{"id":584197,"date":"2025-11-18T09:34:12","date_gmt":"2025-11-18T09:34:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/584197\/"},"modified":"2025-11-18T09:34:12","modified_gmt":"2025-11-18T09:34:12","slug":"guenstiger-bauen-schlechter-wohnen-das-bedeutet-der-bremer-weg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/584197\/","title":{"rendered":"G\u00fcnstiger bauen, schlechter wohnen? Das bedeutet der &#8222;Bremer Weg&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"article-toplinewrapper\">\nFragen &amp; Antworten<\/p>\n<p>Standdatum: 18. November 2025.<\/p>\n<p>Autorinnen und Autoren:<br \/>\nJean-Pierre Fellmer<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image -image-with-fallback -image-rounded  lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhEAAJAIAAAP\/\/\/\/\/\/\/yH5BAEKAAEALAAAAAAQAAkAAAIKjI+py+0Po5yUFQA7\"   alt=\"Zwei Bauarbeiter zeichnen sich ab als Silhouette an einem Baugeruest vor der untergehenden Sonne.\" data-image-owner=\"dpa | Florian Gaertner\" data-image-title=\"Zwei Bauarbeiter zeichnen sich ab als Silhouette an einem Baugeruest vor der untergehenden Sonne.\" data-image-src=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/baustelle-146~_v-800x450_c-1763456819792.jpg\" data-image-rights-src=\"\/bilder\/baustelle-146~_v-640x360_c-1763456819792.jpg\"\/><\/p>\n<p>Bauen soll g\u00fcnstiger werden in Bremen. Aber geht das auf die Kosten der Wohnqualit\u00e4t? (Symbolbild)<\/p>\n<p>Bild: dpa | Florian Gaertner<\/p>\n<p class=\"article-intro\">Bremen will die Kosten im Wohnungsbau und so auch die Mieten senken. Daf\u00fcr sollen bei den Vorgaben f\u00fcrs Bauen Abstriche gemacht werden. Wie wirkt sich das auf die Wohnqualit\u00e4t aus?<\/p>\n<p>Das Leben in Deutschland wird teurer \u2013 auch das Wohnen. Die Bremerinnen und Bremer merken das etwa, wenn sie vergeblich nach einer bezahlbaren Mietwohnung suchen. Die Nachfrage ist gro\u00df, doch es wird zu wenig gebaut. Kostentreiber beim Wohnungsbau sind etwa die Energie oder das Material, aber viele Bauunternehmen beklagen seit Jahren die B\u00fcrokratie. Nun will die Bremer Regierung mit dem &#8222;Bremer Weg&#8220; gegensteuern.<\/p>\n<p>Was ist der &#8222;Bremer Weg\u201d?<\/p>\n<p>Der &#8222;Bremer Weg\u201d ist ein B\u00fcndel von mehr als 200 Ma\u00dfnahmen, die den Wohnungsbau g\u00fcnstiger und schneller machen sollen. Bis zu einem Drittel der Baukosten sollen laut Bremer Baubeh\u00f6rde eingespart werden k\u00f6nnen \u2013 also bis zu 1.250 Euro pro Quadratmeter Wohnfl\u00e4che. <\/p>\n<p>An dem Projekt haben viele Akteure mitgewirkt: mehrere Beh\u00f6rden, Wohnungsunternehmen, Architekten und Ingenieure, aber auch die Feuerwehr oder der Landesbehindertenbeauftragte. Als Vorbild f\u00fcr den &#8222;Bremer Weg\u201d diente der &#8222;Hamburg Standard\u201d: In Hamburg wurden die Ma\u00dfnahmen Anfang 2025 verabschiedet, der &#8222;Bremer Weg\u201d wurde am 4. November dieses Jahres vom Senat vorgestellt und beschlossen. <\/p>\n<p>Wie soll beim Bauen gespart werden?<\/p>\n<p>Der &#8222;Bremer Weg\u201d sieht daf\u00fcr drei Punkte vor: <strong>Baustandards senken<\/strong>, um Kosten zu sparen und gleichzeitig den Bauunternehmen einen gr\u00f6\u00dferen Spielraum zu geben. Die <strong>Prozesse und Bauplanung<\/strong> <strong>optimieren<\/strong>, um Verz\u00f6gerungen zu vermeiden. Und die <strong>Verfahren in der Verwaltung beschleunigen<\/strong> \u2013 hei\u00dft zum Beispiel: Grundst\u00fccke sollen beim Amt schneller umgeschrieben werden, Gutachter und Pr\u00fcfingenieure sollen einfacher und schneller beauftragt werden k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Ein gro\u00dfer Teil der Ma\u00dfnahmen wurde unver\u00e4ndert aus dem &#8222;Hamburg Standard\u201d \u00fcbernommen, andere Vorschl\u00e4ge an Bremer Verh\u00e4ltnisse angepasst oder von den Teilnehmern neu vorgeschlagen. Viele Ideen stehen auch noch zur Debatte. Der &#8222;Bremer Weg\u201d soll fortgef\u00fchrt werden. Gleichzeitig baut das Projekt auf bereits laufende Entwicklungen auf: So wurden im September 2024 bereits Umweltstandards in Bremen gesenkt und der digitale Bauantrag wurde Schritt f\u00fcr Schritt eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Mehr als die H\u00e4lfte der beschlossenen Ma\u00dfnahmen betrifft dem Abschlussbericht zufolge die Baustandards. &#8222;Ziel war es, konkrete Ans\u00e4tze zur Reduktion von Baukosten zu identifizieren, ohne dabei funktionale, soziale oder \u00f6kologische Mindestanforderungen zu unterlaufen\u201d, hei\u00dft es in dem Bericht. <\/p>\n<p>Welche Baustandards sollen gesenkt werden?<\/p>\n<p>Sparvorschl\u00e4ge gibt es in vielen Bereichen, ein paar Beispiele: <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/wandhydrant-brandschutz-100~_v-512x288_c-1763456820666.jpg\" data-gallery-entry-for=\"wohnungen-bauen-mieten-bremer-weg-100\" data-size=\"2560x1440\" class=\"text-link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image -image-with-fallback -image-rounded  lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhEAAJAIAAAP\/\/\/\/\/\/\/yH5BAEKAAEALAAAAAAQAAkAAAIKjI+py+0Po5yUFQA7\"   alt=\"Ein roter Kasten an einer Wand: ein Wandhydrant.\" title=\"Bild: dpa | Horst Galuschka\" data-image-owner=\"dpa | Horst Galuschka\" data-image-title=\"Ein roter Kasten an einer Wand: ein Wandhydrant.\" data-image-src=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/wandhydrant-brandschutz-100~_v-512x288_c-1763456820666.jpg\" data-image-rights-src=\"\/bilder\/wandhydrant-brandschutz-100~_v-640x360_c-1763456820666.jpg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Auf Wandhydranten soll verzichtet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bild: dpa | Horst Galuschka<\/p>\n<ul>\n<li><strong>W\u00e4rme<\/strong>: Die Norm, welche Temperaturen in Innenr\u00e4umen erreicht werden soll, wurde ge\u00e4ndert: in B\u00e4dern d\u00fcrfen es statt 24 Grad auch 20 bis 21 Grad, in Wohn- und Schlafr\u00e4umen statt 20 auch 19 Grad sein; in Fluren soll auf Fu\u00dfbodenheizung verzichtet werden k\u00f6nnen .<\/li>\n<li><strong>Brandschutz<\/strong>: Verzicht auf fest installierte Wandhydranten, da die Feuerwehr im Brandfall selbst Schl\u00e4uche mitbringt; Verzicht auf Digitalfunkanlagen in bestimmten Geb\u00e4uden, da die Feuerwehr selbst Funkstrecken aufbauen kann.<\/li>\n<li><strong>Barrierefreiheit<\/strong>: Flure sollen in bestimmten barrierefreien Wohnungen auch schmaler als 1,20 Meter breit sein k\u00f6nnen, um auf gleichem Raum mehr Wohnfl\u00e4che zu schaffen; statt eines ebenerdigen \u00dcbergangs sind auch bei Au\u00dfent\u00fcren Schwellen von bis zu zwei Zentimetern erlaubt; gerade Treppen sollen nur auf einer statt auf beiden Seiten einen Handlauf haben d\u00fcrfen .<\/li>\n<li><strong>Schallschutz<\/strong>: Auf Balkonen soll auf Trittschalld\u00e4mmung verzichtet werden k\u00f6nnen; Zimmerdecken d\u00fcrfen d\u00fcnner sein .<\/li>\n<li><strong>Tiefgaragen und Keller<\/strong>: Auf Tiefgaragen soll verzichtet werden k\u00f6nnen, wenn Au\u00dfenparkpl\u00e4tze nachgewiesen werden, und statt Keller k\u00f6nnen Ersatzr\u00e4ume \u00fcber der Erde gebaut werden. Dieser Punkt wird im Abschlussbericht mit einem sehr hohen Einsparpotenzial von circa zehn bis 15 Prozent bewertet .<\/li>\n<\/ul>\n<p>F\u00fcr die jeweiligen Vorschl\u00e4ge gibt es jedoch in vielen F\u00e4llen Einschr\u00e4nkungen. So sind beispielsweise Wandhydranten in Hochh\u00e4usern weiterhin verpflichtend und f\u00fcr rollstuhlgerechte Wohnungen (R-Wohnungen) gelten trotzdem gewisse Standards.<\/p>\n<p>Wie stark wirken sich die Abstriche auf die Wohnqualit\u00e4t aus?<\/p>\n<p>&#8222;\u00dcberwiegend geht es um Fragen des Komforts, nicht um die der Sicherheit oder Gesundheit\u201d, sagt Torsten Sasse, Pr\u00e4sident der Ingenieurkammer der Freien Hansestadt Bremen. Viele der Bremer Regelungen \u2013 sogenannte Bremensien \u2013 l\u00e4gen \u00fcber dem Bundesniveau, etwa bei den Anforderungen an den Schallschutz oder der Energieeffizienz. Und im internationalen Vergleich seien die Standards in Deutschland hoch.<\/p>\n<p>Sasse erl\u00e4utert das an einem Beispiel: &#8222;Muss es im Badezimmer 24 Grad sein?\u201d Wenn man in diesem Fall die Norm runterschraube, k\u00f6nne man weniger oder kleinere Heizk\u00f6rper verbauen \u2013 das spare Geld. <\/p>\n<p>Wie wirkt sich der &#8222;Bremer Weg\u201d auf die Mieten aus?<\/p>\n<p>Dass, wie von der Beh\u00f6rde angek\u00fcndigt, bis zu einem Drittel der Baukosten gespart werden k\u00f6nnen, sei nur der Idealfall, so Sasse. Der Grund: Es handle sich um viele Einzelma\u00dfnahmen, diese werden bei den Bauprojekten nicht immer alle Anwendung finden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Baubeh\u00f6rde k\u00fcndigte bei der Vorstellung des Abschlussberichts an, man wolle sicherstellen, dass die eingesparten Kosten auch anteilig an die Mieterinnen und Mieter weitergegeben w\u00fcrden. Auch dabei wolle man sich am Beispiel von Hamburg orientieren und w\u00fcrde das mit den Bauherren vertraglich vereinbaren, sagte ein Beh\u00f6rdensprecher auf Nachfrage von buten un binnen.<\/p>\n<p>Beim &#8222;Bremer Weg&#8220; ist laut Sasse eine Sache entscheidend: &#8222;Das Mindset hat sich bei allen Beteiligten ge\u00e4ndert.&#8220; Im Laufe der Zeit h\u00e4tten die Verantwortlichen verstanden, dass man etwas tun m\u00fcsse, wenn man den Wohnungsbau ankurbeln m\u00f6chte. Der &#8222;Bremer Weg&#8220; soll auch f\u00fcr schnellere Verfahren und Baugenehmigungen sorgen. &#8222;Dann haben auch alle wieder mehr Spa\u00df am Bauen&#8220;, sagt Sasse. &#8222;Und mit jeder Wohnung entspannt sich der Markt.&#8220;<\/p>\n<p>Auch die Gewoba begr\u00fc\u00dft den &#8222;Bremer Weg&#8220;, wie Sprecherin Christine Dose mitteilt. &#8222;Besonders vom B\u00fcrokratieabbau versprechen wir uns eine Beschleunigung der Bauvorhaben in Bremen&#8220;, hei\u00dft es.<\/p>\n<p>Wann ist mit den ersten Ergebnissen zu rechnen?<\/p>\n<p>Der &#8222;Bremer Weg&#8220; soll in Bauprojekten erprobt werden. Dazu sei man laut Baubeh\u00f6rde in Gespr\u00e4chen mit allen Beteiligten. Die Gewoba pr\u00fcfe f\u00fcr die aktuellen Projekte, wo man die neuen Regelungen anwenden k\u00f6nne. Von gesenkten Standards habe man bereits in der Vergangenheit profitiert, so etwa auf dem Q45-Gel\u00e4nde \u2013 dem ehemaligen Bundeswehrhochhaus in der Innenstadt. Dort habe man bereits auf eine Verglasung der Balkone f\u00fcr den Schallschutz verzichtet und so Kosten gespart. <\/p>\n<p>In Hamburg hat Peter Tschentscher (SPD), Erster B\u00fcrgermeister, prognostiziert, dass die Mieten nicht schnell sinken werden. Bei 10.000 Baugenehmigungen j\u00e4hrlich werde es wohl gut zehn Jahre dauern, bis man eine Wirkung sp\u00fcre, sagte Tschentscher beim NDR. <\/p>\n<p>Eine derartige Prognose gibt es laut Bremer Baubeh\u00f6rde mit Blick auf die neuen Ma\u00dfnahmen nicht. Die Vorschl\u00e4ge seien ein Angebot an die Baubranche, die Umsetzung liege bei den Bauherren und Planern. Die Ma\u00dfnahmen, die die Verwaltung betreffen, wolle man z\u00fcgig umsetzen.<\/p>\n<p>Mehr zum Thema Wohnungsbau:<\/p>\n<p class=\"article-legal-agencies\"><strong>Quelle<\/strong>:<br \/>\nbuten un binnen.\n<\/p>\n<p class=\"article-legal-broadcast-reference\"><strong>Dieses Thema im Programm:<\/strong><br \/>\nbutenunbinnen.de, G\u00fcnstiger bauen, schlechter wohnen? Das bedeutet der &#8222;Bremer Weg&#8220;, 18. November 2025, 10:06 Uhr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Fragen &amp; Antworten Standdatum: 18. November 2025. 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