{"id":579769,"date":"2025-11-16T12:17:13","date_gmt":"2025-11-16T12:17:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/579769\/"},"modified":"2025-11-16T12:17:13","modified_gmt":"2025-11-16T12:17:13","slug":"der-faust-2025-wie-stuttgart-den-deutschen-theaterpreis-feiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/579769\/","title":{"rendered":"\u201eDer Faust\u201c 2025: Wie Stuttgart den Deutschen Theaterpreis feiert"},"content":{"rendered":"<p>Im Stuttgarter Theaterhaus sind die Besten der Besten mit dem Deutschen Theaterpreis 2025 ausgezeichnet worden. Doch nun brechen harte Zeiten an.<\/p>\n<p>Alles ist gut. Wenn im Lauf dieser rund dreist\u00fcndigen Preisgala am Samstagabend zur Verleihung des Deutschen Theaterpreises im Stuttgarter Theaterhaus nach und nach die 36 diesj\u00e4hrig Nominierten vorgestellt werden, immer in kleinen, aber feinen Filmen mit Ausschnitten aus ihren jeweiligen Produktionen, dann kann man als Zuschauer immer wieder nur schnappatmen: Jesses, ist das gut.<\/p>\n<p>Hannover, Dresden, Chemnitz: \u00fcberall Spitzentheater <\/p>\n<p>Man lernt: Es gab herausragendes Schauspiel am Staatstheater in Hannover und am Staatsschauspiel in Dresden; gewonnen hat dann die Regisseurin Jana Vetten, Heidelberg. Es gab herausragendes Musiktheater an der Deutschen Oper in D\u00fcsseldorf und am Musiktheater in Gelsenkirchen; gewonnen hat dann Dennis Krau\u00df f\u00fcr das Theater Chemnitz. Es gab herausragendes \u201eTheater f\u00fcr ein junges Publikum\u201c an der Staatsoper in Hamburg und am Schauspielhaus in Bochum; gewonnen hat schlussendlich Ceren Oran von der Schauburg in M\u00fcnchen. <\/p>\n<p>Es gab Nominierte vom Berliner Ensemble und von den Uckerm\u00e4rkischen B\u00fchnen in Schwedt, es gab Nominierte von der Hauptstadt-Schaub\u00fchne und vom E.T.A. Hoffmann Theater in Bamberg. Und auch, wenn den rund 1000 geladenen G\u00e4sten des Abends eben dies grunds\u00e4tzlich schon vorher klar gewesen sein muss, weil sie allesamt entweder Intendanten, Dramaturgen, Kulturpolitiker, Regisseure, Journalisten oder die Nominierten selbst sind, also Insider \u2013 die wichtigsten Botschaft des gesamten Abends lautete: Die hiesige Theaterlandschaft ist eine international einmalige Sch\u00e4tzekarte.<\/p>\n<p>Einmal im Jahr laden der Deutsche B\u00fchnenverein, die Akademie f\u00fcr Darstellende K\u00fcnste in Berlin und die Kulturstiftung der L\u00e4nder zum Deutschen Theaterpreis, immer in ein anderes Theater von der B\u00fchnenkarte. Zum 20. Geburtstag seiner Auszeichnung namens \u201eDer Faust\u201c war man nun auf dem Stuttgarter Pragsattel gelandet, im Theaterhaus von Werner Schretzmeier, der gemeinsam mit seinem Team und den wunderbaren Akteuren der Familie Fl\u00f6z eine ebenso festliche wie fluffige Preisgala bereitete. <\/p>\n<p>Eine gro\u00dfe Koalition der Kulturfreunde <\/p>\n<p>Wobei f\u00fcr das Stuttgarter Theaterhaus gilt, was ja auch f\u00fcr die H\u00e4user in Hannover oder Heidelberg gilt, in Schwedt oder Chemnitz, in Gelsenkirchen oder Halberstadt: Es sind nicht nur Orte m\u00f6glichst gro\u00dfer Kunst, es sind Orte gesellschaftlichen Zusammenkommens und Miteinanders, Orte der Empathie und Auseinandersetzung, von Zeitansagen und Zukunftssuche. Carsten Brosda, der Hamburger SPD-Kultursenator und Pr\u00e4sident des B\u00fchnenvereins, brachte das in seiner Begr\u00fc\u00dfung ebenso eloquent wie \u00fcberzeugend zum Ausdruck; es gehe um die \u201eF\u00fclle von Perspektiven und Ausdrucksweisen, die unsere freie und offene Gesellschaft lebenswert machen\u201c. Aber auch Kunstministerin Petra Olschowski (Gr\u00fcne) und Kulturb\u00fcrgermeister Fabian Mayer (CDU) machten f\u00fcr Land und Stadt Bella Figura, lobten die Theater als \u201eInnovationsmotor\u201c, verorteten die \u00f6ffentlichen Kulturausgaben als n\u00f6tiges \u201eRisikokapital\u201c in die Zukunft der Gesellschaft. <\/p>\n<p>Der Chef warnt vor Verlusten <\/p>\n<p>Aber damit war bei aller Festfreude und allem Lobpreis auch die Schattenseite des diesj\u00e4hrigen Theatertreffens benannt. Getragen werden die B\u00fchnen von L\u00e4ndern und Kommunen, und insbesondere die Kommunen schlittern gerade in die gr\u00f6\u00dfte Finanzkrise j\u00fcngerer Zeit. Die Wirtschaftskrise l\u00e4sst die Einnahmen schrumpfen, die staatlichen Pflichtaufgaben wachsen dagegen an \u2013 es gibt nur wenige Schrauben, an denen in Ministerien und Rath\u00e4usern kurzfristig gedreht werden kann, um Entlastung zu schaffen, und die Kultur geh\u00f6rt dazu. Oder, um es mit den Worten Brosdas zu sagen, der ja gerade beides sein muss, Sparpolitiker einerseits, Interessenvertreter der Theater andererseits: \u201eWir m\u00fcssen aufpassen, dass jetzt nichts kaputt geht.\u201c<\/p>\n<p>Fast wie in der Oscar-Nacht <\/p>\n<p>Was danach folgte, machte aber alle Sorgen bis auf Weiteres vergessen, denn von nun an pr\u00e4sentierte Familie Fl\u00f6z die diesj\u00e4hrigen Nominierten und sodann die Preistr\u00e4ger; Gl\u00fcck und Tr\u00e4nchen bei letzteren inklusive. Vom Berliner Ensemble kam gleich eine ganze Truppe in St\u00e4rke eines gemischten Chores auf die B\u00fchne, die f\u00fcr den komplexen Medieneinsatz in der Produktion \u201eRCE #RemoteCodeExecution\u201c mit einem \u201eFaust\u201c ausgezeichnet wurde; der Auftritt erinnerte h\u00fcbsch an die Abteilung \u201eSpecial Effects\u201c in den Oscar-N\u00e4chten. Der Schauspieler Thomas Schmauser wurde als bester Darsteller ausgezeichnet f\u00fcr seine Rolle als Hendrik H\u00f6fgen im \u201eMephisto\u201c an den M\u00fcnchner Kammerspielen \u2013 und auf der B\u00fchne nach ein paar anf\u00e4nglichen Faxen sehr ernst, als er meinte, es mache ihn nach den Vorstellungen immer ganz fertig, dass viele Zuschauer glaubten, man spiele da gar nicht nach der Romanvorlage von Klaus Mann aus dem Jahr 1936, sondern dieser Abend \u00fcber einen Nazi-Kollaborateur sei ganz aktuell gedichtet.<\/p>\n<p>Emotionaler H\u00f6hepunkt war aber zweifellos der Deutsche Theaterpreis f\u00fcr die T\u00e4nzerin Leroy Mokgatle vom Berliner Staatsballett, die f\u00fcr ihre Partie als Puck in Edward Clugs Choreografie \u201eEin Sommernachtstraum\u201c ausgezeichnet wurde. Mokgatle ist non-bin\u00e4r, nicht allein auf ein Geschlecht festgelegt \u2013 wobei die geb\u00fcrtige S\u00fcdafrikanerin selbst das Pronomen \u201esie\u201c f\u00fcr sich benutzt. Getanzt hat sie auch schon in m\u00e4nnlichen Rollen, auch Preise gewonnen \u2013 und in Christian Spucks Kompanie nach l\u00e4ngerer Suche ihren Platz gefunden, wof\u00fcr sie strahlend sch\u00f6n und sichtlich bewegt dankte.<\/p>\n<p> Sehr gute Stuttgarter Bilanz <\/p>\n<p>Stuttgart kann im \u00dcbrigen hochzufrieden sein mit dem diesj\u00e4hrigen Theaterpreis: gleich drei der insgesamt 14 Auszeichnungen blieben direkt oder indirekt in der Landeshauptstadt. Die \u201ebeste B\u00fchne\u201c, die der aus Serbien stammende Nikola Knezevic f\u00fcr Florentina Holzingers Musiktheater \u201eSancta\u201c erdacht hat, entstand gr\u00f6\u00dftenteils hier in den Werkst\u00e4tten der Staatstheater. Korbinian Schmidts \u201ebeste Kost\u00fcme\u201c waren in der Elfriede-Jelinek-Inszenierung \u201eSonne\/Luft\u201c am Schauspiel Stuttgart zu erleben. Und der Ehrenpreis f\u00fcr Brigitte Dethier ehrt ja nicht nur die wegweisende Vork\u00e4mpferin f\u00fcr ein \u00e4sthetisch eigenst\u00e4ndiges Kinder- und Jugendtheater. Sondern preist auch die Stadt Stuttgart, die zu Beginn des Jahrtausends Kraft und Mut genug hatte, unterm Tagblattturm ein ganz neues, eigenes Theater f\u00fcr ein junges Publikum einzurichten, diesseits aller Weihnachtsm\u00e4rchen-Routinen.<\/p>\n<p>Das war damals gut. Das ist noch heute gut. Hoffentlich bleibt es gut. Der Deutsche Theaterpreis wandert weiter \u2013 2026 wird er in Wiesbaden zu Gast sein. Mal sehen, wie dann die Lage ist.<\/p>\n<p> <b>Theaterpreis<\/b> Eine Aufzeichnung der Stuttgarter Gala wird in der Mediathek des TV-Senders 3\u2009Sat zu sehen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im Stuttgarter Theaterhaus sind die Besten der Besten mit dem Deutschen Theaterpreis 2025 ausgezeichnet worden. 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