{"id":587676,"date":"2025-11-19T20:02:22","date_gmt":"2025-11-19T20:02:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/587676\/"},"modified":"2025-11-19T20:02:22","modified_gmt":"2025-11-19T20:02:22","slug":"wer-ersetzt-radio-free-europe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/587676\/","title":{"rendered":"Wer ersetzt Radio Free Europe?"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.radioszene.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/RFE-RL-Logo2-fb.png\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-202840\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/RFE-RL-Logo2-fb-750x394.png\" alt=\"RFE RL Logo2 fb\" width=\"750\" height=\"394\" title=\"Br\u00fcssel vor Entscheidung: Wer ersetzt Radio Free Europe?\"  \/><\/a>Die Zukunft des traditionsreichen Senders Radio Free Europe\/Radio Liberty (RFE\/RL) steht erneut auf der Kippe. W\u00e4hrend die USA ihre Finanzierung drastisch zur\u00fcckfahren und personelle Einschnitte bereits Realit\u00e4t sind, haben mehrere gro\u00dfe europ\u00e4ische Auslandsmedien \u2013 Deutsche Welle (DW), France M\u00e9dias Monde (FMM) und TVP World \u2013 der EU-Kommission ihre Bereitschaft signalisiert, das entstehende Informationsvakuum zu f\u00fcllen.<\/strong> <strong>Der Schritt k\u00f6nnte die europ\u00e4ische Medienlandschaft nachhaltig ver\u00e4ndern \u2013 und wirft Fragen nach staatlicher Einflussnahme, Medienresilienz und geopolitischer Verantwortung auf.<\/strong><\/p>\n<p>Europ\u00e4ische Medienh\u00e4user stellen sich als Ersatz bereit<\/p>\n<p>In einem Schreiben an Ursula von der Leyen und EU-Au\u00dfenbeauftragte Kaja Kallas erkl\u00e4ren die drei \u00f6ffentlich finanzierten Medien ihre \u201eBereitschaft im Kampf gegen Desinformation\u201c. Europa sei in einer \u201estarken Position\u201c, die L\u00fccke zu schlie\u00dfen, die durch die Schw\u00e4chung der US-finanzierten internationalen Sender entstanden sei, zitiert die polnische Presseagentur PAP.<\/p>\n<p>Der Hintergrund: Die USA, unter Pr\u00e4sident Donald J. Trump, hatten im Fr\u00fchjahr 2025 die Finanzierung f\u00fcr RFE\/RL massiv gekappt (<a href=\"https:\/\/www.radioszene.de\/200940\/usa-auslandsrundfunk-voa.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">RADIOSZENE berichtete<\/a>). Ein Kurswechsel gilt nach Einsch\u00e4tzung der beteiligten europ\u00e4ischen Medienh\u00e4user als unwahrscheinlich.<\/p>\n<p>Europ\u00e4ischer Demokratieschild: Br\u00fcssel plant milliardenschwere Medienst\u00fctze<\/p>\n<p>Die Initiative f\u00e4llt in eine Phase medialer Neuordnung innerhalb der EU. Am 12. November 2025 stellte die Kommission den \u201eEurop\u00e4ischen Demokratieschild\u201c vor \u2013 ein umfassendes Programm gegen Desinformation, Autokratisierung und mediale Einflussnahme.<br \/><b>Kernpunkte:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>St\u00e4rkung unabh\u00e4ngiger Medien<\/li>\n<li>Mehr Unterst\u00fctzung f\u00fcr lokalen und investigativen Journalismus<\/li>\n<li>Transparente Finanzierung von NGOs<\/li>\n<li>F\u00f6rderung der zivilgesellschaftlichen Infrastruktur<\/li>\n<\/ul>\n<p>Mit dem geplanten Programm AgoraEU sollen allein 9 Milliarden Euro in die Unterst\u00fctzung zivilgesellschaftlicher Organisationen flie\u00dfen. Die Finanzierungsl\u00fccke bis zum neuen Mehrj\u00e4hrigen Finanzrahmen (MFR) soll durch \u00dcbergangsprogramme geschlossen werden.<\/p>\n<p>R\u00dcCKBLICK: US-Streit eskaliert: Gericht zwingt US-Beh\u00f6rde zur Auszahlung<\/p>\n<p>Der Konflikt um RFE\/RL spitzte sich im Sommer juristisch zu. Der Bundesrichter Royce C. Lamberth, erteilte der US-Beh\u00f6rde f\u00fcr globale Medien (USAGM) eine scharfe R\u00fcge. Er stellte fest, dass die Beh\u00f6rde ihre gesetzliche Pflicht zur Finanzierung verletze und \u201eunzul\u00e4ssige neue F\u00f6rderbedingungen\u201c aufzwingen wolle. Das Gericht ordnete die Auszahlung der bewilligten Mittel f\u00fcr das Haushaltsjahr 2025 an. Der Streit hatte bereits drastische Folgen:<\/p>\n<ul>\n<li>hundertfache Beurlaubungen,<\/li>\n<li>abgesetzte Programme,<\/li>\n<li>und ein massiver Reputationsschaden f\u00fcr einen Sender, der jahrzehntelang eine Schl\u00fcsselrolle im internationalen Informationskampf innehatte.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Medien in Mitteleuropa berichten, dass weitere 20 Prozent der Mitarbeitenden RFE\/RL bis Jahresende verlassen sollen.<\/p>\n<p>Politischer Druck aus Washington \u2013 Ungarn im Fokus<\/p>\n<p>Die Entscheidung der USA war nicht rein finanzieller Natur. Die Regierung Trump warf RFE\/RL vor, \u201eradikale Propaganda\u201c zu verbreiten und insbesondere den ungarischen Ministerpr\u00e4sidenten Viktor Orb\u00e1n, einen der engsten europ\u00e4ischen Verb\u00fcndeten Trumps, kritisch zu beleuchten.<\/p>\n<p>Kurz vor Orb\u00e1ns Besuch im Wei\u00dfen Haus k\u00fcndigte USAGM-Chefin Kari Lake an, die Finanzierung der ungarischen RFE\/RL-Redaktion einzustellen. Ihre Begr\u00fcndung: \u201eAmerikanische Steuergelder sollten nicht f\u00fcr globalistische Programme verwendet werden, die einen NATO-Partner diskreditieren.\u201c Ein politischer Eingriff von bemerkenswerter Deutlichkeit.<\/p>\n<p>Deutsche Welle selbst unter massivem Spardruck<\/p>\n<p>Ironischerweise sucht die DW, die sich nun als m\u00f6glicher Ersatz f\u00fcr RFE\/RL positioniert, selbst h\u00e4nderingend nach zus\u00e4tzlicher Finanzierung. Der Bundeshaushalt sieht f\u00fcr 2026 eine K\u00fcrzung um \u00fcber 10 Millionen Euro vor \u2013 trotz steigender tariflicher Personalkosten. DW-F\u00fchrungskr\u00e4fte warnen, die K\u00fcrzungen tr\u00e4fen den Sender \u201eim Kern\u201c. Bereits 2024 hatte die DW 20 Millionen Euro einsparen m\u00fcssen, besonders in den Bereichen Kultur und Sport.<\/p>\n<p>Mit w\u00f6chentlich 337 Millionen Nutzerinnen und Nutzern weltweit gilt die DW als eines der wichtigsten Medieninstrumente Deutschlands im Ausland \u2013 jedoch ohne Beitragseinnahmen, vollst\u00e4ndig abh\u00e4ngig vom Bundesetat.<\/p>\n<p>France M\u00e9dias Monde und TVP World: Europas weitere S\u00e4ulen im Auslandsrundfunk<\/p>\n<p>Auch die anderen potenziellen Ersatzsender arbeiten auf Basis staatlicher oder staatlich vermittelter Finanzierung:<\/p>\n<ul>\n<li>France M\u00e9dias Monde (FMM) erh\u00e4lt 95 Prozent seines Budgets \u00fcber einen festen Anteil der Mehrwertsteuer. F\u00fcr 2025 sind es rund 273 Millionen Euro.<\/li>\n<li>TVP World, Polens englischsprachiger Auslandsdienst, baut stark auf Regierungszusch\u00fcsse, positioniert sich jedoch als alternative Stimme im osteurop\u00e4ischen Medienraum.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Beide k\u00f6nnten im Verbund mit der DW einen europ\u00e4ischen Nachrichtenverbund bilden, der die Rolle von RFE\/RL teilweise auff\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Ein Sender zwischen den Fronten<\/p>\n<p>RFE\/RL bleibt eine der wichtigsten unabh\u00e4ngigen Informationsquellen in autorit\u00e4r regierten Staaten wie Russland, Belarus, Iran oder Zentralasien. W\u00f6chentlich erreicht der Sender rund 47 Millionen Menschen in 23 L\u00e4ndern. Mit dem schwindenden US-R\u00fcckhalt k\u00f6nnte Europa nun gezwungen sein, eine F\u00fchrungsrolle im globalen Informationskrieg einzunehmen \u2013 finanziell, politisch und strategisch.<\/p>\n<p>Die Frage ist jedoch: Kann ein Netzwerk europ\u00e4ischer, staatsfinanzierter Medien die Unabh\u00e4ngigkeit aufrechterhalten, f\u00fcr die RFE\/RL seit Jahrzehnten steht? Die geopolitische Lage, die Abkehr der USA und der wachsende internationale Kampf um Informationshoheit machen eines klar: Europa wird sich entscheiden m\u00fcssen, ob es das entstehende Vakuum selbst f\u00fcllt \u2013 oder ob unabh\u00e4ngige Stimmen in einigen der sensibelsten Regionen der Welt verstummen. Die kommenden Monate k\u00f6nnten entscheidend sein, ob RFE\/RL weiterexistiert \u2013 und ob Europa bereit ist, sich im globalen Kampf gegen Desinformation neu zu definieren.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hudson.org\/human-rights\/case-radio-free-asia-radio-free-europeradio-liberty-ensuring-information-olivia-enos-alexis-mrachek\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Weiterf\u00fchrende Informationen<\/a><\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/www.radioszene.de\/tag\/radio-free-europe\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Radio Free Europe<\/a><a href=\"https:\/\/www.radioszene.de\/tag\/radio-liberty\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Radio Liberty<\/a>\t\t\t\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Zukunft des traditionsreichen Senders Radio Free Europe\/Radio Liberty (RFE\/RL) steht erneut auf der Kippe. 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