{"id":579499,"date":"2025-11-16T09:45:20","date_gmt":"2025-11-16T09:45:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/579499\/"},"modified":"2025-11-16T09:45:20","modified_gmt":"2025-11-16T09:45:20","slug":"berlin-spart-ohne-struktur-backstageclassical","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/579499\/","title":{"rendered":"Berlin spart ohne Struktur &#8211; BackstageClassical"},"content":{"rendered":"<p><strong>In ihren Pl\u00e4nen vermeidet Berlins Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson den gro\u00dfen, strukturellen Wurf. Dabei w\u00e4re genau das eine M\u00f6glichkeit, um Berlins Kultur langfristig zu sichern.<\/strong><\/p>\n<p>Das Sparen in Berlin geht weiter, wenn auch im Piano. Im Berliner Doppelhaushalt 2026\/2027 sind K\u00fcrzungen von insgesamt rund 130 Millionen Euro im Kulturhaushalt vorgesehen. Die Mittel f\u00fcr Kultur sollen im kommenden Jahr um 74 Millionen Euro und 2027 um weitere 56 Millionen sinken. Bereits 2025 war der Etat um 133 Millionen Euro geschrumpft. Damit spart der Senat im Kulturbereich \u00fcberdurchschnittlich stark.<\/p>\n<p>Berlins neue Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson h\u00e4lt dabei am Gie\u00dfkannen-Prinzip ihres Vorg\u00e4ngers Joe Chialo fest. Die K\u00fcrzungen treffen nahezu alle Sparten. So sollen beim Fonds Digitaler Wandel 6,8 Millionen Euro entfallen, bei der Schaub\u00fchne 540.000 Euro, bei der Volksb\u00fchne 730.000 Euro und beim Berliner Ensemble rund 600.000 Euro. Auch die gro\u00dfen Opernh\u00e4user und das Staatsballett m\u00fcssen gemeinsam 6,6 Millionen Euro weniger auskommen. Kleinere Einsparungen betreffen Programme wie das Arbeitsraumprogramm (minus 135 000 Euro) oder den Kunstpreis des Landes Berlin (minus 22 500 Euro).<\/p>\n<p><strong>Der Sparplan hat keine Vision<\/strong><\/p>\n<p>Trotz der Einsparungen bekr\u00e4ftigte Wedl-Wilson ihr Versprechen, dass keine H\u00e4user geschlossen werden. Personal- und Tariferh\u00f6hungen sollen weiter ausgeglichen werden, hei\u00dft es aus der Kulturverwaltung. \u00bbWir m\u00fcssen wirtschaftlich handeln, aber die kulturelle Vielfalt sichern\u00ab, sagt die Senatorin. Die gestiegenen Energie- und Sachkosten sollen die Einrichtungen allerdings weitgehend selbst tragen. Wedl-Wilson setzt auf sogenannte \u00bbShared Services\u00ab, also gemeinsame Strukturen und Werkst\u00e4tten, um langfristig Kosten zu senken. Ob das gelingt, soll zun\u00e4chst eine Unternehmensberatung pr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Wedl-Wilsons Sparplan bleibt dennoch St\u00fcckwerk, mit dem zwar schnelle Einsparungen m\u00f6glich werden, ein perspektivischer Strukturwandel aber kaum angestrebt wird. Um den Haushalt auch langfristig zu entlasten, br\u00e4uchte es einen Fahrplan mit strukturellen Visionen, wie einst mit der Opernstiftung. Wie w\u00e4re es zum Beispiel, die Intendanzen von Staatsoper und Deutscher Oper zusammenzulegen? Die zwei H\u00e4user bieten sich f\u00fcr unterschiedliches Repertoire an \u2013 zwei Chefdirigenten und Intendanzen sind unn\u00f6tig. Selbst \u00fcber die Rolle der Orchester lie\u00dfe sich nachdenken, wenn die H\u00e4user aus einer Mischung von Repertoire und Stagione-Prinzip betrieben w\u00fcrden. Eine Fusion, die mittelfristig f\u00fcr gro\u00dfe Spareffekte und vielleicht auch eine klarere k\u00fcnstlerische Zuspitzung sorgen w\u00fcrde.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p><strong>Fusion von Staatsoper und Deutscher Oper?<\/strong><\/p>\n<p>Laut Haushaltsentwurf will Berlin auch 2026 weiterhin rund 174 Millionen Euro f\u00fcr seine Opernh\u00e4user bereitstellen \u2013 umgerechnet rund 44 Euro pro Einwohner. F\u00fcr Theater sind 191 Millionen Euro vorgesehen (49 Euro pro Einwohner), f\u00fcr Museen 147 Millionen (37 Euro pro Einwohner). Damit bleibt Berlin im internationalen Vergleich ein Spitzenreiter bei der Kulturf\u00f6rderung, auch wenn die Spielr\u00e4ume enger werden.<\/p>\n<p>In der Praxis bedeuten die Einsparungen weniger Premieren, kleinere Besetzungen und schlichtweg weniger Jobs \u2013 vor allem f\u00fcr Freiberuflerinnen und Freiberufler, die in den gro\u00dfen H\u00e4usern h\u00e4ufig projektweise besch\u00e4ftigt werden. Die Schauspielergewerkschaft BFFS rechnet bereits mit einer \u00bbdramatisch versch\u00e4rften Besch\u00e4ftigungssituation\u00ab im Kulturbereich. Gerade auch deshalb ist es eine Frage, warum Berlin nicht an die kostspieligen Strukturen geht, sondern Privilegien, die kaum noch zu erkl\u00e4ren sind auf Kosten einer flexibleren Kulturlandschaft aufrecht erh\u00e4lt.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Gef\u00fchl von Solidarit\u00e4t<\/strong> <\/p>\n<p>Doch genau das vermeidet Wedl-Wilson. Sie gibt Berlins Kulturschaffenden das Gef\u00fchl der Solidarit\u00e4t. Das ist gut und richtig. Aber ein gemeinsames Nachdenken \u00fcber langfristigere \u00c4nderungen w\u00fcrde das nicht ausschlie\u00dfen. Wedl-Wilsons offensichtliche Strategie ist es, die Institutionen \u00bbmitzunehmen\u00ab. Auch deshalb scheinen die massiven K\u00fcrzungen derzeit auch kaum nicht ein Aufregerthema zu sein. W\u00e4hrend im vergangenen Jahr noch Tausende K\u00fcnstler gegen die Sparpolitik demonstrierten, blieb eine gr\u00f6\u00dfere Protestwelle diesmal aus.\u00a0<\/p>\n<p>Die neue Senatorin operiert kl\u00fcger als ihr Vorg\u00e4nger Joe Chialo, sie suggeriert ein \u00bbMiteinander\u00ab, k\u00f6nnte dabei aber auch den Moment verpassen, in der Krise neue Strukturen f\u00fcr die Zukunft zu etablieren. Ihr Sparhaushalt wirkt als w\u00fcrde sie viele Pflaster auf einem K\u00f6rper mit gebrochenen Knochen kleben. Fraglich, wie lange das noch gut geht.<\/p>\n<p>Der Kulturetat f\u00fcr Berlin wird voraussichtlich im Dezember im Haushaltsgesetz verabschiedet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In ihren Pl\u00e4nen vermeidet Berlins Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson den gro\u00dfen, strukturellen Wurf. 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