{"id":589468,"date":"2025-11-20T14:11:14","date_gmt":"2025-11-20T14:11:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/589468\/"},"modified":"2025-11-20T14:11:14","modified_gmt":"2025-11-20T14:11:14","slug":"yannic-han-biao-federer-las-aus-fuer-immer-seh-ich-dich-wieder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/589468\/","title":{"rendered":"Yannic Han Biao Federer las aus &#8222;F\u00fcr immer seh ich dich wieder&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\"> Die Hauskapelle des Bestattungsinstituts Frankenheim an der M\u00fcnsterstra\u00dfe dient naturgem\u00e4\u00df als Ort des Umgangs mit Trauer. Das tut sie auch an diesem Abend, allerdings auf besondere Weise: Der Kostenpflichtiger Inhalt <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/kultur\/buch\/wenn-das-eigene-kind-stirbt-yannic-han-biao-federers-buch_aid-126573193\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">K\u00f6lner Autor Yannic Han Biao Federer<\/a> ist zu Gast und liest aus seinem in diesem Jahr erschienenen Buch \u201eF\u00fcr immer seh ich dich wieder.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">In seiner autobiografischen Erz\u00e4hlung, f\u00fcr die er den Buchpreis Familienroman der Stiftung Ravensburger Verlag erhalten hat, berichtet Federer \u00fcber einen pers\u00f6nlichen Schicksalsschlag: Sein Sohn Gustav Tian Ming, den seine Partnerin Charlotte und er erwarten, stirbt aufgrund einer pl\u00f6tzlich auftretenden Komplikation im Mutterleib, die Partnerin muss mit einer Not-OP gerettet werden. In den folgenden Tagen und Wochen versucht das Paar, mit dem Verlust fertig zu werden.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Jemanden \u00fcber eine derart intime Erfahrung reden zu h\u00f6ren, k\u00f6nnte beim Zuh\u00f6rer schlimmstenfalls bewirken, dass er sich unwohl und hilflos f\u00fchlt. Diese Gefahr besteht jedoch zu keinem Zeitpunkt. Das liegt an der behaglichen Atmosph\u00e4re in der vor wenigen Jahren neu errichteten Kapelle, vor allem aber daran, wie Federer sein Buch geschrieben hat, wie er daraus vorliest und dar\u00fcber spricht: mit Bedacht und Sensibilit\u00e4t, weder pathetisch noch k\u00fchl.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eF\u00fcr immer seh ich dich wieder\u201c beschreibe in mehrfacher Hinsicht das Ringen um Sprache, sagt Federer im Gespr\u00e4ch mit Moderatorin Maren Jungclaus. Da sind die eigenen hilflosen Versuche, im Moment des Geschehens Worte zu finden und einen klaren Gedanken zu fassen; die Beileidsbekundungen der Angeh\u00f6rigen und Freunde; zuletzt die Umsetzung des Erlebten in einen literarischen, m\u00f6glichst \u201esch\u00f6nen\u201c Text. Sein Buch versteht er als \u201eliterarischen Grabspruch\u201c f\u00fcr Gustav. Und er sagt: \u201eCharlotte und ich hatten das Gef\u00fchl, dass in der Gesellschaft zu wenig \u00fcber Trauer um Kinder geredet wird. Vielleicht kann dieser Text zur St\u00fctze werden.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Federer liest zwei l\u00e4ngere Passagen aus seinem Buch vor: zun\u00e4chst die ersten Seiten, in denen er den Leser ohne Vorgepl\u00e4nkel in jene fatalen Stunden mitnimmt, als es Charlotte pl\u00f6tzlich schlecht ging, sie zum Krankenhaus fuhren, sie das Kind verlor und operiert werden musste. Dann, wie er und Charlotte drei Monate sp\u00e4ter an Gustavs vorgesehenem Geburtstermin eine Reise nach <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/italien\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Italien<\/a> unternehmen, um mit sich und ihrer Trauer klarzukommen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Federer hat das Geschehene, das Gesagte und die eigenen Gedanken protokollarisch genau in kurzen, dichten S\u00e4tzen festgehalten. Bereits w\u00e4hrend der Ereignisse habe er \u201eeine Literaturstimme\u201c im Ohr gehabt, erz\u00e4hlt er: \u201eIch habe erst sp\u00e4ter verstanden, dass ich versucht habe, mit der Sprache eine Distanz zu finden, um klar sehen zu k\u00f6nnen.\u201c Die Verschriftlichung des Erlebten \u2013 zun\u00e4chst nicht zur Ver\u00f6ffentlichung gedacht \u2013 sei f\u00fcr Charlotte und ihn ein \u201et\u00e4gliches Trauerritual\u201c geworden.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Federer redet und schreibt auch dar\u00fcber, wie Mitmenschen Charlotte und ihm in ihrer Situation geholfen haben \u2013 und wie nicht. Da ist die Hebamme, die Charlotte in den Arm nimmt oder der Friedhofsw\u00e4rter, der nicht verlegen um den hei\u00dfen Brei herumredet. Den Umgang mit staatlichen Beh\u00f6rden erlebte der Autor hingegen als \u201egrotesk\u201c, und Beileidsbekundungen blieben oft floskelhaft. Hilfreicher als Worte war Praktisches: Freunde zum Beispiel, die dem Paar, dem die Dinge \u00fcber den Kopf wachsen, ungefragt ein Essen nach Hause bestellen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">In \u201eF\u00fcr immer seh ich dich wieder\u201c \u2013 der Titel ist eine Zeile aus einem Gedicht von Ungaretti \u2013 streiten der Autor und Charlotte dar\u00fcber, ob sie noch einmal versuchen sollen, ein Kind zu bekommen. Im vergangenen M\u00e4rz wurden sie Eltern einer Tochter. Irgendwann, sagt Federer, werden sie ihr beibringen m\u00fcssen, dass sie schon jemanden verloren hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Hauskapelle des Bestattungsinstituts Frankenheim an der M\u00fcnsterstra\u00dfe dient naturgem\u00e4\u00df als Ort des Umgangs mit Trauer. 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