{"id":583213,"date":"2025-11-17T23:39:18","date_gmt":"2025-11-17T23:39:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/583213\/"},"modified":"2025-11-17T23:39:18","modified_gmt":"2025-11-17T23:39:18","slug":"hoteldirektor-in-stuttgart-undenkbar-dass-man-gaeste-duzt-wie-es-ist-von-beruf-gastgeber-zu-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/583213\/","title":{"rendered":"Hoteldirektor in Stuttgart: \u201eUndenkbar, dass man G\u00e4ste duzt\u201c \u2013 wie es ist, von Beruf Gastgeber zu sein"},"content":{"rendered":"<p>Peter Weish\u00e4upl ist Direktor im Hotel Unger in der Stuttgarter Innenstadt. Seit 25 Jahren. Was hat er alles erlebt in dieser Zeit? Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber Luxus, gro\u00dfe Ketten und Diskretion.<\/p>\n<p>Er hat es sich gem\u00fctlich gemacht f\u00fcrs Gespr\u00e4ch. Was bei Peter Weish\u00e4upl (65) hei\u00dft: Die Krawatte bleibt an, der Hemdknopf zu. Doch das Jackett kann mal Pause machen. Als dann aber der Fotograf kommt, zieht er es wieder an. Ein Hoteldirektor in offizieller Mission ist selbstverst\u00e4ndlich formvollendet und akkurat, repr\u00e4sentiert er doch sein Haus, das Hotel Unger. <\/p>\n<p>Ein seltenes Jubil\u00e4um <\/p>\n<p>Seit 25 Jahren ist er in dem Familienbetrieb der Direktor. Ein sehr seltenes Jubil\u00e4um in einer Branche, in der der Wechsel Programm ist, <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.immer-mehr-touristen-stuttgart-verzeichnet-neuen-besucherrekord.b3fad918-c9ca-46da-9d04-ead13639bc8a.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">in der Ketten dominieren<\/a>, die ihre Leute kreuz und quer durch die Welt schicken. Bei Peter Weish\u00e4upl ging es auch kreuz und quer, allerdings vornehmlich aus Bayern nach <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stuttgart<\/a>, mehrmals hin und zur\u00fcck. Und wenn man ihn so sieht, h\u00f6rt, wie er \u00fcber seinen Beruf, \u201esein\u201c Hotel und die G\u00e4ste redet, dass er \u201esein Hobby zum Beruf gemacht habe\u201c und noch \u201eanderthalb Jahre arbeiten darf\u201c; so verwundert, dass er sagt: \u201eIch bin nicht als Direktor zur Welt gekommen\u201c.<\/p>\n<p>Peter Weish\u00e4upl feiert im Hotel Unger in Stuttgart ein seltenes Jubil\u00e4um   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/media.media.9152d9b8-3b9d-4026-bae4-bc969d76a410.original1024.media.jpeg\"\/>     Das Hotel Unger in der Kronenstra\u00dfe    Foto: Lichtgut\/Leif Piechowski    <\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich gab es eine Zeit, da trug er nicht Krawatte und Jackett, sondern Lederhose. Aufgewachsen ist er in Gotteszell, zwischen Deggendorf und Viechtach. Mitten im sch\u00f6nen Bayerischen Wald. Damals ein Au\u00dfenposten der Freien Welt. Wer weiter fuhr, landete am Eisernen Vorhang, der Grenze zur Tschechoslowakei. Man darf wohl sagen, viel los war da nicht. Wer sich nicht f\u00fcrs Glasblasen begeistern kann, muss fr\u00fcher oder sp\u00e4ter weg. Noch heute ist das Gebiet, wie man so sch\u00f6n sagt, strukturschwach. Weish\u00e4upls Bruder pendelt zu BMW, st\u00e4ndig fahren Busse die 100 Kilometer, holen die Mitarbeiter ab und bringen sie ins Werk.<\/p>\n<p>Aufgewachsen im Bayerischen Wald, fr\u00fch nach Stuttgart gekommen <\/p>\n<p>Geboren ist er aber in Stuttgart. \u201eMein Vater war einer der ersten Gastarbeiter hier\u201c, sagt er und schmunzelt. Dann ging es zur\u00fcck, die Gro\u00dfeltern hatten eine Landwirtschaft und eine Gastwirtschaft. Zwei Jahre haben sie dort gelebt, w\u00e4hrend der Vater das eigene Haus gebaut hat. Anfangs war dort nicht viel los. Doch dann entdeckte der Feriendienst der Eisenbahner den Bayerischen Wald, schickte seine Mitarbeiter dorthin zur Erholung. Der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Tourismus\" title=\"Tourismus\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tourismus<\/a> nahm zu. \u201eFast jedes Privathaus hat Zimmer vermietet\u201c, sagt Weish\u00e4upl, \u201ewir haben auch zwei Zimmer vermietet\u201c. \u00dcblich war Halbpension. Abendessen gab es in einem der zwei Gasth\u00f6fe im Ort, also auch bei Opa und Oma. Nun war es nicht so, dass der junge Peter Weish\u00e4upl zur Kinderarbeit eingeplant war, auftragen, putzen oder zapfen musste, aber \u201edie Hotellerie und <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Gastronomie\" title=\"Gastronomie\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gastronomie<\/a> waren mir doch nicht fremd\u201c. <\/p>\n<p>Mit 17 lernte er dann Hotelkaufmann im Hotel Wastls\u00e4ge in Bischofsmais, nicht weit weg von Daheim. Ein gro\u00dfes Haus mit 100 Zimmern, mehrere Restaurants, Kosmetikstudio, Schwimmbad, Tennispl\u00e4tze, vier Konferenzr\u00e4ume, \u201ealles was heute ein Wellnesshotel hat\u201c. Gut, das Wort gab es damals nicht. Man lie\u00df es sich gut gehen. Und das so gut, dass viele gleich f\u00fcrs kommende Jahr buchten und bar anzahlten. <\/p>\n<p>Dann ging es das erste Mal zur\u00fcck nach Stuttgart, damals betrieben Alfred und Margit M\u00fcllersch\u00f6n die Gastro auf und am Fernsehturm. Ein Jahr blieb er dort, dann wollte ihn die Wastls\u00e4ge als Direktionsassistent wiederhaben. Mit 24. Dann wechselte er nach Deggendorf, dort wurde er Leiter der Gastronomie in der Stadthalle mit ihren 1500 Pl\u00e4tzen. <\/p>\n<p>Pendeln zwischen Schwaben und Bayern \u2013 aber nie in einer Hotelkette   <\/p>\n<p>Schlie\u00dflich rief ihn das Waldhotel wieder nach Stuttgart, er wurde stellvertretender Direktor in Degerloch. Mit 28 Jahren wurde er Direktor im Hotel der Katholischen Kirche in Sindelfingen. Nach f\u00fcnf Jahren war dann wieder Bayern an der Reihe, Bad Birnbach, Direktor eines Wellnesshotels. Weil \u201eich nach sieben Jahren dort nicht mehr so gl\u00fccklich war, habe ich mich hier beworben\u201c. Hier, das ist das Hotel Unger in der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Innenstadt\" title=\"Innenstadt\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Innenstadt<\/a>. Jenes Hotel, dass der Herr Unger mal der Frau Unger zum 50. Geburtstag geschenkt hat. Und dass mittlerweile Tochter Susanne Z\u00f6ller-Unger f\u00fchrt.<\/p>\n<p>\u201eIch war noch nie in einem Kettenhaus\u201c, sagt er, \u201edort ist der n\u00e4chste Vorgesetzte ein Manager.\u201c In einem Familienbetrieb wie im Hotel Unger gibt es \u201emeine Eigent\u00fcmerin, es gibt mich und 40 Mitarbeiter\u201c. Es macht ihm also Spa\u00df. Und dann rief auch die Pflicht. \u201eUnsere Eigent\u00fcmerin hat von 2006 bis 2019 einen zweistelligen Millionenbetrag investiert\u201c, erinnert er sich, \u201eals die f\u00fcnf Jahre vorbei waren, hat man halt l\u00e4nger gemacht. Dann sind die ganzen Bauma\u00dfnahmen gekommen, was ja auch spannend ist, ich konnte mit gestalten, das kann man bei einem Kettenhotel nicht.\u201c<\/p>\n<p>Und man kann wirklich nachhaltig sein. Nachhaltig, das ist ja so ein Begriff, der ist rundgeschliffen und abgenutzt vom vielen Gebrauch. \u201eWir m\u00fcssen nicht wie manche Ketten, die jeden Trend mitmachen wollen, nach sieben Jahren alles rausschmei\u00dfen.\u201c Das Hotel Unger hat einen Betrieb im Fr\u00e4nkischen, der die M\u00f6bel schreinert. \u201eDie lassen wir reparieren, das verstehe ich unter Nachhaltigkeit!\u201c Und nicht, dass man einen Biojoghurt zum Fr\u00fchst\u00fcck anbiete. <\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/media.media.ce4f4998-9fac-417a-8a5a-42ae0fd7570b.original1024.media.jpeg\"\/>     Im B\u00fcro    Foto: Lichtgut\/Leif Piechowski    <\/p>\n<p>Die auff\u00e4llige Fassade mit den Bl\u00e4ttern, deren Farben und Formen sich \u00fcberall im Hotel wiederfinden, daran war er mit beteiligt. Details sind ihm wichtig. Und Diskretion. Wer alles hier absteigt, bleibt Geheimsache. Aber Minister seien darunter, Schauspieler und Abgeordnete. Wobei, einmal da pfiffen sie auf jede Diskretion. Da installierten sie in Zimmer 501 zig Kameras und filmten ein Wochenende lang ihre G\u00e4ste. Das war eine Zusammenarbeit mit dem Filmwinter, eine Persiflage auf \u201eBig Brother\u201c. \u00dcbertragen wurde in alle Zimmer und ins Foyer vom Filmwinter. 300 Leute kamen, einer duschte. Eine bohrte so ausgiebig in der Nase, dass der Hausmeister zornbebend ins Zimmer st\u00fcrmte und z\u00fcrnte: \u201eM\u00e4del, da schauen alle zu und Du popelst eine Viertelstunde!\u201c So ist das mit der Kunst, der Sinn erschlie\u00dft sich nicht jedem.<\/p>\n<p>Ansonsten fehlen gerne mal Badem\u00e4ntel und Handt\u00fccher, ein Zimmer war mit F\u00e4kalien verschmiert, die Rechnung f\u00fcr die Reinigung kam von einem Anwalt zur\u00fcck mit den Hinweis, sein Klient habe das nicht getan. Etliche Male muss man auch auf Zahlung dringen, einmal mahnte er einen Gast doch bitte zu zahlen, oder das Zimmer zu r\u00e4umen. \u201eDa habe ich die Polizei angerufen und gefragt: Gibt es den \u00fcberhaupt? Ist der gemeldet?\u201c F\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter sei die Polizei da gewesen, \u201emit gez\u00fcckten Pistolen\u201c. Er wurde festgenommen. Warum, das wei\u00df Weish\u00e4upl bis heute nicht. \u201eAber wissen Sie was? Abends kam ein anderer und hat gesagt: Ich will die Schulden von meinem Kollegen bezahlen.\u201c Ob es der zweite Bankr\u00e4uber war? <\/p>\n<p> Volksfest, Weihnachtsmarkt und Konzerte sind wichtige Touristenmagneten in Stuttgart   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/media.media.f5e85ea4-10b4-41d0-8c7d-61925f57c13c.original1024.media.jpeg\"\/>     Ein Teppich von dankbaren G\u00e4sten gekn\u00fcpft.    Foto: Lichtgut\/Leif Piechowski    <\/p>\n<p>Doch die allermeisten G\u00e4ste benehmen sich ordentlich und haben nichts auf dem Kerbholz. Auch wenn Weish\u00e4upl sagt, \u201eM\u00fcnchen sei eigentlich nur gr\u00f6\u00dfer als Stuttgart, wir haben auch alles\u201c, so h\u00e4ngt der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.neues-haus-des-tourismus-das-ehemalige-modehaus-breitling-wird-zum-wohlfuehlort.88c5d5a6-660e-4a83-9ef5-fa1ea1470773.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tourismus<\/a> hier doch zu gro\u00dfen Teilen an Veranstaltungen. Volksfest und Weihnachtsmarkt, da ist das Hotel voll. Beim Volksfest mit M\u00e4nnern, beim Weihnachtsmarkt mit Schweizerinnen. \u201eWenn da ein Bus h\u00e4lt, und es steigt au\u00dfer dem Fahrer noch ein Mann aus, dann ist das viel\u201c, sagt Weish\u00e4upl. Konzerte sind auch solche Hochfeste des Tourismus. <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/gallery.nach-chaos-bei-ac-dc-konzert-in-stuttgart-sind-konzerte-mit-so-vielen-menschen-auch-in-zukunft-moeglich.c1b90790-9e2c-4aa9-82d1-b80b1825adc6.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AC\/DC<\/a> und Peter Maffay, da war beide Male das Haus ausgebucht. \u201eEs waren exakt die gleichen G\u00e4ste, alle etwas \u00e4lter, mit Lederjacken, nur die Aufschriften waren andere\u201c, sagt Weish\u00e4upl. <\/p>\n<p>Mit einer Lederjacke, so wird man ihn auch in den n\u00e4chsten anderthalb Jahren nicht im Dienst sehen. \u201eIch komme von fr\u00fcher\u201c, sagt er, \u201ef\u00fcr mich ist es undenkbar, dass man G\u00e4ste duzt.\u201c Und ohne Krawatte und Jackett im Hotel erscheint.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Peter Weish\u00e4upl ist Direktor im Hotel Unger in der Stuttgarter Innenstadt. Seit 25 Jahren. Was hat er alles&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":583214,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[1634,3364,29,6763,30,139906,2065,1441,85897,1163],"class_list":{"0":"post-583213","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-baden-wuerttemberg","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-gastronomie","12":"tag-germany","13":"tag-hotel-unger","14":"tag-innenstadt","15":"tag-stuttgart","16":"tag-textmanager","17":"tag-tourismus"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115567681546003495","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/583213","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=583213"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/583213\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/583214"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=583213"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=583213"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=583213"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}