{"id":581010,"date":"2025-11-17T01:15:42","date_gmt":"2025-11-17T01:15:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/581010\/"},"modified":"2025-11-17T01:15:42","modified_gmt":"2025-11-17T01:15:42","slug":"das-kann-doch-nicht-der-wahre-jakob-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/581010\/","title":{"rendered":"\u201eDas kann doch nicht der wahre Jakob sein!\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Mauern, T\u00fcrmen und Zinnen zum UNESCO-Weltkulturerbe z\u00e4hlt. Im 13. Jahrhundert war sie eine Hochburg der Katharer, einer damals im S\u00fcdwesten Frankreichs weitverbreiteten Glaubensbewegung, die von Rom als h\u00e4retisch eingestuft wurde. Beim blutigen Albigenserkreuzzug, der 1209 begann, wurde die bis dahin als uneinnehmbar geltende Festung gest\u00fcrmt. Bei herrlichem Wetter lie\u00df sich die Mittagspause auf den malerischen, baumbestandenen Pl\u00e4tzen von Carcassonne angenehm verbringen. In der Unterstadt, einer 1247 von K\u00f6nig <a href=\"https:\/\/www.die-tagespost.de\/person\/ludwig-ix\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ludwig IX.<\/a> errichteten Bastide, wurde der Pilgergruppe in der gotischen Saint-Vincent ein herzlicher Empfang durch die Mesnerin Marie Gally bereitet.<\/p>\n<p>N\u00e4chste Station der Reise war die Bischofsstadt Albi, die malerisch am Fluss Tarn liegt. Von der Hotelterrasse bot sich ein pr\u00e4chtiger Anblick auf die gewaltige Backsteinkathedrale, die von au\u00dfen wie eine steingewordene Gottesburg wirkt. Im Inneren aber entfaltet sich eine ungeahnte Farbenpracht. Im Bischofspalast ist heute das Toulouse-Lautrec-Museum untergebracht, das eindrucksvolle Werke des 1864 in Albi geborenen K\u00fcnstlers zeigt. Im nahe gelegenen mittelalterlichen St\u00e4dtchen Cordes-sur-Ciel war Ausdauer beim Aufstieg durch die schmalen Gassen gefragt. Ein willkommener Halt bot die kleine Jakobuskapelle, die mit Fresken des franz\u00f6sischen Malers Yves Brayer geschm\u00fcckt war.<\/p>\n<p>Zu den eindrucksvollsten Erlebnissen der Reise geh\u00f6rte der Besuch des kleinen, abgelegenen Wallfahrtsortes Conques, der seinen Aufstieg zu einem der wichtigsten Stationen an der Via Podiensis den Reliquien der heiligen Fides, einer fr\u00fchchristlichen M\u00e4rtyrerin, verdankt. Staunend standen die Reiseteilnehmer vor dem gewaltigen Weltgerichtsportal, das zu den sch\u00f6nsten Sch\u00f6pfungen der romanischen Kunst in Frankreich geh\u00f6rt. Den Zug der Seligen, in den sich die legend\u00e4ren Stifter und F\u00f6rderer der Abtei, darunter <a href=\"https:\/\/www.die-tagespost.de\/person\/carolus-magnus\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Karl der Gro\u00dfe<\/a>, einreihen, f\u00fchrt Maria an. Auf der Seite der Verdammten werden nicht nur menschliche Laster wie Hochmut, Geiz, V\u00f6llerei, Habgier, Wilderei und Falschm\u00fcnzerei angeprangert, sondern auch recht drastisch die jeweils passenden Bestrafungen gezeigt. Einzigartig ist auch der Kirchenschatz, der durch einen gl\u00fccklichen Umstand erhalten blieb und zahlreiche kostbare Goldschmiedearbeiten sein Eigen nennt. Die prachtvolle Reliquienstatue der heiligen Fides erhielt erst im Laufe der Jahrhunderte durch viele Stiftungen ihr heutiges Aussehen. Alle Fenster der romanischen Wallfahrtskirche, eine der ersten Emporenkirchen Frankreichs, wurden von dem erst k\u00fcrzlich verstorbenen K\u00fcnstler Pierre Soulages minimalistisch mit schwarz-wei\u00dfen Linien gestaltet, die dem Kirchenraum ein unverwechselbares Gepr\u00e4ge geben. Die Kirche wird heute von Pr\u00e4monstratensern betreut, die 1992 von ihrem franz\u00f6sischen Mutterkloster Mondaye in der Normandie nach Conques geschickt wurden. Bei der Konventmesse hielt Fr\u00e8re Godefroid Pign\u00e8de, der drei Jahre in W\u00fcrzburg gelebt hat, die Predigt f\u00fcr die Pilgergruppe der \u201eTagespost\u201c auch auf Deutsch.<\/p>\n<p>Von Montauban, der letzten \u00dcbernachtungsstation, f\u00fchrte der Weg nach Cahors, wo die romanische Kathedrale Saint-\u00c9tienne eine der eigenwilligen s\u00fcdfranz\u00f6sischen Kuppelkirchen verk\u00f6rpert. Auch diese Kirche besitzt seit 2012 bunte Glasfenster, die von G\u00e9rard Collin-Thi\u00e9bault gestaltet wurden. Mit dem k\u00fchn \u00fcber den Fluss Lot gebauten Pont Valentr\u00e9 besitzt die historische Hauptstadt des Quercy eines der eindrucksvollsten mittelalterlichen Br\u00fcckenbauwerke, \u00fcber das die Jakobspilger seit dem 14. Jahrhundert die Stadt in Richtung Moissac verlie\u00dfen. Schon das Liber Sancti Jacobi erw\u00e4hnt das am Tarn liegende St\u00e4dtchen Moissac als eine der wichtigsten Etappenstationen auf der Via Podiensis. Der Aufstieg der Benediktinerabtei begann im Jahr 1047, als der schon damals ber\u00fchmte <a href=\"https:\/\/www.die-tagespost.de\/schlagwort\/aebtissinen-und-aebte\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Abt<\/a> Odilo von Cluny das marode Kloster der in Burgund liegenden Abtei von Cluny unterstellte. In der Folgezeit wurde nicht nur der prachtvolle und weitl\u00e4ufige Kreuzgang, der mit seinen Kapitellen die mittelalterliche Glaubens- und Bilderwelt eindrucksvoll vor Augen f\u00fchrt, sondern auch die Kirche und das romanische Figurenportal mit der ausdrucksstarken Darstellung des thronenden <a href=\"https:\/\/www.die-tagespost.de\/person\/jesus-christus\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Christus<\/a> errichtet. Seit \u00fcber 25 Jahren leben und beten Schwestern der Communaut\u00e9 Marie M\u00e8re de l\u2019\u00c9glise in Moissac und haben im Auftrag des <a href=\"https:\/\/www.die-tagespost.de\/schlagwort\/bischof\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bischofs<\/a> von Montauban auch die Pilgerbetreuung \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>Das letzte Ziel der Pilgerreise war das Marienheiligtum von Rocamadour, dessen einzigartige Lage an einem steil abfallenden Felshang jedem Besucher den Atem verschl\u00e4gt. Seit fast 1\u200a000 Jahren pilgern die Menschen zur Schwarzen Muttergottes von Rocamadour. In einem 1172 verfassten Mirakelbuch wurden damals bereits 126 Wunder aufgelistet. Es berichtet \u00fcber wunderbare Heilungen von Gebrechen, Krankheiten und Verletzungen, aber auch von Rettungen aus Seenot, Unwettern und allem anderen, wozu die Menschen damals die Hilfe und F\u00fcrsprache Marias erflehten. \u00dcber den traditionellen Pilgerweg \u201eVoie Sacr\u00e9e\u201c ging es zun\u00e4chst zu Fu\u00df vom Aussichtspunkt in L\u2019Hospitalet hinunter nach Rocamadour. Von dort f\u00fchren 216 Stufen \u00fcber die steile Pilgertreppe hinauf zu den sieben, teilweise ineinander gebauten Sanktuarien. Das Herzst\u00fcck ist die kleine Kapelle der Schwarzen Jungfrau, wo sich die Pilgergruppe der \u201eTagespost\u201c dem Schutz der Muttergottes anvertraute und als Zeichen ihrer Pilgerschaft nach der Messe die von Pr\u00e4lat Putz gesegneten Sportelle, die Pilgerabzeichen von Rocamadour, \u00fcberreicht bekamen. \u00dcber den 1887 angelegten Kreuzweg mit seinen 14 Stationen f\u00fchrte der Weg hinauf zur mittelalterlichen Burg, die im 14. Jahrhundert als Schutz f\u00fcr das Heiligtum errichtet wurde. 1936 kam der franz\u00f6sische Komponist <a href=\"https:\/\/www.die-tagespost.de\/person\/francis-jean-marcel-poulenc\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Francis Poulenc<\/a> nach einem Schicksalsschlag nach Rocamadour. Tief ergriffen, komponierte er in wenigen Tagen die \u201eLitanies \u00e0 la Vierge noire\u201c, sein erstes religi\u00f6ses Werk, dem noch viele folgen sollten. Sp\u00e4ter schrieb er: \u201eIch bin katholisch. Das ist meine gr\u00f6\u00dfte Freiheit.\u201c<\/p>\n<p>Die Autorin ist Kunsthistorikerin und begleitet seit vielen Jahren die Pilgerreisen der \u201eTagespost\u201c.<\/p>\n<p>Die Printausgabe der Tagespost vervollst\u00e4ndigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergr\u00fcnden und Analysen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mauern, T\u00fcrmen und Zinnen zum UNESCO-Weltkulturerbe z\u00e4hlt. Im 13. 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