{"id":590855,"date":"2025-11-21T03:26:11","date_gmt":"2025-11-21T03:26:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/590855\/"},"modified":"2025-11-21T03:26:11","modified_gmt":"2025-11-21T03:26:11","slug":"halle-kunstmuseum-moritzburg-zeigt-karl-hofers-werk-und-seine-schattenseiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/590855\/","title":{"rendered":"Halle: Kunstmuseum Moritzburg zeigt Karl Hofers Werk und seine Schattenseiten"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\nIm Kunstmuseum Moritzburg Halle ist am Donnerstag eine Ausstellung mit dem Werk von Karl Hofer er\u00f6ffnet worden. Der Maler (1878-1955) geh\u00f6rte zu den bedeutendsten expressionistischen Malern der Moderne in Deutschland \u2013 doch es gibt dunkle Kapitel in seiner Biografie.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n1938 dr\u00e4ngte Hofer seine j\u00fcdische Ehefrau Mathilde Hofer, mit der er schon l\u00e4nger nicht mehr zusammenlebte, zur Scheidung, weil ihm sonst der Ausschluss aus der Reichskulturkammer drohte. Mathilde Hofer wurde am 21. November 1942 im <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ns-zeit\/holocaust\/konzentrationslager-auschwitz-todesmaersche-befreiung-100.html\" title=\"KZ Auschwitz: Todesm\u00e4rsche und Befreiung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau<\/a> ermordet.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n<a name=\"Mathilde\">Laut<\/a> Museumsdirektor Thomas Bauer-Friedrich wird dieses Kapitel im Leben Hofers im Rahmen der Ausstellung auch thematisiert. Da die Ausstellungser\u00f6ffnung am Vorabend des 21. November, dem Todestag von Mathilde Hofer, stattfinde, werde ihr das musikalische Rahmenprogramm gewidmet. Bauer-Friedrich sagte zu MDR KULTUR: &#8222;Sie war ausgebildete Konzerts\u00e4ngerin, hat einen Diplom in Paris an der Hochschule gemacht. Wir wissen, dass sie vor allem Brahms und Schubert gern gesungen hat.&#8220;\n<\/p>\n<p>Inspiration f\u00fcr die K\u00fcnstler der &#8222;<a name=\"Halleschen\">Halleschen<\/a> Schule&#8220;<\/p>\n<p class=\"text\">\nKarl Hofer, der nach 1945 Rektor der Berliner Hochschule f\u00fcr Bildende K\u00fcnste wurde, fand in seinem Fach der realistischen Darstellungsweise mit teils expressiven, magischen oder symbolistischen Variationen viel Anerkennung im Nachkriegsdeutschland. Einzig die Kollegen vom abstrakten Fach machten ihm das Leben schwer, er\u00f6rtert MDR KULTUR-Kunstkritikerin Ulrike Thielmann.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nIn der sowjetischen Besatzungszone, in der die gegenst\u00e4ndliche Malweise proklamiert wurde, habe man Hofers Gem\u00e4lde teils mit leuchtenden Augen betrachtet: &#8222;Besonders in Halle an der Saale begeisterten sich Maler wie Herbert Kitzel oder Hermann Bachmann f\u00fcr Hofers abweichende realistische Sichten.&#8220; Die Maler im Halle der Nachkriegszeit nannten ihre Kunst &#8222;Hallesche Schule&#8220;. Wovon sie inspiriert wurden, war schon \u00f6fter Thema im Kunstmuseum Moritzburg, erinnert Thielmann.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nAls die Leipziger Privatsammlung Arthouse\/K\u00f6lmel Ausstellungsr\u00e4ume f\u00fcr ihre gro\u00dfe Karl-Hofer-Sammlung suchte, kam das Museumsdirektor Bauer-Friedrich gerade recht: &#8222;Es ist das erste Mal, dass Karl Hofer in dieser Opulenz in Mitteldeutschland wieder zu sehen ist.&#8220; Gezeigt werden nun rund 50 Gem\u00e4lde, entstanden zwischen 1900 und 1950, erg\u00e4nzt von einigen Bildern der Halleschen K\u00fcnstler. Sieben thematisch unterschiedliche Kapitel der Schau erz\u00e4hlen von H\u00f6hen und Tiefen in Hofers Leben und den zentralen Motiven seines Schaffens.\n<\/p>\n<p><a name=\"Wenige\">Wenige<\/a> Ausstellungen seit 1945 in Ostdeutschland<\/p>\n<p class=\"text\">\nIn Halle wurden Hofers Bilder schon fr\u00fcher ausgestellt: 1948 und 1949 widmete ihm die Galerie Henning in Halle (Saale) zwei kleine Einzelausstellungen. 1978, zum 100. Geburtstag des Malers, fand eine gro\u00dfe Retrospektive in der Moritzburg statt. Insgesamt jedoch ist es wenig Aufmerksamkeit f\u00fcr einen Maler seiner Gr\u00f6\u00dfe und Bedeutung.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Gr\u00fcnde daf\u00fcr liegen wom\u00f6glich in den absto\u00dfenden Details in Hofers Biografie, so Thielmann. Das Kunstmuseum er\u00f6ffne in der Ausstellung sowie im Katalog zum Beispiel die Auseinandersetzung mit Hofers Mal-Aufenthalt in Indien, in dem er gesichert mindestens eins seiner minderj\u00e4hrigen Modelle missbrauchte. Es sei dem Museum wichtig, die Schattenseiten in der Biografie von Karl Hofer offen anzugehen, betont Thomas Bauer-Friedrich, vor allem sein Umgang mit Frauen.\n<\/p>\n<p>Pikante Details und menschliche Dramen<\/p>\n<p class=\"text\">\nAuch die Scheidung von seiner j\u00fcdischen Frau Mathilde Scheinberger spielt da hinein. Allerdings hatte der Maler bereits vor 1933 seine Ablehnung der nationalsozialistischen Ideologie zum Ausdruck gebracht. 1937 diffamierte man ihn in der Ausstellung &#8222;Entartete Kunst&#8220;, entzog ihm Lehramt und Akademiemitgliedschaft und entfernte mehr als 300 seiner Werke aus \u00f6ffentlichen Sammlungen, hei\u00dft es auf der Website des Kunstmuseums. Nach seiner Scheidung wurde der K\u00fcnstler wieder in die Reichskulturkammer aufgenommen.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nUlrike Thielmanns Fazit lautet: &#8222;Wem es gelingt, die Ambivalenz sowie die menschlichen Dramen in Karl Hofers Leben auszuhalten, der erblickt in der Ausstellung teils grandiose Gem\u00e4lde. Nicht zuletzt die Maler der &#8218;Halleschen Schule&#8216; \u00fcberzeugen durch ihre oft magischen Ausdr\u00fccke melancholischer Stille in teils gro\u00dfer Dunkelheit.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im Kunstmuseum Moritzburg Halle ist am Donnerstag eine Ausstellung mit dem Werk von Karl Hofer er\u00f6ffnet worden. 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