{"id":579328,"date":"2025-11-16T08:08:18","date_gmt":"2025-11-16T08:08:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/579328\/"},"modified":"2025-11-16T08:08:18","modified_gmt":"2025-11-16T08:08:18","slug":"ostend-buchhandlung-in-stuttgart-besitzer-hoert-nach-33-jahren-auf-wie-stuttgart-ost-seine-buchhandlung-rettet-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/579328\/","title":{"rendered":"Ostend-Buchhandlung in Stuttgart: Besitzer h\u00f6rt nach 33 Jahren auf \u2013 Wie Stuttgart-Ost seine Buchhandlung rettet"},"content":{"rendered":"<p>Die Gr\u00fcnder der Ostend-Buchhandlung gehen nach 33 Jahren in den Ruhestand. Die Menschen im Osten sorgen f\u00fcr das Startkapital der Nachfolgerinnen.<\/p>\n<p>\u201eDer Prozentsatz an Kunden, die nicht freundlich oder sogar schwierig sind, ist hier so niedrig, wie ich es sonst nirgends erlebt habe und erlebe.\u201c Im L\u00e4cheln von Ulrich Schlote schwingt, als er das sagt, ein klitzekleines bisschen Stolz durch, obwohl das sonst so gar nicht seine Art ist. <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.stadtentwicklung-in-stuttgart-abschied-vom-traditionsstandort-thalia-wittwer-verlaesst-kleinen-schlossplatz.8c8ecd70-05dc-4e5c-af85-a5102e4b17af.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eIn der K\u00f6nigstra\u00dfe zum Beispiel ist das ganz anders.\u201c<\/a> <\/p>\n<p> Ulrich Schlote ist 85 und betreibt zusammen mit seiner Schwester Katrin Schlote-Korthals eine Buchhandlung im Stuttgarter Osten. Nach 33 Jahren machen die beiden nun Schluss mit ihrem Gesch\u00e4ft. Jetzt soll eine <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Crowdfunding\" title=\"Crowdfunding\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Crowdfunding<\/a>-Kampagne helfen, die Ostend-Buchhandlung zu erhalten.<\/p>\n<p>Die Inhaber der Buchhandlung haben an den Standort in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stuttgart<\/a>-Ost geglaubt <\/p>\n<p>Vor drei Jahrzenten war es ein gro\u00dfes Wagnis, <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.einkaufen-in-stuttgart-ost-zu-fuss-zum-supermarkt-bewohner-der-gaensheide-sind-abgehaengt.ead9424e-4374-4858-b1b7-cc3dece58dd2.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">im Stuttgarter Osten eine Buchhandlung zu er\u00f6ffnen<\/a>. Ausgerechnet in Stuttgart-Ost. Wie sagte eine Gaisburger Pfarrersfrau damals zu ihnen? \u201eIn Ostheim lesen sie doch keine B\u00fccher.\u201c<\/p>\n<p>Die Pfarrersfrau hat sich geirrt, in Stuttgart-Ost werden nach wie vor gedruckte B\u00fccher gelesen, die Ostend-Buchhandlung gibt es immer noch. \u201eDie Anfangszeit war ganz sch\u00f6n schwierig\u201c, erinnern sich die beiden an die Zeit, in der sie sich auch selbst einschr\u00e4nken und erst einmal herausfinden mussten, wie die Menschen im Stuttgarter Osten so ticken, wenn es um B\u00fccher geht.<\/p>\n<p> An der Ecke Ostendstra\u00dfe\/Klingenstra\u00dfe versuchten sie von Anfang an eine f\u00fcr vermeintliche Fachleute gewagte Mischung. Das Sortiment reichte und reicht von allgemeiner Unterhaltungsliteratur \u00fcber anspruchsvolle Belletristik bis zu Ratgebern und Kinderb\u00fcchern. Eine Beraterin sagte ihnen damals: \u201eDiesen Spagat schaffen Sie nicht.\u201c Schlote: \u201eAber wir machen den seit 33 Jahren und ohne den w\u00e4ren wir glaube ich l\u00e4ngst weg vom Fenster.\u201c<\/p>\n<p>In den ersten Jahren erlebten sie dann schnell, dass ihre eigene, eher n\u00fcchterne und ganz unpr\u00e4tenti\u00f6se Art tats\u00e4chlich und ziemlich gut zum Charakter der Menschen im Stuttgarter Osten passt. Aktionen zur Kundengewinnung wie Preisausschreiben interessieren dort eher wenige, klassische Werbung beispielsweise auf den direkt vor dem Laden regelm\u00e4\u00dfig vorbeifahrenden SSB-Omnibussen seien \u201ereine Geldverschwendung\u201c gewesen, erz\u00e4hlen die beiden.<\/p>\n<p>Eine kleine rote <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Rutsche\" title=\"Rutsche\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rutsche<\/a> war die beste Werbung f\u00fcr die Buchhandlung in Stuttgart-Ost <\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Wirkung hatte stattdessen in den 33 Jahren eine ganz kleine Rutsche, die gef\u00fchlt schon immer im hinteren Bereich der Buchhandlung auf dem Weg zu den Kinderb\u00fcchern steht. Die war einst ein Geschenk des Ravensburger Verlags. Diese Rutsche ist unver\u00e4ndert die wirkungsvollste Gemeinschafts- oder Community-bildende Ma\u00dfnahme. So manche Eltern, die heute nach Lesestoff f\u00fcr ihren Nachwuchs suchen, sind einst selbst dort schon runtergerutscht und stehen l\u00e4chelnd und in Erinnerungen schwelgend davor.<\/p>\n<p>So gesehen hat sich f\u00fcr Ulrich Schlote und seine Schwester in den vergangenen drei Jahrzehnten im Laden gar nicht so viel ver\u00e4ndert. Kinderb\u00fccher sind nach wie vor ein wichtiges Standbein. Die Nachfrage nach Ratgebern, egal ob Reisef\u00fchrer, Kochb\u00fccher oder auch Schwangerschaftsratgeber, sei internetbedingt deutlich zur\u00fcckgegangen. <\/p>\n<p>Daf\u00fcr sind mit der gerade auch durch Social Media ausgel\u00f6sten Young-Adult-Welle (YA) <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.stuttgarter-buchwochen-2025-wie-romantasy-und-junge-leserinnen-den-buchmarkt-beleben.4deb8adb-09a7-43d7-a946-e299866039c7.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ganz neue, junge Leserinnen und Leser dazu gekommen<\/a>. F\u00fcr sie spiele die Optik der B\u00fccher eine wichtige Rolle, auff\u00e4llig sei, dass diese Gruppe die B\u00fccher auch auf Englisch lese \u2013 und dann in der Buchhandlung immer wieder auch Klassiker wie die von Jane Austen entdecke.<\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/1763280498_789_media.media.5d315b6b-e6e8-4660-bdec-3ceb7876de0d.original1024.media.jpeg\"\/>     Young-Adult-  <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Literatur\" title=\"Literatur\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Literatur<\/a> \u2013 hier bei der Frankfurter Buchmesse im Oktober \u2013 hat dem Buchhandel eine neue Zielgruppe beschert.    Foto: imago\/Hannelore F\u00f6rster    <\/p>\n<p>Ulrich Schlote und Katrin Schlote-Korthals gehen zum Jahresende in den Ruhestand. Die Ostend-Buchhandlung wird es aber weiter geben. In diesen Zeiten, in denen Unternehmen oft mangels Nachfolge schlie\u00dfen m\u00fcssen, haben die beiden tats\u00e4chlich Nachfolgerinnen gefunden. Nina Schweikert hat vor beinahe 30 Jahren ihre Ausbildung in der Ostend-Buchhandlung gemacht und war die erste Auszubildende, die die Schlotes \u00fcbernehmen konnten. Sie ist der Buchhandlung treu geblieben, kennt die Kundschaft und die Kunden kennen sie. Zusammen mit ihrer Freundin Andrea Heidel wird sie die Geschichte der Ostend-Buchhandlung weiterschreiben.<\/p>\n<p> 8000 B\u00fccher \u00fcbernehmen die neuen Inhaberinnen des Buchladens in Stuttgart-Ost <\/p>\n<p>F\u00fcr so eine Gesch\u00e4fts\u00fcbernahme ist Startkapital erforderlich, nicht nur f\u00fcr das Mobiliar, erst recht f\u00fcr die rund 8000 B\u00fccher im Bestand. Daf\u00fcr haben die beiden Frauen eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, Ziel sind 20.000 Euro bis Ende Januar. Die Kampagne l\u00e4uft noch mehr als 70 Tage \u2013 und es sind schon knapp 15.000 Euro zusammengekommen. Das ist der beste Beweis daf\u00fcr, wie tief die Buchhandlung im Osten verwurzelt ist und wie viel die Menschen mit ihr verbinden: ein echter Ankerpunkt, Ruhepol und manchmal vielleicht auch Zufluchtsort in der Nachbarschaft in einer sich schnell ver\u00e4ndernden Welt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Gr\u00fcnder der Ostend-Buchhandlung gehen nach 33 Jahren in den Ruhestand. 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