{"id":583337,"date":"2025-11-18T01:05:28","date_gmt":"2025-11-18T01:05:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/583337\/"},"modified":"2025-11-18T01:05:28","modified_gmt":"2025-11-18T01:05:28","slug":"haeftling-hat-kein-recht-auf-veganes-essen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/583337\/","title":{"rendered":"H\u00e4ftling hat kein Recht auf veganes Essen"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t\t\t<strong><\/p>\n<p>Vegan zu leben, wird f\u00fcr immer mehr Menschen zur Lebenseinstellung. Doch darf ein H\u00e4ftling auf vegane Mahlzeiten pochen? Das Oberste Landesgericht in Bayern meint, vegetarisch reicht.<br \/>\u00a0<\/p>\n<p><\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr viele Menschen, die sich bewusst f\u00fcr ein veganes Leben entschieden haben, wirkt der gut gemeinte Hinweis auf ein \u201cvegetarisches Angebot\u201d wie ein Schlag ins Gesicht. Denn ihr Beweggrund ersch\u00f6pft sich nicht darin, auf Fleisch zu verzichten \u2013 es geht ihnen um das gesamte System der Tierhaltung und die damit verbundene Ausbeutung. Ob ein Tier am Ende auf dem Teller landet oder sein Leben lang f\u00fcr Milch und Eier herhalten musste und dann geschlachtet wird, macht f\u00fcr sie keinen moralischen Unterschied.<\/p>\n<p>So erging es auch einem Inhaftierten in Bayern. Der zu einer f\u00fcnfmonatigen Haftstrafe verurteilte Mann beantragte im Gef\u00e4ngnis vegane Mahlzeiten. Die JVA bot ihm stattdessen vegetarisches und laktosefreies Essen an und verwies darauf, dass er in der Anstalt auch auf eigene Kosten vegane Lebensmittel erwerben k\u00f6nne. Auf die Rechtsbeschwerde des Mannes hin entschied nun das Bayerische Oberste Landesgericht (BayObLG): Ein Inhaftierter in Bayern hat kein Anrecht auf vegane Kost (Beschl. v. 04.09.2025, Az. 203 StObWs 239\/25).<\/p>\n<p>Die Argumente des Inhaftierten: Tierwohl und Nachhaltigkeit<\/p>\n<p>Der Inhaftierte berief sich erfolglos auf ethische \u00dcberlegungen zum Tierwohl sowie zur Nachhaltigkeit. Er sah seine Grundrechte aus Art. 4 Abs. 1 Grundgesetz, insbesondere die Glaubens- und Gewissensfreiheit sowie die Freiheit der weltanschaulichen \u00dcberzeugungen, als verletzt an. Das BayObLG folgte dem nicht.<\/p>\n<p>Ausgangspunkt der Entscheidung ist \u00a7 23 des Bayerischen Strafvollzugsgesetzes (BayStVollzG). Dort ist geregelt, dass den Gefangenen zu erm\u00f6glichen ist, Speisevorschriften ihrer Religionsgemeinschaft zu verfolgen. Die Justizvollzugsanstalt hatte die moralisch-ethischen \u00dcberzeugungen des H\u00e4ftlings akzeptiert und diese sogar mit religi\u00f6sen \u00dcberzeugungen gleichgestellt. Vegan sein wurde damit \u00fcberspitzt ausgedr\u00fcckt als Religion im Sinne der Vorschrift anerkannt. Dennoch wurde der Antrag abgelehnt \u2013 zu Recht, meint das BayObLG. Denn es bestehe keine Verpflichtung, im Rahmen der Anstaltsverpflegung s\u00e4mtliche Verbote und Gebote aller Glaubensgemeinschaften umzusetzen. Vielmehr m\u00fcsse die Anstalt nur erm\u00f6glichen, dass Gefangene sich einzelne Speisen und Lebensmittel selbst beschaffen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im Rahmen der vorgenommenen Abw\u00e4gung ber\u00fccksichtigt das Gericht einerseits das weltanschauliche Interesse des Antragstellers, andererseits die organisatorischen und wirtschaftlichen Grenzen des Vollzuges. Weil dem Antragsteller vegetarische bzw. laktosefreie Kost angeboten wurde und er erg\u00e4nzend vegane Lebensmittel selbst erwerben konnte, sieht das Gericht die Grundrechte als gewahrt und die Entscheidung der Anstalt als ermessensfehlerfrei an. Im konkreten Fall sprachen weder medizinische noch religi\u00f6se Gr\u00fcnde gegen die Versorgung mit vegetarischer und laktosefreier Kost.<\/p>\n<p>Laut dem BayStVollzG k\u00f6nnen sich Gefangene vom Haus-, Eigen- oder Taschengeld Nahrungs- und Genussmittel sowie K\u00f6rperpflegeartikel kaufen. Die Anstalt hat demnach f\u00fcr ein passendes Angebot zu sorgen. Die H\u00f6he der zur Verf\u00fcgung stehenden Mittel variiert; das Hausgeld ist beispielsweise ein Teil des Arbeitsentgelts oder der Ausbildungsbeihilfe. Taschengeld ist f\u00fcr bed\u00fcrftige Gefangene bestimmt.<\/p>\n<p>fz\/LTO-Redaktion mit Material von dpa<\/p>\n<p>Zitiervorschlag<\/p>\n<p id=\"citeArticleContent\">\n<p>\t\t\t\t\tGefangener scheitert vor Bayerischen Obersten Landesgericht:<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t. In: Legal Tribune Online,<br \/>\n\t\t\t\t\t17.11.2025<br \/>\n\t\t\t\t\t, https:\/\/www.lto.de\/persistent\/a_id\/58642 (abgerufen am:<br \/>\n\t\t\t\t\t18.11.2025<br \/>\n\t\t\t\t\t)\n\t\t\t\t<\/p>\n<p>\t\t\t\tKopieren<br \/>\n\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/www.lto.de\/rechtliches\/zitierhinweise\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Infos zum Zitiervorschlag<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Vegan zu leben, wird f\u00fcr immer mehr Menschen zur Lebenseinstellung. 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