{"id":584656,"date":"2025-11-18T14:11:18","date_gmt":"2025-11-18T14:11:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/584656\/"},"modified":"2025-11-18T14:11:18","modified_gmt":"2025-11-18T14:11:18","slug":"hinter-stuttgarts-tresen-manchmal-sind-leute-einfach-doof-was-treibt-junge-menschen-in-die-gastro","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/584656\/","title":{"rendered":"Hinter Stuttgarts Tresen: \u201eManchmal sind Leute einfach doof\u201c \u2013 was treibt junge Menschen in die Gastro?"},"content":{"rendered":"<p>Wenn eine Kellnerin oder ein Kellner mit vollem Tablett m\u00fchelos an einem vorbeisaust, untersch\u00e4tzt man leicht, wie viel harte <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Arbeit\" title=\"Arbeit\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Arbeit<\/a> in dem <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Beruf\" title=\"Beruf\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beruf<\/a> steckt. Getr\u00e4nke abstellen, an den n\u00e4chsten Tisch eilen, schnell die Bestellungen aufschreiben, die komischen Blicke ignorieren und dann wieder weiter. Bei den Kilometern, die Kellnerinnen und Kellner pro Tag zur\u00fccklegen, ist das eine Form von Extremsport. Und selbst wer hinter der Theke arbeitet, wird vom Stress nicht verschont, von den aufdringlichen, wom\u00f6glich betrunkenen G\u00e4sten erst recht nicht.<\/p>\n<p>Wir haben drei Kellnerinnen und einen Barkeeper aus <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stuttgart<\/a> nach ihrem Alltag gefragt \u2013 Einblicke, die es selten gibt. Wie wichtig sind Teamwork und die eigenen Bed\u00fcrfnisse? Wie sehr leidet der K\u00f6rper durch Nachtschichten? Was hat Trinkgeld mit der Performance und Touristen zu tun und ab wann gehen G\u00e4ste dem Barkeeper auf die Nerven?<\/p>\n<p>Was sie gemeinsam haben? Gastro macht ihnen richtig Bock! Meistens zumindest&#8230;<\/p>\n<p>Achtsamkeit und Americanos, geht das?   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/media.media.efdf7671-6fbc-491a-a925-52b5a5c2605b.original1024.media.jpeg\"\/>     Melina gef\u00e4llt vor allem die Flexibilit\u00e4t als Kellnerin.    Foto: Carlos Schmitt    <\/p>\n<p>Melina arbeitet im gem\u00fctlichen Caf\u00e9 Kaiserbau am <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Marienplatz\" title=\"Marienplatz\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Marienplatz<\/a>. Mit 26 hat sie schon einiges in der Gastro erlebt. Der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Job\" title=\"Job\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Job<\/a> f\u00e4llt ihr nicht mehr so leicht, wie vor einigen Jahren. \u201eEs es ist auf jeden Fall ein taffer Job. Momentan komme ich ein bisschen mehr an meine Grenzen. Fr\u00fcher hat man das mehr weggesteckt. Ich bin jetzt auch nicht alt, aber man merkt so langsam, dass man es halt schon eine Weile macht.\u201c<\/p>\n<p>Wie viele junge Menschen hat Melina w\u00e4hrend des Abiturs als Minijobberin angefangen und ist \u00fcber die Zeit \u201eeinfach reingerutscht\u201c. Seit sieben Jahren ist die Stuttgarterin schon in der Branche, mittlerweile Vollzeit. Mit dem Balancieren von Getr\u00e4nken k\u00e4mpft Melina nicht mehr, mit r\u00fccksichtslosen Kundinnen und Kunden allerdings schon.<\/p>\n<p>\u201eManchmal sind Leute einfach doof. Manchmal lassen sie an einem die schlechte Laune aus, das macht dann auch was mit dir, weil du dir dann denkst, \u201aHey, ich versuche auch nur gerade mein Bestes. Und wenn ich dir jetzt nicht gerade wirklich was Schlimmes angetan habe, warum musst du dann das alles bei mir abladen?\u2019\u201c<\/p>\n<p>Umso besser, wenn es Menschen gibt, auf die man sich verlassen kann. F\u00fcr Manche ist das Arbeitsteam wie eine Familie. F\u00fcr Melina sei dieses Teamgef\u00fchl besonders wichtig. Nur durch Teamwork k\u00f6nne man die taffen Tage bei voller Bude durchstehen, sagt sie. Dabei lehre sie der Stress des Berufs, dass man auch mal auf die eigenen Bed\u00fcrfnisse h\u00f6ren muss.<\/p>\n<p>\u201eAuch wenn viel los ist, musst du dich bem\u00fchen, schnell zu sein und zu gucken, dass der Ablauf zackig ist. Aber es geht halt irgendwann nicht anders. Und dann musst du dir selbst den Stress rausnehmen und sagen \u201aHey, ich bin auch nur ein Mensch und mehr kann ich gerade nicht.\u2019 Und ich glaube, das ist das Sch\u00f6ne daran, dass man das lernt.\u201c<\/p>\n<p> \u201eAls Barkeeper hast du ein bisschen einen anderen Status\u201c   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/media.media.04cae452-4ab3-47e1-bd09-f4a71cb3fd45.original1024.media.jpeg\"\/>     Andrea f\u00fchlt sich besonders wohl hinter dem Tresen. Bier schenkt er aber nicht so gerne aus.    Foto: Carlos Schmitt    <\/p>\n<p>Wer in Bars, Clubs oder Restaurants arbeitet, kennt das nur allzu gut: Full House, alles rappelvoll. Handgriffe links und rechts und man kommt mit den Bestellungen nicht hinterher. Und die Kundinnen und Kunden sind alles andere als kooperativ. Andrea erz\u00e4hlt uns, er kriegt manchmal \u201eMenschenhass\u201c, wenn bei ihm volle Bude ist.<\/p>\n<p>\u201eLetzten oder vorletzten Samstag war das so: Ich stand an der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Bar\" title=\"Bar\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bar<\/a> und schauen sechs Leute schauten mich an, alle warteten. Ich hatte aber vom Service noch f\u00fcnf Cocktails offen. Dann kann ich keine weiteren Bestellung aufnehmen, weil ich das sowieso vergessen w\u00fcrde. Dann sind die G\u00e4ste irgendwann dicht und ich verstehe sie nicht mehr richtig und sie checken nicht, wie zum Beispiel die Kartenzahlung funktioniert, auch nicht, nachdem man es mehrmals erkl\u00e4rt. Dann werde ich ein bisschen aggro.\u201c<\/p>\n<p>Eigentlich gef\u00e4llt es Andrea sehr an der Bar zu arbeiten. Dort hat er einen eigenen Arbeitsraum und auch einen gewissen Status . Das sei recht angenehm, findet er. Denn bei Clubs, Nachtbars und Restaurants muss man sich durch die Menschenmenge boxen, um die Kundinnen und Kunden zu bedienen. Als Barkeeper bleibt man station\u00e4r, dem Stammtisch-Stress fern. Au\u00dferdem habe es einen ganz besonderen Flair mit Menschen an der Theke zu quatschen, sagt er.<\/p>\n<p>\u201eBei der Arbeit hast du die ganze Zeit Menschen zu tun, das macht schon Bock. Das hast du im B\u00fcro nicht.\u201c<\/p>\n<p> In seiner Freizeit arbeitet der 29-j\u00e4hrige Student als Barkeeper im Marshall Matt. Bevor er dort zu arbeiten begonnen hat, war er h\u00e4ufig als Student dort Gast. Der Gro\u00dfteil der Menschen, die ins Marshall Matt kommen, seien freundlich und gespr\u00e4chig. Ihre Sympathie erfahre Andrea unter anderem durch das Trinkgeld, erz\u00e4hlt er.<\/p>\n<p>\u201eWenn die Personen Trinkgeld geben, dann merkt man, dass die Arbeit gesch\u00e4tzt wird. Manchmal kommen auch Leute her und geben einfach so Trinkgeld. Das passiert nicht oft, aber ab und zu.\u201c<\/p>\n<p>Mittlerweile sieht er sich selbst fast zum alten Eisen geh\u00f6ren. Der Job macht unglaublich Spa\u00df, verlangt daf\u00fcr aber einen Zoll am K\u00f6rper.<\/p>\n<p>\u201eWenn du ein bisschen \u00e4lter wirst, wirst du dir bewusst werden, dass nachts arbeiten, sich auch auf den n\u00e4chsten Tag noch auswirkt. Dann gehst du um vier oder f\u00fcnf schlafen. Und irgendwann machst du das \u00f6fters, mehrmals die Woche. Ohne, dass du feiern gehst, ohne dass du unterwegs bist.\u201c<\/p>\n<p> Caf\u00e9 und Bar? Ja klar! [oder: Kellnern kann eine Bereicherung sein]   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/media.media.052021f6-b02e-47d4-a69a-bbb97feae210.original1024.media.jpeg\"\/>     Laura (links) und Mona (rechts) k\u00f6nnen sich als Kollegen aufeinander verlassen.    Foto: Carlos Schmitt    <\/p>\n<p>Auch Mona hat am Cocktails mixen und mit Menschen plaudern Gefallen gefunden, nachdem sie es zum erstem Mal auf einem Privatevent ausprobiert hatte. Die 19-j\u00e4hrige Stuttgarterin hat w\u00e4hrend ihres Abiturs damit angefangen und arbeitet mittlerweile sowohl an der Bar in der Sattlerei, als auch im Condesa. Mit dem verdienten <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Geld\" title=\"Geld\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Geld<\/a> finanziert sie ihre Reisen. F\u00fcr sie ist ein eingespieltes Team das A und O.<\/p>\n<p>\u201eEine Schicht l\u00e4uft immer besser, wenn man Kollegen hat, bei denen man wei\u00df, wie es l\u00e4uft und wer was macht. Selbst, wenn man mit dem Kollegen noch nie gearbeitet hat, merkt man direkt, ob die Person schonmal in der Gastro gearbeitet hat. Egal, ob man sich kennt oder nicht.\u201c<\/p>\n<p>Auch G\u00e4sten merke Mona direkt an, wenn sie aus der Branche kommen. Die seien oft freundlicher, zuvorkommender und helfen manchmal, ohne etwas zu versch\u00fctten. Ihr Trinkgeld, findet sie, h\u00e4ngt oft mit ihrer eigenen Performance zusammen. Sich daf\u00fcr ins Zeugs zu legen, scheint sich zu lohnen.<\/p>\n<p>\u201eAlso wenn ich an einem Tisch besonders freundlich bin und besonders viel anbiete, dann ist da meistens das Trinkgeld besser, als wenn ich an einem Tisch einfach nur Getr\u00e4nke bringe und Hallo und Tsch\u00fcss sage.\u201c<\/p>\n<p>Oft geben Menschen auch kein Trinkgeld. Manchmal liege das auch an der kulturellen Pr\u00e4gung, vor allem bei Touristen merke Mona das.<\/p>\n<p>\u201eIch glaube, das ist einfach ein Ding der Kultur, wenn du davon ausgehst, ob schon irgendwo Trinkgeld mit inbegriffen ist oder nicht.\u201c<\/p>\n<p> Hohe Fluktuation in der Gastro  <\/p>\n<p>Monas Kollegin Laura kommt aus Hessen und hat in Hamburg schon gekellnert. Genau wie Andrea hat sie gro\u00dfen Spa\u00df am Kundenkontakt und findet es wichtig, dass sich Servicekr\u00e4fte mit ihrem Betrieb identifizieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u201eDer Umgang mit Menschen, diese soziale Komponente zu haben im Job, ist schon einer der wichtigen Faktoren. Also es macht schon sehr viel Spa\u00df. Gerade hier hat man viele Stammkunden und man kennt die Menschen irgendwann. Das ist voll die sch\u00f6ne Bereicherung im Alltag.\u201c<\/p>\n<p>Seit Juni ist sie mit ihrem Master fertig. Schon vor dem Abschluss hat sie im Management der Gastronomie gearbeitet und ist zur \u00dcberbr\u00fcckung nun Kellnerin.<\/p>\n<p>\u201eDas Team muss stimmen, aber eben auch die Wertsch\u00e4tzung vom Arbeitgeber oder der Arbeitgeberin muss da sein. Also das ist, finde ich, gerade in der Gastro ein schwieriges Thema, weil sehr wenige in einer Festanstellung arbeiten und sehr viel auf Minijob- oder Werkstudierenden-Basis angestellt sind. Deswegen gibt es auch eine hohe Fluktuation.\u201c<\/p>\n<p>Diese Fluktuation beeinflusse manchmal leider auch, wie mit kurzzeitigen Arbeitskr\u00e4ften umgegangen wird \u2013 mit weniger Respekt.<\/p>\n<p>\u201eIch mag es hier super gerne, dass man ganz schnell \u2013 gerade auch hier im S\u00fcden \u2013 etwas vom Leben der G\u00e4ste mitbekommt, von ihrem Feierabend, von ihrem Wochenende. Man lernt super schnell Leute kennen, man ist schnell vernetzt. Das macht\u2019s auf jeden Fall aus.\u201c<\/p>\n<p>Stammkundinnen und Stammkunden kennt sie mittlerweile pers\u00f6nlich und gr\u00fc\u00dft sie, wenn sie sich auf der Stra\u00dfe treffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wenn eine Kellnerin oder ein Kellner mit vollem Tablett m\u00fchelos an einem vorbeisaust, untersch\u00e4tzt man leicht, wie viel&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":584657,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[1140,1634,4594,630,6762,3364,29,3593,666,14924,30,1942,59800,1441],"class_list":{"0":"post-584656","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-arbeit","9":"tag-baden-wuerttemberg","10":"tag-bar","11":"tag-beruf","12":"tag-cafe","13":"tag-de","14":"tag-deutschland","15":"tag-gastro","16":"tag-geld","17":"tag-gen-z","18":"tag-germany","19":"tag-job","20":"tag-junge-leute","21":"tag-stuttgart"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115571110655081367","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/584656","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=584656"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/584656\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/584657"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=584656"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=584656"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=584656"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}