{"id":577093,"date":"2025-11-15T09:15:18","date_gmt":"2025-11-15T09:15:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/577093\/"},"modified":"2025-11-15T09:15:18","modified_gmt":"2025-11-15T09:15:18","slug":"das-wirkliche-ins-bild-setzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/577093\/","title":{"rendered":"Das Wirkliche ins Bild setzen"},"content":{"rendered":"<p>TLVGMannheim | 15. November 2025<\/p>\n<p>Die Kunsthalle Mannheim hat 1925 mit der Ausstellung \u00abDie Neue Sachlichkeit\u00bb ein Kapitel der Kunstgeschichte geschrieben, das heute als Wendepunkt zwischen Idealismus und Wirklichkeit gilt. Noch bis Ende des Jahres ist eine Hommage an jene Jahre in Mannheim zu sehen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"ptimg typ_foto\" id=\"img_1201mwyf\" data-mediamode=\"16\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/gosimg10SW02c001d5808080b300001201mwyf.jpg\" data-mediacode=\"gosimg00VK12c00c808080800000001201mwyf.jpg\" style=\"width:704px;height:469px;\" alt=\"Die Ausstellung \u00abDie Neue Sachlichkeit \u2013 ein Jahrhundertjubil\u00e4um\u00bb ist noch bis Ende Jahr zu sehen.\"\/><\/p>\n<p>Die Ausstellung \u00abDie Neue Sachlichkeit \u2013 ein Jahrhundertjubil\u00e4um\u00bb ist noch bis Ende Jahr zu sehen.Foto: Heiko Daniels<\/p>\n<p class=\"pg\">Die 1920er-Jahre gelten als eine der widerspr\u00fcchlichsten Perioden des letzten Jahrhunderts \u2013 pulsierend und d\u00fcster zugleich. Nach dem Grauen des Ersten Weltkriegs suchte man nach Halt. In der Kunst \u00e4usserte sich diese Sehnsucht in einer Abkehr vom theatralischen Ausdruck des Expressionismus. Das konkret Sichtbare r\u00fcckte ins Zentrum des Kunstschaffens.<\/p>\n<p class=\"pg\">Mannheim wurde wohl unerwartet zum Ursprung dieser k\u00fcnstlerischen Neuorientierung. Denn Gustav F. Hartlaub, damals Direktor der Kunsthalle Mannheim, hatte den Mut und die Intuition, die Zeichen der Zeit in eine Ausstellung zu fassen: \u00abDie Neue Sachlichkeit. Deutsche Malerei seit dem Expressionismus.\u00bb Was er im Museum zeigte, war keine homogene Bewegung, sondern eine Vielzahl realistischer Ausdrucksformen, die sich der Wiederann\u00e4herung an eine neue Realit\u00e4t verschrieben hatten. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"ptimg typ_foto\" id=\"img_1201mwyg\" data-mediamode=\"16\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/gosimg10SX02c001d5808080b300001201mwyg.jpg\" data-mediacode=\"gosimg00HY078005008080800000001201mwyg.jpg\" style=\"width:704px;height:469px;\" alt=\"Die Kunsthalle Mannheim: Immer eine Reise wert.\"\/><\/p>\n<p>Die Kunsthalle Mannheim: Immer eine Reise wert.Fotos: Kunsthalle Mannheim<\/p>\n<p class=\"pg\">Entschlackung, Ernsthaftigkeit und ein fast dokumentarischer Blick auf das Leben zeichnete diese Neuorientierung aus. Die Gegenreaktion auf die \u00dcberschw\u00e4nglichkeit des Expressionismus zeigte, was war, oft schonungslos, manchmal sarkastisch, aber nie besch\u00f6nigend. Die Neue Sachlichkeit nahm die Menschen ernst, als verwundete Kriegsheimkehrer, als isolierte St\u00e4dter, als Marionetten des Marktes oder Opfer ihrer eigenen Sehns\u00fcchte. Kein Wunder, dass diese Bildwelt mit der zunehmenden Polarisierung in den 1930er-Jahren als unbequem galt \u2013 sie spiegelte zu deutlich wider, was viele lieber verdr\u00e4ngten. In einer Gesellschaft, die sich wirtschaftlich und politisch neu formierte, verstand sich diese Kunstrichtung als kritisches Korrektiv.<\/p>\n<p class=\"pg\">Die scheinbare N\u00fcchternheit war ein Ausdruck der \u00dcbernahme von Verantwortung. Zu den 1925 in der Kunsthalle Mannheim gezeigten K\u00fcnstlern geh\u00f6rten Otto Dix, George Grosz, Max Beckmann, Rudolf Schlichter und Karl Hubbuch \u2013 Namen, die heute Synonyme sind f\u00fcr den kritischen Blick auf die Weimarer Gesellschaft. Sie zeigten nicht das Erhabene, sondern das Abgr\u00fcndige. Ihre Bilder wurden zu Spiegeln einer aus den Fugen geratenen Gesellschaft. Sie dokumentierten Verwahrlosung, Verlogenheit und das allgegenw\u00e4rtige Elend.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"ptimg typ_foto\" id=\"img_1201mwyh\" data-mediamode=\"16\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/gosimg10CO015a01ba808080b300001201mwyh.jpg\" data-mediacode=\"gosimg00UW09ca0c808080800000001201mwyh.jpg\" style=\"width:346px;height:442px;\" alt=\"Georg Schrimpf, \u00abLesende am Fenster\u00bb, 1925\/26, \u00d6lfarbe auf textilem Bildtr\u00e4ger (58 x 47 cm).\"\/><\/p>\n<p>Georg Schrimpf, \u00abLesende am Fenster\u00bb, 1925\/26, \u00d6lfarbe auf textilem Bildtr\u00e4ger (58 x 47 cm).<\/p>\n<p>Erkannt und aufgeteilt<\/p>\n<p class=\"pg\">Das Verdienst der Kunsthalle Mannheim lag nicht nur im Erkennen einer neuen Richtung, sondern zudem in der Differenzierung der verschiedenen Str\u00f6mungen, die sie beinhalte. 1925 sprach der Direktor von einem linken und einem rechten Fl\u00fcgel der Neuen Sachlichkeit. Auf der einen Seite die sozialkritischen Chronisten des Alltags, auf der anderen Seite die Verfechter eines zeitlosen Realismus, der sich an klassischen Vorbildern orientierte.<\/p>\n<p class=\"pg\">W\u00e4hrend Otto Dix mit geradezu chirurgischer Pr\u00e4zision den k\u00f6rperlichen und moralischen Zerfall der Nachkriegsgesellschaft festhielt, zeigten Maler wie Alexander Kanoldt oder Georg Schrimpf menschenleere R\u00e4ume, unbewegte Figuren, eine k\u00fchle Stille. Diese Ambivalenz stiess oft auf Kritik. Dass diese Bewegung ausgerechnet in Mannheim ihre erste grosse B\u00fchne fand, d\u00fcrfte aus heutiger Sicht kein reiner Zufall gewesen sein. Die Stadt war damals ein Experimentierfeld f\u00fcr Industrie, Architektur und neue Gesellschaftsformen. Entsprechend gross war 1925 der Erfolg der Ausstellung, sodass sie danach auch in Dresden, Chemnitz und Erfurt gezeigt wurde.<\/p>\n<p class=\"pg\">Der Begriff Neue Sachlichkeit wurde zur Chiffre einer k\u00fcnstlerischen Haltung, die auch in der Fotografie, der Literatur und im Film Schule machte. Bis Ende dieses Jahres zeigt die Kunsthalle Mannheim eine umfassende Hommage an die bahnbrechende Ausstellung vor hundert Jahren. In einer Zeit, in der Fakten als dehnbar gelten, in der Bilder manipuliert werden, bekommt die Hinwendung zum Wahren und Wirklichen eine neue Relevanz. Die Neue Sachlichkeit war in ihren Urspr\u00fcngen ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine achtsame Wahrnehmung. Aber jede Generation steht erneut vor der Aufgabe, die Wirklichkeit ihrer Zeit ins Bild zu setzen und sich daf\u00fcr stark zu machen.<\/p>\n<p class=\"pg\">Ausstellung \u00abNeue Sachlichkeit\u00bb: Bis 31. Dezember 2025, <a class=\"pt\" href=\"http:\/\/www.kuma.art\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.kuma.art<\/a><\/p>\n<p>Neupr\u00e4sentation im Jugendstilbau<\/p>\n<p class=\"pg\">Im Obergeschoss des Jugendstilbaus der Kunsthalle Mannheim wurden die R\u00e4ume neu gestaltet und kuratiert \u2013 auch hier lohnt sich ein Besuch: Interessierte entdecken stimmungsvolle Landschaftsdarstellungen des fr\u00fchen 19. bis 20. Jahrhunderts von Meistern wie Caspar David Friedrich und Carl Spitzweg, ebenso wie Werke von Max Liebermann und Lovis Corinth, erg\u00e4nzt durch Gem\u00e4lde und Skulpturen des Informel, also abstrakte Malerei der Nachkriegszeit sowie eine zeitgen\u00f6ssische Videoarbeit. Zudem wird die Mehrkanal-Videoinstallation \u00abBreker CCTV\u00bb von Itamar Gov erstmals als Teil der eigenen Sammlung pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p class=\"pg\">Ausstellung: Bis 30. August 2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"TLVGMannheim | 15. November 2025 Die Kunsthalle Mannheim hat 1925 mit der Ausstellung \u00abDie Neue Sachlichkeit\u00bb ein Kapitel&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":577094,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1845],"tags":[50681,1634,4633,50677,12549,50689,50666,50686,50691,8284,3364,50662,50661,29,50663,50690,548,663,3934,4447,50679,30,1724,50688,50684,13,259,50685,50660,50680,45647,50668,80,50672,50683,50671,2096,50665,50687,2249,50692,50674,50673,14,15,50694,50669,50659,50664,16,12,50693,50675,265,50670,50667,3866,1973,55,50676,50678,26837,50682],"class_list":{"0":"post-577093","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-mannheim","8":"tag-adelboden","9":"tag-baden-wuerttemberg","10":"tag-basel","11":"tag-belp-ittigen","12":"tag-bern","13":"tag-berner-oberland","14":"tag-biel","15":"tag-brienz","16":"tag-bundesstadt","17":"tag-burgdorf","18":"tag-de","19":"tag-der-brienzer","20":"tag-der-oberhasler","21":"tag-deutschland","22":"tag-echo-von-grindelwald","23":"tag-emmental","24":"tag-eu","25":"tag-europa","26":"tag-europe","27":"tag-events","28":"tag-frutigen","29":"tag-germany","30":"tag-gesellschaft","31":"tag-grindelwald","32":"tag-gstaad","33":"tag-headlines","34":"tag-informationen","35":"tag-interlaken","36":"tag-jungfrau-zeitung","37":"tag-kandersteg","38":"tag-kolumnen","39":"tag-koeniz","40":"tag-kultur","41":"tag-langenthal","42":"tag-lenk","43":"tag-lyss","44":"tag-mannheim","45":"tag-marveglia","46":"tag-meiringen","47":"tag-meldungen","48":"tag-mittelland","49":"tag-muensingen","50":"tag-muri-bei-bern","51":"tag-nachrichten","52":"tag-news","53":"tag-oberaargau","54":"tag-ostermundigen","55":"tag-plattform-j","56":"tag-plattformj","57":"tag-politik","58":"tag-schlagzeilen","59":"tag-seeland","60":"tag-spiez","61":"tag-sport","62":"tag-steffisburg","63":"tag-thun","64":"tag-veranstaltungen","65":"tag-wetter","66":"tag-wirtschaft","67":"tag-worb","68":"tag-zollikofen","69":"tag-zuerich","70":"tag-zweisimmen"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":"Validation failed: Text character limit of 500 exceeded"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/577093","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=577093"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/577093\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/577094"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=577093"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=577093"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=577093"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}