{"id":573967,"date":"2025-11-14T03:24:15","date_gmt":"2025-11-14T03:24:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/573967\/"},"modified":"2025-11-14T03:24:15","modified_gmt":"2025-11-14T03:24:15","slug":"fridays-for-future-bleibt-trotz-allem-alternativlos-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/573967\/","title":{"rendered":"\u00bbFridays for Future bleibt trotz allem alternativlos\u00ab \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p><strong>Welche Bedeutung hat FfF heute \u00fcberhaupt noch?<\/strong><\/p>\n<p>Das Momentum von 2019 ist nat\u00fcrlich vorbei. Trotzdem gibt es weiterhin Menschen, die sich auf Streiks einbringen wollen. Das stimmt mich zuversichtlich. Beim letzten Klimastreik waren bundesweit immerhin rund 50.000 Menschen auf der Stra\u00dfe, diese Zahl sollte man nicht kleinreden.<\/p>\n<p><strong>Sie sind 2019 eingestiegen, also noch zu Hochzeiten der Bewegung. Was hat Sie damals zur Klimabewegung gef\u00fchrt?<\/strong><\/p>\n<p>Zugegebenerma\u00dfen hatte ich als Abiturient in Zittau noch wenig Ahnung von Klimathemen. Der Reiz war vor allem, ein Ehrenamt mit anderen Jugendlichen zu machen. Ich habe mich erst mit der Bewegung politisiert. <\/p>\n<p><strong>Seit Anfang 2024 sind Sie in der Leipziger Ortsgruppe aktiv. Wie haben Sie den Wechsel erlebt?<\/strong><\/p>\n<p>Es war nach der Pandemie wie ein Neustart: Die Organisation war hier professioneller, auch die Dimension der Streiks war nat\u00fcrlich eine andere. Eine Sache war aber gleich wie in der Kleinstadt: Am Ende steht und f\u00e4llt ein Streik immer mit f\u00fcnf, sechs engagierten Leuten. <\/p>\n<p><strong>Das Thema hat bei jungen Menschen nicht mehr die h\u00f6chste Priorit\u00e4t. Laut der Shell-Jugendstudie 2024 ist es von Angst vor einem Krieg in Europa und finanziellen Sorgen \u00fcberholt worden. <\/strong><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich haben wir auf den Demos inzwischen nicht mehr von Sch\u00fcler:innen den gr\u00f6\u00dften Zulauf, sondern aus der Mitte der Gesellschaft. Auch ich bin zwar Berufssch\u00fcler, aber schon 25 und scheide in zwei Jahren aus den Strukturen aus. Das macht es schwierig, das urspr\u00fcngliche jugendliche Momentum aufrechtzuerhalten. <\/p>\n<p><strong>Wie wirkt sich das auf die Stimmung der Aktiven aus?<\/strong><\/p>\n<p>Nach sechs Jahren ist eine gewisse Ersch\u00f6pfung sp\u00fcrbar. Viele haben das Gef\u00fchl, von der Politik nicht geh\u00f6rt zu werden. Mit der Ampel-Regierung hatten wir schon einmal ein besseres Szenario f\u00fcr Klimapolitik. Aber aus der CDU-Regierung h\u00f6re ich kaum konkrete Klimaziele, sondern eher Relativierungen von Merz. Das frustriert viele. <\/p>\n<p><strong>Was motiviert Sie dennoch, weiterzumachen? <\/strong><\/p>\n<p>Ich glaube, die, die FfF gepr\u00e4gt haben, k\u00f6nnen gar nicht mehr aufh\u00f6ren. F\u00fcr viele ist Klimaaktivismus auch ein Lebenssinn. Bei mir ist es die \u00dcberzeugung, dass der Massenprotest nach wie vor die politisch wirksamste Protestform ist. Wir haben in den letzten Jahren gesehen, dass die Letzte Generation mit ihren radikaleren Methoden gescheitert ist. FfF bleibt trotz allem alternativlos und stellt immer noch das Dach der Klimabewegung und des Stra\u00dfenprotestes dar. Es ist eine Art Bewegung der Hoffnungsvollen. Wir hatten schon so viele Widrigkeiten, etwa durch die Pandemie. Aber es ging immer irgendwie weiter. <\/p>\n<p><strong>Was bewirken Stra\u00dfenproteste heute noch, wenn sie keine Massen mehr mobilisieren?<\/strong><\/p>\n<p>Auch wenn Merz nicht pl\u00f6tzlich seine Politik \u00e4ndert, verdeutlichen sie in der Gesellschaft punktuell die Bedeutung von Klimaschutz. Leute interessiert nach wie vor die Frage: Wie wollen wir in Zukunft leben? Unsere Antwort darauf ist erstmal: Wir m\u00fcssen unsere Lebensbedingungen auf diesem Planeten aufrechterhalten. <\/p>\n<p><strong>Beim letzten Klimastreik hat FfF Leipzig nicht nur f\u00fcr den Gasausstieg demonstriert, sondern erstmals und als einzige Ortsgruppe Gaza thematisiert. In einem Statement auf Instagram hei\u00dft es unter anderem \u00bbWir stehen f\u00fcr ein Ende des Genozids und der systematischen Unterdr\u00fcckung aller Pal\u00e4stinenser:innen\u00ab Wie sehr hat das Thema innerhalb der bundesweiten Bewegung gespalten?<\/strong><\/p>\n<p>Es hat uns organisationsintern schon belastet. Ich finde legitim, dass sich viele Gruppen weiterhin auf Klimapolitik konzentrieren. Aber fast alle in Leipzig waren sich einig, dass FfF Deutschland zu lange \u00fcber das Leid in Gaza geschwiegen hat. Als Klimabewegung k\u00f6nnen wir keine geopolitische L\u00f6sung bieten, aber zumindest betonen, dass Wegschauen keine Option ist. In meiner Wahrnehmung haben wir mit unserem Statement in der Bundesbewegung aber auch einen Nerv getroffen und f\u00fcr Bewegung gesorgt. Auch FfF M\u00fcnchen hat eine Stellungnahme gepostet, Frankfurt hat sich von Anfang solidarisch mit Pal\u00e4stina erkl\u00e4rt und auch Luisa Neubauer hat Stellung bezogen. Insgesamt habe ich nicht den Eindruck einer bundesweiten Spaltung.<\/p>\n<p><strong>Anders sieht es auf internationaler Ebene aus. FfF Deutschland hat sich 2023 von der Gr\u00fcnderin von FfF, Greta Thunberg, wegen ihrer Pal\u00e4stinasolidarit\u00e4t distanziert, und im internationalen Vergleich sehr sp\u00e4t Solidarit\u00e4t mit Pal\u00e4stina bekannt.<\/strong><\/p>\n<p>Es ist schwierig, Positionen zu vertreten, die man selbst nur schwer erl\u00e4utern kann, weil man sich damit angreifbar macht. FfF ist auf Klimathemen spezialisiert. Themen wie der Nahostkonflikt sind nicht mit naturwissenschaftlichen Fakten zu argumentieren und haben eine gr\u00f6\u00dfere moralische Fallh\u00f6he. Auch haben wir uns stark nach der deutschen medialen Berichterstattung \u00fcber Gaza gerichtet haben, die viele mittlerweile unangemessen finden. Aber sich mit dem Versagen der deutschen Medien entschuldigen zu wollen, ist nat\u00fcrlich Quatsch. Unsere Entschuldigung war definitiv f\u00e4llig.<\/p>\n<p><strong>FfF hat sich in den letzten Jahren auch anderen neuen Themen angenommen. Zum Beispiel ist 2023 die Kooperation #wirfahrenzusammen zwischen FfF und Verdi entstanden, f\u00fcr bessere Arbeitsbedingungen f\u00fcr Besch\u00e4ftigte im Personennahverkehr zu streiken. 2024 organisierte FfF Demos gegen rechts mit. Wird FfF k\u00fcnftig immer mehr zu einer intersektionalen Gerechtigkeitsbewegung? <\/strong><\/p>\n<p>Ich finde, die St\u00e4rke von FfF ist immer noch das Kernthema Klima. Zugleich dr\u00e4ngen sich angesichts der Weltlage andere Themen auf, vor allem das Thema Krieg. Nicht alle, aber viele Gerechtigkeitsfragen lassen sich \u00fcber das Thema Klimagerechtigkeit erschlie\u00dfen. <\/p>\n<p><strong>Ist die Integration von anderen Themen der Versuch, wieder mehr Menschen zu mobilisieren?<\/strong><\/p>\n<p>Nicht unbedingt. Das ist vielmehr ein nat\u00fcrlicher Prozess. Aktivismus bedeutet f\u00fcr uns auch, die eigenen \u00dcberzeugungen von Gerechtigkeit ausdr\u00fccken zu k\u00f6nnen, sich \u00fcber Klimaengagement selbst zu verwirklichen. <\/p>\n<p><strong>Liegt f\u00fcr FfF auch eine Chance darin, sich vom Image als Jugendbewegung zu l\u00f6sen \u2013 etwa durch mehr Allianzen mit Arbeitnehmer*innen wie bei #wirfahrenzusammen? <\/strong><\/p>\n<p>Die Zusammenarbeit mit Gewerkschaften ist auf jeden Fall denkbar und gerade in der Verkehrs- und Energiewende auch unabdingbar. Ich glaube aber, mit jungen Menschen w\u00fcrden wir ein Alleinstellungsmerkmal verlieren: dass diese f\u00fcr ihre eigene Zukunft einstehen. FfF w\u00e4re wohl nie so gro\u00df geworden, wenn Greta Thunberg ein Mann Mitte 40 gewesen w\u00e4re (lacht). <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Welche Bedeutung hat FfF heute \u00fcberhaupt noch? Das Momentum von 2019 ist nat\u00fcrlich vorbei. 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