{"id":577121,"date":"2025-11-15T09:30:27","date_gmt":"2025-11-15T09:30:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/577121\/"},"modified":"2025-11-15T09:30:27","modified_gmt":"2025-11-15T09:30:27","slug":"geheime-waffentests-verseuchen-den-boden-infosperber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/577121\/","title":{"rendered":"Geheime Waffentests verseuchen den Boden \u2013 infosperber"},"content":{"rendered":"<p class=\"author-meta\"><a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/umwelt\/frankreich-geheime-waffentests-verseuchen-den-boden\/mailto:paderungs@bluewin.ch\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Pascal Derungs<\/a> \/ 15.11.2025\t\t\t\t<strong>\u00a0Im Kalten Krieg experimentierte Frankreich mit Uranz\u00fcndern. Mitarbeiter starben. Das Trinkwasser von Paris ist gef\u00e4hrdet.<\/strong>\n\t\t\t<\/p>\n<p>Jahrzehntelang t\u00e4uschte das franz\u00f6sische Atomenergiekommissariat CEA die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber ihr geheimes Projekt zum Test von Nuklearwaffen-Z\u00fcndern. Nichtsahnend war die Bev\u00f6lkerung der Gegend um das Testgel\u00e4nde gesundheitssch\u00e4dlicher Radioaktivit\u00e4t ausgesetzt. Viele Menschen erlitten chronische Lungenkrankheiten, manche starben an den Folgen. Die strahlenden \u00dcberreste der Detonationsexperimente sickern immer tiefer in den Untergrund. Langfristig ist das Grundwasser des gesamten Pariser Beckens bedroht, das Trinkwasser von Abermillionen Menschen. Das dokumentiert der Filmemacher C\u00e9dric Picaud mit seinem preisgekr\u00f6nten Werk \u00abLe Polygone\u00bb.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"971\" height=\"559\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/CEDRIC-PICAUD.jpg\" alt=\"CEDRIC PICAUD\" class=\"wp-image-663489\"  \/>C\u00e9dric Picaud erhielt am Uranium Filmfestival in Berlin die Troph\u00e4e f\u00fcr seinen Dokumentarfilm \u00abLe Polygone\u00bb.<\/p>\n<p>Der Staat stellt sich taub<\/p>\n<p>Seit 2013 ist das Testprogramm offiziell beendet. Das \u00abCommissariat \u00e0 l\u2019\u00c9nergie Atomique\u00bb (CEA) zog ab und hinterliess seinen gef\u00e4hrlichen M\u00fcll. Es gab keinen R\u00fcckbau der strahlenverseuchten Einrichtungen, keine Sanierung des belasteten Bodens. Damien Girard, der B\u00fcrgermeister der betroffenen Gemeinde Pontfaverger-Moronvilliers, bem\u00fcht sich um die Anerkennung und Wiedergutmachung des erlittenen Unrechts und Schadens durch den Staat.<\/p>\n<p>Im Film sagt er: \u00abSeit etwa zehn Jahren versuchen wir, mit dem CEA in den Dialog zu treten, aber es ist, als w\u00fcrde man gegen eine Mauer sprechen.\u00bb Emp\u00f6rt erg\u00e4nzt er: \u00abEs ist wie bei einem Mieter, der Ihr Haus nutzt, keine Miete zahlt und seinen M\u00fcll zur\u00fcckl\u00e4sst, wenn er auszieht. Nicht annehmbar.\u00bb<\/p>\n<p>Jetzt will Girard versuchen, auf dem Rechtsweg die Herausgabe von geheimen CEA-Dokumenten zu erzwingen, um die Schadenersatzanspr\u00fcche seiner Gemeinde untermauern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Milit\u00e4rs spielten nie mit offenen Karten<\/p>\n<p>Seit dem Ersten Weltkrieg sind rund 2000 Hektaren Land in der Gegend von Pontfaverger-Moronvilliers eine unfruchtbare Kraterlandschaft. Damals beschossen sich an der festgefahrenen Frontlinie deutsche und franz\u00f6sische Truppen gegenseitig jahrelang mit Artilleriefeuer. Zehntausende Soldaten starben in den H\u00fcgeln der \u00abMonts de Champagne\u00bb, die Vegetation wurde vernichtet, zur\u00fcck blieben nur die nackten Kreidefelsen, von den Einheimischen fortan \u00abMont Blanc\u00bb genannt. Dieses verw\u00fcstete Gel\u00e4nde erachtete das Verteidigungsministerium als geeignet f\u00fcr seine Atomwaffenexperimente.<\/p>\n<p>Die Bev\u00f6lkerung wurde systematisch get\u00e4uscht<\/p>\n<p>Als das CEA seine Aktivit\u00e4ten Mitte der 1950er Jahre aufnahm, tarnte es sich erst als \u00d6lbohrfirma. Sp\u00e4ter riegelte es die Zone ab und behauptete, es m\u00fcsse Abertausende von Granaten-Blindg\u00e4ngern aus dem 1. Weltkrieg r\u00e4umen. So konnte es die vielen Detonationen seiner Waffentests gegen\u00fcber der ahnungslosen Bev\u00f6lkerung \u00fcber Jahrzehnte erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Das CEA besch\u00e4ftigte auf dem Gel\u00e4nde eigene Leute wie auch einheimische Handwerker und Bauarbeiter. Alle waren zu strikter Geheimhaltung verpflichtet, auch gegen\u00fcber der eigenen Familie. <\/p>\n<p>Im Lauf von 55 Jahren erstellte das CEA f\u00fcr seine Experimente auf 500 Hektaren Kraterland 120 Bauten, viele davon unterirdisch, mit Mauern aus armiertem Beton von bis zu 1,5 Metern Dicke. Es wurde nie publik, was genau in den Bunkern geschah, welche Materialien f\u00fcr die Detonationsexperimente zum Einsatz kamen, wieviel radioaktive Strahlung dabei erzeugt wurde.<\/p>\n<p>Handwerker und Bauarbeiter waren nicht gesch\u00fctzt<\/p>\n<p>Auf dem Testgel\u00e4nde verf\u00fcgten nur die CEA-Ingenieure \u00fcber Schutzkleidung und Masken, die einfachen Arbeiter nicht. F\u00fcr sie bestehe keine Gefahr, hiess es. Regelm\u00e4ssig seien sie per Nasenabstrich auf die Strahlenbelastung getestet worden, sagen diverse Zeitzeugen im Film. Damien Girard hat Aufzeichnungen dar\u00fcber aufgetrieben. Daraus gehe hervor, dass nicht selten \u00dcberschreitungen der maximalen Tagesdosis um das 20- bis 40-fache gemessen wurden. Doch nie sei jemand informiert, gewarnt oder von der Arbeit suspendiert worden. \u00a0\u00a0<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"614\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Polygon-1-scaled-e1762691476216-1024x614.png\" alt=\"Polygon-1\" class=\"wp-image-663465\"  \/>Ungesch\u00fctzt hantierten Arbeiter \u00fcber Jahrzehnte auf dem Testgel\u00e4nde f\u00fcr atomare Bombenz\u00fcnder mit hoch-radioaktiven Materialien.<\/p>\n<p>\u00abManchmal sah man einen Atompilz in den Himmel steigen\u00bb<\/p>\n<p>Es habe wohl keine Atombombendetonation im eigentlichen Sinn gegeben, mutmasst ein Zeitzeuge im Film, ein ehemaliger CEA-Insider, \u00ababer wir kamen den nuklearen Bedingungen sehr nahe.\u00bb Sie h\u00e4tten mit Beryllium, Uran, Tritium und Deuterium experimentiert \u2013 allesamt stark radioaktive Elemente. \u00abWir wissen, dass die Kontamination direkt unter dem Standort um 3600 Prozent zugenommen hat. Dies basiert auf einem Dokument, das wir bereits 2005 vom CEA erhalten haben\u00bb, berichtet Damien Girard. Heute weigere sich das Atomenergie-Kommissariat, weitere solcher Dokumente herauszugeben.<\/p>\n<p>Das Testgel\u00e4nde wurde heimlich auch als Deponie benutzt<\/p>\n<p>Mittlerweile hat Girard erfahren, dass auf dem ehemaligen Testgel\u00e4nde auch radioaktive Abf\u00e4lle, die Plutonium enthielten, vergraben wurden. Es stellte sich heraus, dass dieser Abfall aus dem stillgelegten Kernkraftwerk Marcoule stammt. Dies deute darauf hin, dass die CEA-St\u00e4tte \u2013 entgegen allen Behauptungen \u2013 nicht ausschliesslich der Erprobung von Detonationsz\u00fcndern gedient habe. Es habe auch Experimente mit radioaktiven Materialien und Gasen gegeben, die nur dazu gedient h\u00e4tten, \u00abdie Auswirkungen auf die Umwelt, die Vegetation und wahrscheinlich auch auf den Menschen zu untersuchen.\u00bb<\/p>\n<p>Weiterf\u00fchrende Informationen<\/p>\n<p>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin\/des Autors<\/p>\n<p>Keine<br \/>_____________________<br \/>\u2794 Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/spenden\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">SPENDEN<\/a> m\u00f6glich. 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