{"id":584961,"date":"2025-11-18T17:10:17","date_gmt":"2025-11-18T17:10:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/584961\/"},"modified":"2025-11-18T17:10:17","modified_gmt":"2025-11-18T17:10:17","slug":"olg-zu-sehr-geehrter-herr-anrede","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/584961\/","title":{"rendered":"OLG zu &#8218;Sehr geehrter Herr&#8216;-Anrede"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t\t\t<strong><\/p>\n<p>Kann eine geschlechtsbezogene Anrede in Schreiben des Gerichts angegriffen werden? Das OLG Frankfurt am Main meint: Nein, denn es handele sich nicht um einen Justizverwaltungsakt. Auch richterliche Unabh\u00e4ngigkeit spiele eine Rolle.<\/p>\n<p><\/strong><\/p>\n<p>Eine nicht-bin\u00e4re Person hat keinen Anspruch auf eine Entscheidung dar\u00fcber, ob die Ansprache &#8222;Sehr geehrter Herr \u2026&#8220; in verfahrensleitenden Schreiben zul\u00e4ssig ist. Denn bei diesen Schreiben handelt es sich nicht um Justizverwaltungsakte, sodass der Rechtsweg nicht er\u00f6ffnet ist. Das hat das <a href=\"https:\/\/www.lto.de\/gerichte\/aktuelle-urteile-und-adresse\/oberlandesgericht-frankfurt-am-main\" target=\"_blank\" class=\"external-link-new-window\" rel=\"noopener\">Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main<\/a> entschieden (Beschl. v. 28.10.2025, Az. 3 VAs 9\/25).<\/p>\n<p>Die betroffene Person hat einen gestrichenen Geschlechtseintrag. Gegen sie l\u00e4uft ein Berufungsverfahren wegen Beleidigung (\u00a7 185 Strafgesetzbuch, StGB). Durch das zust\u00e4ndige Landgericht wurde die Person in gerichtlichen Schreiben wiederholt mit &#8222;Sehr geehrter Herr \u2026&#8220; angesprochen.<\/p>\n<p>Dies will die Person nicht hinnehmen und begehrt die Feststellung, dass diese geschlechtsspezifische Anrede unzul\u00e4ssig und deswegen zu unterlassen sei. Deshalb stellte sie einen Antrag gem\u00e4\u00df \u00a7 23 Einf\u00fchrungsgesetz zum Gerichtsverfassungsgesetz (EGGVG). Hiernach entscheiden die ordentlichen Gerichte &#8222;\u00fcber die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der Anordnungen, Verf\u00fcgungen oder sonstigen Ma\u00dfnahmen, die von den Justizbeh\u00f6rden zur Regelung einzelner Angelegenheiten [\u2026] getroffen werden&#8220;. Es geht dabei um sogenannte Justizverwaltungsakte, unter die die verfahrensleitenden Schreiben aber nicht fallen, wie das OLG nun entschied.<\/p>\n<p>Verfahrensleitende Schreiben enthalten &#8222;keien Regelung an sich&#8220;<\/p>\n<p>Aus Sicht des OLG ist damit schon der Rechtsweg nicht er\u00f6ffnet. Denn es gehe nicht um die Beseitigung, Vornahme oder Feststellung der Rechtswidrigkeit eines Justizverwaltungsaktes. Die m\u00e4nnliche Ansprache sei schlicht kein tauglicher Streitgegenstand. Denn Justizverwaltungsakte im Sinne von \u00a7 23 EGGVG m\u00fcssten stets eine Regelungsfunktion erf\u00fcllen. In den Schreiben, die mit &#8222;Sehr geehrter Herr \u2026&#8220; beginnen, ging es nur um eine ge\u00e4nderte Terminplanung, die \u00dcbersendung einer Anlage und neue konkrete Berufungshauptverhandlungstermine.<\/p>\n<p>Mit den in den Schreiben enthaltenen m\u00e4nnlichen Anreden sei insoweit &#8222;keine Regelung an sich&#8220; enthalten. Vielmehr sieht das OLG darin lediglich einen &#8222;formellen Beginn und Ausdruck einer g\u00e4ngigen H\u00f6flichkeit einer schriftlichen Kommunikation&#8220;. Regelungsgehalt h\u00e4tten dagegen ausschlie\u00dflich die Schreiben als Ganzes, meint das OLG.<\/p>\n<p>Auch sei die m\u00e4nnliche Anrede keine Ma\u00dfnahme, die durch eine Justizbeh\u00f6rde getroffen worden sei. Das OLG ordnet die Schreiben stattdessen der &#8222;justizf\u00f6rmigen Verwaltungst\u00e4tigkeit&#8220; zu. Es handele sich zwar nicht um Rechtsprechung im engeren Sinne, wohl aber um richterliche T\u00e4tigkeit, die in verfassungsrechtlich garantierter richterlicher Unabh\u00e4ngigkeit ausge\u00fcbt werde, so das OLG.<\/p>\n<p>jb\/LTO-Redaktion<\/p>\n<p>Zitiervorschlag<\/p>\n<p id=\"citeArticleContent\">\n<p>\t\t\t\t\tOLG Frankfurt am Main zur Kommunikation mit Gerichten:<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t. In: Legal Tribune Online,<br \/>\n\t\t\t\t\t18.11.2025<br \/>\n\t\t\t\t\t, https:\/\/www.lto.de\/persistent\/a_id\/58657 (abgerufen am:<br \/>\n\t\t\t\t\t18.11.2025<br \/>\n\t\t\t\t\t)\n\t\t\t\t<\/p>\n<p>\t\t\t\tKopieren<br \/>\n\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/www.lto.de\/rechtliches\/zitierhinweise\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Infos zum Zitiervorschlag<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Kann eine geschlechtsbezogene Anrede in Schreiben des Gerichts angegriffen werden? 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