{"id":590140,"date":"2025-11-20T20:26:14","date_gmt":"2025-11-20T20:26:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/590140\/"},"modified":"2025-11-20T20:26:14","modified_gmt":"2025-11-20T20:26:14","slug":"so-geht-augsburg-mit-umstrittenen-strassennamen-um","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/590140\/","title":{"rendered":"So geht Augsburg mit umstrittenen Stra\u00dfennamen um"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Auff\u00e4llige Bezeichnungen, wie der Adolf-Hitler-Platz f\u00fcr den K\u00f6nigsplatz, verschwanden schnell nach dem Einmarsch der Alliierten in Augsburg am 28. April 1945. Was blieb, waren 169 weitere Stra\u00dfennamen aus der zw\u00f6lfj\u00e4hrigen nationalsozialistischen Zeit. Etliche verfolgten eindeutig propagandistische Ziele. Nach dem Krieg kamen weitere Stra\u00dfenbenennungen hinzu, die nach dem heutigen Kenntnisstand als problematisch gelten. Man spricht seit den 1990er-Jahren von historisch belasteten, kritischen oder umstrittenen Stra\u00dfennamen. Dieses Thema ist in den vergangenen Jahren in den Fokus der \u00d6ffentlichkeit ger\u00fcckt. Auch in Augsburg wurden inzwischen Stra\u00dfen umbenannt oder mit Hinweisen versehen.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Bereits im Jahr 2017 entschied man sich in Augsburg f\u00fcr einen Weg zur Aufarbeitung der umstrittenen Stra\u00dfennamen, n\u00e4mlich den Einsatz einer Expertenkommission. Die ersten Empfehlungen der 18-k\u00f6pfigen ehrenamtlichen \u201eKommission f\u00fcr Erinnerungskultur\u201c wurden vor f\u00fcnf Jahren vom Stadtrat \u00fcbernommen. Deshalb erfolgten zwei Stra\u00dfenumbenennungen und f\u00fcnf sogenannte Kontextualisierungen \u2013 also Erl\u00e4uterungen auf Zusatztafeln an den Stra\u00dfenschildern. Neue Bezeichnungen erhielten zwei Stra\u00dfen im Augsburger Nordwesten: die Dr.-Mack-Stra\u00dfe und die Langemarckstra\u00dfe. Aus der Dr.-Mack-Stra\u00dfe beim Bezirkskrankenhaus (BKH) machte man die Geschwister-Sch\u00f6nert-Stra\u00dfe.\n  <\/p>\n<p>            Umstrittener Stra\u00dfenname: Die Dr.-Mack-Stra\u00dfe in Augsburg wurde umbenannt<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Der Augsburger Mediziner Dr. Max Ludwig Mack war w\u00e4hrend des Nationalsozialismus an der Zwangssterilisation von als erbkrank diffamierten Personen beteiligt. Der neue Name erinnert an ein Augsburger Geschwisterpaar, welches durch die nationalsozialistische \u201eEuthanasie\u201c (Krankenmorde) in der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren sterben musste. Aus der Langemarckstra\u00dfe im Stadtteil Kriegshaber wurde die Familie-Einstein-Stra\u00dfe. \u201eDieser neue Stra\u00dfenname nach einer j\u00fcdischen Familie aus Kriegshaber soll einen Kontrapunkt zur bisherigen Bezeichnung setzen\u201c, wird der Stadtratsbeschluss begr\u00fcndet. Die Nationalsozialisten hatten den Mythos der Schlacht von Langemarck im Ersten Weltkrieg intensiv f\u00fcr ihre Propaganda genutzt.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/geschwister-schoenert-strasse.jpg\" alt=\"Aus der Dr.-Mack-Stra\u00dfe wurde die Geschwister-Sch\u00f6nert-Stra\u00dfe. Dies war 2021 eine von zwei Umbenennungen historisch belasteter Stra\u00dfenbezeichnungen. \" title=\"Aus der Dr.-Mack-Stra\u00dfe wurde die Geschwister-Sch\u00f6nert-Stra\u00dfe. Dies war 2021 eine von zwei Umbenennungen historisch belasteter Stra\u00dfenbezeichnungen. \" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Aus der Dr.-Mack-Stra\u00dfe wurde die Geschwister-Sch\u00f6nert-Stra\u00dfe. Dies war 2021 eine von zwei Umbenennungen historisch belasteter Stra\u00dfenbezeichnungen.<br \/>\n    Foto: Wilfried Matzke<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Aus der Dr.-Mack-Stra\u00dfe wurde die Geschwister-Sch\u00f6nert-Stra\u00dfe. Dies war 2021 eine von zwei Umbenennungen historisch belasteter Stra\u00dfenbezeichnungen.<br \/>\n    Foto: Wilfried Matzke<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Erl\u00e4uterungen auf Zusatztafeln erhielten die Stra\u00dfennamen nach dem Haunstetter B\u00fcrgermeister Xaver Widmeier, dem Schriftsteller Hans Watzlik, dem Bildhauer Fritz Koelle, dem Kunsth\u00e4ndler Karl Haberstock und dem Flugzeugkonstrukteur Willy Messerschmitt. Das Beispiel von Messerschmitt zeigt, wie die Stra\u00dfenbenennungen dem Zeitgeist unterworfen sind. Urspr\u00fcnglich erhielt die Zufahrt zum Messerschmitt-Flugzeugwerk Nr. 3 vom nationalsozialistischen Haunstetter Gemeinderat die Bezeichnung \u201eMesserschmittstra\u00dfe\u201c zur W\u00fcrdigung des Firmengr\u00fcnders Willy Messerschmitt. Nach dem \u201eDritten Reich\u201c erfolgte durch den neuen Gemeinderat die Umbenennung der Messerschmittstra\u00dfe in Eichenstra\u00dfe. Die Stadt Augsburg rehabilitierte nach der Haunstetter Eingemeindung 1972 den Flugzeugkonstrukteur mit der Professor-Messerschmitt-Stra\u00dfe im Univiertel.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Vor f\u00fcnf Jahren erfolgte dann die Kontextualisierung dieses Stra\u00dfennamens. Gr\u00fcnde waren die Ausbeutung von Zwangsarbeitern und KZ-H\u00e4ftlingen in den Messerschmitt-Fabriken sowie die f\u00fchrende Rolle von Willy Messerschmitt in der nationalsozialistischen R\u00fcstungsindustrie. Die Stadtwerke haben im Vorjahr i<a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/augsburg-stadtrat-beschliesst-haltestelle-messerschmitt-wird-umbenannt-id70776426.html\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"noopener\">hre Haunstetter Stra\u00dfenbahn-Haltestelle \u201eMesserschmitt\u201c in \u201eH\u00f6tzelstra\u00dfe\u201c umbenannt<\/a>. Ausschlaggebend war jedoch, dass die alte Haltestellenbezeichnung nicht mehr als Orientierungshilfe dienen konnte, weil die Messerschmitt AG dort nicht mehr existiert.\n  <\/p>\n<p>            Weitere Stra\u00dfennamen in Augsburg sollen noch \u00fcberpr\u00fcft werden<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die \u201eKommission f\u00fcr Erinnerungskultur\u201c hatte sich anfangs nur mit den Stra\u00dfennamen besch\u00e4ftigt, zu denen Kritik von Stadtratsfraktionen, Organisationen oder Einzelpersonen aktenkundig geworden war. Hinten angestellt wurden andere potenziell strittige Bezeichnungen, auch aus fr\u00fcheren Epochen. Die Kommissionsarbeit kam heuer wegen der Beteiligung der st\u00e4dtischen \u201eFachstelle f\u00fcr Erinnerungskultur\u201c am umfangreichen Friedensfest-Jubil\u00e4umsprogramm nur langsam voran. \u201eDer Auftrag der Kommission bleibt jedoch die systematische \u00dcberpr\u00fcfung aller Stra\u00dfennamen mit nationalsozialistischem Bezug\u201c, erkl\u00e4rt Felix Bellaire, Historiker und Leiter der st\u00e4dtischen Fachstelle.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die wohl j\u00fcngste kritische Stra\u00dfenbenennung geschah im Jahr 2007 mit dem Werner-Egk-Weg. Der dort in Oberhausen aufgewachsene Komponist Werner Egk ist mittlerweile wegen seiner Rolle im Nationalsozialismus umstritten. W\u00e4hrend die benachbarte Werner-Egk-Schule im Vorjahr in \u201eGrundschule Oberhausen-Mitte\u201c umbenannt worden ist, existiert der Werner-Egk-Weg bislang weiter. Dieser Wegname erscheint auch in einer Aufstellung von 38 problematischen Bezeichnungen unter den derzeit 1971 Augsburger Stra\u00dfennamen. Eingesehen werden kann diese Liste der \u201eVereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN)\u201c auf der VVN-Homepage unter \u201eSpuren der Nazi-Vergangenheit in der Friedensstadt Augsburg\u201c.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/werner-egk.jpg\" alt=\"Ein Weg wurde im Jahr 2007 dem in Oberhausen aufgewachsenen Komponisten Werner Egk gewidmet. Mittlerweile gilt dieser Stra\u00dfenname als problematisch.\" title=\"Ein Weg wurde im Jahr 2007 dem in Oberhausen aufgewachsenen Komponisten Werner Egk gewidmet. Mittlerweile gilt dieser Stra\u00dfenname als problematisch.\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Ein Weg wurde im Jahr 2007 dem in Oberhausen aufgewachsenen Komponisten Werner Egk gewidmet. Mittlerweile gilt dieser Stra\u00dfenname als problematisch.<br \/>\n    Foto: Wilfried Matzke<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Ein Weg wurde im Jahr 2007 dem in Oberhausen aufgewachsenen Komponisten Werner Egk gewidmet. Mittlerweile gilt dieser Stra\u00dfenname als problematisch.<br \/>\n    Foto: Wilfried Matzke<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Hier findet man unter anderem <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/hitler-platz-und-hindenburgstrasse-so-nutzten-die-nazis-strassennamen-in-augsburg-fuer-ihre-propaganda-108979175\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"noopener\">von den Nationalsozialisten benannte Stra\u00dfen nach Schlachtorten der Befreiungskriege und des Ersten Weltkriegs<\/a> sowie nach Personen aus diesen Epochen, die im \u201eDritten Reich\u201c verehrt wurden. Mittlerweile werden auch Stra\u00dfennamensgeber hinterfragt, die vor f\u00fcnf Jahrhunderten wirkten. So erinnert die Schertlinstra\u00dfe im Stadtteil Hochfeld an den Stadthauptmann Sebastian Schertlin (1496-1577). Seine Rolle als \u00e4u\u00dferst grausamer S\u00f6ldnerf\u00fchrer hatte man bei der Stra\u00dfenbenennung im Jahr 1901 ausgeblendet. Eines, was etliche andere St\u00e4dte besch\u00e4ftigt, ist Augsburg erspart geblieben, n\u00e4mlich Stra\u00dfennamen, welche auf den deutschen Kolonialismus verweisen.\n  <\/p>\n<ul data-module-id=\"DragDropModule\" class=\"flex flex-wrap justify-start group-[.no-bookmarks]:hidden\">\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Wilfried Matzke<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Augsburg<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Stra\u00dfennamen<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Auff\u00e4llige Bezeichnungen, wie der Adolf-Hitler-Platz f\u00fcr den K\u00f6nigsplatz, verschwanden schnell nach dem Einmarsch der Alliierten in Augsburg am&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":590141,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1846],"tags":[680,772,118065,3364,29,15850,548,663,3934,30,141332,13,141331,141333,14,57,15,12,66154,47218,141330],"class_list":{"0":"post-590140","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-augsburg","8":"tag-augsburg","9":"tag-bayern","10":"tag-bezeichnung","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-erster-weltkrieg","14":"tag-eu","15":"tag-europa","16":"tag-europe","17":"tag-germany","18":"tag-geschwister-schoenert-strasse","19":"tag-headlines","20":"tag-langemarck","21":"tag-ludwig-mack","22":"tag-nachrichten","23":"tag-nationalsozialismus","24":"tag-news","25":"tag-schlagzeilen","26":"tag-strassenbenennung","27":"tag-strassennamen","28":"tag-willy-messerschmitt"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115583909170066263","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/590140","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=590140"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/590140\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/590141"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=590140"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=590140"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=590140"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}