{"id":573443,"date":"2025-11-13T22:08:22","date_gmt":"2025-11-13T22:08:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/573443\/"},"modified":"2025-11-13T22:08:22","modified_gmt":"2025-11-13T22:08:22","slug":"industrie-sterben-in-baden-wuerttemberg-musterlaendle-im-freien-fall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/573443\/","title":{"rendered":"Industrie-Sterben in Baden-W\u00fcrttemberg: Musterl\u00e4ndle im freien Fall"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Eine riesige Asphaltfl\u00e4che in der Nachmittagssonne. Nur wenige Dutzend Autos verlieren sich auf dem Parkplatz am Werk 2 von Bosch in Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd. Es ist ein Dienstag im Oktober, kurz nach 14 Uhr, eigentlich Zeit f\u00fcr den Schichtwechsel im Schie\u00dftal, wie die Einheimischen die Fabrik an dem Str\u00e4\u00dfchen nach Herlikofen nennen. Doch nur ein Mitarbeiter der Werkinstandsetzung ist zu sehen. Mit einem Laptop kontrolliert er Stra\u00dfenleuchten an den Parkbuchten. \u201eWir wissen nicht, was mit den Hallen passiert, alle drei Wochen kommen neue Anweisungen. Keine Ahnung, ob sie verkauft oder vermietet werden\u201c, sagt er.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Produziert wird in den allermeisten Geb\u00e4uden der Industrieanlage, die so pittoresk zwischen zwei Waldh\u00e4ngen liegt, nichts mehr. Denn das baden-w\u00fcrttembergische Traditionsunternehmen Bosch steckt in der gr\u00f6\u00dften Krise seiner Unternehmensgeschichte.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Innerhalb von eineinhalb Jahren hat der gr\u00f6\u00dfte Autozulieferer der Welt in mehreren Runden den Abbau von Tausenden von Arbeitspl\u00e4tzen angek\u00fcndigt \u2013 vor allem in Deutschland und in den Standorten rund um das schw\u00e4bische Autocluster Stuttgart. Insgesamt will Bosch bis 2030 rund 22.000 Stellen streichen. Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd hat es im November 2024 getroffen \u2013 nachdem der Standort in den vergangenen 15 Jahren schon mehr als 40 Prozent seiner Jobs eingeb\u00fc\u00dft hat.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Das Werk in Schie\u00dftal soll nach dem Stellenabbau fast vollst\u00e4ndig brachliegen.\" height=\"1925\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/das-werk-in-schiesstal-soll.jpg\" width=\"3000\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Das Werk in Schie\u00dftal soll nach dem Stellenabbau fast vollst\u00e4ndig brachliegen.Lucas B\u00e4uml<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Dabei hat die Krise in den Bosch-Werken der 64.000-Einwohner-Stadt am Fu\u00dfe der Schw\u00e4bischen Alb nichts mit der Frage zu tun, ob das Auto der Zukunft mit einem Elektroantrieb, einem Verbrennungsmotor oder einer Kombination aus beidem f\u00e4hrt. Hier stellt das Traditionsunternehmen Lenkungen her. Die brauche man auch in Zeiten der Elektromobilit\u00e4t. Oberb\u00fcrgermeister Richard Arnold steht in seinem Amtszimmer, zieht sich das blaue Sakko aus und setzt sich an den Besprechungstisch. \u201eWir haben gedacht, wir sind nach den Sparrunden der vergangenen Jahre auf dem aufsteigenden Ast, und die Frage, ob Verbrenner ja oder nein, w\u00fcrde uns nicht betreffen\u201c, sagt er. \u201eUnd was da dann rausgekommen ist, das war schon ein Schlag.\u201c<\/p>\n<p>Das Werk im Schie\u00dftal wird fast vollst\u00e4ndig aufgegeben<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">An einem Freitag im November 2024 informiert Bosch die Mitarbeiter in Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd. Am Nachmittag macht die Nachricht die Runde. Oberb\u00fcrgermeister Arnold hatte das Unternehmen wenige Tage zuvor \u00fcber die Entscheidung in Kenntnis gesetzt. In der ver\u00f6ffentlichen Erkl\u00e4rung geht es um \u201eMarktentwicklungen\u201c, um den \u201eversch\u00e4rften Wettbewerb\u201c, um die \u201eB\u00fcndelung von Funktionen\u201c.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Der Kern ist sehr einfach: Bis 2030 will das Unternehmen von 3600 Stellen in Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd 1300 streichen \u2013 zus\u00e4tzlich zu den 750, die der Zulieferer sowieso abbauen wollte. Innerhalb weniger Jahre soll der Standort um rund 57 Prozent schrumpfen, das Werk im Schie\u00dftal, die gr\u00f6\u00dfte von drei Bosch-Fabriken in der Stadt, wird fast vollst\u00e4ndig aufgegeben. \u201eWir bedauern die erforderlichen Ma\u00dfnahmen\u201c, sagt G\u00f6tz Nigge, ein Bosch-Manager mit einem Titel, der sich \u00fcber mehrere Zeitungszeilen erstreckt.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Es ist ein Schock \u2013 f\u00fcr die Mitarbeiter, f\u00fcr die Stadt und f\u00fcr Andreas Reimer. Er ist 48 und stellvertretender Betriebsratschef und arbeitet seit mehr als 30 Jahren f\u00fcr Bosch. Mit 16 hat er eine Lehre als Industriemechaniker begonnen und seitdem nie einen anderen Arbeitgeber gehabt. \u201eDas war unser Black Friday\u201c, sagt er knapp ein Jahr nach dem Tag, an dem sich im Schie\u00dftal so viel ver\u00e4ndert hat. Die Stimmung kurz nach Verk\u00fcndung beschreibt Reimer mit den Worten Wut, Niedergeschlagenheit, Entt\u00e4uschung. Vor allem sagt er: \u201eDas Vertrauen in den Arbeitgeber ist verloren gegangen.\u201c<\/p>\n<p>Die IG Metall gibt sich k\u00e4mpferisch<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Mitarbeiter, angef\u00fchrt von Betriebsrat und IG Metall, k\u00fcndigen Widerstand an. Am Nikolausabend 2024 bauen die frustrierten Werker vor ihrer Fabrik im Schie\u00dftal ein Grabfeld auf. Holzkreuze im nebligen Dunst beleuchtet von gruseligem Kernschein. Die Botschaft ist eindeutig: Das ist der Friedhof, auf dem die Zukunft von Bosch beerdigt wird. \u201eWenn die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung hier vorbeif\u00e4hrt, soll sie einmal selbst sp\u00fcren, wie wir uns gef\u00fchlt haben, als die Nachricht vom Stellenabbau kam\u201c, sagt IG-Metall-Funktion\u00e4rin Tamara H\u00fcbner vor den demonstrierenden Arbeitern. Doch die Stimmung ist auch k\u00e4mpferisch. \u201eWir werden bis zum Ende keinen einzigen Arbeitsplatz aufgeben.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">W\u00e4hrend eines Aktionstags im M\u00e4rz demonstrieren bundesweit 25.000 Bosch-Mitarbeiter gegen die Abbaupl\u00e4ne, vor der Konzernzentrale in Gerlingen skandieren 10.000 Werker und Ingenieure \u201eStoppt die Job-Killer\u201c. W\u00e4hrend Arbeitnehmervertreter den Protest laut und schrill auf die Stra\u00dfe tragen, verhandeln Betriebsrat und IG Metall mit der Unternehmensleitung in Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd hinter verschlossenen T\u00fcren, um das Schlimmste anzuwenden.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Auch Oberb\u00fcrgermeister Arnold ist in die Gespr\u00e4che eingebunden. Er l\u00e4dt zum Fr\u00fchst\u00fcck ins Barockzimmer des Rathauses. Damit \u201eetwas Atmosph\u00e4re\u201c entsteht, bringt Arnold Holzofenbrot aus seinem Heimatdorf, Butter und Honig mit. Trotzdem sei die Stimmung eisig gewesen. \u201eDie hatten ihr Ding im Kopf und waren stur wie Bock\u201c, sagt der Oberb\u00fcrgermeister schw\u00e4bisch direkt \u2013 und dann diplomatischer: \u201eIch war \u00fcberrascht, dass die das alles so konsequent durchziehen.\u201c Die Gewerkschaft bewertet die Treffen nicht positiver. \u201eDen Willen, zu einer guten L\u00f6sung zu kommen, hat man nicht gesp\u00fcrt\u201c, erz\u00e4hlt Heike Madan, die erste Bevollm\u00e4chtigte der IG Metall Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Oberb\u00fcrgermeister Arnold (CDU) hat einst selbst in der H\u00e4rterei gearbeitet, die Bosch sp\u00e4ter schloss.\" height=\"3000\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/oberbuergermeister-arnold-cdu.jpg\" width=\"2000\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Oberb\u00fcrgermeister Arnold (CDU) hat einst selbst in der H\u00e4rterei gearbeitet, die Bosch sp\u00e4ter schloss.Verena M\u00fcller<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Gebracht habe die Verhandlung nicht \u201ewirklich etwas\u201c, sagt Arnold. Ganz stimmt das nicht. Im Juni ver\u00f6ffentlicht das Unternehmen eine Mitteilung, dass Bosch nicht 1300, sondern nur 1150 Stellen zus\u00e4tzlich zu den schon ausgemachten streichen wird. Damit reduziert sich die Zahl der Bosch-Arbeitspl\u00e4tze in Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd bis Ende des Jahrzehnts von 3600 auf 1700. \u201eWir konnten erreichen, dass die Ausbildung bleibt\u201c, sagt Betriebsrat Reimer. \u201eZudem soll der Abbau m\u00f6glichst sozialvertr\u00e4glich \u00fcber Vorruhestand oder Abfindungen erfolgen.\u201c Das verbuche er als Erfolg in einem Kampf, der ansonsten leider ziemlich aussichtslos sei.<\/p>\n<p>\u201eGute Leute gehen. Entwickler sehen hier keine Zukunft mehr\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Reimer h\u00e4lt k\u00fcnftig sogar eine Werkschlie\u00dfung f\u00fcr m\u00f6glich. Der Trend sei auf jeden Fall, dass Bosch die Produktion in Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd immer mehr zur\u00fcckfahre. Er berichtet, wie vor allem junge Leute und qualifizierte Mitarbeiter einen Job suchen. \u201eGute Leute gehen. Entwickler sehen hier keine Zukunft mehr.\u201c Bosch sieht die Vereinbarung als \u201eBekenntnis zum Standort\u201c. Eine Sprecherin schr\u00e4nkt ein: \u201eUnabh\u00e4ngig davon gilt nat\u00fcrlich immer, dass wir als Zulieferer abh\u00e4ngig vom Marktgeschehen sind.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Sprechch\u00f6re, die \u201eJob-Killer\u201c schm\u00e4hen, Grableuchten und Kreuze vor den Fabriken, Tausende Werker, die gegen die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung protestieren. Solche Szenen sind in der Bosch-Welt neu. Das Unternehmen ist stolz auf seine soziale Verantwortung gegen\u00fcber den Besch\u00e4ftigten, stolz auf den Bosch-Weg, der auch in Krise gelebt wird.<br \/>Der Name Bosch steht nicht nur f\u00fcr Innovationskraft, sondern auch f\u00fcr gelebtes Miteinander. Gr\u00fcnder Robert Bosch immer bem\u00fcht um Ausgleich, f\u00fchrte 1906 als Erster den umstrittenen Acht-Stunden-Tag ein \u2013 gegen heftige Proteste seiner Unternehmer-Kollegen, die ihn fortan als \u201eroten Bosch\u201c betitelten. \u201eIch zahle nicht gute L\u00f6hne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute L\u00f6hne bezahle\u201c, soll der 1942 in Stuttgart verstorbene Ingenieur bei mehreren Firmenreden gesagt haben.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Richard Arnold kennt die Geschichte von Bosch genau. Aber man habe ihm gesagt, dass sich die Zeiten ge\u00e4ndert h\u00e4tten, chinesische Wettbewerber \u201ekompetitiver\u201c geworden seien. Mit nur einem Wort schafft es der CDU-Schultes, die Sprache der Manager nachzuahmen, wie sie vor ihm die harten Einschnitte zu rechtfertigen suchen. \u201eUnd klar, auch ich kann erkennen, dass wir h\u00f6here Energiekosten, h\u00f6here Arbeitskosten, h\u00f6here Personalkosten haben, dass wir so nicht auf die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Konkurrenz kommen\u201c, sagt er. \u201eBisher konnten wir das durch Zuverl\u00e4ssigkeit und die Qualit\u00e4t der Produkte ausgleichen. Der Vorsprung ist wohl abgeschmolzen.\u201c<\/p>\n<p>Ungarn ist heute der attraktivere Standort<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Produktion der Lastwagen-Lenkungen verlagert Bosch von Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd ins ungarische Makl\u00e1r. Der Zulieferer hat das in Gespr\u00e4chen mit Betriebsrat und Gewerkschaft auch damit begr\u00fcndet, dass das t\u00fcrkische Unternehmen Hema End\u00fcstri mit chinesischer Hilfe die Produktionskapazit\u00e4ten f\u00fcr Lastwagen-Lenkungen in der T\u00fcrkei ausbaut. \u201eDie innovativsten Systeme kommen noch immer von uns hier, aber Bosch testet sie in China und stellt sie in Ungarn her. Wir sind hier zwar immer noch technologisch vorne, aber jetzt abgeschnitten vom Experimentieren und von der Produktion\u201c, sagt Arnold. \u201eIch frage mich, wie lange das gut geht.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Was gehe, komme nie wieder zur\u00fcck. Das sei eine Abwanderung von Kernkompetenzen. Arnold beugt sich vor, seine rote Krawatte schmiegt sich nicht mehr an das wei\u00dfe Hemd, sondern liegt auf den Notizen, die er vor sich hat. \u201eUnd wissen Sie, was ich nicht versehe\u201c, sagt er und seine sowieso schon laute Stimme wird noch durchdringender. \u201eIch verstehe nicht, dass alle so ruhig bleiben und das alles hier als Gott gegeben, gewisserma\u00dfen als schon nat\u00fcrliche Entwicklung, sehen. Als Schicksal.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Werk 2 im Schie\u00dftal. Ein Ingenieur geht durch das Drehkreuz am Haupttor und strebt zu seinem Auto. \u201eDas ist schon traurig, in zehn Jahren wird das hier aussehen wie im Ruhrgebiet\u201c, sagt er und blickt auf die Produktionshallen. Noch h\u00e4ngt ein riesiges Werbebanner am Parkhaus. Der Slogan \u201eLet\u2018s boost dynamic, convenient and safe mobility\u201c appelliert an den Erfindergeist derjenigen, die hier vor wenigen Jahren noch zu Hunderten t\u00e4glich zur Arbeit str\u00f6mten.<\/p>\n<p>Der Bosch-Geist ist Vergangenheit<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eDas hier war ein Schlaraffenland. Wir haben L\u00f6hne bekommen, die sonst in der Umgebung nirgendwo zu erzielen waren\u201c, erz\u00e4hlt der Ingenieur. \u201eF\u00fcr uns ist es noch gut, wir bekommen eine Abfindung, aber dann?\u201c Die Stadt, die Menschen, die Region? Er macht eine Pause und zuckt mit den Schultern. Alles \u00e4ndere sich \u2013 auch bei Bosch. Oder gerade bei Bosch?<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Den Bosch-Geist, die Verantwortung, die F\u00fchrungskultur gebe es nicht mehr. \u201eFr\u00fcher waren die Chefs vor Ort, mit der Stadt verbunden, haben in Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd gewohnt\u201c, erz\u00e4hlt er. \u201eJetzt leben sie meist weit weg, und das Personal wechselt alle drei Jahre.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Das, was Bosch-Arbeiter in wenigen S\u00e4tzen zusammenfassen, steht in Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd f\u00fcr etwas Grunds\u00e4tzlicheres. Die Stadt verliert mit dem R\u00fcckzug von Bosch einen Teil ihrer Identit\u00e4t, ihre Gewissheit, ihr Selbstvertrauen. 7100 oder 25 Prozent aller Sozialversicherungsbesch\u00e4ftigten der Stadt arbeiten in der Automobilbranche. Viele haben pers\u00f6nliche Geschichten. Ihr Leben pr\u00e4gt die Fabrik oder hat sie zumindest zeitweise begleitet. Es ist auch die Geschichte des Oberb\u00fcrgermeisters. Richard Arnold stammt von hier, als Ferienjobber hat er in der H\u00e4rterei im Schie\u00dftal gearbeitet. In der H\u00e4rterei, die Bosch schon lange geschlossen hat.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Der gr\u00f6\u00dfte Autozulieferer der Welt galt wegen seiner gro\u00dfz\u00fcgigen Behandlung der Arbeiter als \u201eder rote Bosch\u201c.\" height=\"2000\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/der-groesste-autozulieferer.jpg\" width=\"3000\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Der gr\u00f6\u00dfte Autozulieferer der Welt galt wegen seiner gro\u00dfz\u00fcgigen Behandlung der Arbeiter als \u201eder rote Bosch\u201c.Lucas B\u00e4uml<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eDer R\u00fcckzug ist ein tiefer Bruch, es ist eine Ersch\u00fctterung des Vertrauens in das Unternehmen und in die Wirtschaft selbst\u201c, sagt Arnold. \u201eEs gibt viele Familien, die ihr ganzes Leben mit dem Standort verbunden haben.\u201c Familien, die seit der Gr\u00fcndung der Fabrik 1937 \u00fcber Generationen im Schie\u00dftal gearbeitet haben. Nach einer IG-Metall-Veranstaltung vor einigen Monaten hat eine Frau den Oberb\u00fcrgermeister angesprochen. Sie habe gerade erst realisiert, dass der Abbau auch sie betreffe. \u201eSie war Anfang 40, hat bislang ihr ganze Leben bei Bosch gearbeitet, Kinder bekommen, dann wieder angefangen zu arbeiten. Sie ist einfach in Tr\u00e4nen ausgebrochen\u201c, erinnert er sich.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Es sind solche Schicksale, die Arnold umtreiben, und es ist der gef\u00e4hrdete Wohlstand seiner Stadt, der ihn beunruhigt. Zusammen mit anderen Entlassungen wie beim Naturkosmetikhersteller Weleda oder beim Spielwarenhersteller Schleich verliere Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd gerade mehr als 2500 Arbeitspl\u00e4tze.<\/p>\n<p>Viele andere Berufe h\u00e4ngen an der Industrieproduktion<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eAn solchen Arbeitspl\u00e4tzen h\u00e4ngen immer andere dran, B\u00e4cker, Friseure, Apotheker, der Einzelhandel, Handwerker\u201c, erz\u00e4hlt er. \u201eWenn Bosch den Standort halbiert, dann muss man auf die Zahl der gestrichenen Stellen noch einmal die H\u00e4lfte drauf rechnen. Das sind die Jobs, die im Umfeld kaputt gehen.\u201c Streicht ein Industrieunternehmen Stellen, seien das oft kleine Betriebe mit drei bis f\u00fcnf Mitarbeitern, Werkzeugmacher oder Modellbauer. Die Unternehmen verschw\u00e4nden still und leise \u2013 mit ihnen das Know-how.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Als die B\u00fcrger von Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd Richard Arnold im Jahr 2009 erstmals zum Oberb\u00fcrgermeister w\u00e4hlten, hatte der Standort noch mehr als 6000 Besch\u00e4ftigte und war ein Gemeinschaftsunternehmen von Bosch und dem Zulieferer ZF. \u201eDamals hat die Stadt zum ganz gro\u00dfen Teil von dem Unternehmen gelebt. Man hat immer gesagt, wenn die drau\u00dfen im Schie\u00dftal husten, dann fallen hier im Rathaus gleich alle um\u201c, erinnert sich Arnold.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">In dieser Zeit kamen in manchen Jahren mehr als 50 Prozent der Gewerbesteuer von Automobilunternehmen, nun sind es nur noch rund f\u00fcnf Prozent. Damals habe die Stadt versucht, andere Betriebe anzusiedeln, um nicht nur vom gr\u00f6\u00dften Arbeitgeber abh\u00e4ngig zu sein. Als ZF den Zulieferer TRW \u00fcbernahm und 2015 die Anteile am Joint Venture an Bosch \u00fcbergeben musste, habe man aber im Rathaus sehr schnell gemerkt, dass \u201ees schwieriger wird\u201c.<\/p>\n<p>Der Stellenabbau zieht sich schon seit Jahren hin<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Bosch begann eine Restrukturierung und reduzierte die Belegschaft in Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd von 5400 Arbeitspl\u00e4tzen vor zehn Jahren um fast 2000 Stellen. Nach harten Verhandlungen zwischen 2017 und 2019 hat man eine Einigung erzielt, bei der die Mitarbeiter viele Opfer bringen mussten. \u201eDas waren f\u00fcr uns die Nachwehen von ZF. Aber der Betriebsrat und wir sind davon ausgegangen, dass wir den Standort damit konsolidiert haben\u201c, sagt Arnold. \u201eAls 2023 und 2024 das Werk dann die Gewinnziele verfehlt hat, sind wir j\u00e4h aus unseren Tr\u00e4umen gerissen worden.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Bei Betriebsrat Reimer klingt das anders. \u201eWir haben immer an eine bessere Zukunft geglaubt.\u201c Und noch ganz anders klingt es, wenn Bosch die Lage aus Unternehmenssicht erl\u00e4utert. \u201eDer Wettbewerbs- und Preisdruck hat sich sehr versch\u00e4rft. Wir konkurrieren in Europa mit Anbietern, die aufgrund ihrer Produktion in L\u00e4ndern mit niedrigeren Kosten deutliche Vorteile haben\u201c, sagt eine Sprecherin und verweist darauf, dass die heutige Marktsituation und Auftragslage nicht mit damals zu vergleichen sei.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende in Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd, Andreas Reimer,  sieht einen enormen Verlust an Know-how.\" height=\"3000\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/der-stellvertretende.jpg\" width=\"2000\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende in Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd, Andreas Reimer,  sieht einen enormen Verlust an Know-how.Lucas B\u00e4uml<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Blickt man vom oberen Parkplatz im Schie\u00dftal \u00fcber das Werk, liegt Stille \u00fcber dem Gel\u00e4nde. Kein Werksverkehr. Keine Werker, die von einer Produktionshalle in die andere wechseln. Nur in der \u00e4u\u00dferen Halle, die an der Stra\u00dfe Richtung Herlikofen liegt, steigt Dampf auf. Es ist diese Stille, die Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnds Oberb\u00fcrgermeister so laut werden l\u00e4sst. \u201eWenn Sie sehen wollen, wie Transformation aussieht, was sie f\u00fcr ein Gesicht hat, dann legen Sie das mal hin. Das sind rund 210.000 Quadratmeter\u201c, donnert Arnold und haut eine Karte auf den Tisch.<\/p>\n<p>\u201eDas ist gespenstisch. Das ist Tschernobyl-like\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Der Plan zeigt das Werk im Schie\u00dftal mit allen Geb\u00e4uden, rund 90 Prozent davon sind blau eingef\u00e4rbt \u2013 es sind die Hallen, die Bosch im Zuge der geplanten Restrukturierung aufgibt. Neudeutsch w\u00fcrde man es einen Rant nennen, in den sich Arnold reinredet. \u201eWir haben da drau\u00dfen, eins, zwei, drei, vier, ich wei\u00df es genau, fast 20 Hallen. Da gehst Du rein, machst die T\u00fcr auf und siehst: Alles leer. Das ist gespenstisch. Das ist Tschernobyl-like\u201c, sagt Arnold in seiner w\u00fctenden Schimpftirade. \u201eWir haben hier Transformation, die man greifen, anschauen und anfassen kann.\u201c Und die Transformation, die Arnold meint, hat nichts mit der Elektromobilit\u00e4t zu tun. Arnold meint mit Transformation das Verlagern von Produktion, er meint die De-Industrialisierung seiner Heimatstadt.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Frustration Arnolds beruht aber nicht allein auf den leeren Hallen im Schie\u00dftal an sich. Sie gr\u00fcndet sich auch darauf, dass er sich als B\u00fcrgermeister von der Bundesregierung und von der Europ\u00e4ischen Kommission allein gelassen f\u00fchlt. Nach der Wende 1990, als Nato-Truppen bei ihrem R\u00fcckzug viele Milit\u00e4rareale ger\u00e4umt haben, hat der Bund in einer Gemeinschaftsinitiative mit der EU gezielt Unternehmen angesiedelt. Daran denkt Arnold jetzt immer wieder. \u201eIch habe gedacht, dass das die Regierung in Berlin nicht kalt l\u00e4sst, wenn solche Fl\u00e4chen zur Verf\u00fcgung stehen. Ich bin erstaunt, dass das nicht aufgegriffen wird. In Berlin will man die Zukunft einfach nicht gestalten\u201c, sagt er.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">In Br\u00fcssel bei der Europ\u00e4ischen Kommission hat Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnds Oberb\u00fcrgermeister zwei Mal in der Sache vorgesprochen \u2013 im vergangenen Jahr gemeinsam mit seinem Gemeinderat und vor wenigen Wochen auf dem Wirtschaftsgipfel, zu dem Baden-W\u00fcrttembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut in die belgische Hauptstadt eingeladen hatte. Die Delegation aus Schwaben habe mit Vertretern der Kommission, mit Abgeordneten des Parlaments, aber auch mit Angestellten aus unteren Beh\u00f6rden gesprochen.<\/p>\n<p>Oberb\u00fcrgermeister wirft Br\u00fcssel und Berlin falsche Priorit\u00e4ten vor<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Arnolds Fazit ist ziemlich eindeutig \u2013 und ziemlich vernichtend: \u201eIn Br\u00fcssel sind alle mit dem Green Deal besch\u00e4ftigt, sie m\u00fcssen all das umsetzen und abarbeiten, was Kommissionschefin Ursula von der Leyen mit ihrer Initiative 2019 auf den Weg gebracht hat\u201c, sagt Arnold. Ihm geht es nicht um die Klimapolitik an sich, sondern darum, dass die EU-Verwaltung f\u00fcr keine anderen Dinge mehr Kapazit\u00e4ten hat. \u201eDie Lawine mit den Gesetzen rollt gerade erst an. Da haben Anliegen wir das unsere keinen Platz.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Und bei noch einem \u00c4rgernis ist Arnold w\u00e4hrend seiner Gespr\u00e4che in Br\u00fcssel nicht weitergekommen \u2013 und das hat wieder sehr konkret mit den leeren Bosch-Hallen im Schie\u00dftal zu tun. Denn die stehen auch leer, weil der Autozulieferer die Produktion der Lastwagen-Lenkungen nach Makl\u00e1r verlagert. Der Fertigungsstandort in Ungarn wird nach Unternehmensangaben k\u00fcnftig zum Leitwerk und Kompetenzzentrum f\u00fcr diese Produkte.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Daf\u00fcr hat Bosch f\u00fcr 111 Millionen Euro eine neue Multifunktionshalle gebaut, die der ungarische Staat mit 25 Millionen Euro mitfinanziert hat. \u201eWir als Nettozahler zahlen in die Europ\u00e4ische Union ein, und mit dem Geld werden Staaten ert\u00fcchtigt, in die dann unsere Unternehmen ihre Produktionen verlagern\u201c, wettert Arnold. Auch wenn das vom Beihilferecht gedeckt ist, sei es nicht in Ordnung. Pause. \u201eEs ist verheerend.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die EU stopfe ein Loch, indem sie ein neues aufrei\u00dft, meint er. Der Automobilstandort Baden-W\u00fcrttemberg sei selbst in der Krise und voll in der Transformation. Werde das aufgegriffen? Wann spiegele sich das in der europ\u00e4ischen Strukturpolitik wider?<\/p>\n<p>Bosch in Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd zeigt den freien Fall<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Er erhebt Forderungen, die auch die IG Metall immer wieder vorbringt. Antworten auf seine Fragen hat Arnold nicht bekommen. Oder noch schlimmer: Was der Oberb\u00fcrgermeister bekommen hat, sei \u201eKanzleitrost\u201c. Sprich: Vertr\u00f6stungen, Beschwichtigungen, nichts sagende Plattit\u00fcden. \u201eWir werden von Br\u00fcssel nicht geh\u00f6rt, wir werden von Berlin nicht geh\u00f6rt. Die Zeiten sind vorbei, in den Baden-W\u00fcrttemberg das Musterl\u00e4ndle war\u201c, sagt Arnold. \u201eAm Beispiel von Bosch in Schw\u00e4bisch-Gm\u00fcnd sieht man, dass wir im freien Fall sind.\u201c<br \/>Und die Krise bei Bosch steht f\u00fcr die gesamte Situation der Automobilindustrie in Baden-W\u00fcrttemberg. Zwischen 2019 und 2024 sank die Zahl der direkt bei Herstellern und Zulieferern besch\u00e4ftigten Menschen um mehr als acht Prozent auf 216.500. Und in diesen Daten sind die angek\u00fcndigten Stellenabbau-Programme von Mercedes, Porsche, Bosch, ZF und vielen weiteren kleineren Unternehmen noch gar nicht enthalten.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Richard Arnold steht auf, tritt ans Fenster und blickt aus seinem Amtszimmer auf den Marktplatz seiner Stadt. Mittagszeit, Passanten gehen Richtung Johanniskirche, am Marienbrunnen genie\u00dfen Menschen die Sonne. \u201eIch merke halt, wenn ich da rausgehe, dass die Menschen verunsichert sind. Dass mit dem Vertrauen in das Funktionieren der Wirtschaft auch das Vertrauen in das Funktionieren des Staates schwindet. Das greift ineinander \u00fcber\u201c, sagt er. \u201eDie Menschen machen zu, sie verschlie\u00dfen sich. Ich als Oberb\u00fcrgermeister halte dagegen. Wir werden nur re\u00fcssieren, wenn wir offen sind f\u00fcr Wandel. Ich k\u00e4mpfe f\u00fcr eine offene Stadtgesellschaft.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Und um ein Unternehmen, das die leeren Hallen im Schie\u00dftal wieder mit Leben f\u00fcllt. Arnold ist jetzt 66. Im Mai haben ihn die B\u00fcrger von Schw\u00e4bisch Hall zum dritten Mal zum Oberb\u00fcrgermeister gew\u00e4hlt, seitdem betreibt er die von ihm geforderte gemeinsame Ansiedelungspolitik auf eigene Faust. Sein Wirtschaftsdezernent hat ein elfseitiges Expos\u00e9 \u00fcber das Schie\u00dftal erstellt. Titel: \u201eSchw\u00e4bisch Gm\u00fcnd Werk 2: Ihr Raum f\u00fcr Ideen\u201c. Mehr als ein Dutzend Unternehmen hat Arnold schon angesprochen, angeschrieben, angerufen. \u201eWir kommen in schlimme Zeiten rein, wenn wir weiter Zeit vertr\u00f6deln und nur schauen und nicht handeln\u201c, sagt Arnold.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Um die Stellenstreichungen bei Bosch und anderen Unternehmen auszugleichen, braucht Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd j\u00e4hrlich 500 neue Arbeitspl\u00e4tze. Dieses Ziel hat sich Arnold gemeinsam dem Gemeinderat gesetzt. \u201eDaf\u00fcr spreche ich mit jedem\u201c, sagt er. \u201eAuch mit den Chinesen.\u201c Das hat der Oberb\u00fcrgermeister schon im Wahlkampf klargestellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine riesige Asphaltfl\u00e4che in der Nachmittagssonne. 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