{"id":58446,"date":"2025-04-24T21:38:15","date_gmt":"2025-04-24T21:38:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/58446\/"},"modified":"2025-04-24T21:38:15","modified_gmt":"2025-04-24T21:38:15","slug":"buch-mit-texten-von-kultautor-kid-p-von-punk-ueber-schnoeseldorf-bis-dallas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/58446\/","title":{"rendered":"Buch mit Texten von Kultautor Kid P.: Von Punk \u00fcber Schn\u00f6seldorf bis Dallas"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">\u201eManchmal sollte man doch lieber tr\u00e4umen \u2026 auch wenn die Wirklichkeit nat\u00fcrlich dagegen spricht.\u201c Ein Gedanke, der in Marmor gemei\u00dfelt geh\u00f6rt. Er taucht auf, mitten in einem Text, der vom TV-Ekel J. R. \u00adEwing (Larry Hagman) handelt; B\u00f6sewicht aus \u201eDallas\u201c, der epischen US-Fernsehserie \u00fcber einen texanischen \u00d6lmagnaten-Clan und seine Intrigen. Sie pr\u00e4gte die westdeutsche TV-Landschaft der 1980er, war von heute aus gesehen Vorbotin von Trumps Beschimpfungsfaschismus.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\"><a href=\"https:\/\/taz.de\/Nachruf-auf-Popautor-Andreas-Banaski\/!5777917\/\" class=\"link in-text-link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Geschrieben hat sie Andreas Banaski alias Kid P. (1957\u00ad\u20132021), Hamburger Autor und Dokumentar, der in den fr\u00fchen 1980er Jahren bei all jenen, die den entstehenden Punk- und Neue-Welle-Popdiskurs aufmerksam in Musikmagazinen wie Sounds und Spex verfolgten, als ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigt galt.<\/a> Dort re\u00fcssierte Kid P. (das P steht f\u00fcr Punk) und eckte mit seinem nerdigen Geschm\u00e4cklertum und Underground-Klatsch gerne an, bei den Lordsiegelbewahrern des Massentauglichen und Aufrechten.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Dankenswerterweise hat die M\u00fcnchner Buchwissenschaftlerin Erika Thomalla mit Christoph Dallach und <a href=\"https:\/\/taz.de\/Neues-Album-von-Andreas-Dorau\/!6078716\/\" class=\"link in-text-link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Andreas Dorau<\/a> (die aber nicht als Herausgeber genannt werden wollen \u2013 Kinder, macht\u2019s doch nicht so kompliziert!) eine Auswahl aus Banaskis Texten getroffen, mit Fokus auf die fr\u00fchen 1980er Jahre.<\/p>\n<p>      Scharf im Ton, gut recherchiert<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-6\" pos=\"5\">Rezensionen, Szenereporte, Interviews aus Musik, Film, Fernsehen und Sport sind nun versammelt. Wobei sich Banaskis Rezensionen oft lesen wie Glossen: scharf im Ton, unterhaltsam, gerade weil ins Pers\u00f6nliche ausschweifend, genau recherchiert und \u00e4tzend witzig. Immer noch wichtig: Banaski wendete sich gegen den streberhaften Hoch\u00adkulturkatalog des b\u00fcrgerlichen Feuilletons einerseits, lie\u00df andererseits aber auch kein gutes Haar am selbstzufriedenen Gestus der Linken.<\/p>\n<p>Buch und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p class=\"bodytext first paragraph\"><strong>Erika Thomalla (Hrsg.):<\/strong> \u201e<a href=\"https:\/\/www.kulturkaufhaus.de\/de\/detail\/ISBN-9783960606017\/Banaski-Andreas\/Die-Wahrheit-%C3%BCber-Kid-P.\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"noopener\">Die Wahrheit \u00fcber Kid P<\/a>. Wie ein Hamburger Punk den deutschen Popjournalismus erfand\u201c. Junius Verlag, Hamburg 2025, 349 Seiten, 22 Euro<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last\">Buchpr\u00e4sentation mit u.a. Erika Thomalla, Detlef und Diedrich Diederichsen, 24. April 2025, Hamburg, Bar \u201eCentral Congress\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"6\">Der Deutsche Herbst 1977 war mit ein Grund, warum sich die Einf\u00fchrung von Punk in Westdeutschland um rund zwei Jahre verz\u00f6gerte. Wut und Unverst\u00e4ndnis dar\u00fcber ist den fr\u00fchen Texten von Kid P. anzumerken. Aufgewachsen war Banaski in einem proletarischen Gewerkschaftler-Haushalt in B\u00fcchen, damals Zonenrandgebiet, wo er sich \u201edurch Action-orientierte Befreiungsliteratur\u201c las, wie er es in einem autobiografischen Text in den nuller Jahren formulierte, dank Sch\u00fcler-Baf\u00f6g Platten kaufen konnte und so seinen kulturellen Horizont erweiterte.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-9\" pos=\"7\">Schn\u00f6sel lassen Banaskis Punksozialisation gerne unter den Tisch fallen. Als junger Leser nahm ich seine idiosynkratische Weltbetrachtungen als selbstverst\u00e4ndlich gegeben hin. Beim \u00adWiederlesen f\u00e4llt auf, dass nicht alles mit leichter Hand entworfen sein konnte. <a href=\"https:\/\/taz.de\/Erinnerung-an-US-Folksaenger-Phil-Ochs\/!5733992\/\" class=\"link in-text-link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sein klassizistischer Oscar-Wilde-meets-Phil-Ochs-und-Siouxsie-&amp;-the Banshees-Stil<\/a> musste m\u00fchsam entwickelt werden, weil Banaski zuvor durch das Wespennest-auf-Augenh\u00f6he des Punk gegangen war. Vergessen hatte ich auch, dass sein Eintreten gegen Rassismus und Misogynie auch selbst manch chauvinistischen Unterton hervorbrachte. Das war Usus in den 1980ern, heute geht das so nicht mehr.<\/p>\n<p>      Wegbegleiter, Forscherinnen und Epigonen<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-12\" pos=\"9\">Die Kapitel werden eingeleitet durch kurze Einf\u00fchrungen von Wegbegleitern, Forscherinnen und Epigonen. Darunter sind schlaue Beobachtungen, etwa von Elena Beregow \u00fcber die kreative Auswahl von Banaskis Adjektiven \u2013 \u201em\u00fcde, z\u00e4h, l\u00e4ppisch\u201c statt schlecht und seine \u201edurchgehend affizierte Instanz\u201c beim \u00adSchreiben. <a href=\"https:\/\/taz.de\/HipHop-und-Terror\/!5021376\/\" class=\"link in-text-link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Und die bornierte Vereinnahmung eines Moritz von Uslar<\/a>, der Banaskis angriffslustige, nie ehrf\u00fcrchtige Gespr\u00e4chsf\u00fchrung mit Popstars dazu benutzt, um \u201eder Form des Interviews zu misstrauen\u201c. Wie topdown hohl ist das denn?<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\" pos=\"10\">W\u00e4hrend Andreas Banaski in der Zeit nach der Wende als Autor kaum noch in Erscheinung trat, weil er sich nach einem Studium des Bibliothekswesens umorientierte, wurde sein Fr\u00fchwerk zum Kult gerade von gutsituierten Tempo-Autoren, die \u00adBanaski als Dokumentar immer verachtete.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-14\" pos=\"11\">Der Text \u00fcber \u201eDallas\u201c war 1983 \u00fcbrigens im Westberliner Stadtmagazin tip erschienen, einer Stadt, deren Subkultur Banaski immer suspekt blieb. Es war keine klassische Kritik \u00fcber die Serie \u201eDallas\u201c, er nahm sich J. R. Ewing, um mit Zitaten aus der Serie dar\u00fcber nachzudenken, wie der Niedertracht im Alltag beizukommen sei: \u201edurch h\u00f6hnisches Grinsen\u201c etwa. Zu Hilfe kamen dem Autor dabei W. C. Fields, Friedrich Nietzsche und Leonid Breschnew, aber auch Philly-Soul-Songtexte, Anekdoten, die Banaski im Hamburger Popunderground zugetragen wurden, und Zitate aus Leserbriefen, die dem Boulevard Eindr\u00fccke von \u201eDallas\u201c geschildert hatten.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\" pos=\"12\">Banaski filterte Medien mit einem Sieb nach Brauchbarem. Er bezog diesen \u00adtrashigen Mael\u00adstrom auf semi-existenzielle Aspekte seines Daseins. Und weil Banaski als Punk angenommen hatte, dass dies auch seine Le\u00adse\u00adr:In\u00adnen interessieren w\u00fcrde, liegt genau darin sein publizistisches Verdienst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eManchmal sollte man doch lieber tr\u00e4umen \u2026 auch wenn die Wirklichkeit nat\u00fcrlich dagegen spricht.\u201c Ein Gedanke, der in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":58447,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-58446","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114395107107013809","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/58446","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=58446"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/58446\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/58447"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=58446"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=58446"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=58446"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}