{"id":586042,"date":"2025-11-19T03:53:25","date_gmt":"2025-11-19T03:53:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/586042\/"},"modified":"2025-11-19T03:53:25","modified_gmt":"2025-11-19T03:53:25","slug":"floetenklang-und-donnerschall-bei-den-augsburger-philharmonikern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/586042\/","title":{"rendered":"Fl\u00f6tenklang und Donnerschall bei den Augsburger Philharmonikern"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Wenig beschritten sind die Pfade, auf denen Domonkos H\u00e9ja und seine Augsburger Philharmoniker<a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/kultur\/augsburgs-philharmoniker-begeistern-mit-leidenschaftlicher-auffuehrung-von-mahlers-fuenfter-111849553\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\"> im j\u00fcngsten Sinfoniekonzert<\/a> wandelten. Das gilt selbst f\u00fcr Richard Strauss\u2018 \u201eTod und Verkl\u00e4rung\u201c, z\u00e4hlt dieses Orchesterst\u00fcck doch im Vergleich zu \u201eDon Quixote\u201c. \u201eTill Eulenspiegel\u201c oder \u201eAlso sprach Zarathustra\u201c zu den weniger oft aufgef\u00fchrten Tondichtungen des Komponisten. Um wie viel mehr gilt das generell f\u00fcr Max Reger und schon gar f\u00fcr Carl Reinecke. Dass letzterer im Kongress am Park zu Auff\u00fchrungsehren kam, war ma\u00dfgeblich Roz\u00e1lia Szab\u00f3 geschuldet, der Fl\u00f6tistin, die in dieser Spielzeit Artist in Residence des Orchesters in Augsburg ist. Und es nat\u00fcrlich verdient hat, mit einem repr\u00e4sentativen Werk erstmals dem hiesigen Publikum vorgestellt zu werden.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Szab\u00f3, Solofl\u00f6tistin der S\u00e4chsischen Staatskapelle Dresden, wei\u00df, dass ein Instrumentalkonzert aus dem Geist der Sp\u00e4tromantik eine Interpretin fordert, die sich als Erste unter Gleichen versteht. Die sich nicht auftrumpfend \u00fcber das Orchester stellt, sondern mit ihm auf Augenh\u00f6he interagiert \u2013 und sich dabei doch als Solistin zu behaupten vermag und nicht in den Fluten des Orchesterklangs verschwimmt. Das gelingt Roz\u00e1lia Szab\u00f3 vor allem durch \u00fcberlegene Spielkultur, bei der jede Phrase klangrhetorisch durchgestaltet ist, sodass auch noch die k\u00fcrzeste Tonverbindung nicht als blo\u00dfes F\u00fcllsel erscheint. Ihren f\u00fclligen, immer kompakt eingefassten warmen Silberton spielt Szab\u00f3 vor allem im langsamen Satz aus, um im Finale dann souver\u00e4ne Virtuosit\u00e4t vorzuf\u00fchren. Hilfreich in allen S\u00e4tzen, dass Domonkos H\u00e9ja auch im dichtesten Tutti den Philharmoniker-Pegel nie \u00fcberborden l\u00e4sst. Nat\u00fcrlich fordert am Montag der Applaus eine Zugabe von der sympathischen Solistin, die daf\u00fcr ein St\u00fcck von Telemann parat hat, den ersten Satz aus der Fantasia 8.\n  <\/p>\n<p>            Domonkos H\u00e9ja veranstaltet kein Musikseminar<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Vorausgegangen waren Max Regers Variationen und Fuge \u00fcber ein Thema von Mozart \u00ad- eines der bekanntesten Mozart-Gebilde, das sich im Sechsachtel-Takt wiegende Thema der Klaviersonate in A-Dur KV 331. Nach allen Regeln der Kunst dreht, wendet und wandelt Reger diesen Ohrwurm, und die Herausforderung f\u00fcr Dirigenten ist dabei, das Mozartsche Ausgangsmaterial immer im Bereich des latent Vernehmbaren zu belassen, was keine geringe Herausforderung ist bei einem Komponisten wie Reger, der die Klangmassen liebt und doch von musikalischer Vielgestalt nicht lassen will. Mozart in Regers Gewand aber <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/kultur\/dirigent-domonkos-heja-ueber-mozarts-cosi-fan-tutte-unglaublich-schoene-musik-106850991\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">ist bei Domonkos H\u00e9ja in besten H\u00e4nden,<\/a> gerade auch deshalb, weil der Dirigent stets die rechte Balance findet und eben nicht ein Fingerzeig-Musikseminar veranstaltet nach dem Motto: Da schaut her, da ist der Mozart!\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die achte und letzte Variation entwickelt sich unter H\u00e9jas H\u00e4nden gar zu einem St\u00fcck, das hinausweist \u00fcber kunstfertiges Ver\u00e4nderungs-Handwerk. Das \u201eMolto sostenuto\u201c entfaltet sinnende Qualit\u00e4ten, getragen von dynamisch fein abgestuften, in Klangrede musizierenden Streichern, vom Dirigenten in kontinuierliche Spannung gesetzt bis zum apotheotischen Schluss. Auf den dann die Fuge folgt, in bewusst herb-kontrastierender K\u00fcrzest-Artikulation, lange in faszinierendem Piano und daraus resultierender Transparenz gehalten, bis H\u00e9ja, Reger folgend, die Schleusen f\u00fcrs Orchester-Plenum \u00f6ffnet. Das in den letzten Takten dann noch einmal auftretende reingestaltige Mozart-Thema beschlie\u00dft das Werk denn auch geradezu tumultartig.\n  <\/p>\n<p>            Fieberwahnatmosph\u00e4re bei Strauss<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Eine Klang-Dramaturgie, bei Philharmoniker-Konzert im Kongress-Saal oft geh\u00f6rt, oft beschrieben, die sich nach der Pause bei \u201eTod und Verkl\u00e4rung\u201c von Richard Strauss wiederholt. Gl\u00e4nzend gestaltet der erste Abschnitt der Tondichtung, die Zustandsschilderung des Moribunden \u2013 unruhig der Streicher-Puls, lastend die liegenden Bl\u00e4ser-Akkorde, die Seufzergesten, die ganze Fieberwahnatmosph\u00e4re. Dann, einem Schmerzensstich gleich, bricht das Orchester aus, w\u00fchlt sich ein dunkles Thema empor, und in der Folge, wenn H\u00e9ja st\u00e4rkstes Fortissimo entfesselt, einmal mehr der Eindruck, dass das klingende Ergebnis undeutlich wird, Instrumentallinien verflie\u00dfen, brachialer Donnerschall dominiert. Domonkos H\u00e9ja wird in diesen Momenten zum Samson, der mit dem fast 80 Mann\/Frau starken Orchester die akustischen Begrenzungen der Kongress-B\u00fchnenschuhschachtel sprengt \u2013 letztlich zum Nachteil der Musik. Bedauerlich, denn H\u00e9ja versteht sich eigentlich bestens auf das Disponieren weiter Steigerungsr\u00e4ume, wie ja auch der letzte Abschnitt des Werks, die \u201eVerkl\u00e4rung\u201c, zeigt mit seinem mehrmaligen Ansetzen, Mal f\u00fcr Mal gesteigert um ein gekonnt berechnetes Quantum an Intensit\u00e4t.\n  <\/p>\n<ul data-module-id=\"DragDropModule\" class=\"flex flex-wrap justify-start group-[.no-bookmarks]:hidden\">\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Stefan Dosch<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Max Reger<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Sinfoniekonzert<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wenig beschritten sind die Pfade, auf denen Domonkos H\u00e9ja und seine Augsburger Philharmoniker im j\u00fcngsten Sinfoniekonzert wandelten. 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