{"id":584525,"date":"2025-11-18T12:49:17","date_gmt":"2025-11-18T12:49:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/584525\/"},"modified":"2025-11-18T12:49:17","modified_gmt":"2025-11-18T12:49:17","slug":"50-jahre-frauenbuchladen-lillemors-in-muenchen-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/584525\/","title":{"rendered":"50 Jahre Frauenbuchladen Lillemor\u2019s in M\u00fcnchen &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vw426e\">Eine Botschaft in Gro\u00dfbuchstaben: FRAUEN. Jede Demonstrantin auf diesem Bild tr\u00e4gt einen anderen Buchstaben des Wortes auf dem R\u00fccken, jede hat eigene Gedanken \u00fcber die Welt im Kopf. Doch sie eint ein Ziel: die Gleichberechtigung von Frauen zu erk\u00e4mpfen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Das Foto, ziemlich sicher in den Siebzigerjahren entstanden, rahmt einen denkw\u00fcrdigen Abend im Literaturhaus. 50 Jahre <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/handel-wie-muenchner-buchlaeden-ueberleben-wollen-1.3025237\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Frauenbuchladen Lillemor\u2019s<\/a> sind in diesem November zu feiern, und damit zugleich so viel mehr: eine ganze \u00c4ra. Denn die sogenannte zweite Frauenbewegung der Siebzigerjahre, sie war in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fcnchen<\/a> besonders aktiv. So sehr, dass die Zeitschrift Emma\u00a01981 M\u00fcnchen sogar als \u201efeministisches Wunderland\u201c pries.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Und so f\u00fcllen, neben jungen Studierenden, viele Veteraninnen der Bewegung den Saal, und es wird sogar eine Laden-Mitgr\u00fcnderin von 1975, Sabine Holm, auf einem Podium Platz nehmen. Auf nostalgische Harmonieseligkeit beschr\u00e4nkt sich der Abend, den die LMU-Buchwissenschaftlerin Christine Haug angeregt hat, allerdings nicht \u2013\u00a0schlie\u00dflich gab es von Anfang an auch jede Menge Spannungen in den Frauenbewegungen. Sie sind schon bei der Frage zu ahnen, ob zum Gr\u00fcndungskollektiv des Ladens nun f\u00fcnf oder sechs Frauen z\u00e4hlten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/d05863df-d1e6-4b41-9c45-38ceb9ac3898.jpg\"   alt=\"Mehr als vier Jahrzehnte f\u00fchrten\u00a0 Andrea Gollbach (links) und Ursula Neubauer den Frauenbuchladen Lillemor \u2019 s in der M\u00fcnchner Barerstra\u00dfe, hier ein Bild aus dem Jahr 2016.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Mehr als vier Jahrzehnte f\u00fchrten\u00a0 Andrea Gollbach (links) und Ursula Neubauer den Frauenbuchladen Lillemor<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/handel-wie-muenchner-buchlaeden-ueberleben-wollen-1.3025237\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u2019<\/a>s in der M\u00fcnchner Barerstra\u00dfe, hier ein Bild aus dem Jahr 2016. (Foto: Stephan Rumpf)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Dass unterschiedliche Meinungen, ja Streit, zum Grundrauschen geh\u00f6ren, macht die LMU-Soziologin <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/paula-irene-villa-braslavsky-soziologie-professor-wissenschaftliche-mitarbeiter-wissenschaftszeitvertragsgesetz-1.5777052\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Paula-Irene Villa Braslavsky<\/a> in einem Vortrag deutlich. Schon in der ersten Frauenbewegung, vor mehr als hundert Jahren von Frauenrechtlerinnen wie <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/politik-muenchner-suffragette-1.2728996\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Anita Augspurg<\/a> auch in M\u00fcnchen entscheidend vorangetrieben, war man sich in vielem nicht einig. In der zweiten war das nicht anders:\u00a0\u201eSie bekriegten und beeinflussten sich gleicherma\u00dfen\u201c, sagt Villa Braslavsky \u00fcber die diversen Str\u00f6mungen, doch das sei \u201esuperproduktiv\u201c gewesen: \u201eStreit ist die Musik, die diese Bewegung zum Tanzen bringt.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Und sie hat tanzend unglaublich viel erreicht, was wir heute f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich halten. \u201eMenschenrechte haben kein Geschlecht\u201c, stellte die Frauenrechtlerin Hedwig Dohm zwar bereits 1876 fest, doch es dauerte lange, bis sich die Erkenntnis auch in Gesetzestexten niederschlug. Und auch wenn es weiterhin jede Menge Probleme gibt, vom Gender Pay Gap bis zu sexueller Gewalt, gilt es doch auch das Erreichte zu w\u00fcrdigen: Die zweite Frauenbewegung, so Villa Braslavsky, \u201ewar so erfolgreich wie kaum eine andere neue soziale Bewegung\u201c.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Von Anfang an spielten dabei B\u00fccher und Bildung eine wichtige Rolle. Kein Zufall also, dass in M\u00fcnchen neben dem Verlag Frauenoffensive, 1974 gegr\u00fcndet und bald mit Verena Stefans\u00a0 \u201eH\u00e4utungen\u201c erfolgreich, auch die Idee eines Frauenbuchladens aufkam: \u201eein Laden f\u00fcr sich allein\u201c, wie Villa in Abwandlung eines Zitats von Virginia Woolf sagt. Der Laden in der Arcis- und sp\u00e4ter Barerstra\u00dfe war der erste in Westdeutschland, und er verkaufte nicht nur B\u00fccher, sondern auch ein Lebensgef\u00fchl: als Treffpunkt, als Debattenort, zu dem M\u00e4nner\u00a0zeitweise keinen Zutritt hatten. Ein \u201eSafe Space\u201c, wie Villa sagt, oder besser: ein \u201eSafe Conflict Space\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/dokumentarfilm-muenchen-feminismus-filmhochschule-lux.4H4FztS8do1SDPRC5URBxf\" aria-label=\"Artikelverlinkung:\" data-track-szde=\"{&quot;event&quot;:&quot;teaser_clicked&quot;,&quot;teaser_clicked&quot;:{&quot;article_title&quot;:&quot;nichts_zu_verlieren_ausser_maenner&quot;,&quot;doctype&quot;:&quot;&quot;,&quot;label&quot;:&quot;szplus&quot;,&quot;main_topic&quot;:&quot;kultur_in_muenchen&quot;,&quot;object_id&quot;:&quot;lux.4H4FztS8do1SDPRC5URBxf&quot;,&quot;pcat&quot;:&quot;paid&quot;,&quot;section&quot;:&quot;muenchen&quot;,&quot;teaser_type&quot;:&quot;article_teaser_top&quot;}}\" data-manual=\"teaser-url\" data-tb-link=\"\" aria-labelledby=\"teaser-httpswwwsueddeutschedemuenchendokumentarfilm-muenchen-feminismus-filmhochschule-lux4H4FztS8do1SDPRC5URBxf\" class=\"css-14tg8sh\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/12245920-8291-4870-9d77-41ce537cc1da.jpeg\"   alt=\"\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/><\/p>\n<p>Film \u00fcber Feminismus<\/p>\n<p>:Nichts zu verlieren &#8211; au\u00dfer M\u00e4nner<\/p>\n<p class=\"css-a6ecqs\" data-manual=\"teaser-text\" data-tb-description=\"\" data-schema-org-speakable=\"true\">Hanna Hocker hat einen Film \u00fcber die Vork\u00e4mpferinnen des Feminismus gedreht. \u00dcber eine Spurensuche im ersten Frauenbuchladen Deutschlands und die Frage, was die feministischen Generationen einst und heute trennt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Was die Gr\u00fcnderinnen umtrieb, insbesondere Monika Neuser und Sabine Holm, l\u00e4sst der wunderbare HFF-Kurzfilm \u201eAu\u00dfer M\u00e4nner hatten wir nichts zu verlieren\u201c von Leila Keita und Hanna Hocker lebendig werden. Auch bei ihrem Interview mit den sp\u00e4teren langj\u00e4hrigen Buchh\u00e4ndlerinnen Ursula Neubauer und Andrea Gollbach kommt sch\u00f6n der damalige Kampfgeist heraus. \u201eJung, radikal, lesbisch, links\u201c, so blicken sie auf sich selbst in den Achtzigern zur\u00fcck. Und sie finden, im Vergleich zur heutigen Generation: \u201eWir haben uns viel mehr getraut.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die traut sich allerdings auch einiges: Sie hat den einstigen Frauenbuchladen, <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/lillemors-frauenbuchladen-geschichten-aus-der-grossen-stadt-monacensia-kilombo-feminismus-1.6067520\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">dessen Archiv jetzt in der Monacensia liegt<\/a>, vor zwei Jahren in ein queerfeministisches Projekt verwandelt. Ein Kollektiv von zun\u00e4chst vier, inzwischen 30 weitgehend Ehrenamtlichen hat dem Laden als <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/muenchen-buchhandlungen-literatur-krimi-feminismus-englische-buecher-queer-lux.THGpQ5zUMfSdaQQBSDbJqM\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Glitch Bookstore<\/a>\u00a0\u201eeine Verj\u00fcngungskur verpasst\u201c, was die Jury des diesj\u00e4hrigen Schwabinger Kunstpreises w\u00fcrdigte. Auch Glitch gehe es darum, einen \u201eechten Freiraum\u201c zu schaffen. Der Anspruch: \u201ekleine Irritationen ausl\u00f6sen und bestehende Hierarchien hinterfragen\u201c.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Dass die queere Ausrichtung tats\u00e4chlich Irritationen bei \u00e4lteren Feministinnen ausl\u00f6sen kann, ist im Literaturhaus zu sp\u00fcren; schade, dass niemand von Glitch mit auf dem Podium sitzt. Denn nat\u00fcrlich gibt es auch heute Grabenk\u00e4mpfe angesichts neuer Begrifflichkeiten und Konzepte, und hoffentlich bleibt der Austausch so produktiv wie einst. Denn es ist ja nicht zu vergessen, wie die Laden-Gr\u00fcnderin Sabine Holm im Film eindringlich sagt, \u201edass wir viel zu verlieren haben\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine Botschaft in Gro\u00dfbuchstaben: FRAUEN. 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