{"id":587828,"date":"2025-11-19T21:25:16","date_gmt":"2025-11-19T21:25:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/587828\/"},"modified":"2025-11-19T21:25:16","modified_gmt":"2025-11-19T21:25:16","slug":"europa-setzt-auf-digitale-unabhaengigkeit-icc-verlaesst-microsoft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/587828\/","title":{"rendered":"Europa setzt auf digitale Unabh\u00e4ngigkeit: ICC verl\u00e4sst Microsoft"},"content":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend in Berlin diese Woche ein hochrangiger deutsch-franz\u00f6sischer Gipfel zur europ\u00e4ischen digitalen Souver\u00e4nit\u00e4t tagt, vollzieht der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) einen symboltr\u00e4chtigen Schritt: Die Haager Institution verabschiedet sich von Microsoft Office. Der Wechsel zur deutschen Open-Source-L\u00f6sung \u201copenDesk\u201d markiert einen Wendepunkt in Europas Streben nach technologischer Eigenst\u00e4ndigkeit.<\/p>\n<p>Die Entscheidung des IStGH ist mehr als nur eine IT-Migration. Sie ist ein Signal: Europ\u00e4ische Institutionen wollen nicht l\u00e4nger von au\u00dfereurop\u00e4ischen Tech-Konzernen abh\u00e4ngig sein \u2013 weder bei sensiblen Daten noch bei kritischer Infrastruktur. Was im Norden Deutschlands begann, entwickelt sich zu einer kontinentweiten Bewegung.<\/p>\n<p>Die openDesk-Plattform, zu der der Strafgerichtshof wechselt, wird vom deutschen Bundesinnenministerium unterst\u00fctzt und vom Zentrum f\u00fcr Digitale Souver\u00e4nit\u00e4t (ZenDiS) betreut. Seit 2024 b\u00fcndelt die L\u00f6sung mindestens neun verschiedene Open-Source-Programme zu einer einheitlichen digitalen Arbeitsumgebung.<\/p>\n<p>Anzeige<\/p>\n<p>Passend zum Thema digitale Souver\u00e4nit\u00e4t \u2013 m\u00f6chten Sie Windows und Microsoft-Tools erst einmal risikofrei testen oder ganz ersetzen? Das kostenlose Linux-Startpaket liefert eine vollst\u00e4ndige Ubuntu-Vollversion plus einen klaren E\u2011Mail-Ratgeber mit Schritt-f\u00fcr-Schritt-Anleitung f\u00fcr die parallele Installation zu Windows. 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Schleswig-Holstein migriert derzeit rund 30.000 Besch\u00e4ftigte der Landesverwaltung von Microsoft-Produkten auf Open-Source-Alternativen. Windows weicht Linux, Office wird durch LibreOffice ersetzt.<\/p>\n<p>Im Oktober erreichte das Projekt einen Meilenstein: \u00dcber 40.000 E-Mail-Postf\u00e4cher wechselten von Microsoft Exchange zu Open-Xchange und Thunderbird. Digitalisierungsminister Dirk Schr\u00f6dter formuliert es drastisch: Die Abh\u00e4ngigkeit von wenigen Tech-Giganten gleiche Europas fr\u00fcherer Abh\u00e4ngigkeit von russischem Gas. Es geht um strategische Widerstandsf\u00e4higkeit.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich l\u00e4uft nicht alles reibungslos. Anf\u00e4ngliche Nutzerbeschwerden und Kompatibilit\u00e4tsprobleme geh\u00f6ren dazu. Doch andere europ\u00e4ische Regierungen beobachten den schleswig-holsteinischen Weg mit gro\u00dfem Interesse \u2013 als m\u00f6gliche Blaupause f\u00fcr eigene Projekte.<\/p>\n<p>Von Lyon bis Kopenhagen: Eine europ\u00e4ische Welle<\/p>\n<p>Die Bewegung schwappt \u00fcber Grenzen. Im Juni startete Lyon, Frankreichs drittgr\u00f6\u00dfte Stadt, die Migration ihrer IT-Systeme. Das Projekt \u201cTerritoire Num\u00e9rique Ouvert\u201d setzt auf Linux, OnlyOffice und NextCloud \u2013 und auf lokale Datenspeicherung in Zusammenarbeit mit regionalen IT-Dienstleistern.<\/p>\n<p>Frankreich ging im Sommer 2025 einen Schritt weiter: Als erste nationale Regierung weltweit unterst\u00fctzte Paris die UN-Prinzipien f\u00fcr Open Source offiziell. D\u00e4nemark zieht nach: Das Digitalministerium in Kopenhagen plant, die Abl\u00f6sung von Microsoft-Produkten bis November 2025 abzuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Warum dieser radikale Kurswechsel?<\/p>\n<p>Hinter der Bewegung steht ein strategisches Kalk\u00fcl. Das Stichwort: digitale Souver\u00e4nit\u00e4t. Europ\u00e4ische Regierungen wollen die Kontrolle \u00fcber ihre digitale Infrastruktur zur\u00fcckgewinnen. Drei Faktoren treiben sie an:<\/p>\n<p><strong>Datenschutz und Rechtssicherheit<\/strong>: Der US-amerikanische CLOUD Act kann amerikanische Unternehmen zwingen, auf Daten zuzugreifen \u2013 selbst wenn diese in EU-Rechenzentren gespeichert sind. Ein Alptraum f\u00fcr sensible Regierungsdaten.<\/p>\n<p><strong>Vendor Lock-in vermeiden<\/strong>: Wer sich zu stark an einen Anbieter bindet, zahlt sp\u00e4ter den Preis. Ausstieg? Wird teuer und kompliziert. Open Source bietet Flexibilit\u00e4t und Unabh\u00e4ngigkeit.<\/p>\n<p><strong>Transparenz und Sicherheit<\/strong>: Offener Quellcode l\u00e4sst sich \u00fcberpr\u00fcfen. Lokale IT-Dienstleister k\u00f6nnen ma\u00dfgeschneiderte L\u00f6sungen entwickeln und Support bieten. Das st\u00e4rkt nicht nur die Sicherheit, sondern auch die europ\u00e4ische Digitalwirtschaft.<\/p>\n<p>Was bringt der Berliner Gipfel?<\/p>\n<p>Der deutsch-franz\u00f6sische Gipfel diese Woche k\u00f6nnte den Durchbruch bringen. Statt isolierter nationaler Projekte soll ein gemeinsamer europ\u00e4ischer Rahmen entstehen. OpenDesk und La Suite num\u00e9rique sind modular aufgebaut \u2013 mit Standards, die Anpassungen an nationale Bed\u00fcrfnisse erlauben.<\/p>\n<p>Die Vision: eine gemeinsame europ\u00e4ische digitale Arbeitsplattform f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Sektor. Kann das funktionieren? Die Herausforderungen sind betr\u00e4chtlich. Alte Systeme m\u00fcssen integriert werden, Organisationen m\u00fcssen umdenken lernen, Besch\u00e4ftigte sich umgew\u00f6hnen.<\/p>\n<p>Doch der politische Wille ist da. Mit jedem erfolgreichen Leuchtturmprojekt wie dem IStGH w\u00e4chst das Vertrauen. Die Zeiten, in denen europ\u00e4ische Beh\u00f6rden ihre digitale Infrastruktur unhinterfragt in die H\u00e4nde amerikanischer Konzerne legten, sind offenbar vorbei. Europa will seine digitale Zukunft selbst gestalten.<\/p>\n<p>Anzeige<\/p>\n<p>PS: Wenn Sie neugierig sind, wie schnell sich ein \u00e4lterer Dienst-PC unter Linux wiederbeleben l\u00e4sst \u2013 das Linux-Startpaket enth\u00e4lt praxisnahe Tipps zur Installation von Ubuntu neben Windows und erkl\u00e4rt, wie Sie LibreOffice &amp; Co. testen. 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