{"id":579472,"date":"2025-11-16T09:30:38","date_gmt":"2025-11-16T09:30:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/579472\/"},"modified":"2025-11-16T09:30:38","modified_gmt":"2025-11-16T09:30:38","slug":"junge-generation-bewegt-vertriebene-oder-verbliebene-es-schlagen-zwei-herzen-in-meiner-brust","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/579472\/","title":{"rendered":"Junge Generation bewegt: Vertriebene oder Verbliebene? \u201eEs schlagen zwei Herzen in meiner Brust\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die Ungarndeutschen sind entweder Vertriebene \u2013 oder Verbliebene. F\u00fcr die Belange der Ersteren tritt hierzulande die Landsmannschaft der Deutschen aus <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Ungarn\" title=\"Ungarn\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ungarn<\/a> (LDU) ein. In der alten Heimat vertritt der Schwesternverband, die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LDU), die Interessen dieser Minderheit in Ungarn. Bei der j\u00fcngsten Kulturtagung in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Gerlingen\" title=\"Gerlingen\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gerlingen<\/a>, der Patenstadt der Ungarndeutschen, ist dem Bundes- und Landesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer der LDU, Erich Gscheidle, f\u00fcr sein besonderes Engagement das Ehrenzeichen der LDU Baden-W\u00fcrttemberg in Gold verliehen worden.<\/p>\n<p>Bei der Tagung mit dem Titel \u201e<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Geschichte\" title=\"Geschichte\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Geschichte<\/a> bewegt \u2013 auch uns\u201c ging es um die ungarndeutsche Vergangenheit aus Sicht der n\u00e4chsten Generation. \u201eDie Veranstaltung hat gezeigt, dass diese dramatischen Ereignisse der Vertreibung der Deutschen aus Ungarn in den Jahren 1946 bis 1948 auch heute noch das Leben zahlreicher Menschen in beiden L\u00e4ndern pr\u00e4gt\u201c, sagt Erich Gscheidle im R\u00fcckblick.<\/p>\n<p>\u201eFreundschaft kennt keine Grenzen\u201c <\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund sehe sich die Landsmannschaft als Br\u00fcckenbauer und in dieser Funktion als eine F\u00fcrsprecherin der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung, sagt der ehemalige Leiter des Gerlinger Hauptamtes. \u201eFreundschaft kennt keine Grenzen, und diese ist in zahlreichen Treffen und Begegnungen, die jedes Mal Herzenslust geschaffen haben, im Laufe der Jahre gewachsen\u201c, ist Gscheidle \u00fcberzeugt. Er hat das LDU-Amt 2012 mit seinem Eintritt in den Ruhestand \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>Dem sind viele Br\u00fcckenschl\u00e4ge vorausgegangen, ist doch Gerlingen seit 1969 die Patenstadt der Ungarndeutschen. Was die jeweils amtierenden B\u00fcrgermeister zum \u201ePatenonkel\u201c macht. Bereits im Jahr darauf fand hier die erste Kulturtagung statt \u2013 eine Veranstaltungsreihe, die lediglich von Corona unterbrochen wurde. Seit 1976 ist Gerlingen auch die Gastgeberin des Bundesschwabenballs, das bisher 69-mal stattgefunden hat. Davor fand die bundesweit gr\u00f6\u00dfte Veranstaltung der Ungarndeutschen in Ludwigsburg statt. <\/p>\n<p>Noch bevor der Eiserne Vorhang fiel, wurde 1987 der Kontakt mit Tata in Ungarn aufgebaut, das neben Vesoul in Frankreich und Seaham in England zu den drei Partnerst\u00e4dten Gerlingens z\u00e4hlt. Nicht zuletzt sind in dem aufstrebenden kleinen Gerlingen in den Nachkriegsjahren von den etwa 3000 Einwohnern fast 1000 vertriebene Ungarndeutsche gewesen.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/media.media.cfce7465-8961-4c83-b780-f13715e86a8f.original1024.media.jpeg\"\/>     Erich Gscheidle ist entt\u00e4uscht: \u201eNiemand von den Schulen hat sich gezeigt, auch nicht vom Jugendgemeinderat.\u201c    Foto: Simon Granville    <\/p>\n<p>F\u00fcr die diesj\u00e4hrige Tagung hatten die Veranstalter sehr junge Referenten gefunden. Es sind Ur- und Ururenkel der von der Vertreibung und Deportation Betroffenen. \u201eW\u00e4hrend die Kinder der Vertriebenen sich f\u00fcr die Thematik kaum interessierten, ist bei der jungen Generation das Bed\u00fcrfnis, mehr dar\u00fcber zu wissen, sehr gro\u00df\u201c, sagt Gscheidle. Das gehe darauf zur\u00fcck, dass seinerzeit in den Familien kaum \u00fcber die Ereignisse gesprochen wurde. \u201eMan wollte die Kinder nicht mit dem Trauma belasten.\u201c<\/p>\n<p>Jan Ament, 17: Es ist ein Teil meiner Familiengeschichte <\/p>\n<p>\u201eIch fand das deshalb so spannend, weil ich bisher nur wenig \u00fcber das Thema gewusst habe, es aber ein Teil meiner eigenen Familiengeschichte ist\u201c, sagt der 17-j\u00e4hrige Jan Ament \u00fcber die Beweggr\u00fcnde, sich mit der Vertreibung auseinanderzusetzen. Er hat zum Thema \u201eMenschen, Minderheiten, Migrationen\u201c \u00fcber die Auswanderungen im 18. Jahrhundert am Beispiel der Donauschwaben referiert. Die Urgro\u00dfeltern v\u00e4terlicherseits wurden vertrieben, die m\u00fctterlicherseits sind in Ungarn verblieben.<\/p>\n<p>\u201eAuch nach so langer Zeit, denn 2026 j\u00e4hrt sich zum 80. Mal der Beginn der Vertreibung, schwingt immer noch eine gro\u00dfe Trauer und eine Zerrissenheit mit\u201c, hat Erich Gscheidle den Vortr\u00e4gen der Jugendlichen entnommen. Besonders in dem von Leana Magdalena Becker wird das deutlich. Sie hat sich mit dem Thema \u201eDie Vertreibung der Ungarndeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg\u201c besch\u00e4ftigt und die Auswirkungen auf die Betroffenen und ihre Nachfahren. Sie ist 17, wohnt in Taunusstein, und ist Urenkelin einer heimatvertriebenen ungarndeutschen Familie.<\/p>\n<p>Ein Auszug aus ihrem Referat: \u201eEs ist schwer, wenn man an einem anderen Ort wohnt als sein Herz. Mein Leben lang wohne ich hier, im selben Haus mit denselben Menschen. Aber immer, wenn wir von Ungarn reden, \u00fcberkommen mich Sehnsucht und ab und zu auch Heimweh. Ich freue mich auf die Sommerferien, wenn wir nach Ungarn fahren, nicht in den Urlaub, sondern nach Hause, denn es schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Ich bin eine Ungarndeutsche.\u201c<\/p>\n<p> \u201eDieses Kapitel der deutschen Geschichte wird in der Schule nicht behandelt\u201c <\/p>\n<p>Ein lange verschwiegenes Kapitel in der Geschichte der Ungarndeutschen hat Lena Virth aufgegriffen. Unter dem Titel \u201eDie R\u00e4der rattern. Dawei, nur dawei!\u201c (dawei \u2013 russisch: \u201elos, los, schneller!\u201c) sprach sie \u00fcber die Deportation Zehntausender Ungarndeutschen am Ende des Zweiten Weltkrieges zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion. Sie ist 16 Jahre alt und wohnt in P\u00e9cs (Ungarn). Als Kind einer heimatverbliebenen ungarndeutschen Familie hat sie das Thema am Schicksal ihrer Ururgro\u00dfmutter aufgearbeitet. \u201ePers\u00f6nlich habe ich sie nicht gekannt, es wird aber in unserer Familie viel \u00fcber sie gesprochen, sodass ich das Gef\u00fchl habe, dass sie unter uns ist.\u201c<\/p>\n<p> \u201eNiemand von den Schulen hat sich gezeigt, auch nicht vom Jugendgemeinderat\u201c <\/p>\n<p>Noch vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren zur Jahreswende 1944\/1945 etwa 32\u2009000 arbeitsf\u00e4hige Ungarndeutsche, meist Frauen, zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert worden. Etwa 9000 starben in den russischen Arbeitslagern. Lange Jahre haben die Betroffenen \u00fcber diese Zeit geschwiegen. \u201eNur einige, instinktiv gesprochen S\u00e4tze zeugen von ihrem Leid, wie der Satz meiner Ururgro\u00dfmutter an meine Oma, wenn die etwas nicht essen wollte: \u201aDu w\u00fcrdest das schon essen, wenn du in Russland w\u00e4rst\u2019\u201c, berichtet die Jugendliche aus Erz\u00e4hlungen in der Familie.<\/p>\n<p>\u201eMit der Tagung und den jungen Referenten wollten wir einen Impuls geben, damit sich auch Jugendliche daf\u00fcr interessieren, wird doch dieses Kapitel der deutschen Geschichte in der Schule nicht behandelt\u201c, sagt Erich Gscheidle. Doch es schwingt Entt\u00e4uschung mit: \u201eNiemand von den Schulen hat sich gezeigt, auch nicht vom Jugendgemeinderat.\u201c <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Ungarndeutschen sind entweder Vertriebene \u2013 oder Verbliebene. 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