{"id":589030,"date":"2025-11-20T09:43:24","date_gmt":"2025-11-20T09:43:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/589030\/"},"modified":"2025-11-20T09:43:24","modified_gmt":"2025-11-20T09:43:24","slug":"ein-wilder-sack-von-aengsten-ohne-wirklichen-erkenntnisgewinn-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/589030\/","title":{"rendered":"Ein wilder Sack von \u00c4ngsten ohne wirklichen Erkenntnisgewinn \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Mit \u00c4ngsten kann man Politik machen. Sie machen Menschen hilflos, denn sie sehen dann nur noch die unheilvollen Entwicklungen, oft v\u00f6llig verzerrt, sodass die Angst sie auch noch l\u00e4hmt. Seit 2022 geh\u00f6rt die Frage nach den \u00c4ngsten der Leipziger zur B\u00fcrgerumfrage. Auch 2024 wurde das wieder abgefragt. Dabei weichen einige der Leipziger \u00c4ngste deutlich von Werten der Langzeitstudie der R+V-Versicherung ab. So etwa bei den steigenden Wohnkosten, die in Leipzig auf ein deutlich niedrigeres Einkommensniveau sto\u00dfen.<\/p>\n<p>\u201eDass \u201aWohnen in Deutschland unbezahlbar wird\u2018: Dies geben gesamtdeutsch 52 Prozent der Befragten an; f\u00fcr Leipzig liegt dieser Wert \u2013 bei abweichender Itemformulierung \u2013 deutlich h\u00f6her (70 Prozent), bleibt im Vergleich zu 2022 jedoch unver\u00e4ndert. Hinsichtlich steigender Lebenshaltungskosten nehmen die \u00c4ngste aktuell etwas ab.<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/4036b77935264a5ba7558997a2e1ffb7.gif\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/kassensturz\/2025\/11\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/kassensturz\/2025\/11\/1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>Auch gesamtdeutsch ist dieser R\u00fcckgang zu verzeichnen (von 67 auf 57 Prozent), f\u00e4llt jedoch in Leipzig geringer aus. Die st\u00e4rkere Angst vor unbezahlbarem Wohnraum in Leipzig ist im Kontext einer unterdurchschnittlichen Einkommenssituation zu sehen\u201c, stellen denn auch die Autor\/-innen des Berichts zur B\u00fcrgerumfrage 2025 fest.<\/p>\n<p>Das sind sehr reale \u00c4ngste, die eigentlich in der Politik deutlich ernster genommen werden m\u00fcssten. Denn auf kommunaler Ebene kann das nicht allein abgepuffert werden. Im Gegenteil: <a href=\"http:\/\/www.l-iz.de\/politik\/kassensturz\/2025\/10\/haushalt-allein-sozialdezernat-laufen-352-millionen-euro-auf-636176\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schon jetzt hebeln die Sozialkosten den Leipziger Haushalt aus den Angeln,<\/a> h\u00e4uft Leipzig immer mehr Schulden auf, weil vor allem der Bund die Sozialkosten nicht voll erstattet.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/aengste.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-639489 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/aengste.jpg\" alt=\"Thema \u201e\u00c4ngste der Leipziger\u201c im Zeitvergleich 2022 und 2024. Grafik: Stadt Leipzig, B\u00fcrgerumfrage 2024\" width=\"2250\" height=\"1500\"  \/><\/a>Die \u201e\u00c4ngste der Leipziger\u201c im Zeitvergleich 2022 und 2024. Grafik: Stadt Leipzig, B\u00fcrgerumfrage 2024<\/p>\n<p>Gleichzeitig werden \u2013 auch medial \u2013 andere \u00c4ngste gesch\u00fcrt: die vor einem m\u00f6glichen Krieg etwa bzw. der M\u00f6glichkeit, dass die Befragten im Kriegsfall hier nicht mehr sicher w\u00e4ren. Da stutzt man nat\u00fcrlich. Hat das Amt f\u00fcr Statistik und Wahlen tats\u00e4chlich so gefragt?<\/p>\n<p>Hat es: \u201eEs gibt viele Risiken und Gefahren im Leben. Uns interessiert nun, inwieweit Sie sich davon bedroht f\u00fchlen. Eine 1 dr\u00fcckt aus, dass Sie keine Angst davor haben. Mit einer 7 geben Sie zum Ausdruck, dass Sie sehr gro\u00dfe Angst davor haben. Mit den Werten dazwischen k\u00f6nnen Sie Ihre Meinung abstufen\u201c. Und dann folgen lauter verschiedene \u00c4ngste wild durcheinander.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/fragen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-639490 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/fragen.jpg\" alt=\"Der Fragekasten zu den \u00c4ngsten der Leipziger. Grafik: Stadt Leipzig, B\u00fcrgerumfrage 2024\" width=\"2250\" height=\"1050\"  \/><\/a>Der Fragekasten zu den \u00c4ngsten der Leipziger. Grafik: Stadt Leipzig, B\u00fcrgerumfrage 2024<\/p>\n<p>Eine Systematik oder Sinnhaftigkeit ist dabei nicht zu erkennen. Schon gar kein Versuch, die tats\u00e4chlichen Alltags\u00e4ngste der Befragten zu erkunden. Also jene, bei denen die Stadt tats\u00e4chlich aktiv werden k\u00f6nnte. Sich an das wilde Frageschema einer Versicherung anzulehnen, ergibt \u2013 wie man sieht \u2013 ein v\u00f6llig verzerrtes Bild.<\/p>\n<p>Und macht die Lokalpolitik nicht die Bohne kl\u00fcger. Eher hat man das Gef\u00fchl, bei diesem Themenkomplex von den Befragern vor den Fernseher gesetzt zu werden und mit all den oft v\u00f6llig \u00fcberzeichneten Alarm-Themen aus den Nachrichten konfrontiert zu werden.<\/p>\n<p>Medien haben sich l\u00e4ngst \u2013 bedingt durch die falsch programmierten Algorithmen der Aufmerksamkeits\u00f6konomie \u2013 zu Angstmaschinen entwickelt. Und f\u00fcr viele Befragte ist das, was ihnen da auf den Bildschirmen fortw\u00e4hrend serviert wird, tats\u00e4chlich die Realit\u00e4t.<\/p>\n<p>Und das Verwirrende ist: Die Autor\/-innen des Berichts zur B\u00fcrgerumfrage nehmen das auch noch ernst. Und dann kommt so eine Auswertung dabei heraus: \u201eF\u00fcr die Leipzigerinnen und Leipziger zeigen sich h\u00f6here \u00c4ngste auf Ebene der Einzelitems im Zeitvergleich insbesondere bei der Angst vor einem Krieg, der Betroffenheit von eigener Arbeitslosigkeit sowie dem sich ausbreitenden politischen Extremismus, dies deckt sich mit der gesamtdeutschen Entwicklung, bei der insbesondere die Angst vor politischem Extremismus seit 2020 deutlich zunimmt und in der R+VLangzeitstudie einen Wert von 46 Prozent erreicht (Platz 10).<\/p>\n<p>F\u00fcr die Leipzigerinnen und Leipziger ist keine Differenzierung hinsichtlich der Form des Extremismus m\u00f6glich, aus den gesamtdeutschen Daten geht jedoch hervor, dass sich dieser insbesondere aus islamistischem Extremismus (48 Prozent \u00c4ngste) und Rechtsextremismus (38 Prozent \u00c4ngste) speist.\u201c<\/p>\n<p>Um nur einmal auf den Boden der Tatsachen zur\u00fcckzukommen: Wo ist die Angst vor der Armutsrente? Die vor einem kaputtgesparten Gesundheitssystem? Vor einer unbezahlbaren Pflege? Die Angst vor der zunehmenden Verschuldung der Kommune? Die Angst vor der Aush\u00f6hlung der Sozialsysteme? Also den Dingen, die das Leben der Leipziger dann tats\u00e4chlich ber\u00fchren?<\/p>\n<p>Und was hei\u00dft es eigentlich, \u201ewenn sich der politische Extremismus ausbreitet\u201c? Ist das ein Naturph\u00e4nomen? Oder nicht doch Ergebnis falscher Politik?<\/p>\n<p>Wirklich kl\u00fcger macht das Angst-Thema in der B\u00fcrgerumfrage nicht. Eher zeigt es, wie undurchdacht und oberfl\u00e4chlich auch <a href=\"https:\/\/www.ruv.de\/newsroom\/themenspezial-die-aengste-der-deutschen\/langzeitvergleich\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">das Frageschema der R+V-Versicherung<\/a> ist. Mit dem Ergebung eines belastbaren Stimmungsbildes hat dieser Teil der Umfrage wirklich nichts zu tun.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mit \u00c4ngsten kann man Politik machen. Sie machen Menschen hilflos, denn sie sehen dann nur noch die unheilvollen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":589031,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1832],"tags":[18929,58886,3364,29,30,71,859],"class_list":{"0":"post-589030","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-leipzig","8":"tag-angst","9":"tag-buergerumfrage","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-leipzig","14":"tag-sachsen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115581382544053819","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/589030","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=589030"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/589030\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/589031"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=589030"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=589030"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=589030"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}