{"id":588113,"date":"2025-11-20T00:30:29","date_gmt":"2025-11-20T00:30:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/588113\/"},"modified":"2025-11-20T00:30:29","modified_gmt":"2025-11-20T00:30:29","slug":"dark-forces-fm4-orf-at","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/588113\/","title":{"rendered":"Dark Forces &#8211; fm4.ORF.at"},"content":{"rendered":"<p class=\"teaser\"><strong>Gefl\u00fcchtete Kinder zur\u00fcckschicken, den Schmuck Asylsuchender beschlagnahmen und zwanzig Jahre Mitb\u00fcrger:innenschaft auf Bew\u00e4hrung: Die britische Labour-Regierung will wieder einmal die Rechten mit rechter Politik bek\u00e4mpfen.<\/strong><\/p>\n<p>Eine Kolumne von <a href=\"http:\/\/fm4.orf.at\/tags\/rotifer\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Robert Rotifer<\/a><\/p>\n<p>Der britischen Regierung brennt akut der Hut. Man sehe sich blo\u00df einmal die <a href=\"https:\/\/d3nkl3psvxxpe9.cloudfront.net\/documents\/VotingIntention_MRP_Results_251117_w.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">j\u00fcngsten Umfrageergebnisse<\/a> an, in denen Keir Starmers Labour Party mit 19 Prozent beharrlich hinter der rechtspopulistischen Reform Party (derzeit bei 27 Prozent) rangiert bzw. nur mehr knapp vor den zum Links\u00fcberholen ansetzenden Greens (17 Prozent) liegt; jene wiederum gleichauf mit den immer weiter nach rechts rutschenden, von Abg\u00e4ngen in Richtung Reform Party geplagten Tories.<\/p>\n<p>Der Hohn der Rechten, die Abscheu der Linken<\/p>\n<p>Ich erw\u00e4hne das alles nur, damit ihr besser versteht, was unvermeidlich als N\u00e4chstes kommt:<\/p>\n<p>Denn nat\u00fcrlich zeigt Keir Starmer bzw. sein berufsbedingt von unb\u00e4ndiger Verachtung f\u00fcr Labours Stammw\u00e4hlerschaft beseelter Stratege im Hintergrund, ein Mann mit dem nicht besser auszudenkenden B\u00f6sewichtsnamen Morgan McSweeney, nicht die geringsten Anstalten, den von euch bereits in meinem ersten Absatz messerscharf ausgemachten, politischen Freiraum circa Mitte links anzupeilen.<\/p>\n<p>W\u00e4re viel zu logisch.<\/p>\n<p>Stattdessen wurde am Montag Home Secretary (Innenministerin) Shabana Mahmood vorgeschickt, um sich mit einem sinnlosen Ausflug ins Thema Asylpolitik \u2013 wie von allen au\u00dfer den McSweeneys dieser Welt vorhersehbar \u2013 zugleich den Hohn der Rechten und die Abscheu der Linken abzuholen.<\/p>\n<p>Von den medial gestreuten Vorank\u00fcndigungen bis zu Mahmoods Rede am Montagabend im Unterhaus wurde das Land erst einmal vorbereitend mit Anti-Einwander:innen-Rhetorik \u00fcberzogen.<\/p>\n<p>Irgendwas mit Asylant, der Beihilfe bekommen hat, obwohl er sich einen Audi leisten konnte \u2013 Baujahr und Modell unbekannt.<\/p>\n<p>Irgendwas mit dem Einbehalten von \u201eassets\u201c, die die Asylsuchenden auf ihren verzweifelten Reisen mit sich bringen \u2013 \u00fcbersetzt als <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/uk-news\/2025\/nov\/17\/refugees-jewellery-asylum-home-office\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201cAsylsuchenden ihren Schmuck wegnehmen\u201c<\/a>, was euch wahrscheinlich vom H\u00f6rensagen aus D\u00e4nemark bzw. von ein paar Jahrzehnte weiter zur\u00fcckliegenden, abschreckenden historischen Vorbildern her bekannt vorkommt (und ja, der f\u00fcr eine quasi-sozialdemokratische Partei immer noch unschmeichelhafte Nazi-Vergleich hatte sich schon in D\u00e4nemark aufgedr\u00e4ngt, die politischen Genies im Labour HQ h\u00e4tten also eventuell ahnen k\u00f6nnen, dass er auch diesmal verl\u00e4sslich wieder gezogen wurde &#8211; auch <a href=\"https:\/\/bsky.app\/profile\/robertrotifer.bsky.social\/post\/3m5thxzuoec25\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">von mir selber<\/a>, geb ich zu).<\/p>\n<p>Irgendwas schlie\u00dflich mit Menschen, die mit ihren Kindern fl\u00fcchten, nur um ihr Menschenrecht auf Familienleben auszu\u00fcben. \u201eUnser Z\u00f6gern, Familien auszuweisen, erschafft besonders perverse Anreize\u201c, behauptete dazu ein Mahmoods Rede vorausgeschicktes Positionspapier des Innenministeriums, &#8222;F\u00fcr manche \u00fcberwiegt der pers\u00f6nliche Nutzen daran, ein Kind in ein gef\u00e4hrliches kleines Boot zu setzen, die betr\u00e4chtlichen Risiken. Einmal im UK angekommen, gelingt es den Asylsuchenden, die Tatsache auszubeuten, dass sie Kinder bekommen und Wurzeln geschlagen haben, um ihre Ausweisung zu vereiteln, selbst wenn ihr Ansuchen rechtlich zur\u00fcckgewiesen wurde.\u201d<\/p>\n<p>Geht ein bisschen rassistisch und unmoralisch?<\/p>\n<p>Die klassische, rassistische Annahme also, Menschen minderer Herkunft bek\u00e4men Kinder als Mittel eines b\u00f6sartigen Zwecks, munter reproduziert in der Pressearbeit einer Labour-Regierung.<\/p>\n<p>Wir erinnern uns: Noch beim Parteitag der Regierungsfraktion Ende September hatte der Premierminister den Vorsto\u00df von Nigel Farage, die unbeschr\u00e4nkte Aufenthaltsbewilligung f\u00fcr ausl\u00e4ndische Staatsb\u00fcrger:innen abzuschaffen, <a href=\"https:\/\/fm4.orf.at\/stories\/3049973\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201crassistisch und unmoralisch\u201c<\/a> genannt.<\/p>\n<p>Und jetzt k\u00fcndigt Starmers eigene Innenministerin an, selbst erfolgreiche Ansuchen um Asyl m\u00fcssten alle zweieinhalb Jahre neu gepr\u00fcft werden. Samt drohendem R\u00fcckreisezwang, falls das Herkunftsland in der Zwischenzeit f\u00fcr sicher befunden wurde.<\/p>\n<p>Unbegrenzte Aufenthaltserlaubnis soll es neuerdings erst nach zwanzig statt wie bisher f\u00fcnf Jahren im Lande geben. Wenn man bedenkt, dass bei Haftstrafen 20 Jahre f\u00fcr lebenslang stehen, darf man sich schon fragen: Wo ist hier der gro\u00dfe Unterschied zu Farages \u201erassistischem und unmoralischem\u201c Vorschlag von vor zwei Monaten?<\/p>\n<p>Oder ist nur ein bisschen rassistisch und unmoralisch in Ma\u00dfen eh erlaubt?<\/p>\n<p>In ihrer Rede am Montagabend im Unterhaus behauptete Shabana Mahmood jedenfalls, die britische Asylpolitik \u201ef\u00fchle\u201c sich in der Wahrnehmung der \u00d6ffentlichkeit \u201eunfair und au\u00dfer Kontrolle\u201c an.<\/p>\n<p>Wie so oft, wenn kollektives F\u00fchlen evoziert wird, wurde mir eher mulmig.<\/p>\n<p>Wie eigentlich immer, wenn die britische Allgemeinheit mit der eigent\u00fcmlichen Phrase \u201emembers of the public\u201c umschrieben wird, f\u00fchlte ich mich instinktiv ausgeschlossen von dieser Mitgliedschaft.<\/p>\n<p>Und als Mahmood dann auch noch sagte, sie wolle mit ihrer Versch\u00e4rfung des britischen Asylrechts die \u201efinsteren Kr\u00e4fte\u201c (\u201edark forces\u201c) in der britischen Politik bek\u00e4mpfen, konnte ich nicht anders als bemerken, dass diese Formulierung sich handlicherweise in zwei entgegengesetzte Richtungen interpretieren lie\u00df.<\/p>\n<p>Ja, wenn schon so viel vom F\u00fchlen die Rede war, warum f\u00fchlte es sich f\u00fcr mich mehr als Bedrohung denn als Beruhigung an, wenn die Innenministerin zu ihrem Ziel erkl\u00e4rte, ein \u201egeteiltes Land zu vereinen\u201c? Vereinen gegen wen?<\/p>\n<p>Es sollte blo\u00df einen Tag dauern, bis jener Mann, der in seiner Privatschulzeit Ende der 1970er  \u2013 <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/politics\/ng-interactive\/2025\/nov\/18\/deeply-shocking-nigel-farage-faces-fresh-claims-of-racism-and-antisemitism-at-school\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">laut Aussagen damaliger Mitsch\u00fcler<\/a> \u2013 auf Ausfl\u00fcgen lautstark \u201eGas \u2019em all\u201c (\u201eVergast sie alle\u201c) zur Melodie von George Formbys \u201eBless \u2019em all\u201c zu singen pflegte, Labour mit einer neuen Eskalation in Sachen Einwander:innen-Bashing den Rang ablief.<\/p>\n<p>Nigel Farages j\u00fcngster Ausritt ist der Vorschlag, in Gro\u00dfbritannien sesshaften EU-B\u00fcrger:innen grunds\u00e4tzlich das Recht auf den Bezug von Sozialhilfe zu nehmen. Und weder die Labour-Regierung in ihrer Reaktion (\u201eDas w\u00fcrde einen Handelskrieg mit der EU heraufbeschw\u00f6ren!\u201c) noch die <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/articles\/cj6xdw1dg4zo\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">scheinbar sachliche BBC-Story<\/a> zum Thema hielten es f\u00fcr n\u00f6tig zu erw\u00e4hnen, dass die potenziell Betroffenen (wie ich zum Beispiel) genau dieselben Steuern und Sozialversicherungsbeitr\u00e4ge bezahlen wie alle Inl\u00e4nder:innen.<\/p>\n<p>Die zu Tode gerittene d\u00e4nische Strategie<\/p>\n<p>Toll gemacht jedenfalls: Man hatte den Rechtspopulisten wieder dazu gezwungen, sich kreativ was frisches Garstiges auszudenken.<\/p>\n<p>In der Zwischenzeit kamen gestern und heute Neuigkeiten aus D\u00e4nemark herein, wo Shabana Mahmood sich tats\u00e4chlich bei einem Besuch die Inspirationen f\u00fcr ihre H\u00e4rteposen besorgt hatte.<\/p>\n<p>Bei den dortigen Gemeindewahlen haben die Sozialdemokrat:innen mit ihrer bisher erfolgreichen, aber offenbar zu Tode gerittenen Strategie einer betont scharfen Asyl-, Einwanderungs- und Integrationspolitik <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2025\/nov\/19\/denmark-social-democrats-suffer-election-losses-mette-frederiksen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">schwere Verluste eingefahren, darunter den der seit \u00fcber hundert Jahren sozialdemokratisch regierten Hauptstadt Kopenhagen<\/a>.<\/p>\n<p>Und zwar zugunsten sowohl der linksgr\u00fcnen Socialistisk Folkeparti als auch der extremen Rechten.<\/p>\n<p>Die britische Labour Party, sonst so resistent gegen\u00fcber Einfl\u00fcssen aus Europa, scheint wild entschlossen, ihrem d\u00e4nischen Vorbild auf dem Weg in die Wildnis zu folgen.<\/p>\n<p>Aber im Grunde ist das ja v\u00f6llig nebens\u00e4chlich. Denn den eigentlichen Preis daf\u00fcr zahlen <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/uk-news\/2025\/nov\/18\/families-split-by-labour-asylum-crackdown\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">jene, an deren K\u00f6rpern und Seelen die drakonischen Posen performt werden<\/a>, die die McSweenyes der Welt sich auf dem Weg dort hin einfallen haben lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Gefl\u00fcchtete Kinder zur\u00fcckschicken, den Schmuck Asylsuchender beschlagnahmen und zwanzig Jahre Mitb\u00fcrger:innenschaft auf Bew\u00e4hrung: Die britische Labour-Regierung will wieder&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":588114,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3976],"tags":[331,332,13,14,15,12,3992,3993,3994,3995,3996,3997],"class_list":{"0":"post-588113","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-vereinigtes-koenigreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-uk","15":"tag-united-kingdom","16":"tag-united-kingdom-of-great-britain-and-northern-ireland","17":"tag-vereinigtes-koenigreich","18":"tag-vereinigtes-koenigreich-grossbritannien-und-nordirland","19":"tag-vereinigtes-koenigreich-von-grossbritannien-und-nordirland"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115579205915243924","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/588113","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=588113"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/588113\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/588114"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=588113"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=588113"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=588113"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}