{"id":577312,"date":"2025-11-15T11:20:17","date_gmt":"2025-11-15T11:20:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/577312\/"},"modified":"2025-11-15T11:20:17","modified_gmt":"2025-11-15T11:20:17","slug":"nach-heftiger-redeschlacht-der-mieterverein-stuerzt-seinen-dauerchef-gassmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/577312\/","title":{"rendered":"Nach heftiger Redeschlacht: Der Mieterverein st\u00fcrzt seinen Dauerchef Ga\u00dfmann"},"content":{"rendered":"<p>Am Ende war das Wahlergebnis keine \u00dcberraschung mehr. Als bei der Hauptversammlung des Stuttgarter Mietervereins im Haus der Wirtschaft nach dreist\u00fcndiger Redeschlacht die Stimmen ausgez\u00e4hlt wurden, entsprachen die Zahlen der Stimmung im proppenvollen gro\u00dfen Saal: Mehr als 70 Prozent der Mitglieder hatten f\u00fcr den Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Ralf Brodda (56) als neuen Vorsitzenden votiert. Der seit vier Jahrzehnten amtierende Chef Rolf Ga\u00dfmann (74) kam nur auf gut 25 Prozent. Brodda warb umgehend f\u00fcr die Wiederwahl der bisherigen Stellvertreter, Ga\u00dfmann packte ohne sichtbare Regung auf dem Podium seine Sachen und setzte sich herunter ins Publikum.<\/p>\n<p>Es war das <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.duell-beim-mieterverein-der-letzte-kampf-des-mieter-veteranen.65ea3258-32fd-45e2-932f-36933fb46a80.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ende eines spektakul\u00e4ren Showdowns<\/a>, wie ihn der Mieterverein in seiner 125-j\u00e4hrigen Geschichte wohl noch selten erlebt hat. Mit fast allen Mitteln k\u00e4mpfte Ga\u00dfmann gegen den Kontrahenten, den er erst vor drei Jahren als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer geholt hatte \u2013 und Brodda hielt kaum weniger zimperlich dagegen, demonstrativ unterst\u00fctzt von der einheitlich in blauen Vereins-T-Shirts auftretenden Belegschaft. Auf offener B\u00fchne tobte ein Schlagabtausch, bei dem sich die Rivalen und ihre jeweilige Gefolgschaft nichts schenkten. Je mehr die wechselseitigen Attacken ans Eingemachte gingen, desto angewiderter zeigten sich viele Mitglieder. Die Selbstzerfleischung nutze nur dem eigentlichen Gegner, hie\u00df es an einem Tisch: \u201eDer Haus- und Grundbesitzerverein kann sich freuen.\u201c<\/p>\n<p>Zu Auftakt ein \u00dcberraschungscoup <\/p>\n<p>Begonnen hatte die Versammlung mit einem \u00dcberraschungscoup von Ga\u00dfmann. Er hatte kurzfristig einen Vorstandsbeschluss herbeigef\u00fchrt mit dem Ziel, die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Wahlen\" title=\"Wahlen\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wahlen<\/a> zu verschieben. Begr\u00fcndung: es drohe eine Anfechtung, <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.stuttgarter-mieterverein-wirbel-um-anrufe-vor-dem-vorstands-duell.fcc1f04d-73a0-49f8-ba01-2b787b5e77d1.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">weil Mitgliederlisten von Rechtsberatern genutzt worden seien, um zuletzt beratene Mitglieder zur Wahl von Brodda zu ermuntern<\/a>. Darin erblickte der Vorsitzende einen Datenschutzversto\u00df, den er dem zust\u00e4ndigen Landesbeauftragten zur Pr\u00fcfung zugeleitet hatte. Wenn dessen Ergebnis vorliege, solle eine unabh\u00e4ngige Person eine neue Versammlung vorbereiten und eine Findungskommission einen neuen Kandidaten f\u00fcr den Vorsitz suchen. Bedingung: Es d\u00fcrfe kein Angestellter des Vereins sein, also nicht Brodda. Er habe \u201edie Rei\u00dfleine ziehen\u201c m\u00fcssen und bitte bedr\u00e4ngte Mitglieder um Entschuldigung, sagte Ga\u00dfmann.<\/p>\n<p>Auf den Vorsto\u00df folgte eine hoch kontroverse Debatte. Der Vorsitzende wolle die Wahlen \u201eauf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschieben\u201c, r\u00fcgte die langj\u00e4hrige Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des Mietervereins, Angelika Brautmeier. Er m\u00fcsse wohl \u201emit den F\u00fc\u00dfen zuerst aus der Gesch\u00e4ftsstelle getragen werden\u201c. Auch andere Unterst\u00fctzer Broddas sahen \u201e\u00fcberhaupt keinen Grund, die Wahlen abzusagen\u201c. In ihm habe man einen h\u00f6chst geeigneten Kandidaten.<\/p>\n<p>\u201eIn der Politik nennt man das Diktatur\u201c <\/p>\n<p>Die F\u00fcrsprecher Ga\u00dfmanns wurden nicht weniger deutlich. Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung und Vorsitz in einer Hand, Arbeitgeber und zugleich Arbeitnehmer \u2013 das fanden mehrere Redner problematisch. Wo bleibe da die Kontrolle? \u201eIn der Politik nennt man das Diktatur\u201c, meinte einer. Erst 2022 hatte der Mieterverein diese Konstellation freilich per Satzungs\u00e4nderung erm\u00f6glicht. Der Grund: es werde immer schwieriger, Ehrenamtliche zu finden. Die Warnung vor einer Machtkonzentration sei \u201eQuatsch\u201c, erwiderte Brodda, die gebe es eher heute \u2013 ein Seitenhieb auf Ga\u00dfmann. Ein altgedientes Mitglied f\u00fchlte sich angesichts der Wahldebatte gar an Trump\u2018sche Methoden erinnert. Sein sarkastischer Kommentar: \u201eUnd morgen kommt der Sturm aufs Capitol.\u201c Mit klarer Mehrheit wurde eine Verschiebung schlie\u00dflich abgelehnt.<\/p>\n<p>Doch die wechselseitigen Attacken gingen auch danach weiter. Ga\u00dfmann nutzte seinen Rechenschaftsbericht, um Brodda erneut anzugreifen. Pers\u00f6nlich \u201eentt\u00e4uscht\u201c sei er von ihm, \u201ezu gro\u00dfz\u00fcgig\u201c gehe der mit dem Geld der Mitglieder um. Gemeint war ein Konflikt um die Verg\u00fctung des Rechtsberaters Stefan Conzelmann trotz dessen Freistellung als SPD-Ratsfraktionschef. Umgekehrt wurden auch Ga\u00dfmann jene etwa 30 000 Euro vorgehalten, die er bis 2023 j\u00e4hrlich als Honorar f\u00fcr die Pr\u00fcfung der Erfolgsaussichten von Rechtsf\u00e4llen erhielt.<\/p>\n<p> \u201eBitte ersetzen Sie Herrn Ga\u00dfmann\u201c  <\/p>\n<p>Immer wieder beklagten Redner das Niveau der Auseinandersetzung, als \u201eunw\u00fcrdig\u201c oder \u201eerschreckend\u201c. Der in Jahrzehnten aufgebaute gute Ruf des Mietervereins k\u00f6nne rasch zerst\u00f6rt werden. \u201eMir tut es in der Seele weh, wie hier aufeinander eingeschlagen wird\u201c, bekannte ein Altgedienter. Ein anderer zeigte sich \u201ezutiefst ersch\u00fcttert\u201c \u00fcber das Geschehen und meinte: \u201eDie Mitarbeiter tun mir leid.\u201c Am Ende kam die komplette Belegschaft auf die B\u00fchne, um Brodda den R\u00fccken zu st\u00e4rken. \u201eJeder ist ersetzbar\u201c, rief ihr Sprecher in den Saal, \u201ebitte ersetzen Sie Herrn Ga\u00dfmann durch Herrn Brodda\u201c. Der empfahl sich als jemand, \u201eder Br\u00fccken baut\u201c \u2013 und \u00fcberzeugte damit am Ende die klare Mehrheit. Als strahlender Sieger pr\u00e4sentierte er sich trotzdem nicht, zu viele Wunden hatte die Redeschlacht auf allen Seiten geschlagen.<\/p>\n<p>Offen blieb zun\u00e4chst zudem, ob Ga\u00dfmann die Abwahl akzeptiert. Eine Anfechtung, hatte er angek\u00fcndigt, werde er sich in Ruhe \u00fcberlegen. Er k\u00f6nne nicht abgeben?, sage man ihm nach. Seine Replik: \u201eDoch, ich kann.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am Ende war das Wahlergebnis keine \u00dcberraschung mehr. 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