{"id":587987,"date":"2025-11-19T23:04:22","date_gmt":"2025-11-19T23:04:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/587987\/"},"modified":"2025-11-19T23:04:22","modified_gmt":"2025-11-19T23:04:22","slug":"reportage-von-walther-karsch-zum-prozess-gegen-die-hauptkriegsverbrecher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/587987\/","title":{"rendered":"Reportage von Walther Karsch zum Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher"},"content":{"rendered":"<p class=\"tspCAnc tspCAnd\">Zehn Jahre sollten wir ihm Zeit geben, dann w\u00fcrden wir Deutschland nich t wiedererkennen . Wir sp\u00fcren\u2019s jeden Tag und jede Minute, und man sp\u00fcrte es auch, wenn man mit dem Milit\u00e4r-D-Zug von Berlin bis Frankfurt am Main siebzehneinhalb Stunden braucht. Z\u00e4hlt man die zertr\u00fcmmerten Lokomotiven, Personen- und G\u00fcterwagen zusammen, die zum Teil noch unordentlich auf und neben den Gleisen stehen oder liegen und zum Teil schon auf Abstellgleise oder auf das freie Gel\u00e4nde verbracht wurden, um dort aussortiert zu werden, so verdeutlicht das die ungeheuren Schwierigkeiten, die einem geordneten Transportwesen in Deutschland im Wege stehen. Da\u00df fast jede Br\u00fccke eine Notbr\u00fccke ist, die im Schneckentempo passiert wird, da\u00df der Zug seine Geschwindigkeit wegen des schlechten Zustandes, in dem sich nach sechs Kriegsjahren der Unterbau befindet, alle Augenblicke herabmindern mu\u00df, versteht sich am Rande, Und mu\u00df man hinzuf\u00fcgen, da\u00df fast alle gro\u00dfen und kleinen St\u00e4dte, die der Zug durchf\u00e4hrt, besonders um die Bahnhofsgegend herum, schwerste Zerst\u00f6rungen zeigen? Wir Berliner wissen, was Luftkrieg bedeutet. Die mittel-, west- und s\u00fcdwestdeutschen St\u00e4dte haben uns in diesem traurigen Los nichts voraus, den Gradunterschied einmal nicht gerechnet \u2014 denn ob sechzig oder achtzig Prozent, im Grunde ist das genau so total, wie der ganze Krieg und der ganze Zusammenbruch total waren und sind.<\/p>\n<p> Drei \u201eGI\u2019s\u201c sagen ihre Meinung <\/p>\n<p class=\"tspCAnc\">Drei amerikanische Soldaten sitzen in meinem Abteil. Sie fahren zur\u00fcck in die Staaten und m\u00f6chten von mir wissen, wie ich als deutscher Zivilist in den Milit\u00e4rzug komme, der \u00fcbrigens heute \u2014 wir schreiben den 21. November \u2014 das erstemal direkt von Berlin, statt wie bisher von Helmstedt, nach Frankfurt f\u00e4hrt. Ich kl\u00e4re sie auf, und das lebhafte Interesse, das der Mann auf der Stra\u00dfe in den USA am Zeitungswesen nimmt, bekunden auch die drei Soldaten. Das Fragen hat kein Ende. Unter Aufbietung der gegenseitigen englischen und deutschen Sprachkenntnisse kommt eine lebhafte Unterhaltung zustande \u2014 wobei ich immer wieder eingestehen mu\u00df, da\u00df ich den einen meiner Reisegef\u00e4hrten \u00fcberhaupt nicht verstehe; wei\u00df der Teufel, wie er es fertigbringt, die Silben zwischen den Z\u00e4hnen hervorzuquetschen, so da\u00df sie f\u00fcr mich ein unverst\u00e4ndliches Kauderwelsch werden. Seine beiden Kameraden am\u00fcsieren sich \u00fcber das seltsame Zwiegespr\u00e4ch und helfen, wo sie k\u00f6nnen. Was sie wissen wollen? Vor allem: wie konnte das kleine Deutschland au f den Gedanken kommen, Europa und die Welt zu beherrschen? Schwierig, in einer fremden Sprache jemandem Gedankeng\u00e4nge klarzumachen, die man selber nicht recht begreift, weil sie ja nicht Ergebnisse von Denkvorg\u00e4ngen, sondern des Unverm\u00f6gens, richtig zu denken, sind. Immerhin gelingt es mir anscheinend, ihnen ein Bild von der Vorstellung zu zeichnen, auf der Hitler fu\u00dfend sein f\u00fcr tausend Jahre berechnetes Unternehmen aufgebaut hatte. Kopfnicken, und dann ein beinahe dreistimmiges \u201efoolish\u201c \u2014 verr\u00fcckt auf gut Deutsch, wozu man nur ebenfalls mit dem Kopf nicken kann; nur da\u00df wir die Folgen zu tragen haben, macht, da\u00df ihr Ausruf jungenhaft unbek\u00fcmmert und unser Kopfnicken gr\u00e4mlich wirkt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/themen\/erik-reger?icid=single-topic_14846702___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspCYpn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zum 80. Jahrestag der ersten Tagesspiegel-Ausgabe Hier lesen Sie Artikel zur Zeitungsgeschichte und aus dem Archiv <\/a><\/p>\n<p class=\"tspCAnc\">Die Reihe ist an mir, zu fragen. Ich m\u00f6chte wissen, was sie f\u00fcr einen Eindruck von Deutschland und von Berlin hatten. Sie finden, da\u00df Deutschland ein sch\u00f6nes Land ist, da\u00df der Deutsche viele Eigenschaften mit dem Amerikaner gemeinsam hat, vor allem den Sinn f\u00fcr das Praktische. Nach Ueberwindung der anf\u00e4nglichen Scheu h\u00e4tten sie sich sehr schnell mit der Zivilbev\u00f6lkerung angefreundet \u2014 besonders mit dem weiblichen Teil. Jetzt, wo sie so viele Deutsche kennengelernt haben, k\u00f6nnen sie nicht begreifen, wieso sich Leute des gleichen Landes zu den Greueltaten in den Konzentrationslagern und in den besetzten L\u00e4ndern hergegeben haben. Ich kann nur erwidern, da\u00df die Masse der Deutschen das auch nicht begreifen kann, und wahrscheinlich w\u00fcrden viele von denen, die Mitt\u00e4ter dieser Untaten waren, es heute, nachdem ihr Rausch verflogen ist, auch nicht mehr begreifen k\u00f6nnen \u2014 abgesehen von denen, die von Natur aus Verbrecher waren und sind. Diese Erkl\u00e4rung ist ihnen nicht recht plausibel; sie ihnen plausibler zu machen, zum Beispiel durch den Hinweis auf die mangelnde politische Erziehung des deutschen Volkes, auf die fatale Neigung zu mystisch sein sollender Verschwommenheit des Denkens, zur Ueberheblichkeit anderen Menschen und V\u00f6lkern gegen\u00fcber, durch den Hinweis auf die Theorie von der sogenannten Herrenrasse, auf die Unf\u00e4higkeit, im politischen Gegner nicht von vornherein einen Schweinehund zu sehen \u2014 zu diesen Versuchen reichen offenkundig die Sprachkenntnisse, auf die man sich manchmal so viel zu gute h\u00e4lt, nicht aus. Immerhin: die Gr\u00fcnde, die ich ihnen nenne, scheinen ihnen schon einleuchtender. Verstehen werden sie diese Gr\u00fcnde aber nie. Wie sollten sie denn auch, wo sie schon uns unverst\u00e4ndlich scheinen, wenn auch schlie\u00dflich nicht sind,<\/p>\n<p class=\"tspCAnc\">\u201eSehen Sie\u201c, sagt der eine, \u201ewas wir auch nicht verstehen k\u00f6nnen: weshalb sind die Deutschen so gerne Soldaten? Wir sind froh, nach Hause zu kommen und unsere Uniform ausziehen zu k\u00f6nnen.\u201c Amerika, du scheinst es wirklich besser zu haben! Man ist dort dr\u00fcben eben nur so lange Soldat, so lange es unbedingt n\u00f6tig ist. Wer sich dieses Soldatsein als Beruf w\u00e4hlt; ist in den Staaten nicht weniger und nicht mehr geachtet als jeder andere Vertreter jedes anderen Berufes. Bei uns \u2014 doch dar\u00fcber wird das Urteil in N\u00fcrnberg so nebenbei auch das Urteil der Geschichte sprechen.<\/p>\n<p> In der Wiegenstadt der deutschen Demokratie <\/p>\n<p class=\"tspCAnc\">Weil man mit fast zwei Stunden Versp\u00e4tung in Frankfurt eintrifft, die beiden Morgenz\u00fcge nach M\u00fcnchen also schon weg sind and man nicht nachts ohne feste Unterkunft in einer fremden Stadt eintreffen will, wird der Reisende von der \u201eFrankfurter Rundschau\u201c zu Gast geladen. Er sieht sich in Frankfurt um, das sich seit seinem letzten Aufenthalt hier im Januar d. J. nicht sehr, doch 1942 gegen\u00fcber allzusehr ver\u00e4ndert hat. In hundert Jahren m\u00f6gen die Tr\u00fcmmer um den Dom und den R\u00f6merberg (vom R\u00f6mer selbst steht noch die Fassade) Hochzeitsreisenden einer hoffentlich gl\u00fccklicheren Zeit romantisch erscheinen \u2014 uns steigt die Wut ins Hirn, wir m\u00f6chten den zwanzig Gestalten auf der N\u00fcrnberger Anklagebank und ihren Gefolgsleuten am liebsten an den Hals springen und ihn eigenh\u00e4ndig umdrehen, wenn wir nicht gesittete Demokraten w\u00e4ren, die gelernt haben, nicht Gleiches mit Gleichem zu vergelten, sondern erst zu pr\u00fcfen, zu w\u00e4gen und dann zu urteilen. Scharf, aber gerecht.<\/p>\n<p class=\"tspCAnc\">Wie alle Zeitungsleute im neuen Deutschland, haben auch die Frankfurter ihre Sorgen. \u2014 \u201eDer Tagesspiegel\u201c berichtete schon \u00fcber die Reaktion des Frankfurter Oberb\u00fcrgermeisters auf eine Kritik der \u201eRundschau\u201c. Man erz\u00e4hlt mir, da\u00df der Angegriffene seinen Dienststellen die Anweisung gegeben habe, der Zeitung unter Hinweis auf das Amtsgeheimnis keinerlei Ausk\u00fcnfte mehr zu erteilen. Amtsgeheimnisse? So etwas gibt es noch im demokratischen Gemeinwesen. Das Oberhaupt von Frankfurt scheint die nationalsozialistische Schule nicht vergessen zu k\u00f6nnen, es ist auch so bequem, sich vor unbequemer Kritik hinter die omin\u00f6sen Amtsgeheimnisse zu verstecken. Bei dem amerikanischen Milit\u00e4rkommandanten holt er sich allerdings eine Abfuhr , denn der erkl\u00e4rt ihm, es sei eben ein Zeichen von Demokratie, wenn eine Zeitung Kritik \u00fcbe. Also tut\u2019s die \u201eFrankfurter Rundschau\u201c weiter, auch wenn der Herr Oberb\u00fcrgermeister auf dem Sofa sitzt und \u00fcbelnimmt. Ja, ein Zeitungsmann hat\u2019s heutzutage besonders schwer. Kritisiert er, faucht ihn der Kritisierte an und nennt ihn b\u00f6sartig, l\u00e4\u00dft alle Register seiner Amtsgewalt spielen und macht ihm das sowieso nicht s\u00fc\u00dfe Journalistenleben noch saurer. Kritisiert er nicht, sagen die lieben Zeitgenossen: genau wie unter Hitler, sie finden alles gut. Also machen wir weiter so wie bisher, es wird schon richtig seinl It\u2019s a long way, nicht allein to Tipperary, sondern auch to democracy.<\/p>\n<p class=\"tspCAnc\">Die Theater spielen, soweit sie nicht zerst\u00f6rt sind; es gab eine Hindemith-Woche, In ein paar unversehrt gebliebenen Kinos laufen amerikanische Filme (auf der R\u00fcckreise erfreute man sich an der netten Art, wie Amerikas Filmm\u00e4nner \u2014 es war in den \u201eSeven sweethearts\u201c \u2014 sich \u00fcber ihren eigenen Kitsch lustig machen, und freute sich am Wiedersehen mit dem langentbehrten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sz%C5%91ke_Szak%C3%A1ll\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" class=\"link link--external\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"external\" aria-describedby=\"message-target-blank\">Sz\u00f6ke Szakall<\/a>). Hier werden literarische Abende abgehalten, dort wartet ein Variete mit allerlei artistischen Darbietungen auf, in einem Saal verk\u00fcndet einer von denen, die es immer ganz genau wissen, die neuesten uralten Lebensweisheiten irgendeiner hinterindischen Sekte, die aber auch aus Vorderindien oder aus einem besch\u00e4digten Vorderhaus der einst so sch\u00f6nen Eschersheimer Landstra\u00dfe stammen m\u00f6gen. Leicht besch\u00e4digt schienen sie mir nach dem Titel zu sein. <\/p>\n<p> Sorgen wie in Berlin <\/p>\n<p class=\"tspCAnc\">Und die ernste Seite? Wie \u00fcberall: man baut auf, soweit es geht, und soweit die Materialien reicihen, man macht sich die gleichen Sorgen um die Zukunft , um das Geld \u2014 hier allerdings nicht nur um das, was man neu zur Bank oder Sparkasse tr\u00e4gt, sondern auch um das alte, denn in der amerikanischen Zone kann man in einem gewissen Umfang an seine alten Konten heran. Und ebenso werden dort die Renten nach einem bestimmten Schema wieder ausgezahlt .<\/p>\n<p> Mehr aus dem Tagesspiegel-Archiv \u00fcber N\u00fcrnberg 1945 <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/geschichte\/die-schlechte-haltung-tagesspiegel-leitartikel-zum-nurnberger-prozess-vor-80-jahren-14861369.html?icid=topic-list_14846702___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspCYpn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eDie schlechte Haltung\u201c Tagesspiegel-Leitartikel zum N\u00fcrnberger Prozess vor 80 Jahren <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/geschichte\/nurnberg-und-die-folgen-tagesspiegel-grunder-walther-karsch-uber-das-urteil-gegen-fuhrende-nazis-14573111.html?icid=topic-list_14846702___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspCYpn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eN\u00fcrnberg und die Folgen\u201c Tagesspiegel-Gr\u00fcnder Walther Karsch \u00fcber die Urteile gegen f\u00fchrende Nazis <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/geschichte\/sunde-und-schuld-kommentar-im-tagesspiegel-1946-zum-nurnberger-prozess-13950148.html?icid=topic-list_14846702___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspCYpn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eS\u00fcnde und Schuld\u201c Kommentar im Tagesspiegel 1946 zum N\u00fcrnberger Prozess <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/geschichte\/die-tarnkappe-ein-tagesspiegel-artikel-aus-der-nachkriegszeit-13251031.html?icid=topic-list_14846702___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspCYpn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eDie Tarnkappe\u201c Ein Tagesspiegel-Artikel von Pauline Nardi aus der Nachkriegszeit <\/a><\/p>\n<p class=\"tspCAnc\">Schwierigkeiten gibt es nat\u00fcrlich haufenweise \u2014 auch in der Lebensmittelversorgung. Die Rationen liegen im allgemeinen niedriger als bei uns in Stufe I und II; wenn ich richtig rechne, zwischen II und III. Zucker gibt es nur f\u00fcr Kinder, zu Weihnachten bekommen die Erwachsenen nach vielen Monaten eine Sonderzuteilung. Es scheint mir aber, da\u00df die Menschen Frankfurts im allgemeinen nicht schlechter ern\u00e4hrt sind als die Berliner. Es k\u00f6nnte besser sein, w\u00fcnscht sich jeder, doch so ziemlich jeder wei\u00df auch, da\u00df es eben im Moment nicht besser sein kann. Die ganz Unbelehrbaren weist man immer wieder auf das Beispiel der Aushungerung Frankreichs, Griechenlands, Italiens, Ru\u00dflands, Belgiens und Hollands durch die Nationalsozialisten hin, bis sie begreifen, was es hei\u00dft, da\u00df uns die Alliierten Lebensmittel aus ihren eigenen L\u00e4ndern heranbringen. \u201eDas ist auch nur ihre Christenpflicht\u201c, meint eine etwas nach Potsdam aussehende Dame. Sich unchristlich benehmen und von den andern dann praktisches Christentum verlangen \u2014 das ginge doch wohl etwas zu weit. \u201eWieso\u201c, echote sie zur\u00fcck. \u201eIch habe mich nie unchristlich benommen.\u201c Und damit wandte sie sich ab und gab mir kund, da\u00df ich von nun an f\u00fcr sie nur noch Luft, nichts als Luft war. Ich versichere auf Ehrenwort: es ist die reine Wahrheit, und es trug sich in der Stra\u00dfenbahn auf dem Wege nach dem Ostbahnhof zu.<\/p>\n<p class=\"tspCAnc\">Lassen wir also die Dame in ihrem guten schlechten Glauben und begeben wir uns auf den \u201eSchwarzen Markt\u201c , der wie \u00fcberall so auch hier das Schmerzenskind der Besetzungsbeh\u00f6rden und der Verwaltung ist. Es gibt ihn, ich sah es mit eigenen Augen und h\u00f6rte mit eigenen Ohren die Preise, die man mir zufl\u00fcstert. Berlins Schwarzmarktbesucher w\u00fcrden vor Neid erblassen, wenn ich sie ihnen verriete. Ich tue es aber nicht und erkl\u00e4re feierlich, da\u00df ich mich nicht verleiten lie\u00df, in die Brieftasche zu greifen.<\/p>\n<p class=\"tspCAnc\">Da\u00df die Amerikaner die \u201eEntnazifizierung\u201c \u2014 dieses Ungl\u00fcckswort hat die amtliche Sprache tats\u00e4chlich daf\u00fcr gepr\u00e4gt, gepr\u00e4gt ist eine Beleidigung dieses herrlichen deutschen Verbums, sagen wir also: erfunden \u2014 ich berichte: da\u00df die Amerikaner die Entnazifizierung im gro\u00dfen Stil betreiben, st\u00f6\u00dft fast \u00fcberall auf starkes Verst\u00e4ndnis, nur nicht bei der Mehrzahl der Betroffenen. Man ist gewi\u00df nicht rachs\u00fcchtig, doch findet man es gerecht, wenn diejenigen, die sich durch ihren Parteieintritt zu den Ideen des Nationalsozialismus bekannt haben, selbst wenn dies unter mehr oder weniger gro\u00dfem Druck geschah, nunmehr auch ihren Tribut zu entrichten haben. Die kleinen Pg\u2019s, die Karteimitglieder, k\u00f6nnen sicher sein, da\u00df niemand sie auf immer zu Staatsb\u00fcrgern zweiter Klasse stempeln will. Doch f\u00fcr eine Weile schadet dieser Erziehungsunterricht gar nichts. <\/p>\n<p> Dichtung und Wahrheit im D-Zug <\/p>\n<p class=\"tspCAnc\">8.15 Uhr soll ein D-Zug nach M\u00fcnchen \u00fcber N\u00fcrnberg fahren. Ein D-Zug? Hm. Doch freuen wir uns, da\u00df das Ding, dessen Waggons aus den \u00e4ltesten Ladenh\u00fctern der Zeit vor der Erfindung der ersten Dampfmaschine zu stammen scheinen, \u00fcberhaupt f\u00e4hrt und fast p\u00fcnktlich nach 6 Stunden in N\u00fcrnberg eintrifft. Ueberf\u00fcllt f\u00fcr dieses Menschengewimmel zu sagen, w\u00e4re Euphemismus. Weder im Wageninnern noch auf den offenen Perrons \u2014 wie gesagt: beginnendes 18. Jahrhundert \u2014 kann nicht mal mehr der ber\u00fchmte Apfel zur Erde fallen, und doch, noch ein Sto\u00df, noch ein Ruck, wieder ist einer drin, und es geht fast ohne Geschimpfe, woran vielleicht der wundersame Dialekt die \u201eSchuld\u201c tr\u00e4gt. Es h\u00f6rt sich eben nicht wie Geschimpfe an, wenn einer auf Frankfurtsch schimpft, es klingt sanfter. Die Fenster sind mit Brettern vernagelt, in der Mitte ist ein Spalt von ein paar Zentimetern verglast, so da\u00df Licht hereinkann. Geheizt ist auch, man macht sich\u2019s so bequem wie m\u00f6glich.<\/p>\n<p class=\"tspCAnc\">Eine bunte Gesellschaft \u2014 schon allein, weil es nur 3. Klasse gibt, die Bahn macht aus der Not eine demokratische Tugend. Fl\u00fcchtlinge aus den Ostgebieten, die weiter wollen, lagern auf ihren paar Habseligkeiten; soeben aus der Gefangenschaft entlassene Landser tasten sich mit vorsichtigen Fragen an die Zivilisten heran, so als wollten sie auf den Rhythmus horchen, der das neue Leben der Daheimgebliebenen oder schon vor einer Weile Zur\u00fcckgekehrten bewegt. Sie reden nicht vom Krieg, sie m\u00f6chten sich m\u00f6glichst schnell in die Friedensarbeit einreihen. Jeder fragt den andern, woher er kommt, wohin er will. Aus Berlin und nach N\u00fcrnberg? Dutzende von Fragen schwirren durcheinander. Ich kann manches schiefe Bild \u00fcber unsere Zone berichtigen, kann Irrt\u00fcmer aufkl\u00e4ren und den Leuten, die seit Monaten nur sp\u00e4rliche Nachrichten durch Radio oder Presse \u00fcber unser Leben geh\u00f6rt haben, einiges berichten. Das Interesse f\u00fcr den N\u00fcrnberger Proze\u00df ist geteilt. Viele wollen gar nichts dar\u00fcber h\u00f6ren, andern w\u00e4re es lieber, man h\u00e4ngte die Herren einfach auf und damit basta. Ein anderer sagt: \u201eG\u00f6ring, Rosenberg, Streicher, ja \u2014 aber warum Krupp und die anderen R\u00fcstungsindustriellen? In anderen L\u00e4ndern verdienen sie doch auch an der R\u00fcstung.\u201c Diese hier, wende ich ein, gaben einer Partei Geld, weil sie wu\u00dften, da\u00df diese ihr blutiges R\u00fcstungsgesch\u00e4ft betreiben w\u00fcrde. Das sei in andern L\u00e4ndern auch so \u2014 was sich mit der Meinung einer franz\u00f6sischen Journalistin deckt, die mir in N\u00fcrnberg ebenfalls zu verstehen gab, da\u00df sich die R\u00fcstungsindustriellen der verschiedenen L\u00e4nder nicht sehr voneinander unterschieden. Hier eine Franz\u00f6sin, deren Land unter den Auswirkungen der deutschen R\u00fcstung, und dort ein Deutscher, dessen Land unter der Auswirkung der Gegenr\u00fcstung zu leiden hatte. Ein sehr umstrittenes Problem also. Wie w\u00e4re es, wenn man es durch eine allgemeine und totale Abr\u00fcstung l\u00f6ste? Es ist dies nur eine bescheidene Anregung, die nicht einmal Anspruch darauf erhebt, neu zu sein. Vor tausend Jahren soll man sie schon mehrmals in Genf diskutiert haben. Es gibt auch einige lesenswerte B\u00fccher dar\u00fcber. Vielleicht kramt man sie mal aus der Bibliothek hervor. Nobel, der eins der grausigsten Kriegsmittel erfand, stiftete die Nobelpreise \u2014 einen davon, gewisserma\u00dfen als S\u00fchne, f\u00fcr den Frieden. Vielleicht stiften die R\u00fcstungsmagnaten aus den Geldern, die sie am letzten Krieg verdient haben, eine Friedensuniversit\u00e4t.<\/p>\n<p class=\"tspCAnc\">Allerlei kleine Geschichten laufen \u00fcber die Angeklagten umher. Schirach fragt G\u00f6ring , wer denn die Ermordung der Juden in den Gettos angeordnet habe, und als G\u00f6ring entgegnet, Unschuldsengel der er ist: \u201eIch nehme an, Himmler\u201c, l\u00e4\u00dft sich der Ex-Reichsstatthalter von Schirach, der sich einst am Westwall so tapfer in der Kampfpause des Winters 39\/40 den Leutnantsrang und das E. K. I erfocht, in den Stuhl fallen und seufzt: \u201eSchrecklich\u201c. Auch Fritzsche hat nat\u00fcrlich nichts von diesen Greueltaten gewu\u00dft, sonst h\u00e4tte seine \u00f6lige Stimme, das Double seines Meisters Goebbels, doch nicht im Radio die Engl\u00e4nder und Amerikaner L\u00fcgner genannt. Wo werden sie denn: sie waren\u2019s nicht, sie taten nichts, sie ahnten nicht einmal etwas davon. Keine germanischen Helden, die heroisch unterzugehen wissen, um in Wallhall Met zu trinken. Kleinb\u00fcrger im Aeu\u00dfern und im Innern. Wie sie sich benehmen, sich zum Teil in Szene setzen, wie sie reagieren \u2014 es hie\u00dfe, wiederholen, was schon mehrmals berichtet wurde. Und doch, es reizt immer wieder zum Lachen, wenn zum Beispiel Lahousen auf die Frage, warum 1939 die Aufkl\u00e4rungsfl\u00fcge der Luftwaffe \u00fcber Ru\u00dfland und den S\u00fcdostraum ihren Ausgangspunkt in Budapest genommen haben, antwortet: da m\u00fcsse man schon einen Luftsachverst\u00e4ndigen fragen, und G\u00f6ring wie ein kleiner Schulbub den Finger hebt .<\/p>\n<p> G\u00f6tzend\u00e4mmerung <\/p>\n<p class=\"tspCAnc\">Das in den ersten Tagen vor dem N\u00fcrnberger Gericht zur Schau getragene heitere Wesen ist nach dem Verlesen der Dokumente, nach der Vorf\u00fchrung des K. Z.-Filmes, nach Lahousens Verh\u00f6r einer gewissen Beklemmung gewichen. Sie scheinen allm\u00e4hlich gemerkt zu haben, da\u00df dies hier kein Reichsparteitag, keine Massenversammlung im Sportpalast, sondern ein Gericht ernster M\u00e4nner aus vier gro\u00dfen L\u00e4ndern der Welt ist, die Rechenschaft verlangen, um Recht zu sprechen. \u201eIch unterbreite dem Gericht das Dokument P. S. 1\u20149\u20147\u20148, US-Nr. 75\u201c \u2014 so t\u00f6nt die Stimme Sidney Aldermans, wieder wandert ein Dokument auf den Richtertisch, wieder wird die Anklage in einem Punkt erh\u00e4rtet. Es geht erbarmungslos weiter, bis das Geb\u00e4ude der Anklage steht, bis die Verteidigung und die Angeklagten seine Festigkeit erprobt haben, bis das Gericht sein Urteil gesprochen hat. Das kann noch lange dauern, doch einmal ist es zu Ende, einmal werden die Angeklagten sich zum letztenmal von der Anklagebank erheben. Inzwischen wird G\u00f6ring weiter l\u00e4cheln, wenn sein Name genannt wird, wird dann weiter mit dem Kopf nicken oder ihn verneinend sch\u00fctteln. Inzwischen wird H e\u00df weiter sein Gesicht verzerren (was er auch beibehielt, nachdem er seinen \u00e4rmlichen Bluff eingestanden hatte). Inzwischen wird Ribbentrop weiter den indignierten, sich bel\u00e4stigt f\u00fchlenden Edelmann spielen. Inzwischen werden Keitel und Jodl weiter versuchen, was sie taten, als das hinzustellen, was Generale auf der ganzen Welt tun. Inzwischen wird Rosenberg, dessen Glanz als Weiser des Dritten Reiches so j\u00e4h erloschen ist, weiter aufgeregt auf seinem Sitz hin- und herrutschen, nur mit halbem Ohr hinh\u00f6rend. Inzwischen wird Frank weiter beteuern, Himmler und die SS seien an den Verbrechen in Polen schuldig, er selbst habe nur das Wohl des polnischen Volkes im Auge gehabt. Und so wird dieser Angeklagte diese und jener jene Rolle weiterspielen, die sie sich eingelernt haben und die sie vor dem retten soll, was doch einmal am Ende kommen wird. Wehm\u00fctig mag Hjalmar Schacht an die letzten Tage im KZ denken, als er die Gesellschaft Schuschniggs, Niem\u00f6llers, Leon Blums und des Bischofs von Lourdes teilte und sehns\u00fcchtig auf die Befreiung durch die Amerikaner wartete. Statt ihn, wie er das wahrscheinlich erwartet hatte, zum Finanzminister im Kabinett der zuk\u00fcnftigen deutschen Zentralregierung zu machen, setzten sie ihn auf die Anklagebank. Herr Schacht hat sich schon manchmal zwischen s\u00e4mtliche St\u00fchle gesetzt, diesmal aber endg\u00fcltig. Seine Beteiligung oder seine eventuelle Beteiligung am 20. Juli wird ihm da nicht viel helfen.<\/p>\n<p class=\"tspCAnc\">In N\u00fcrnberg geht wie im \u00fcbrigen Deutschland das Leben inzwischen weiter. Die N\u00fcrnberger sind im allgemeinen wenig interessiert an dem, was dort droben vor sich geht. Der Winter und seine Sorgen, die Lebensmittellage, die Kohlenknappheit, die Fragen der Arbeitsbeschaffung, all das ber\u00fchrt sie mehr. Wenigstens in diesem Stadium des Prozesses. Ihre Reaktion geht, wenn man sie fragt, nicht \u00fcber die der Einwohner anderer St\u00e4dte hinaus.<\/p>\n<p> \u201eDemokratie\u201c und Demokratie <\/p>\n<p class=\"tspCAnc\">Die Nachbarstadt F\u00fcrth gibt ein besonders r\u00fchrendes Beispiel vom Leben in einer jungen Demokratie. Kurz vor 22.30 Uhr t\u00f6nen dort die Alarmsirenen und erinnern den B\u00fcrger daren, da\u00df Sperrzeit ist. M\u00fctter schreiben an den B\u00fcrgermeister, da\u00df ihre Kinder jedesmal wieder aus dem Schlaf geschreckt w\u00fcrden; M\u00e4nner beschweren sich \u00fcber die Unterbrechung ihres f\u00fcr ihre schwere Arbeit so wichtigen Schlafes; die Zeitungen \u00e4u\u00dfern sich mehrmals kritisch und energisch zu diesem Unfug. Das macht alles gar nichts: F\u00fcrths B\u00fcrgermeister l\u00e4\u00dft die Sirenen weiter heulen. Wahrscheinlich mu\u00df erst eine Stadtverordnetenversammlung gew\u00e4hlt werden, die einen Mehrheitsbeschlu\u00df herbeif\u00fchrt. Ob es mit einfacher Mehrheit gehen wird oder ob eine Zweidrittelmehrheit erforderlich ist, wage ich nicht zu entscheiden. Dabei bin ich \u00fcberzeugt, der B\u00fcrgermeister hat den Unsinn seiner Ma\u00dfnahme selbst schon eingesehen. Aber da\u00df so ein Stadtoberhaupt zugibt, da\u00df er sich geirrt hat, dazu geh\u00f6rt mehr demokratische Selbstdisziplin, als man in einem halben Jahr verlangen kann.<\/p>\n<p class=\"tspCAnc\">Noch andere parlamentarische Sorgen hat man in der amerikanischen Zone. In den Gemeinden bis zu 20 000 Einwohnern sollen demn\u00e4chst Wahlen stattfinden. Die Parteien sind f\u00fcr eine Verschiebung , weil die Frage der Wahlbeteiligung ehemaliger Nationalsozialisten noch nicht gekl\u00e4rt ist, weil die Propagandaarbeit unter den derzeitigen Umst\u00e4nden erheblich erschwert wird, und aus einem Dutzend anderer, gut demokratischer Gr\u00fcnde. Sie machen geltend, da\u00df schlie\u00dflich Leute, die gestern noch Pgs waren, heute nicht schon Christliche Demokraten, Sozialdemokraten oder Kommunisten sein k\u00f6nnen, da\u00df also Wahlen, an denen sie sich beteiligen k\u00f6nnen, kein richtiges Bild ergeben. Es bleibt abzuwarten, wie die Milit\u00e4rregierung, der an einer schnellen Einf\u00fchrung einer demokratischen Ordnung und damit an der Schaffung demokratisch gew\u00e4hlter Verwaltungsbeh\u00f6rden liegt, sich zu dem Antrag der Parteien stellt. Diese selbst befinden sich nat\u00fcrlich andererseits in einer Zwickm\u00fchle, da sie ein gro\u00dfes Interesse daran haben, die wirkliche Stimmung der W\u00e4hlerschaft kennenzulernen.<\/p>\n<p> Hoegner hielt Konferenz <\/p>\n<p class=\"tspCAnc\">F\u00f6deralismus, Verh\u00e4ltnis zwischen SPD und Religion, Zur\u00fcckweisung der Kirche, die Anspruch darauf erhebt, das einzige Widerstandszentrum gegen den Nationalsozialismus gewesen zu sein, Abgrenzung gegen die anderen Parteien, dabei Betonung des Willens zur Zusammenarbeit \u2014 das waren die wesentlichen Punkte einer Rede, die der bayerische Ministerpr\u00e4sident Hoegner im Opernhaus zu N\u00fcrnberg hielt. Im Foyer sprachen ihn Journalisten an und stellten ihm einige Fragen. Hoegner bat die ausl\u00e4ndischen Presseleute, der Idee von der Kollektivschuld des deutschen Volkes entgegenzutreten, sprach sich f\u00fcr das im N\u00fcrnberger Proze\u00df angewandte Verfahren aus, das jede Geschichtsf\u00e4lschung von vornherein ausschlie\u00dfe, betonte nochmals den Willen seiner Regierung, ein bundesstaatliches System an die Stelle des bisherigen Zentralismus zu setzen, und erl\u00e4uterte die Pl\u00e4ne Bayerns, Gro\u00df-Hessens und Badens \u00fcber die Behandlung der Pgs.<\/p>\n<p class=\"tspCAnc\">Auf der Landstra\u00dfe f\u00e4hrt ein offenes Jeep in Richtung Frankfurt. Man kann es nicht leugnen, es zieht, und trotz einer warmen Decke kraucht die K\u00e4lte langsam von unten nach oben. Doch die Fahrt durch den herbstlichen Steigerwald und den Spessart l\u00e4\u00dft das K\u00e4ltegef\u00fchl bald \u00fcberwinden. Es geht an sauberen, vom Krieg unversehrten D\u00f6rfern vorbei, der daf\u00fcr seine Spuren in jeder Stadt, die wir passieren, in Kitzingen, in W\u00fcrzburg, in Aschaffenburg hinterlie\u00df. Hoch vom Berg schauen die rauchgeschw\u00e4rzten Mauern des W\u00fcrzburger Schlosses zu Tal. Auch daf\u00fcr haben sich jetzt die N\u00fcrnberger Angeklagten zu verantworten, weil sie zulie\u00dfen, da\u00df unsere sch\u00f6ne Heimat, ihre Bauten und Anlagen, die Heimst\u00e4tten ihrer Bewohner vernichtet wurden.<\/p>\n<p> 80 Jahre Tagesspiegel <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/wie-schnell-konnen-sie-drucken--morgen-wie-der-tagesspiegel-vor-80-jahren-in-berlin-entstand-13639612.html?icid=topic-list_14846702___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspCYpn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eWie schnell k\u00f6nnen Sie drucken?\u201c \u2013 \u201eMorgen\u201c Wie der Tagesspiegel vor 80 Jahren in Berlin entstand <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/geschichte\/meinungsfreiheit-uben-mit-dem-tagesspiegel-die-schule-der-demokratie-nach-der-diktatur-13926460.html?icid=topic-list_14846702___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspCYpn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Meinungsfreiheit \u00fcben mit dem Tagesspiegel Die Schule der Demokratie nach der Diktatur <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/geschichte\/ein-stuck-glanz-fabriziert-als-die-grosse-filmkritikerin-auf-reisen-ging-14260457.html?icid=topic-list_14846702___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspCYpn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eEin St\u00fcck Glanz fabriziert\u201c Als Filmkritikerin Karena Niehoff f\u00fcr den Tagesspiegel auf Reisen ging <\/a><\/p>\n<p class=\"tspCAnc\">Diesmal fahren im Zuge Frankfurt am Main\u2014Berlin im gleichen Abteil ein franz\u00f6sischer Journalist, ein amerikanischer Sergeant, der aus London nach Berlin zur\u00fcckkehrt, und drei frisch aus den Staaten zur Abl\u00f6sung nach Tempelhof kommandierte junge Soldaten mit. Wieder drehen sich unsere Gespr\u00e4che um den Krieg, um N\u00fcrnberg, um den Frieden. Der Sergeant, dessen Mutter eine Deutsche ist und der einige Zeit in Deutschland studiert hat, spricht flie\u00dfend unsere Muttersprache. Ein lebhaftes Gespr\u00e4ch \u00fcber die Demokratie in den Vereinigten Staaten entspinnt sich, \u00fcber die dem Deutschen so gegens\u00e4tzliche Art des amerikanischen Politikers, sich selbst nicht zu \u00fcbersch\u00e4tzen und damit zugleich den politischen Gegner nicht zu untersch\u00e4tzen und zu achten. Ich f\u00fchle, welche gute Meinung viele Amerikaner von uns haben, die wir helfen wollen, unserm Land ein anderes politisches Gesicht zu geben.<\/p>\n<p> \u201eErst siegen \u2014 dann reisen\u201c <\/p>\n<p class=\"tspCAnc\">Es wird sp\u00e4t, die Lampen werden ausgeschaltet, jeder versucht, es sich so bequem zu machen, wie es geht, man schl\u00e4ft schlie\u00dflich ein, und nur manchmal sickert der ausgerufene Name einer Station in das Bewu\u00dftsein des Schlafenden. Als es Tag ist, erreichen wir Magdeburg . Nur langsam schiebt sich der Zug \u00fcber die hier meist eingleisige Strecke vorw\u00e4rts. Ein Personenzug h\u00e4lt auf einem Ausweichgleis; wie Trauben h\u00e4ngen die Menschen zwischen den Wagen. Als wir in Brandenburg einlaufen, steht auf der anderen Seite eine Lokomotive unter Dampf. Sie tr\u00e4gt noch immer die Durchhalteinschrift: \u201eErst siegen \u2014 dann reisen!\u201c Die Nummer habe ich mir leider nicht aufgeschrieben. Vielleicht findet sich aber jemand in den n\u00e4chsten Tagen, der sich die kleine M\u00fche macht, den Anachronismus aus den l\u00e4ngst entschwundenen Zeiten der Goebbels-Propaganda zu beseitigen. Auch in Brandenburg sollte man allm\u00e4hlich gemerkt haben, da\u00df es mit dem Siegen nichts geworden ist.<\/p>\n<p class=\"tspCAnc\">Man ist wieder in Berlin, man st\u00fcrzt sich auf die langentbehrten Zeitungen und freut sich, da\u00df es m\u00e4chtig im Bl\u00e4tterwald gerauscht hat. Mehrere Male hat \u201eDer Tagesspiegel\u201c den Unwillen anderer Zeitungen erregt. Sehen wir vom Anla\u00df ab: diese Polemiken sind, solange sie sachlich und mit offenem Visier gef\u00fchrt werden, mit ein Anzeichen daf\u00fcr, da\u00df sich die Kritik zu regen beginnt, da\u00df es wieder eine Lust ist zu schreiben, weil ein Echo da ist, und sei es manchmal auch nur ein negatives.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zehn Jahre sollten wir ihm Zeit geben, dann w\u00fcrden wir Deutschland nich t wiedererkennen . 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