{"id":583436,"date":"2025-11-18T02:03:14","date_gmt":"2025-11-18T02:03:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/583436\/"},"modified":"2025-11-18T02:03:14","modified_gmt":"2025-11-18T02:03:14","slug":"erfolgreiche-wiederansiedlung-der-einst-ausgestorbenen-moorea-baumschnecke-mit-hilfe-von-zoos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/583436\/","title":{"rendered":"Erfolgreiche Wiederansiedlung der einst ausgestorbenen Moorea-Baumschnecke mit Hilfe von Zoos"},"content":{"rendered":"<p>\u00a0Laut der Weltnaturschutzunion (IUCN) wurden im Jahr 2024 weltweit mehr als 80 Tier- und Pflanzenarten in der Kategorie \u201eextinct in the wild\/in der Natur ausgestorben\u201c gef\u00fchrt. Dabei handelt es sich um Arten, die ausschlie\u00dflich in menschlicher Obhut \u00fcberlebt haben, aber in der Natur nicht mehr zu finden sind. Nur durch die Haltung und Zucht in spezialisierten Einrichtungen wie Ex-situ-Erhaltungszentren, Zoos und botanischen G\u00e4rten konnte ihr \u00dcberleben gesichert werden.<\/p>\n<p>            <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-100253 size-large\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/moorea-baumschnecke-004-05.01.24-claudia-philipp-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\"\/>Foto: Gr\u00fcner Zoo Wuppertal \/ Claudia Philipp<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auf den Inseln Franz\u00f6sisch-Polynesiens \u2013 darunter Tahiti, Bora-Bora und Moorea \u2013 ist die Artenvielfalt besonders bedroht. Allein die Gattung der lebendgeb\u00e4renden Partula-Baumschnecken umfasst hier 51 Arten, von denen mindestens 29, m\u00f6glicherweise sogar 34, als ausgestorben gelten \u2013 darunter auch die im Gr\u00fcnen Zoo Wuppertal gehaltene Moorea-Baumschnecke (Partula tohiveana). Sie ist damit eine von insgesamt 17 ausschlie\u00dflich in menschlicher Obhut existierender Patula-Arten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Bedrohung der Moorea-Baumschnecke geht nicht auf den Klimawandel, sondern auf menschliche Eingriffe zur\u00fcck. In den 1960er-Jahren wurden Gro\u00dfe Achatschnecken (Lissachatina fulica) aus Ostafrika nach Moorea eingef\u00fchrt, um ihr Fleisch gewinnbringend zu vermarkten. Nachdem sich die wirtschaftlichen Hoffnungen nicht erf\u00fcllten, setzte man die Tiere in der Natur aus. Im feuchtwarmen Klima vermehrten sie sich stark und verdr\u00e4ngten die heimischen Baumschnecken. Erst in den fr\u00fchen 1990er-Jahren gelang es, die letzten Exemplare zu retten und in London und Edinburgh ein Erhaltungszuchtprogramm aufzubauen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Seit 2023 beteiligt sich auch der Gr\u00fcne Zoo Wuppertal in Kooperation mit dem Zoo Schwerin erfolgreich an diesem internationalen Erhaltungszuchtprogramm (EAZA ex-situ Programm, abgek\u00fcrzt EEP). Hinter den Kulissen werden die Tiere in speziell ausgestatteten, nahezu sterilen Zuchtterrarien gehalten, um die Tiere gegen krankmachende Umweltkeime abzuschirmen. Strenge Hygienestandards, konstante Temperaturen von 22\u201323 \u00b0C und sorgf\u00e4ltige Pflege sorgen f\u00fcr optimale Bedingungen \u2013 mit sichtbarem Erfolg. Im August 2023 stellte der Gr\u00fcne Zoo erstmals 603 selbst nachgez\u00fcchtete Moorea-Baumschnecken f\u00fcr ein Auswilderungs- und Wiederansiedlungsprojekt bereit. Insgesamt kehrten \u00fcber 7.000 Tiere aus verschiedenen Einrichtungen nach Moorea zur\u00fcck \u2013 das bislang gr\u00f6\u00dfte Auswilderungsprojekt polynesischer Baumschnecken. Die Entdeckung von juvenilen und nicht-markierten erwachsenen Partula tohiveana in ihrem urspr\u00fcnglichen Lebensraum war ein Beleg f\u00fcr die Reproduktion im Freiland und ein bedeutender Hoffnungsschimmer f\u00fcr das Wiederansiedlungsprojekt. Infolgedessen konnte die IUCN die Art 2024 auf der Roten Liste vom Status \u201ein freier Wildbahn ausgestorben\u201c auf den Status \u201evom Aussterben bedroht\u201c herabstufen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch 2025 unterst\u00fctzt der Gr\u00fcne Zoo Wuppertal das Projekt: 200 Schnecken \u2013 50 Jungtiere und 150 Erwachsene \u2013 wurden nach umfassenden tier\u00e4rztlichen Untersuchungen bereitgestellt. Die Schnecken wurden durch das Veterin\u00e4rteam des Zoos vermessen, gewogen und im Speziallabor Laboklin auf verschiedene Infektionserreger, einschlie\u00dflich Parasiten und Bakterien, getestet. Vor dem Transport erhielten die 1\u20132 cm gro\u00dfen Weichtiere eine spezielle UV-reflektierende Lack-Markierung, um sie sp\u00e4ter im Freiland als ausgewilderte Individuen erkennen, z\u00e4hlen und nachverfolgen zu k\u00f6nnen. Nach einer Quarant\u00e4ne im Zoo Schwerin taten sie per Flugzeug ihre Reise nach Tahiti und schlie\u00dflich nach Moorea an. Der Zoo Schwerin \u00fcbernahm die Organisation der notwenigen Erlaubnisse f\u00fcr die Einreise sowie die Verladung der sensiblen Schnecken in geeignete Transportbeh\u00e4ltnisse. Am Ankunftsort angekommen dokumentieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mithilfe von Taschenlampen, Kameras und Drohnen regelm\u00e4\u00dfig die Entwicklung der Population. Z\u00e4hlungen werden im ersten Monat w\u00f6chentlich, im zweiten Monat zweiw\u00f6chentlich und danach monatlich von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf der Insel durchgef\u00fchrt. Dabei werden auch an St\u00e4ben und Drohnen befestigte Kameras (GoPro) genutzt, um die Schnecken in den Baumkronen zu z\u00e4hlen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Partula-Schnecken spielen als Zersetzer von Pflanzenmaterial und Pilzen eine wichtige Rolle im \u00d6kosystem. Ihre R\u00fcckkehr tr\u00e4gt zur Stabilisierung des \u00f6kologischen Gleichgewichts in den W\u00e4ldern Franz\u00f6sisch-Polynesiens bei und ist ein gutes Beispiel f\u00fcr den gro\u00dfen Beitrag zoologischer Einrichtungen zum Erhalt der Biodiversit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Gr\u00fcne Zoo Wuppertal wird die Zucht der Moorea-Baumschnecke weiter intensivieren, um die Reservepopulation in menschlicher Obhut zu st\u00e4rken und auch k\u00fcnftig Tiere f\u00fcr Auswilderungsprojekte bereitzustellen. Eine kleine Gruppe ist zudem im Terrarium des Zoos f\u00fcr Besucherinnen und Besucher zu sehen.<\/p>\n<p>Quelle: Gr\u00fcner Zoo Wuppertal<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u00a0Laut der Weltnaturschutzunion (IUCN) wurden im Jahr 2024 weltweit mehr als 80 Tier- und Pflanzenarten in der Kategorie&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":583437,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1840],"tags":[3364,29,30,1209,4418],"class_list":{"0":"post-583436","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-wuppertal","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-nordrhein-westfalen","12":"tag-wuppertal"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115568247707688073","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/583436","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=583436"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/583436\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/583437"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=583436"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=583436"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=583436"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}