{"id":582292,"date":"2025-11-17T14:14:12","date_gmt":"2025-11-17T14:14:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/582292\/"},"modified":"2025-11-17T14:14:12","modified_gmt":"2025-11-17T14:14:12","slug":"warum-europa-gegenueber-trump-nicht-schweigen-sollte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/582292\/","title":{"rendered":"Warum Europa gegen\u00fcber Trump nicht schweigen sollte"},"content":{"rendered":"<p>Die Entwicklungen in Lateinamerika \u2013 besonders rund um Venezuela \u2013 zeigen mit erschreckender Klarheit, wie schnell geopolitische Spannungen in einer Eskalationsspirale m\u00fcnden k\u00f6nnen. Seit Monaten verst\u00e4rken die USA ihre milit\u00e4rische Pr\u00e4senz in der Karibik, w\u00e4hrend die venezolanische F\u00fchrung ihrerseits die Streitkr\u00e4fte mobilisiert. Die Hinweise auf eine bevorstehende US-Intervention in dem Land nehmen zu.\u00a0<\/p>\n<p>Hinter der Rhetorik \u00fcber Demokratie, Menschenrechte und den \u201eKampf gegen Drogen\u201c verbirgt sich ein altbekanntes Muster: Machtpolitik im Gewand moralischer Argumente. Tats\u00e4chlich geht es um strategische Rohstoffe, geopolitische Einflusszonen und innenpolitische Profilierung.<\/p>\n<p>Unterst\u00fctzung durch Friedensnobelpreistr\u00e4gerin<\/p>\n<p>Wir erleben ein Wiederaufleben der Monroe-Doktrin, mit der die USA sich europ\u00e4ische Einmischung in die westliche Hemisph\u00e4re verbaten und die im 19. und 20. Jahrhundert auch als Rechtfertigung f\u00fcr US-Interventionen diente. Heute wird sie gegen den Einfluss Chinas neu aktiviert. Au\u00dfenminister Marco Rubio treibt diese Politik voran. Er pr\u00e4sentiert Nicol\u00e1s Maduro als Verantwortlichen f\u00fcr Drogenhandel und Migration und ist davon \u00fcberzeugt, dass ein Schlag gegen Venezuela gleichzeitig Kuba schw\u00e4chen w\u00fcrde.\u00a0<\/p>\n<p>Verst\u00e4rkt wird diese Eskalationslogik <a href=\"https:\/\/www.vorwaerts.de\/international\/friedensnobelpreis-fuer-maria-corina-machado-so-reagiert-lateinamerika\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">durch die rechte Politikerin und angehende Friedensnobelpreistr\u00e4gerin Mar\u00eda Corina Machado<\/a>, die Trump offen zu milit\u00e4rischem Vorgehen dr\u00e4ngt und daf\u00fcr die Privatisierung venezolanischer Rohstoffe in Aussicht stellt. Und w\u00e4hrend Maduro zweifellos ein autorit\u00e4rer Herrscher ist, der sein Land durch Misswirtschaft und Repression ruiniert hat, bleibt klar: Eine milit\u00e4rische Intervention w\u00fcrde die Souver\u00e4nit\u00e4t Venezuelas verletzen und nicht zwingend die Situation im Land verbessern.<\/p>\n<p>Folgt Kolumbien als n\u00e4chstes?<\/p>\n<p>Vielmehr w\u00e4re eine solche US-amerikanische Interventionspolitik bedrohlich f\u00fcr die demokratischen Kr\u00e4fte in der Region. Welche Kategorien w\u00fcrden die USA anwenden? Wer ist Feind, wer Freund? Bei Trump wird das nach Wohlgefallen und nicht unbedingt strategisch entschieden. <a href=\"https:\/\/www.vorwaerts.de\/international\/kolumbien-wie-prasident-gustavo-petro-den-neustart-schaffen-will\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Kolumbiens demokratisch gew\u00e4hlter Pr\u00e4sident Petro ist wegen seiner Kritik an Trump und der Unterst\u00fctzung Pal\u00e4stinas f\u00fcr US-Pr\u00e4sidenten wortw\u00f6rtlich ein rotes Tuch<\/a> \u2013 obwohl Kolumbien traditionell eine enge Sicherheitskooperation mit den Vereinigen Staaten pflegt.\u00a0<\/p>\n<p>Trumps Lateinamerika-Politik steht exemplarisch f\u00fcr eine gef\u00e4hrliche globale Entwicklung. Seine Au\u00dfenpolitik folgt keiner erkennbaren au\u00dfenpolitischen Strategie, sondern einem Wechselspiel aus Drohgeb\u00e4rden, Loyalit\u00e4ten und der Taxierung des innenpolitischen Nutzens. Mal inszeniert Trump sich als Pr\u00e4sident, der Kriege beendet, dann schickt er Kriegsschiffe in die Karibik.\u00a0<\/p>\n<p>Lula und Sheinbaum geben Trump Conta<\/p>\n<p>W\u00e4hrend es Teile der MAGA-Bewegung gibt, die weitere Kriege im Ausland skeptisch betrachten, b\u00f6te ein Angriff auf Venezuela beiden Lagern Ankn\u00fcpfungspunkte, da Trump vorgibt, es ginge ihm nicht in erster Linie um Regime Change. Stattdessen spricht er von einer Intervention als Ma\u00dfnahme gegen zwei innenpolitische Probleme: Zuwanderer*innen und Drogen aus S\u00fcdamerika. V\u00f6lkerrecht oder Respekt vor staatlicher Souver\u00e4nit\u00e4t sind keine Kriterien in den Entscheidungsprozessen Washingtons.\u00a0<\/p>\n<p>Auff\u00e4llig ist, dass sich die politischen F\u00fchrungen Lateinamerikas selbstbewusster gegen\u00fcber Washington positionieren als viele europ\u00e4ische Regierungen. Brasilien unter Lula und Mexiko unter Sheinbaum weisen \u00e4u\u00dfere Einmischung klar zur\u00fcck und setzen auf regionale Kooperation statt auf Vasallentreue.\u00a0<\/p>\n<p>Lateinamerika als zentralen Partner ernst nehmen<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorwaerts.de\/meinung\/warum-die-neue-bundesregierung-lateinamerika-nicht-vernachlaessigen-darf\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Europa hingegen verharrt in Passivit\u00e4t \u2013 ein strategischer Fehler!<\/a> Lateinamerika ist l\u00e4ngst kein Randgebiet mehr, sondern ein zentraler Partner f\u00fcr erneuerbare Energien, eine zukunftsorientierte Industriepolitik und die Stabilit\u00e4t demokratischer Ordnungen in einer multipolaren Welt. Wer diese Partnerschaften vernachl\u00e4ssigt, verliert wirtschaftliche Chancen und politische Glaubw\u00fcrdigkeit. \u00a0<\/p>\n<p>Gerade deshalb braucht Europa endlich eine eigenst\u00e4ndige Lateinamerika-Strategie. Aus sozialdemokratischer Sicht muss sie auf Kooperation, sozialer Entwicklung und demokratischer Souver\u00e4nit\u00e4t beruhen. Europa darf weder eine Interventionslogik unterst\u00fctzen noch geopolitische Leerstellen hinterlassen, die autorit\u00e4re Akteure f\u00fcllen.\u00a0<\/p>\n<p>Deutschland muss klare Haltung einnehmen<\/p>\n<p>Gerade Deutschland muss hier eine klarere Haltung einnehmen. Wer sich, wie wir, vielfach auf das V\u00f6lkerrecht beruft, darf nicht schweigen, wenn es verletzt wird \u2013 auch nicht durch Verb\u00fcndete. Wer sich, wie wir, gegen das Konzept von Einflusssph\u00e4ren im Falle Russlands ausspricht, darf nicht schweigen, wenn die Vereinigten Staaten in der westlichen Hemisph\u00e4re v\u00f6lkerrechtswidrig \u201eSpezialoperationen\u201c durchf\u00fchren.\u00a0<\/p>\n<p>Die Euphemismen f\u00fcr Krieg und Gewalt unterscheiden sich nicht von denen der Autokraten. Wenn der Westen seine eigenen Prinzipien abermals verr\u00e4t, darf er sich nicht wundern, wenn der globale S\u00fcden zunehmend achselzuckend auf russische oder gar chinesische Aggression gegen Nachbarl\u00e4nder blickt.\u00a0<\/p>\n<p>Eine milit\u00e4rische Eskalation in Venezuela h\u00e4tte gravierende Folgen. Sie w\u00fcrde autorit\u00e4re Kr\u00e4fte st\u00e4rken, die internationale Rechtsordnung schw\u00e4chen und Europa weiter an den Rand eines geopolitischen M\u00e4chtespiels dr\u00e4ngen, in dem wir eigentlich als Vermittler gefragt w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Fehler des 20. Jahrhunderts nicht wiederholen<\/p>\n<p>Lateinamerika steht an einem Wendepunkt \u2013 und Europa ebenfalls. Die Region kann in alte Abh\u00e4ngigkeiten zur\u00fcckgedr\u00e4ngt werden oder sich als eigenst\u00e4ndiger Akteur behaupten. Europa wiederum muss entscheiden, ob es Zuschauer bleibt oder handelnder Akteur sein will. \u00a0F\u00fcr uns Sozialdemokrat*innen ist klar: Au\u00dfenpolitik darf kein Spielfeld hegemonialer Fantasien sein. Sie muss demokratische Kr\u00e4fte st\u00e4rken, Frieden sichern und verhindern, dass die Fehler des 20. Jahrhunderts im 21. Jahrhundert wiederholt werden. Genau hier liegt die Verantwortung Deutschlands \u2013 und genau daran wird sich unsere Glaubw\u00fcrdigkeit messen lassen m\u00fcssen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Entwicklungen in Lateinamerika \u2013 besonders rund um Venezuela \u2013 zeigen mit erschreckender Klarheit, wie schnell geopolitische Spannungen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":582293,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3977],"tags":[331,332,13,14,15,12,4017,4018,4016,64,4019,4020],"class_list":{"0":"post-582292","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-usa","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-united-states","15":"tag-united-states-of-america","16":"tag-us","17":"tag-usa","18":"tag-vereinigte-staaten","19":"tag-vereinigte-staaten-von-amerika"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115565459089067886","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/582292","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=582292"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/582292\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/582293"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=582292"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=582292"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=582292"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}