{"id":587168,"date":"2025-11-19T15:01:21","date_gmt":"2025-11-19T15:01:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/587168\/"},"modified":"2025-11-19T15:01:21","modified_gmt":"2025-11-19T15:01:21","slug":"diabetes-bei-maeusen-durch-blutstammzell-und-inselzelltransplantation-geheilt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/587168\/","title":{"rendered":"Diabetes bei M\u00e4usen durch Blutstammzell- und Inselzelltransplantation geheilt"},"content":{"rendered":"<p><strong>In einer Studie der Stanford Medicine wurden M\u00e4usen mit Autoimmundiabetes Blutstammzellen und Inselzellen der Bauchspeicheldr\u00fcse von einem immunologisch nicht passenden Spender transplantiert. Dies f\u00fchrte zu einer vollst\u00e4ndigen Heilung des Typ-1<\/strong>\u2013<strong>Diabetes bei den Tieren.<\/strong><\/p>\n<p>Keines der Tiere entwickelte eine Graft-versus-Host-Reaktion, und die Zerst\u00f6rung der Inselzellen durch das k\u00f6rpereigene Immunsystem wurde gestoppt. Nach der Transplantation ben\u00f6tigten die Tiere w\u00e4hrend der gesamten sechsmonatigen Versuchsdauer weder Immunsuppressiva noch Insulin. Die <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1172\/JCI190034\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Studie<\/a> wurde k\u00fcrzlich im \u201eJournal of Clinical Investigation\u201c ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>\u201eDie M\u00f6glichkeit, diese Erkenntnisse auf den Menschen zu \u00fcbertragen, ist \u00e4u\u00dferst vielversprechend\u201c, betont Prof. Seung K. Kim, Letztautor der Studie. \u201eDie wichtigsten Schritte unserer Studie f\u00fchren zu Tieren mit einem hybriden Immunsystem, das Zellen des Spenders und des Empf\u00e4ngers enth\u00e4lt. Diese Methoden werden bereits klinisch f\u00fcr andere Erkrankungen eingesetzt. Wir sind \u00fcberzeugt, dass dieser Ansatz f\u00fcr Menschen mit Typ-1-Diabetes oder anderen Autoimmunerkrankungen sowie f\u00fcr Patienten, die eine Organtransplantation ben\u00f6tigen, einen Durchbruch bedeuten wird.\u201c <\/p>\n<p>Die Herausforderungen bei der Heilung von Autoimmundiabetes<\/p>\n<p>Die Ergebnisse des vorliegenden Berichts decken sich mit denen einer Studie von Kim und Mitarbeitern aus dem Jahr 2022. Dort induzierten die Forschenden bei M\u00e4usen zun\u00e4chst Diabetes, indem sie insulinproduzierende Zellen in der Bauchspeicheldr\u00fcse mithilfe von Toxinen zerst\u00f6rten. Anschlie\u00dfend wurden die M\u00e4use durch eine schonende Vorbehandlung mit immungerichteten Antik\u00f6rpern und niedrig dosierter Strahlung geheilt. Daraufhin wurden ihnen Blutstammzellen und Inselzellen eines nicht verwandten Spenders transplantiert. <\/p>\n<p>Die aktuelle Studie untersuchte ein komplexeres Problem: die Heilung oder Pr\u00e4vention von Autoimmundiabetes, bei dem das Immunsystem spontan die eigenen Inselzellen zerst\u00f6rt. Beim Menschen spricht man von Typ-1-Diabetes. Anders als in der Studie mit induziertem Diabetes \u2013 in der das Ziel war, die Absto\u00dfung der gespendeten Inselzellen durch das Immunsystem des Empf\u00e4ngers zu verhindern \u2013 sind die transplantierten Inselzellen bei den Autoimmun-M\u00e4usen doppelt gef\u00e4hrdet. Sie sind nicht nur fremd, sondern auch anf\u00e4llig f\u00fcr einen Autoimmunangriff durch ein fehlgeleitetes Immunsystem.<\/p>\n<p>\u201eGenau wie beim menschlichen Typ-1-Diabetes entsteht Diabetes bei diesen M\u00e4usen durch ein Immunsystem, das spontan die insulinproduzierenden Beta-Zellen in den Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldr\u00fcse angreift\u201c, erkl\u00e4rt Kim. \u201eWir m\u00fcssen nicht nur die verloren gegangenen Inseln ersetzen, sondern auch das Immunsystem des Empf\u00e4ngers so umprogrammieren, dass die Zerst\u00f6rung der Inselzellen nicht weiter fortschreitet. Die Entwicklung eines hybriden Immunsystems erm\u00f6glicht beides.\u201c <\/p>\n<p>Transplantation durch gezielte Immunmodulation erm\u00f6glicht<\/p>\n<p>Die angeborenen Merkmale, die zu Autoimmundiabetes f\u00fchren, erschweren die Vorbereitung auf eine erfolgreiche Blutstammzelltransplantation. Die L\u00f6sung der Forscher war einfach: Bhagchandani und Dr. Stephan Ramos, Koautor der Studie, erg\u00e4nzten das 2022 von ihnen entwickelte Vorbehandlungsschema um ein Medikament zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen. Die anschlie\u00dfende Transplantation von Blutstammzellen f\u00fchrte zu einem hybriden Immunsystem aus Zellen von Spender und Empf\u00e4nger. Gleichzeitig verhinderte sie bei allen 19 Tieren die Entwicklung von Typ-1-Diabetes. Dar\u00fcber hinaus wurden neun von neun M\u00e4usen, die bereits seit Langem an Typ-1-Diabetes litten, durch die kombinierte Transplantation von Blutstammzellen und Inselzellen geheilt. <\/p>\n<p>Da die verabreichten Antik\u00f6rper, Medikamente und die niedrig dosierte Strahlung bereits klinisch f\u00fcr Blutstammzelltransplantationen eingesetzt werden, halten die Forschenden die \u00dcbertragung dieses Ansatzes auf Menschen mit Typ-1-Diabetes f\u00fcr einen logischen n\u00e4chsten Schritt.<\/p>\n<p>Ursprung des Konzepts<\/p>\n<p>Die Studie baut auf den Arbeiten des verstorbenen Prof. Samuel Strober und seiner Kollegen auf, darunter Koautorin Prof. Judith Shizuru. Sie hatten gezeigt, dass eine Knochenmarktransplantation von einem teilweise immunologisch passenden menschlichen Spender die Bildung eines hybriden Immunsystems beim Empf\u00e4nger erm\u00f6glicht. Dies gew\u00e4hrleistet die langfristige Akzeptanz einer Nierentransplantation desselben Spenders. In einigen F\u00e4llen hielt die Funktion der transplantierten Spenderniere jahrzehntelang an \u2013 ohne Medikamente zur Unterdr\u00fcckung der Absto\u00dfung erforderlich. <\/p>\n<p>Eine Blutstammzelltransplantation kann zur Behandlung von Blut- und Immunerkrankungen wie Leuk\u00e4mie und Lymphomen eingesetzt werden. Dabei verursachen die hohen Dosen an Chemotherapeutika und Bestrahlung jedoch h\u00e4ufig schwere Nebenwirkungen. Shizuru und Kollegen entwickelten einen sichereren und schonenderen Weg. Er soll Empf\u00e4nger mit nicht-krebsbedingten Erkrankungen wie Typ-1-Diabetes auf eine Stammzelltransplantation mit Spenderblut vorbereiten. Dabei wird das Knochenmark so konditioniert, dass die gespendeten Blutstammzellen einen N\u00e4hrboden finden und sich entwickeln k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u201eWir wissen nun, dass die gespendeten Blutstammzellen das Immunsystem des Empf\u00e4ngertiers umprogrammieren. Dadurch akzeptiert es die transplantierten Inselzellen nicht nur. Es greift gleichzeitig auch das eigene gesunde Gewebe, einschlie\u00dflich der Inselzellen, nicht an\u201c, f\u00fchrt Kim aus. \u201eDie gespendeten Blutstammzellen und das von ihnen produzierte Immunsystem lernen wiederum, das Gewebe des Empf\u00e4ngers nicht anzugreifen. So kann eine Graft-versus-Host-Reaktion vermieden werden.\u201c<\/p>\n<p>Ausblick<\/p>\n<p>Herausforderungen bleiben: Langerhans-Inseln k\u00f6nnen erst nach dem Tod des Spenders gewonnen werden und die Blutstammzellen m\u00fcssen von derselben Person stammen. Es ist unklar, ob die Anzahl der \u00fcblicherweise von einem Spender isolierten Inselzellen ausreicht, um einen manifesten Typ-1-Diabetes zu heilen. Die Forscher arbeiten jedoch an L\u00f6sungen. Dazu geh\u00f6rt beispielsweise die Herstellung gro\u00dfer Mengen von Inselzellen im Labor aus pluripotenten menschlichen Stammzellen. Auch die Entwicklung von Methoden zur Verbesserung der Funktion und des \u00dcberlebens transplantierter Spender-Inselzellen ist ein Ansatz.<\/p>\n<p>Neben Diabetes sehen Kim, Shizuru und Kollegen Potenzial f\u00fcr andere Erkrankungen, wie beispielsweise rheumatoide Arthritis, Lupus oder Sichelzellan\u00e4mie und f\u00fcr Transplantationen von nicht passenden Organen. \u201eDie M\u00f6glichkeit, das Immunsystem auf sichere Weise zur\u00fcckzusetzen, um einen dauerhaften Organersatz zu erm\u00f6glichen, k\u00f6nnte rasch zu gro\u00dfen medizinischen Fortschritten f\u00fchren\u201c, ist sich Kim sicher.<\/p>\n<p>(lj\/BIERMANN)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In einer Studie der Stanford Medicine wurden M\u00e4usen mit Autoimmundiabetes Blutstammzellen und Inselzellen der Bauchspeicheldr\u00fcse von einem immunologisch&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":587169,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[137],"tags":[140717,29,6070,30,141,232,140716],"class_list":{"0":"post-587168","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-blutstammzelltransplantation","9":"tag-deutschland","10":"tag-diabetes","11":"tag-germany","12":"tag-gesundheit","13":"tag-health","14":"tag-inselzelltransplantation"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115576968630391378","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/587168","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=587168"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/587168\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/587169"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=587168"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=587168"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=587168"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}