{"id":582503,"date":"2025-11-17T16:21:17","date_gmt":"2025-11-17T16:21:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/582503\/"},"modified":"2025-11-17T16:21:17","modified_gmt":"2025-11-17T16:21:17","slug":"muenchen-was-muenchner-kliniken-tun-um-vergewaltigungsopfern-zu-helfen-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/582503\/","title":{"rendered":"M\u00fcnchen: Was M\u00fcnchner Kliniken tun, um Vergewaltigungsopfern zu helfen &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u201eIch m\u00f6chte bitte dringend eine Frauen\u00e4rztin sprechen.\u201c Wenn eine Frau diesen Satz am Empfang der Notaufnahme spricht, ist das ein Code. Und ein Hilferuf. Sie ist dann vermutlich Opfer sexualisierter Gewalt geworden. Und sie erhofft sich nur eines: traumasensibel und gut medizinisch versorgt zu werden.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Sieben Frauenkliniken in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fcnchen<\/a> kennen diesen Code, haben \u00c4rzte, \u00c4rztinnen und Pflegefachkr\u00e4fte geschult und zusammen mit dem Gesundheitsreferat, der Rechtsmedizin der LMU und der Beratungsstelle Frauennotruf M\u00fcnchen Qualit\u00e4tsstandards zusammengestellt, damit eine Akutversorgung nach einer Vergewaltigung gesch\u00fctzt m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Laut Sicherheitsreport der M\u00fcnchner Polizei werden 300 Vergewaltigungen j\u00e4hrlich registriert. Jede siebte Frau in Deutschland ist Opfer eines schweren sexuellen \u00dcbergriffs. <a href=\"https:\/\/frauennotruf-muenchen.de\/hilfe-nach-vergewaltigung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eAber nur jede zweite Frau spricht \u00fcber den Vorfall\u201c, sagt Maike Bublitz, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des Frauennotrufs M\u00fcnchen.<\/a> Aus Scham, aus dem Gef\u00fchl heraus, selbst eine Mitschuld zu tragen, und vor allem aus Angst, dass man ihr nicht glauben k\u00f6nnte. Ein niedrigschwelliges Angebot, das jeder Frau in einer solch schwierigen Situation Hilfe und eine medizinische Versorgung garantiert, sei der erste Schritt, um sich nach einer Vergewaltigung \u00fcberhaupt \u201ezu \u00f6ffnen\u201c.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Seit 2020 gibt es in M\u00fcnchen die Akutversorgung nach einer Vergewaltigung. Drei Jahre lang haben alle Beteiligte ein Konzept erarbeitet, das seit Oktober 2023 mit Aufkl\u00e4rung und Information, \u00d6ffentlichkeitskampagnen, einheitlichen Dokumentationsb\u00f6gen und Spurensicherungskits an den Kliniken umgesetzt wird. Spurensicherungskits, die das Gesundheitsreferat M\u00fcnchen an die Kliniken liefert.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u201eDas Konzept funktioniert inzwischen sehr gut\u201c, sagt Christian Lechner, Oberarzt der Frauenklinik der <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen_Klinik\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fcnchen Klinik<\/a> Harlaching. Eine Frau, die in der Notaufnahme den Code-Satz spreche, werde sofort an die diensthabende \u00c4rztin weitergeleitet. Auch versuche man sie in einen gesch\u00fctzten Raum zu bringen und \u201eschnell\u201c bei ihr zu sein. \u201eAlles darf die Frau sagen, alles ablehnen\u201c, sagt Lechner. Keinesfalls d\u00fcrfe sie einen \u201ezweiten Kontrollverlust\u201c erleben.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Annemarie Aiyeju, Trauma-Fachberaterin des Frauennotrufs, macht deutlich, wie wichtig dieser sensible Umgang sei. \u201eDie Verletzung durch die Tat, das gewaltsame Eindringen im Scho\u00dfraum\u00a0\u2013 sich im Krankenhaus erneut zu \u00f6ffnen und Untersuchungen zuzulassen, ist ein sehr schwerer Schritt.\u201c Deswegen d\u00fcrften Frauen, die Opfer sexualisierter Gewalt geworden seien und sich \u00fcberhaupt trauten, in die Klinik zu gehen, auch nicht abgewiesen werden, sagt Lechner. \u201ePassiert das, haben wir verloren. Sie werden diesen Schritt nicht noch einmal gehen.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Bei der Untersuchung im Krankenhaus wird die Patientin zun\u00e4chst akut versorgt. Es wird \u00fcber eine Notfall-Verh\u00fctung gesprochen, auf sexuell \u00fcbertragbare Infektionen untersucht. Im zweiten Schritt, wenn es die Frau m\u00f6chte, ist eine vertrauliche Spurensicherung m\u00f6glich. Sie ist wichtig, um eine eventuelle Anzeige zu unterst\u00fctzen. gerichtsfeste Befunde zu haben. Spermaspuren werden gesichert. Mithilfe eines \u201espeziellen Stempels\u201c, der unter anderem im Spurensicherungskit enthalten ist, k\u00f6nnten sogar \u201eAbriebe am K\u00f6rper\u201c und auf der Kleidung nach DNA-Spuren untersucht werden, erkl\u00e4rt Oberarzt Lechner. Einen Fotobeweis, der intime K\u00f6rperteile preisgibt, k\u00f6nnen die Frauen ablehnen. \u201eWie alle anderen Ma\u00dfnahmen auch\u201c, sagt der Arzt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die Spuren innerhalb von 72 Stunden sichern zu lassen, erfordert Mut. Zwei Jahre werden sie aufbewahrt. Solange haben Frauen Zeit, sich zu \u00fcberlegen, ob sie eine Anzeige erstatten wollen.<\/p>\n<p>Nur ein Prozent der T\u00e4ter wird laut Frauennotruf verurteilt<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u201eBeweise sind wichtig\u201c, sagt Opferanw\u00e4ltin Barbara Kaniuka. Aber sie ist ehrlich. Eine Spurensicherung bedeute nicht automatisch, dass die Beweisf\u00fchrung leicht werde. In vielen F\u00e4llen reichten die Beweise nicht aus, k\u00f6nne nicht eindeutig gekl\u00e4rt werden, ob der Sex einvernehmlich gewesen sei oder nicht. \u201eAber immer muss die Frau beweisen, dass sie Nein gesagt hat\u201c, erg\u00e4nzt Annemarie Aiyeju.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Traumatherapien, die Frauen machen, um ihr Leben nach einer Vergewaltigung \u00fcberhaupt wieder leben zu k\u00f6nnen, k\u00f6nnten\u00a0 \u00a0\u201eErinnerungen verzerren\u201c. Eine Begr\u00fcndung, die zum Beispiel die Verteidigung oft ins Spiel bringe, sagt Kaniuka. Aber ist das wirklich so? Deshalb w\u00fcnscht sie sich, dass Richterinnen und Richter noch mehr \u201egeschult w\u00fcrden\u201c. Denn nur ein Prozent der T\u00e4ter wird laut Frauennotruf tats\u00e4chlich verurteilt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Auch wenn Aufkl\u00e4rung und Information nicht genug sein k\u00f6nnen\u00a0\u2013\u00a0 in M\u00fcnchen funktioniert die Akutversorgung nach einer Vergewaltigung immer besser. Die Zahlen der Frauen, die an den sieben Kliniken wie den M\u00fcnchen Kliniken Harlaching, Neuperlach und Schwabing, den LMU-Kliniken Innenstadt und Gro\u00dfhadern, dem TU-<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Klinikum_rechts_der_Isar\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Klinikum rechts der Isar<\/a> und dem Klinikum Dritter Orden eine vertrauliche Spurensicherung gemacht haben, ist stetig gestiegen. Im Jahr 2021 waren es zw\u00f6lf, 2022 schon 61, ein Jahr sp\u00e4ter 88 und 2024 dann 104 Frauen. Das reiche \u201enoch lange nicht\u201c, sagt Maike Bublitz. Die Dunkelziffer sei immer noch zu hoch. \u201eUnd jede Vergewaltigung ist eine Vergewaltigung zu viel.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eIch m\u00f6chte bitte dringend eine Frauen\u00e4rztin sprechen.\u201c Wenn eine Frau diesen Satz am Empfang der Notaufnahme spricht, ist&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":582504,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1827],"tags":[772,29,30,2808,139718,139719,139720,1268,50047,149],"class_list":{"0":"post-582503","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenchen","8":"tag-bayern","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-gesundheit-in-muenchen","12":"tag-klinikum-grosshadern","13":"tag-klinikum-rechts-der-isar","14":"tag-lmu-klinikum","15":"tag-muenchen","16":"tag-muenchen-klinik","17":"tag-sueddeutsche-zeitung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115565958574306391","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/582503","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=582503"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/582503\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/582504"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=582503"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=582503"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=582503"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}