{"id":589725,"date":"2025-11-20T16:34:13","date_gmt":"2025-11-20T16:34:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/589725\/"},"modified":"2025-11-20T16:34:13","modified_gmt":"2025-11-20T16:34:13","slug":"made-in-germany-2-0-zurueck-zum-wachstum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/589725\/","title":{"rendered":"Made in Germany 2.0 \u2013 Zur\u00fcck zum Wachstum"},"content":{"rendered":"<p>Deutschlands Industrie steckt im R\u00fcckw\u00e4rtsgang. Das vom Export getragene Wachstum hat seinen st\u00e4rksten Treiber verloren. Zwar h\u00e4lt die drittgr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft der Welt mit rund 20 Prozent Industrieanteil am Bruttoinlandsprodukt noch eine Spitzenposition, doch schrumpft das verarbeitende Gewerbe stetig. Seit 2019 sank die industrielle Wertsch\u00f6pfung real um etwa 60 Milliarden Euro, rund 250.000 Arbeitspl\u00e4tze gingen verloren. Gleichzeitig ziehen Wettbewerber wie China in immer mehr Schl\u00fcsselbranchen vorbei.<\/p>\n<p>\u00dcber die Ursachen herrscht im Prinzip Einigkeit: Energiekosten liegen weit \u00fcber denen internationaler Konkurrenten, die Lohnst\u00fcckkosten haben sich im internationalen Vergleich weiter erh\u00f6ht, und die Steuerlast raubt vielen Unternehmen die Widerstandskraft. Hinzu kommen digitale R\u00fcckst\u00e4ndigkeit, marode Infrastruktur und eine l\u00e4hmende B\u00fcrokratie. Deutschland hat sich zu lange auf die St\u00e4rke vergangener Jahrzehnte verlassen. Doch wirtschaftliche St\u00e4rke ist kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis harter Arbeit, effizienter Strukturen und kluger Priorit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Jetzt ist die Zeit, wieder zu zeigen, dass Deutschland es kann. F\u00fcr den Wiederaufstieg braucht es Mut, Tempo und eine Agenda, die veraltete Strukturen modernisiert und \u00fcberkommene Regeln abschafft. Nur ein mehrj\u00e4hriges Fitnessprogramm bringt Wirtschaft und Gesellschaft zur\u00fcck auf gesunde, wettbewerbsf\u00e4hige F\u00fc\u00dfe.<\/p>\n<p><strong>Arbeit: Alte Z\u00f6pfe abschneiden<\/strong><\/p>\n<p>Das zentrale Thema ist die Arbeit. Die hohen Lohnst\u00fcckkosten bedrohen zunehmend auch die verbliebenen industriellen Kerne. Deutschland muss wieder mehr arbeiten \u2013 und weniger Anreize setzen, es nicht zu tun. Dazu geh\u00f6rt, dass Lohnfortzahlungen und Unterst\u00fctzungsleistungen neu austariert werden, Wochenarbeitszeiten steigen k\u00f6nnen, Arbeitseinkommen weniger stark besteuert werden und bessere Kinderbetreuung mehr Familien die Vollzeitt\u00e4tigkeit erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Entscheidend bleibt die Flexibilit\u00e4t der Arbeit. Bisherige tarifliche \u00d6ffnungen weisen in die richtige Richtung, sind aber zu b\u00fcrokratisch und st\u00fctzen sich in schwierigen Phasen zu sehr auf den Staat. Viele Unternehmen reagieren wegen starrer rechtlicher Regelungen zu sp\u00e4t auf Marktver\u00e4nderungen, was hohe Restrukturierungskosten verursacht und Investoren abschreckt. Dieses Z\u00f6gern ist ein strukturelles Problem Europas: Wer Anpassungen hinausz\u00f6gert, verliert Wettbewerbsf\u00e4higkeit und Kapital.<\/p>\n<p><strong>Energie: Versorgung, Wettbewerbsf\u00e4higkeit, gr\u00fcne Transformation<\/strong><\/p>\n<p>Die hohen Energiekosten und drohende Engp\u00e4sse lassen sich nur durch mehr Angebot bek\u00e4mpfen. Deutschland und Europa importieren \u00fcber zwei Drittel ihrer Prim\u00e4renergie, \u00fcberwiegend in fossiler Form. Ohne neue, langfristig gesicherte Kapazit\u00e4ten scheitern sowohl die Versorgungssicherheit als auch die gr\u00fcne Transformation. Subventionen k\u00f6nnen hier keine Dauerl\u00f6sung sein. Entscheidend ist, dass Deutschland die kosteng\u00fcnstige Versorgung seiner Industrie mit einem geeigneten Ma\u00dfnahmenb\u00fcndel aus erneuerbaren Energien und zuverl\u00e4ssiger Spitzenlastabdeckung sichert.<\/p>\n<p>Gleichzeitig m\u00fcssen Partnerschaften und Abnahmevertr\u00e4ge mit sonnen- und windreichen L\u00e4ndern in Afrika und im Mittleren Osten geschlossen werden, um langfristig stabile Energiequellen zu sichern. Nur so kann die Industrie auf planbare Kosten und Versorgung bauen \u2013 eine Grundvoraussetzung f\u00fcr Investitionen und Standortentscheidungen.<\/p>\n<p><strong>Steuern: Effizienter Staat schafft Spielr\u00e4ume<\/strong><\/p>\n<p>Wettbewerbsf\u00e4higkeit verlangt auch niedrigere Steuern auf Einkommen und Gewinne. Das erfordert eine Balance aus Wirtschaftswachstum und Effizienzsteigerung im \u00f6ffentlichen Sektor, der zuletzt deutlich schneller wuchs als die Privatwirtschaft. Ein kleiner Lichtblick: Im IMD Global Competitiveness Report belegt Deutschland bei der staatlichen Effizienz wieder Platz 17 \u2013 eine Verbesserung, aber zu wenig f\u00fcr die drittgr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft der Welt. Ein eigenes Ressort kann der Digitalisierung der Verwaltung mehr Durchschlagskraft verschaffen.<\/p>\n<p>Und: Nur wenn mehr Transferleistungen in Produktiveinkommen umgewandelt werden, kann der Staat schlanker und handlungsf\u00e4higer werden. Sicherheit, Infrastruktur und Energiewende bleiben gewaltige Aufgaben \u2013 sie verlangen einen Staat, der Priorit\u00e4ten setzt und nicht weiter aufbl\u00e4ht, sondern fokussiert.<\/p>\n<p>Deutschlands Industrie muss raus aus dem R\u00fcckw\u00e4rtsgang.Arnd FranzCEO, Mahle<\/p>\n<p><strong>Technologie und Autonomie<\/strong><\/p>\n<p>Deutschland muss in Zukunftstechnologien wieder f\u00fchrend werden. Dazu geh\u00f6rt, Kr\u00e4fte zu b\u00fcndeln und die zersplitterte F\u00f6rderlandschaft zu \u00fcberwinden. Statt kleinteiliger Kirchturmpolitik braucht es Kompetenzcluster, die global mithalten k\u00f6nnen. Sonderwirtschaftszonen mit steuerlichen Vorteilen und gezielten Investitionsanreizen k\u00f6nnten dabei helfen, Innovation zu beschleunigen \u2013 insbesondere in K\u00fcnstlicher Intelligenz, Luft- und Raumfahrt, Robotik und anderen Schl\u00fcsseltechnologien.<\/p>\n<p>Zugleich muss Deutschland seine industrielle Autonomie st\u00e4rken. Exportkontrollen, Z\u00f6lle und gest\u00f6rte Lieferketten haben seine Verwundbarkeit offengelegt. Unser Land sollte zwar am offenen Welthandel festhalten, aber strategische Kapazit\u00e4ten in Grundstoffen, Halbzeugen, digitaler Infrastruktur, Wehrtechnik und Hochtechnologie sichern. Diese industrielle Substanz ist das R\u00fcckgrat europ\u00e4ischer Souver\u00e4nit\u00e4t und Voraussetzung f\u00fcr wirtschaftliche Unabh\u00e4ngigkeit.<\/p>\n<p><strong>Made in Germany 2.0<\/strong><\/p>\n<p>Deutschland besitzt weiterhin au\u00dfergew\u00f6hnliche St\u00e4rken: eine erstklassige Qualifikationsbasis aus Jahrzehnten dualer Ausbildung, eine f\u00fchrende akademisch-technische Landschaft, ein leistungsf\u00e4higes Partnernetzwerk, ein stabiles demokratisches System und weltweite wirtschaftliche wie politische Verbindungen. All das ist Kapital \u2013 aber kein Garant f\u00fcr die Zukunft.<\/p>\n<p>Jetzt braucht es ein neues \u201eMade in Germany 2.0\u201c \u2013 eine Wiederbelebung des industriellen F\u00fchrungsanspruchs. Mit nachhaltigen, wettbewerbsf\u00e4higen Rahmenbedingungen, mit Leistungswillen und Innovationskraft, mit verl\u00e4sslicher Energieversorgung und einem Staat, der Wachstum will und \u00f6konomisch denkt. Deutschland kann wieder spitze sein \u2013 wenn es den Mut hat, sich selbst zu erneuern.<\/p>\n<p>Bild: \u00a9 Mahle<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tDas aktuelle Handelsblatt Journal<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/veranstaltungen.handelsblatt.com\/journal\/themengebiete\/industrie\/#hb-journal-1390\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\"><br \/>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"300\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/packshot-cc-300x300-industrie.png\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\"  \/>\t\t\t\t\t\t\t<\/a><\/p>\n<p>\n\t\t\t\t\t\tDieser Artikel ist im aktuellen Handelsblatt Journal<br \/>\u201eDie Zukunft der Industrie\u201c erschienen. Das vollst\u00e4ndige Journal k\u00f6nnen Sie sich hier kostenlos herunterladen:\t\t\t\t\t<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<a class=\"btn__wrapper btn--large btn--secondary attention__cta\" href=\"https:\/\/veranstaltungen.handelsblatt.com\/journal\/themengebiete\/industrie\/#hb-journal-1390\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\"><br \/>\n\t\t\t\t\t\t\tZum Journal\t\t\t\t\t\t<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Deutschlands Industrie steckt im R\u00fcckw\u00e4rtsgang. Das vom Export getragene Wachstum hat seinen st\u00e4rksten Treiber verloren. 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