{"id":579579,"date":"2025-11-16T10:33:27","date_gmt":"2025-11-16T10:33:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/579579\/"},"modified":"2025-11-16T10:33:27","modified_gmt":"2025-11-16T10:33:27","slug":"beziehungen-zu-afghanistan-die-taliban-sind-in-deutschland-angekommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/579579\/","title":{"rendered":"Beziehungen zu Afghanistan: Die Taliban sind in Deutschland angekommen"},"content":{"rendered":"<p>Um mehr Abschiebungen nach Afghanistan zu erm\u00f6glichen, hat die Bundesregierung zwei diplomatische Vertreter des Taliban-Regimes einreisen lassen.<\/p>\n<p>Der Liebfrauenweg im Bonner Stadtteil \u00dcckesdorf liegt in einem beschaulichen Wohnquartier. Am ersten Dienstag im November aber wurde die gewohnte Ruhe gest\u00f6rt. Vor dem zweist\u00f6ckigen, rot verklinkerten Geb\u00e4ude mit der Hausnummer 1A versammelten sich mehr als vierzig Menschen, um gleichzeitig gegen die Regierung in Berlin und die Taliban-Machthaber im fernen Kabul zu protestieren.<\/p>\n<p>Einige Frauen afghanischer Herkunft hielten ein rund drei Meter langes Transparent vor sich. \u201eDie deutsche Regierung darf mit den Taliban keine Deals \u00fcber uns machen\u201c, war darauf zu lesen. Andere Demo-Teilnehmer hielten Poster mit den Abbildungen geschundener Frauen hoch \u2013 direkt vor dem afghanischen Generalkonsulat.<\/p>\n<p>Die Demonstranten wollten verhindern, dass ein Vertreter der radikalislamischen Taliban in der Bonner Vertretung das Kommando \u00fcbernimmt \u2013 also der Repr\u00e4sentant eines menschenverachtenden, terroristischen und frauenfeindlichen Regimes, vor dem viele Afghanen nach Deutschland geflohen sind. <\/p>\n<p>Dobrindt l\u00e4sst \u201ezwei afghanische Beamte\u201c ins Land <\/p>\n<p>Der Protest blieb erfolglos. Inzwischen hat Said Mustafa Hashimi, frisch entsandt aus Kabul, im Liebfrauenweg 1A das Kommando \u00fcbernommen. Neben Hashimi reiste auch Nibras-ul-Haq Aziz ein, er wurde nach Informationen der ARD aus Katar in die afghanische Botschaft in Berlin versetzt. Die Taliban sind in Deutschland angekommen.<\/p>\n<p>Im Oktober hatte Bundesinnenminister <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Alexander_Dobrindt\" title=\"Alexander Dobrindt\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Alexander Dobrindt<\/a> (CSU) best\u00e4tigt, dass er \u201ezwei afghanische Beamte\u201c nach Deutschland einreisen lassen wolle. Obwohl die Bundesregierung das Regime in Kabul nicht offiziell anerkennt, hat sie doch ein starkes Interesse an funktionsf\u00e4higen afghanischen Vertretungen. <\/p>\n<p>Sie stellen unter anderem amtliche Papiere aus \u2013 darunter Personalausweise und P\u00e4sse. Wenn die Regierung in Berlin ihre Absicht, verst\u00e4rkt Menschen nach <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Afghanistan\" title=\"Afghanistan\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Afghanistan<\/a> abzuschieben, verwirklichen will, braucht sie daf\u00fcr konsularischen Kontakt und technische Hilfe durch die Kabuler Machthaber.<\/p>\n<p>Position des Generalkonsuls offiziell nicht neu besetzt <\/p>\n<p>Was aber genau machen die Taliban-Vertreter in Deutschland? Das Ausw\u00e4rtige Amt versucht zu beruhigen: Die Position des Generalkonsuls in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Bonn\" title=\"Bonn\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bonn<\/a> sei nicht besetzt, und au\u00dferdem stehe das Generalkonsulat unter der Aufsicht der Botschaft in Berlin. Die werde weiterhin durch Menschen geleitet, die in der Vor-Taliban-Zeit entsandt wurden. <\/p>\n<p>Formal ist das richtig. Die Einsch\u00e4tzung unter afghanischen Fl\u00fcchtlingen lautet aber, dass sich inzwischen alle drei afghanischen Vertretungen dem Diktat der Taliban und deren Au\u00dfenminister Amir Khan Muttaqi unterworfen h\u00e4tten. Hashimi habe in Bonn eindeutig das Sagen.<\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/media.media.662af580-51cb-4bc9-bd3c-166233788be0.original1024.media.jpeg\"\/>     Die Au\u00dfenminister Amir Khan Muttaqi (li.) und Sergej Lawrow in Moskau: Russland war das erste Land, das das Taliban-Regime offiziell anerkannt hat.    Foto: dpa\/Russian Foreign Ministry    <\/p>\n<p>Das war vor wenigen Wochen noch anders. Da leitete Hamid Nangialay Kabiri die Bonner Vertretung, ein Gesandter der alten afghanischen Regierung, die 2021 von den Taliban gewaltsam von der Macht vertrieben wurde. Aus Protest gegen die Ann\u00e4herung von Kabul und Berlin hat Kabiri Ende September mit seiner Bonner Belegschaft die Arbeit niedergelegt, das Konsulatsgeb\u00e4ude versiegelt und den Hausschl\u00fcssel ans Ausw\u00e4rtige Amt in Berlin geschickt. Inzwischen soll der Ex-Diplomat politisches Asyl in Deutschland beantragt haben.<\/p>\n<p>Das Konsulat am Rhein ist von besonderer Bedeutung. \u201eBonn ist der Daten-Knotenpunkt f\u00fcr ganz Europa, Kanada und Australien\u201c, sagte Kabiri der S\u00fcddeutschen Zeitung. Auf den Servern im Konsulat l\u00e4gen die Daten aller Botschaften und Konsulate in diesen L\u00e4ndern. Passantr\u00e4ge, Geburtsurkunden, Adressen Zehntausender Afghanen \u2013 all das w\u00fcrde nun den Taliban die H\u00e4nde fallen.<\/p>\n<p> Zugang zu sensiblen Daten <\/p>\n<p>Unter den Gefl\u00fcchteten l\u00f6st das gro\u00dfe Besorgnis aus, die Taliban k\u00f6nnten ihnen nun auch in Deutschland das Leben erschweren \u2013 oder sie sogar gef\u00e4hrden. Die Taliban h\u00e4tten nun direkten Zugang \u201ezu sensiblen Daten der afghanischen Menschen in Deutschland\u201c, sagt Zohra Soori-Nurzad dem WDR. Dies berge f\u00fcr die Betroffenen \u201eeine gro\u00dfe Gefahr\u201c. Sie bef\u00fcrchten, dass durch Konsularbeamte \u201eDinge so gedreht werden, dass sie wieder abgeschoben werden und sie vielleicht in Afghanistan ihr Leben verlieren\u201c.<\/p>\n<p>Soori-Nurzad kam selbst vor drei\u00dfig Jahren aus Afghanistan nach Deutschland und gr\u00fcndete die Hilfsorganisation \u201eStitching for School and Life\u201c (SSL). Sie hat auch den deutschen Pass, ihr afghanischer ist schon vor einiger Zeit abgelaufen. Eine Neuausstellung will sie nicht beantragen. \u201eIch werde es mir doppelt \u00fcberlegen, ob ich in ein solches Konsulat noch einmal hineingehe.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Um mehr Abschiebungen nach Afghanistan zu erm\u00f6glichen, hat die Bundesregierung zwei diplomatische Vertreter des Taliban-Regimes einreisen lassen. 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