{"id":590657,"date":"2025-11-21T01:26:23","date_gmt":"2025-11-21T01:26:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/590657\/"},"modified":"2025-11-21T01:26:23","modified_gmt":"2025-11-21T01:26:23","slug":"avantgarde-mode-aus-stuttgart-warum-eine-jacke-554-euro-kostete-und-pal-offner-jetzt-trotzdem-schliessen-muss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/590657\/","title":{"rendered":"Avantgarde-Mode aus Stuttgart: Warum eine Jacke 554 Euro kostete \u2013 und Pal Offner jetzt trotzdem schlie\u00dfen muss"},"content":{"rendered":"<p>Sabina Pal und Nele Offner, die beiden<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/gallery.mode-aus-stuttgart-pal-offner-unisex-aus-dem-kessel-erobert-die-welt.cc3eabc6-b335-4b31-8cbe-5f8c2f38ade5.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"> Gr\u00fcnderinnen des Stuttgarter Modelabels Pal Offner<\/a> geben auf. Die Herbst-\/Winterkollektion war die letzte des kleinen Unternehmens, das die beiden vor elf Jahren gegr\u00fcndet haben. Jetzt ziehen die Frauen einen Schlussstrich mit einem gro\u00dfen Abschiedsevent von diesem Freitag bis Sonntag (21. bis 23. November). \u201eWir schlie\u00dfen unser Modelabel nicht, weil wir keine Ideen mehr haben, sondern weil wir so nicht mehr wollen\u201c, sind sich die beiden Frauen einig, die viel Herzblut und Kreativit\u00e4t ins Unternehmen gesteckt haben.<\/p>\n<p>Mit ihren Designs bedienen sie nicht den Mainstream-Geschmack, sondern haben sich mit Avantgarde Unisex-<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Mode\" title=\"Mode\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mode<\/a>, vorwiegend in Schwarz, in einer Nische etabliert und sind international in Boutiquen in New York, Toronto, Oslo, Shanghai oder etwa Auckland zu finden. Eigentlich eine Erfolgsgeschichte, denn die Mode aus <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a> st\u00f6\u00dft auf viel Interesse. Das Produkt scheint zu passen, nur der Preis oft nicht.<\/p>\n<p>Stuttgarter Modelabel Pal Offner: Hohe Preise, niedriger Gewinn <\/p>\n<p>\u201eWieso kostet eine schlichte schwarze Jacke 554 Euro. Ihr habt sie doch nicht mehr alle!\u201c, zitiert Sabina Pal einen Kommentar in den sozialen Medien. Sicher, viele k\u00f6nnen sich Mode in diesem Preissegment nicht leisten. Wer glaubt, dass sich die beiden Frauen mit hohen Preisen \u00fcppig die Taschen f\u00fcllen, liegt aber falsch. Im vergangenen Jahr machte das Unternehmen Verluste, 2023 wurden noch rund 40\u2009000 Euro Gewinn ausgewiesen \u2013 und das auch nur, weil man keine marktgerechten Geh\u00e4lter zahle und nur ein kleines Team sei, sagt Pal. Die ersten Jahre haben die zwei 40-J\u00e4hrigen, beides zweifache M\u00fctter, alles zu zweit gestemmt, sp\u00e4ter im vierk\u00f6pfigen Team mit ein bis zwei Praktikantinnen.<\/p>\n<p>Ihre Entscheidung aufzuh\u00f6ren nehmen Sabina Pal und Nele Offner zum Anlass, Einblicke in die Branche, das schnelllebige Gesch\u00e4ft mit Mode und ihr Unternehmen zu geben und verbinden dies gleichzeitig mit einem Appell, kleine Marken und unabh\u00e4ngige kreative Unternehmen zu unterst\u00fctzen. \u201eDon\u2019t kill small brands\u201c, haben sie auch in den sozialen Medien gepostet \u2013 und bekommen viel positive R\u00fcckmeldung.<\/p>\n<p>Mode aus der Nische: Pal Offner im Wettbewerb mit Massenanbietern <\/p>\n<p>Lamentieren ist ihre Sache nicht. \u201eWenn ein Business es erfordert, dauerhaft 24\/7 f\u00fcr ein unterdurchschnittliches Gehalt zu arbeiten, dann stimmt entweder etwas mit dem Gesch\u00e4ftsmodell nicht oder es gibt ein strukturelles Problem\u201c, sagt Pal. Alles stehe und falle mit der St\u00fcckzahl und der Art und Weise, wie und wo man produziere. Kleine Labels h\u00e4tten es schwer im Wettbewerb mit Massenanbietern \u2013 angefangen von Kostenaufschl\u00e4gen bis zur Umverteilung hoher Entwicklungskosten auf wenige Teile.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/1763688383_178_media.media.87c904e1-fa31-44d9-987e-2b3740fa71e7.original1024.media.jpeg\"\/>     Kurz vor Ladenschluss: Alles muss raus.    Foto: Lichtgut\/Leif Piechowski    <\/p>\n<p>Bei Pal und Offner steht nicht Profitdenken an erster Stelle, ihnen geht es auch um ideelle Werte. \u201eWie nachhaltig ist die Kleidung, wie fair wird sie produziert, wie viel wird weggeworfen, warum will man so unglaublich viel produzieren?\u201c, nennt Nele Offner Beispiele. Fast <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Fashion\" title=\"Fashion\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Fashion<\/a> \u2013 schnelllebige Mode, die kosteng\u00fcnstig produziert und zu g\u00fcnstigen Preisen verkauft wird \u2013 auf diesen Trend wollten die beiden nicht setzen.<\/p>\n<p>Ihr Weg steht nach ihrer Aussage f\u00fcr Werte und eine Vision, die Modebranche nachhaltig zu ver\u00e4ndern und einen Dialog zu starten und so m\u00f6glicherweise den Weg f\u00fcr andere unabh\u00e4ngige Labels ein wenig zu ebnen. Als Verbraucherschelte wollen sie das aber nicht verstanden wissen.<\/p>\n<p>Bei Pal Offner gibt es zwei Kollektionen im Jahr mit rund 40 Teilen. Gen\u00e4ht werden die Kleidungsst\u00fccke in kleinen inhabergef\u00fchrten Betrieben in Europa \u2013 wegen der geringen Mengen in Handarbeit. Entsprechend hoch sind die Kosten. Die Entwicklung eines Schnittes etwa kostet rund 360 Euro, das N\u00e4hen der Musterteile 384 Euro. Dabei werden im Durchschnitt nur etwa 30 St\u00fcck pro Design produziert. Hinzu kommen auf den Meterpreis Mindermengenzuschl\u00e4ge von 30 Prozent f\u00fcr den Stoff, rechnen die Frauen unter anderem vor. Die betrieblichen Kosten, die bei kleinen St\u00fcckzahlen deutlich zu Buche schlagen, beziffern Pal und Offner auf mehr als 355\u2009000 Euro \u2013 das reicht von Raum- und Personalkosten \u00fcber Messekosten, Fotoshootings ober beispielsweise Zollgeb\u00fchren.<\/p>\n<p>Je nach Absatzkanal und Rabattierung bleibt unterm Strich wenig, am meisten im Direktverkauf \u00fcbers Internet. Bei einem Teil mit einem Verkaufspreis von 425 Euro bleiben im Onlinehandel 197 Euro (46 Prozent) als Gewinn vor Steuern, rechnen sie vor. Doch oft werden im Direktverkauf noch Rabatte von 30 bis 50 Prozent gew\u00e4hrt, was den Gewinn vor Steuern auf 90 beziehungsweise 19 Euro dr\u00fcckt. Im H\u00e4ndlergesch\u00e4ft, das den Gro\u00dfteil bei Pal Offner ausmacht, waren die Margen deutlich geringer, zuletzt legte man drauf.<\/p>\n<p> Abschied mit Abverkauf bei Pal Offner von 21. bis 23. November <\/p>\n<p>2025 sehen die beiden Unternehmerinnen keine Besserung. Inflation, steigende Produktionskosten, anhaltende politisch-wirtschaftliche Unsicherheiten d\u00e4mpften die Kauflaune, sagt Offner. Und wie steht es mit Zukunftspl\u00e4nen? \u201eWir haben ein Unternehmen aufgebaut, gef\u00fchrt und uns viele Kompetenzen erworben\u201c, sagt Sabina Pal. \u201eJetzt hei\u00dft es erst mal Gas rausnehmen und abbiegen von der Autobahn\u201c, sagt Nele Offner. Beide schauen trotz ihrer Entscheidung, das Modelabel zu schlie\u00dfen, zuversichtlich nach vorn. \u201eWir sind stolz, das alles mit einem so kleinen Team gestemmt zu haben.\u201c<\/p>\n<p>Mit einem Abschluss-Event wollen die beiden Firmeninhaberinnen das Ende ihrer elfj\u00e4hrigen unternehmerischen Reise feiern: Vom 21. bis 23. November mit einem Pop-Up Event am Label-Standort Stuttgart in der T\u00fcbinger Stra\u00dfe 71 \u2013 inklusive Fashion Show und Abverkauf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Sabina Pal und Nele Offner, die beiden Gr\u00fcnderinnen des Stuttgarter Modelabels Pal Offner geben auf. 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