fcndig. F\u00fcr die zum Teil schwer abh\u00e4ngigen Menschen sei die Wirkung von dem nasal konsumierten Kokain nicht attraktiv. Crack aber funktioniere. \u201eCrack erzeugt einen extrem schnell einsetzenden, h\u00f6chst intensiven, daf\u00fcr aber auch sehr kurzen Rausch.\u201c In der Allgemeinbev\u00f6lkerung spiele Crack keine Rolle.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Immer mehr St\u00e4dte haben einen Crack-Markt<\/p>\n<p>Wie sehr der Konsum gestiegen ist, verdeutlicht ein Beispiel aus Berlin: In zwei Berliner Drogenkonsumr\u00e4umen des Tr\u00e4gers Vista machte Crack im Jahr 2022 nur 3,5 Prozent der Konsumvorg\u00e4nge aus. 2024 waren es schon 30 Prozent, dieses Jahr ist der Anteil erneut deutlich gestiegen, wie Fachbereichsleitung Augustine Reppe berichtet.<\/p>\n<p>Das Frankfurter Bahnhofviertel sei schon immer eine Crack-Hochburg gewesen, sagt Neumeier. Auch der Leopoldplatz in Berlin oder der Hamburger Stadtteil St. Georg sind bekannte Drogenhotspots. Doch seit einigen Jahren k\u00e4men neue St\u00e4dte dazu, zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen. Dort sei Crack bis vor einigen Jahren kein Thema gewesen, so die Psychotherapeutin. Jetzt schon.\u00a0<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Das Craving ist bei Crack sehr hoch<\/p>\n<p>\u201eSeit Anfang der 2020er-Jahre sehen wir den Anteil der Crack-Konsumenten in der offenen Szene deutlich steigen\u201c, erkl\u00e4rt Neumeier mit Blick auf NRW. In manchen St\u00e4dten des Bundeslandes sei Crack in der offenen Szene inzwischen die meistgebrauchte Droge. Typischerweise werde es von Menschen aus der offenen Drogenszene konsumiert, Personen, die auch schon vorher hochriskant Drogen konsumiert h\u00e4tten.\u00a0<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>\u201eBeim Crack-Rauchen entsteht eine Euphorie. Man f\u00fchlt sich leistungsf\u00e4hig, man hat ein hohes Selbstvertrauen, wird redselig, hat weniger Hemmungen, weniger \u00c4ngste und eine hohe Risikobereitschaft.\u201c Auch andere anregende Drogen h\u00e4tten diesen Effekt, bei Crack sei er aber extrem stark. Das Runterkommen danach werde als sehr unangenehmem und abrupt beschrieben, erkl\u00e4rt Neumeier. Das Verlangen, erneut zu konsumieren &#8211; auch Craving genannt -, sei extrem stark, dadurch entstehe ein schneller Kreislauf des Konsums.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>2.137 Drogentote<\/p>\n<p>Er bereue es heute noch, dass er Crack unbedingt probieren wollte, sagt ein Mann im Frankfurter Bahnhofsviertel der Deutschen Presse-Agentur. Man verliert alles, betont er. \u201eAm Anfang ist es dein Geld, dann deine Wertsachen, dann riskierst du deinen Job.\u201c Man mache vieles, um den n\u00e4chsten Konsum finanzieren zu k\u00f6nnen. \u201eDas habe ich bei Heroin nicht gemacht. Aber beim Crack dann\u201c, sagte er. 250 bis 300 Euro koste sein Konsum am Tag.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>2024 starben in der Mainmetropole 20 Menschen in Zusammenhang mit ihrer Suchterkrankung. In Hamburg waren es 102, in Berlin 294 &#8211; so viele wie noch nie. Bundesweit wurden 2.137 Drogentote registriert. H\u00e4ufig sind mehrere Drogen im Spiel, auch Crack. Die Zahl der Drogentoten geht seit Jahren tendenziell nach oben.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" data-hk=\"00a1042120a191a200302010\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/9ae1dd44-97a1-4b8b-bd3b-abcfa1295994.faf95793-f955-4fda-b65f-d6fc8bb1e7c8.jpeg\"  alt=\"Einen Schuss Heroin mit Crack bereitet sich ein Drogenabh\u00e4ngiger in einem sogenannten &quot;Druckraum&quot; oder &quot;Konsumraum&quot;, einer Drogenhilfeeinrichtung zu.\" width=\"1072\" height=\"720\"\/> Einen Schuss Heroin mit Crack bereitet sich ein Drogenabh\u00e4ngiger in einem sogenannten &#8222;Druckraum&#8220; oder &#8222;Konsumraum&#8220;, einer Drogenhilfeeinrichtung zu.  Boris Roessler\/dpa So verheerend ist der Konsum<\/p>\n<p>Auch wenn der Konsum nicht t\u00f6dlich endet, sind die Folgen f\u00fcr Crack-Abh\u00e4ngige meist verheerend. Manche konsumieren quasi ununterbrochen, schlafen tagelang nicht, essen nicht, trinken nicht, waschen sich nicht. \u201eDas f\u00fchrt zu einer extrem schnellen Verelendung\u201c, sagt Neumeier. Die Lebenserwartung sei extrem verringert. Eigentlich habe Deutschland ein gutes Hilfesystem. Doch bei schwerst Crack-Abh\u00e4ngigen sei es extrem herausfordernd, sie dauerhaft an die Suchthilfe zu binden.\u00a0<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Arthur Coffin vom Notdienst f\u00fcr Suchtmittelgef\u00e4hrdete und -abh\u00e4ngige Berlin sagt: \u201eBei Crack braucht man niedrigschwellige Angebote.\u201c Termine einzuhalten, etwa f\u00fcr ein Beratungsgespr\u00e4ch, sei f\u00fcr Betroffene extrem schwierig. Deshalb m\u00fcsse man die Menschen direkt aufsuchen und sie vor Ort betreuen, mit sauberen Utensilien oder Essen. Es gehe auch darum, die Nachbarschaft zu entlasten. In Berlin sei die Droge inzwischen weiter verbreitet als Heroin und andere Opioide.\u00a0<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Anwohner f\u00fchlen sich unwohl<\/p>\n<p>Im Neuk\u00f6llner Schillerkiez in Berlin sitzen die Menschen in den Hauseing\u00e4ngen, beugen sich \u00fcber ihre Alufolien, haben teils offene Wunden. Eine Anwohnerinitiative hat deshalb Alarm geschlagen und einen offenen Brief ver\u00f6ffentlicht. Sie sagen: Unsere Kinder k\u00f6nnen nicht mehr unbeschwert drau\u00dfen spielen.<\/p>\n<p>In 8 von 16 Bundesl\u00e4ndern gibt es laut Neumeier Drogenkonsumr\u00e4ume. Alle b\u00f6ten inzwischen Rauchpl\u00e4tze an. In den meisten d\u00fcrfe auch Crack konsumiert werden. Warum gehen die Konsumentinnen und Konsumenten nicht dort hin? \u201eDie Entzugssymptome sind so stark, dass es unmittelbar und gleich und jetzt passieren muss\u201c, erkl\u00e4rt Reppe von Vista. Die Mitarbeiter machen in Gespr\u00e4chen klar, dass nicht im Umfeld konsumiert werden soll. \u201eDas wissen die Konsumierenden auch, aber sie schaffen es nicht immer.\u201c Crack-S\u00fcchtige w\u00fcrden sehr stigmatisiert, es gebe wenige R\u00e4ume, in denen sie sich aufhalten k\u00f6nnten und d\u00fcrften.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Welche L\u00f6sungsans\u00e4tze es gibt<\/p>\n<p>Wie kann man den Menschen besser helfen und auch die Wohnviertel entlasten? Ein Substitutionsmittel, wie Methadon f\u00fcr Heroin, gibt es nicht. Es brauche mehr Personal, am besten eigentlich ein 24-Stunden-Angebot f\u00fcr S\u00fcchtige und mehr Orte, an denen Abh\u00e4ngige sich aufhalten k\u00f6nnen, sagt Coffin. Mehr Konsumr\u00e4ume seien ebenfalls eine Ma\u00dfnahme, sagt Reppe.<\/p>\n<p>Auch ein Blick in die Schweiz k\u00f6nnte helfen. Das Land gilt als Vorbild f\u00fcr eine liberale Drogenpolitik. In Genf etwa sind neuerdings auch Mediziner auf der Stra\u00dfe unterwegs, weil viele Crack-Konsumierende wegen ihres hektischen Konsums Termine in Einrichtungen nicht mehr einhalten, wie Frank Zobel, stellvertretender Leiter von Sucht Schweiz, sagt. \u201eDas ist ein Schl\u00fcsselelement: auf die Leute zugehen, nicht warten, dass sie kommen.\u201c In der Deutschschweiz werde zudem in den Kontakt- und Anlaufstellen der Handel mit kleinsten Mengen zugelassen. \u201eSo bringt man den Markt aus dem \u00f6ffentlichen Raum nach drinnen.\u201c Ein Wundermittel gefunden habe bislang aber noch niemand.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In vielen deutschen Gro\u00dfst\u00e4dten ist es kaum zu \u00fcbersehen: Der Crack-Konsum in der offenen Drogenszene ist stark gestiegen.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":571866,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[331,3924,332,3922,3364,29,30,13,14,3923,15,3921,12],"class_list":{"0":"post-571865","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-deutschland","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-nachrichten-aus-deutschland","10":"tag-aktuelle-news","11":"tag-aktuelle-news-aus-deutschland","12":"tag-de","13":"tag-deutschland","14":"tag-germany","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-nachrichten-aus-deutschland","18":"tag-news","19":"tag-news-aus-deutschland","20":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115541213899820586","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/571865","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=571865"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/571865\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/571866"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=571865"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=571865"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=571865"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}