{"id":591195,"date":"2025-11-21T06:48:30","date_gmt":"2025-11-21T06:48:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/591195\/"},"modified":"2025-11-21T06:48:30","modified_gmt":"2025-11-21T06:48:30","slug":"richard-strauss-frau-ohne-schatten-als-theatralische-untersuchung-von-peter-konwitschny-in-bonn-das-opernmagazin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/591195\/","title":{"rendered":"Richard Strauss\u2019 \u201eFrau ohne Schatten\u201c als \u201etheatralische Untersuchung von Peter Konwitschny\u201c in Bonn \u2013 DAS OPERNMAGAZIN"},"content":{"rendered":"<p>\t\t<a href=\"https:\/\/opernmagazin.de\/richard-strauss-frau-ohne-schatten-als-theatralische-untersuchung-von-peter-konwitschny-in-bonn\/frau-ohne-schattenoper-bonnregie-peter-konwitschnypremiere-am-16-11-2025-5\/\" rel=\"attachment wp-att-31873 noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-31873\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/frau_ohne_schatten_ohp_0359_matthias_jung_kopie-300x209.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"209\"  \/><\/a>Theater Bonn\/Frau ohne Schatten\/Anne-Fleur Werner\/Foto \u00a9 Matthias Jung<\/p>\n<p><strong>Bordsteinschwalben, Luxusschlitten, Genlabor, Revolver, ein w\u00fctendes Publikum, die fast schon \u201em\u00f6rderische Frage\u201c, wer hier warum Regie f\u00fchrte und weshalb der Abend trotz aller Kritik einfach wunderbar ist.\u00a0<\/strong><strong>Sibylle Eichhorn besuchte f\u00fcr DAS OPERNMAGAZIN die Bonner Premiere am 16. November.<\/strong><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Beim St\u00fcckbeginn er\u00f6ffnet sich dem Zuschauer der Blick auf eine schmucklose, in leicht r\u00f6tliches Licht getauchte Tiefgarage. Prostituierte in Latexklamotten, Netzstr\u00fcmpfen und High Heels lehnen in branchentypischer Haltung an den W\u00e4nden. Einem luxuri\u00f6sen Benz entsteigen gef\u00e4hrlich aussehende M\u00e4nner in Lederkleidung, mit Sonnenbrillen, Glatzen und dem \u00fcblichen Equipment. Geldkoffer werden \u00fcbergeben, Sch\u00fcsse fallen, mit ihnen gehen direkt auch etliche der Gangster zu Boden, und w\u00e4hrend man als Zuschauer in den ersten Minuten noch eifrig bem\u00fcht ist, das B\u00fchnengeschehen gedanklich irgendwie mit den \u00dcbertiteln \u00fcbereinzubringen, hat bereits ein Blowjob an der ge\u00f6ffneten Autot\u00fcr stattgefunden und eigentlich ist jetzt nur noch die Frage, ob es sich hier entweder um die theatralische Umsetzung eines Tarantino-Streifens oder aber um die musiktheatralische Fassung von \u201eM\u00fcllers B\u00fcro\u201c handelt.<\/p>\n<p>Auf die spontane Idee, es mit dem mystisch verklausulierten Stoff Hugo von Hofmannsthals zu tun zu haben, k\u00e4men vermutlich nur die allerwenigsten.<\/p>\n<p>Im Interview erkl\u00e4rt der Regisseur, dass aus seiner Sicht der gesamte Text ein deutlich zu einseitiges und gar misogynes Frauenbild zeichne und das St\u00fcck deswegen im Grunde gar nicht mehr aufgef\u00fchrt werden d\u00fcrfe\u2026<\/p>\n<p>Mittlerweile hat sich ja eine gewisse Mode etabliert, Literatur, Theaterst\u00fccke, Opern und sogar bereits bestehende Inszenierungen aufgrund auch nur eines Anfangsverdachtes auf unliebsame weltanschauliche Positionen am liebsten gleich ganz zu verbieten, oder sie doch wenigstens grundlegend zu redigieren und alles irgendwie so passend zu machen, wie es dem aufgeweckten Zeitgeist entsprechen mag.<\/p>\n<p>Ob <strong>Peter Konwitschny<\/strong> mit seinem Vorgehen diesem Trend unbewusst folgt oder aber tats\u00e4chlich seinem eigenen Sinn und tiefen \u00dcberzeugungen, das sei einmal dahingestellt; letztlich bleibt es eine, wie auch immer begr\u00fcndete, Verst\u00fcmmelung.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/opernmagazin.de\/richard-strauss-frau-ohne-schatten-als-theatralische-untersuchung-von-peter-konwitschny-in-bonn\/frau-ohne-schattenoper-bonnregie-peter-konwitschnypremiere-am-16-11-2025-2\/\" rel=\"attachment wp-att-31868 noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-31868\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/frau_ohne_schatten_ohp_0447_matthias_jung_kopie-300x210.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"210\"  \/><\/a>Theater Bonn\/Frau ohne Schatten\/Statisterie, Anne-Fleur Werner, Aile Asszonyi, Aaron Cawley, Giorgos Kanaris\/Foto \u00a9 Matthias Jung<\/p>\n<p>Dramaturgin <strong>Bettina Bartz<\/strong> erl\u00e4utert im Programmheft das inhaltliche Vorgehen und die Neustrukturierung von Libretto und Komposition, kritisiert den ihrer Auffassung nach \u201eultrareaktion\u00e4ren und patriarchalischen\u201c Geist im St\u00fcck, betrachtet dabei sehr ernsthaft und tiefgehend auch die menschlichen und psychologischen Verstrickungen von Textdichter und Komponist und begr\u00fcndet mit einem Soziogramm die Figurenkonstellation sowie die Verlegung des St\u00fcckes ins Mafia- bzw. Clanmilieu.<\/p>\n<p>Zweifelsohne erscheint dies alles seri\u00f6s durchdacht und ist letztlich auch nicht ganz von der Hand zu weisen. Ob es jedoch ein legitimer Weg sein kann, sich den wie auch immer geartet sperrigen, m\u00f6glicherweise erschreckenden, schockierenden, w\u00fctend machenden Momenten einer Dichtung oder Komposition kurzerhand zu verweigern, diese mithin quasi auszul\u00f6schen und einer unliebsamen Sichtweise schlichtweg das Wort abzuschneiden bzw. ihr das Existenzrecht abzusprechen \u2013 das ist eine Frage, die gern grunds\u00e4tzlicher diskutiert werden m\u00f6ge, bevor k\u00fcnftig noch mehr unschuldiges Kulturerbe \u00fcberambitionierten Rotstiften zum Opfer fallen muss.<\/p>\n<p>Weswegen dies hier aber trotz allem keine Wut- und Emp\u00f6rungsrezension gegen\u00fcber den Regieteam oder gar gegen\u00fcber dem gesamten Regietheater sein wird, liegt daran, dass neben den erw\u00e4hnten Punkten in dieser Inszenierung noch eine andere Dimension existiert. Eine Dimension, die sich in fast metaphysischer Weite offenbart, sobald einmal alles Verstehenwollen, alle gedankliche Distanziertheit, alle \u00dcberlegungen von \u201erichtig\u201c und \u201efalsch\u201c beiseite gelassen werden.<\/p>\n<p>Dann erleben wir n\u00e4mlich auf der Bonner Opernb\u00fchne nicht nur fantastisch singende und agierende K\u00fcnstler, sondern vor allem absolut echte, mit jeder Faser ihres Seins glaubhafte, authentische Menschen, deren Darbietung nichts Inszeniertes, K\u00fcnstliches oder Antrainiertes anhaftet und die ihre m\u00f6rderischen Partien verk\u00f6rpern, als w\u00e4re genau dieses B\u00fchnengeschehen gerade ihr vollkommen nat\u00fcrlicher Seinsausdruck.<\/p>\n<p>Die drei Protagonistinnen Amme, F\u00e4rberin und Kaiserin pr\u00e4sentieren sich dabei als wundersch\u00f6n, leuchtend singende und hingebungsvoll agierende \u201eVollweiber\u201c im allerbesten Sinn. Zeitweilig k\u00f6nnten sie den \u201eHexen von Eastwick\u201c entsprungen sein, zuweilen einem Almod\u00f3var-Film entstammen und vor allem sind sie in jeder Sekunde des Geschehens absolut echt und zutiefst lebendig.<\/p>\n<p>Wer sonst als Peter Konwitschny vermag im Musiktheater so facettenreiche Frauenportraits auf die B\u00fchne bringen und derart tief in die Seele seiner Figuren zu schauen? Es scheint, als w\u00fcrde seine Arbeit in den Darstellerinnen selbst etwas lostreten, das deren Inneres zum Schwingen oder Beben bringt und das weit \u00fcber das \u201enormale\u201c Darstellen einer Figur hinausgeht.<\/p>\n<p>Fast entsteht beim Zusehen der Eindruck, dass sie sich und ihr ganzes Geschlecht vermittels der Rolle justament neu entdecken und jenseits aller verstandesm\u00e4\u00dfigen oder gar feministischen Erw\u00e4gungen in ihrer Verzweiflung, ihrer Wut, der Komik, der seelischen Nacktheit ihrer Figuren ihr eigenes Geschlecht pl\u00f6tzlich auch mit neuen Augen betrachten. Und auf verbl\u00fcffend unangestrengte Weise wird dabei klar: das wirklich starke Geschlecht, in all seiner Verletzlichkeit, seinem Verwundet- und seinem Verkanntsein, seinem Benutztwerden, aber auch seinem Humor, seiner Wut, seiner Unvollkommenheit, seiner Lebensfreude und seiner Lust, die in Bonn wie eine Naturgewalt die B\u00fchne f\u00fcllt \u2013 das sind, wenigstens in der Lesart von Peter Konwitschny, die Frauen.<\/p>\n<p>Sie sind nicht unbedingt \u201ebesser\u201c und auch absolut nicht unfehlbar gezeichnet, aber gegen\u00fcber den M\u00e4nnern im St\u00fcck einfach so unfassbar vielschichtiger in ihrer gesamten seelischen Bandbreite.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/opernmagazin.de\/richard-strauss-frau-ohne-schatten-als-theatralische-untersuchung-von-peter-konwitschny-in-bonn\/frau-ohne-schattenoper-bonnregie-peter-konwitschnypremiere-am-16-11-2025-3\/\" rel=\"attachment wp-att-31869 noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-31869\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/frau_ohne_schatten_ohp_0224_matthias_jung_kopie-300x209.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"209\"  \/><\/a>Theater Bonn\/Frau ohne Schatten\/Anne-Fleur Werner, Aaron Cawley\/ Foto\u00a9 Matthias Jung<\/p>\n<p>Und dass all das auf der B\u00fchne nicht zur heroisch-plakativen Botschaft verflacht, das ist eben eines der Geheimnisse und die gro\u00dfe Kunst dieses au\u00dfergew\u00f6hnlichen Regiemeisters, der mit der sicheren Hand eines erfahrenen Akupunkteurs die neuralgischen Punkte einer Situation, einer Figur und eben offenbar auch die der Nervenbahnen seiner Zuschauer zu erreichen vermag und der zudem in der Lage ist, mithilfe seiner Arbeit die Musik sprechen und leben zu lassen wie kaum ein zweiter.<\/p>\n<p>Wir begegnen gro\u00dfartig komischen, absurden und gleichsam r\u00fchrenden Momenten \u2013 etwa, wenn die Amme im ersten Akt einen der Geldkoffer minutenlang mit immer gr\u00f6\u00dferen Werkzeugen zu \u00f6ffnen versucht und irgendwann ein beherzter Pistolenschuss zum Erfolg f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Oder als Barak nach handfestem Ehekrach sich mit einem Kassettenrekorder am Ohr ins Bett kuschelt und den Stimmen der W\u00e4chter lauscht wie einem Lieblingsschlager, dessen Text er l\u00e4ngst in- und auswendig kennt: \u201eIhr Gatten in den H\u00e4usern dieser Stadt, liebet einander mehr als euer Leben\u2026\u201c \u2013 und wie die erboste F\u00e4rberin dann immer wieder ins Zimmer st\u00fcrmt, um das Ger\u00e4t auszuschalten, damit den Gesang zu stoppen, schlie\u00dflich das Radio an sich rei\u00dft und damit zornig von der B\u00fchne stapft. Wie sie an anderer Stelle einmal kurz vor ihrem an die Wand reflektierten Schatten im Vorbeigehen zur\u00fcckschreckt \u2013 ein Moment, nur der Hauch einer Szene, nichts aufdringlich Erkl\u00e4rtes, aber doch pr\u00e4sent und klar. Das alles ist einfach so aus dem Leben gegriffen, so treffsicher platziert, dass man dar\u00fcber als Zuschauer fast vergisst, welche beinahe feinchirurgischen Fertigkeiten es ben\u00f6tigt, um solche Vorg\u00e4nge wirklich pointiert und stimmig auf die B\u00fchne zu bringen.<\/p>\n<p>Oder im dritten Akt, als Barak und seine Frau zun\u00e4chst gl\u00fccklich auf dem Sofa unter einem \u00fcberdimensionalen Bildschirmschoner-Aquarium turteln und sp\u00e4ter jemand ein totes Fischlein aus einer Sesselritze herausangelt\u2026<\/p>\n<p>Und auch die spontane Sause im Arztzimmer mit hereingetragenen Bierk\u00e4sten, tanzenden Krankenschwestern und allerlei skurriler Ausgelassenheit zu den hymnischen und fast ohrwurmverd\u00e4chtigen Kl\u00e4ngen von \u201eO Tag des Gl\u00fccks, o Abend der Gnade!\u201c f\u00fcgt sich folgerichtig und augenzwinkernd ins Geschehen ein.<\/p>\n<p>Mit der Leitmotivik von Schwangerschaft und Kinderkriegen jongliert Konwitschny gekonnt in raffinierter H\u00fctchenspielermanier \u2013 Die Damen haben andauernd dicke B\u00e4uche und man glaubt, sie w\u00e4ren schwanger, bis sie sich das Kissen unterm Kleid wieder hervorziehen. Und sp\u00e4ter wieder drunterstecken. Und dabei jedes Mal komplett echt wirken. Als sie dann im zweiten Teil irgendwann wirklich schwanger sind, hat man nach den vielen \u201eScheinschwangerschaften\u201c l\u00e4ngst den \u00dcberblick verloren \u2013 und es wird dem Zuschauer mit den Mitteln des Theaters wieder einmal deutlich vor Augen gef\u00fchrt, wie dicht alles Sein und alles Scheinen beieinander liegen.<\/p>\n<p>Und auch die \u201eStimme des Falken\u201c erf\u00e4hrt eine spannende Profilierung: hier sehen wir eine junge, vom stolzen Raubvogel zur sprichw\u00f6rtlichen Bordsteinschwalbe zurechtgestutzte und vom Kaiser zugunsten der Kaiserin beiseite gestellte Frau. Als zuletzt im gro\u00dfen Showdown die Kaiserin von einer Kugel t\u00f6dlich getroffen zu Boden f\u00e4llt, huscht f\u00fcr Momente ein L\u00e4cheln der Genugtuung \u00fcber das Gesicht des Falken, als w\u00e4re er (sie) eine Schwester der Seer\u00e4uber-Jenny und das Schiff mit den f\u00fcnfzig Kanonen bereits in Sichtweite. Kleine Momente, ganz gro\u00df.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/opernmagazin.de\/richard-strauss-frau-ohne-schatten-als-theatralische-untersuchung-von-peter-konwitschny-in-bonn\/frau-ohne-schattenoper-bonnregie-peter-konwitschnypremiere-am-16-11-2025-4\/\" rel=\"attachment wp-att-31870 noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-31870\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/frau_ohne_schatten_ohp_0321_matthias_jung_kopie-300x206.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"206\"  \/><\/a>Theater Bonn\/Frau ohne Schatten\/Anne-Fleur Werner, Giorgos Kanaris\/Foto \u00a9 Matthias Jung<\/p>\n<p>Einen der eindr\u00fccklichsten H\u00f6hepunkte zeigt aber wohl die Liebesnacht zwischen Barak und der Kaiserin als vermutlich ber\u00fchrendste, glaubhafteste, leidenschaftlichste und in keiner Sekunde langatmige oder gar peinliche Sexszene, die mir je auf dem Theater begegnet ist, und bei der unmittelbar klar wird, dass aus ihr dann wirklich ein Kind entstehen muss.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>Gesungen und musiziert wird auf atemberaubend sch\u00f6nem Niveau.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Anne-Fleur Werner<\/strong> l\u00e4sst als Kaiserin ihren noch lyrischen, aber bereits von enormer Ausdruckskraft getragenen und absolut bruchlos str\u00f6menden Sopran mit gesundem und brillantem Klang durch s\u00e4mtliche (und im Grunde halsbrecherische) Anforderungen ihrer Partie flie\u00dfen. Ihr hingebungsvolles Spiel und ihr enormer k\u00f6rperlicher Einsatz runden ein tiefgehendes Rollenportrait aufs Sch\u00f6nste ab. Und auch die Tatsache, dass die Kaiserin librettogem\u00e4\u00df zumindest teilweise der Geistersph\u00e4re entstammt und somit nicht ganz \u201evon dieser Welt\u201c ist, sondern ein eher zuf\u00e4llig auf der Erde gelandetes Engelwesen, wird durch ihre gesamte Erscheinung vollkommen glaubhaft.<\/p>\n<p>Sehr von dieser Welt ist hingegen die F\u00e4rberin der <strong>Aile Asszonyi<\/strong>. Mit rosa Handtuch um den Kopf und im Bademantel st\u00fcrmt, w\u00fctet und fegt sie \u00fcber die B\u00fchne, dass es eine wahre Freude ist. Da wird voller Energie mit den Augen gerollt, geschmollt, getobt, dass man vom Zusehen und beim Lesen ihrer Gedanken einfach nicht m\u00fcde wird. Dar\u00fcber hinaus entfacht sie eine vokale Kraft, die ihresgleichen sucht. Wie aus nie versiegender Quelle str\u00f6mt ihre sch\u00f6ne und wahrhaft hochdramatische Stimme kraftvoll und unersch\u00f6pflich und st\u00f6\u00dft dabei nie an irgendwelche Grenzen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/opernmagazin.de\/richard-strauss-frau-ohne-schatten-als-theatralische-untersuchung-von-peter-konwitschny-in-bonn\/frau-ohne-schattenoper-bonnregie-peter-konwitschnypremiere-am-16-11-2025\/\" rel=\"attachment wp-att-31866 noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-31866\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/frau_ohne_schatten_ohp_0122_matthias_jung_kopie-300x213.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"213\"  \/><\/a>Theater Bonn\/Frau ohne Schatten\/Anne-Fleur Werner, Aile Asszonyi, Ruxandra Donose\/Foto: \u00a9 Matthias Jung<\/p>\n<p>Als Amme pr\u00e4sentiert sich <strong>Ruxandra Donose<\/strong> hier im dramatischen Fach. Mit warmem und ausgeglichenem Ton formt sie die dritte Frau im Bunde. Weniger als auf vokale Masse setzt sie bei der stimmlichen und darstellerischen Gestaltung auf kluge Linienf\u00fchrung und vokale Eleganz. Die Stimme des Falken h\u00f6ren wir in der klangsch\u00f6nen und subtil agierenden Verk\u00f6rperung von <strong>Alyona Guz<\/strong>.<\/p>\n<p><strong>Aaron Cawley<\/strong> begeistert als Kaiser nicht nur mit kraftvoll \u00fcberzeugenden Spitzent\u00f6nen, sondern auch in den lyrischen Passagen. Der Barak von <strong>Giorgos Kanaris<\/strong> klingt warm, ausgeglichen, fast liedhaft und verleiht dem ruhigen, aber auch etwas sturen Charakter genau das richtige Profil.<\/p>\n<p>Der <strong>Damenchor<\/strong> in der Einstudierung von <strong>Andr\u00e9 Kellinghaus<\/strong> wird in Bonn nicht, wie sonst meist \u00fcblich, ins Off verbannt, sondern darf als entz\u00fcckend spielende und brillant singende Schwesternschar die nicht einfache Partie auf der B\u00fchne pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p>Auch alle weiteren Rollen waren fabelhaft besetzt und pr\u00e4sentierten sich ohne Ausnahme in h\u00f6chst erfreulichem Ma\u00dfe.<\/p>\n<p>Generalmusikdirektor <strong>Dirk Kaftan<\/strong> leistet am Pult des <strong>Beethoven Orchesters<\/strong> das schier Unm\u00f6gliche und beweist, dass die \u00fcberbordend instrumentierte Partitur selbst im gr\u00f6\u00dften Klangrausch noch durchh\u00f6rbar bleiben kann und atmen darf. Struktur und Stimmf\u00fchrung sind jederzeit aufs Sch\u00f6nste erkennbar, fast kammermusikalisch durchleuchtet, in den Intermezzi sorgen zu Herzen gehende Streichersoli f\u00fcr echten H\u00f6rgenuss, die gro\u00dfen dynamischen H\u00f6hepunkte werden mit sicherer Hand bewusst angesteuert, geraten dabei nie aus der klangsch\u00f6nen Fasson und grunds\u00e4tzlich bleibt die Balance zwischen Graben und B\u00fchne \u00fcber den gesamten Abend vollkommen stimmig, kein S\u00e4nger wird je \u00fcberdeckt oder muss\u00a0 akustisch auch nur ann\u00e4hernd ums \u00dcberleben k\u00e4mpfen. Ein wirklicher Ohrenschmaus.<\/p>\n<p><strong>Johannes Leiacker<\/strong> schuf mit B\u00fchnenbild und Kost\u00fcmen erneut ein feinf\u00fchliges Meisterst\u00fcck, das sich nicht selbst in den Vordergrund dr\u00e4ngt, nie Selbstzweck ist, sondern als wirklicher Spielraum f\u00fcr die Inszenierung und die Protagonisten dient. Ein Hauch 80er Jahre schwebt \u00fcber allem; der sch\u00f6ne alte Benz, der Kassettenrecorder und die Beleuchtung setzen liebevolle Akzente. Im Grunde erleben wir zwei Welten \u2013 in der Garage die dunkle Halbwelt mit Gangs und Prostituierten und auf der anderen Seite die scheinbar helle Seite in Baraks Genlabor. Beides nur durch eine d\u00fcnne Wand getrennt und \u00fcber eine unscheinbare T\u00fcr verbunden. Wie Yin und Yang einer Gesellschaft \u2013 so gegens\u00e4tzlich und doch nah beieinander und einander in gewisser Weise bedingend.<\/p>\n<p>Bereits zur Pause hagelte es aus den R\u00e4ngen Buhs und beim Schlussapplaus musste das gesamte Regieteam nochmals viel Publikumswut \u00fcber sich ergehen lassen. Was mag diese wohl ausgel\u00f6st haben? War es die drastische K\u00fcrzung des St\u00fcckes von urspr\u00fcnglich fast f\u00fcnf auf nur zweieinhalb Stunden? Die Verlegung ins Gangstermilieu? Die Ballerei zu Beginn und am Ende? Ja, ja und ja.<\/p>\n<p>Aber sehen eigentlich diese w\u00fctenden Menschen neben allem Befragenswerten denn nicht auch die meisterhafte Zeichnung, das genial Herausgearbeitete in den Figuren und Situationen? F\u00fchlen sie nicht, dass hier ein Regisseur die ganze Erz\u00e4hlkraft der Musik aufsp\u00fcrt und sie durch seine Arbeit nochmals sch\u00f6ner und klarer zum Klingen bringt? Erkennen sie nicht die tiefe Liebe des\u00a0 Regisseurs zu den Menschen auf der B\u00fchne und seinen unbedingten Respekt vor ihnen? Sehen diese Buhrufer, die sich ja vermutlich f\u00fcr Kenner halten, wirklich nicht den Unterschied zu jenen tats\u00e4chlichen Regiezertr\u00fcmmerern, die einfach nichts anderes beherrschen (und auch nichts anderes wollen), als ihr Konzept wie blind und taub an den Noten und an den Darstellern vorbei mit aller Macht durchzuziehen? Warum ausgerechnet diese Wut an dieser Stelle, wo doch ansonsten so deutlich viel mehr Unstimmiges auf dem Theater und in der Welt allgemein hingenommen wird?<\/p>\n<p>Wer aber einen nicht zu langen, intensiv bewegenden Opernabend mit fantastischen S\u00e4ngern, einem brillant aufspielenden Orchester und zwar vielleicht nicht jedermann restlos \u00fcberzeugenden, aber dennoch hochprofessionell und glaubhaft umgesetzten Regiekonzept erleben m\u00f6chte, dem sei diese Inszenierung von \u201eFrau ohne Schatten\u201c, die noch bis Mitte Januar am Opernhaus Bonn zu erleben sein wird, unbedingt ans Herz gelegt.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Rezension von Sibylle Eichhorn \/ Red. DAS OPERNMAGAZIN<\/strong><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.theater-bonn.de\/de\/programm\/die-frau-ohne-schatten\/225012\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Theater Bonn \/ St\u00fcckeseite<\/a><\/li>\n<li>Titelfoto: Theater Bonn\/Frau ohne Schatten\/Anne-Fleur Werner, Aile Asszonyi, Ruxandra Donose\/Foto: \u00a9 Matthias Jung<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Theater Bonn\/Frau ohne Schatten\/Anne-Fleur Werner\/Foto \u00a9 Matthias Jung Bordsteinschwalben, Luxusschlitten, Genlabor, Revolver, ein w\u00fctendes Publikum, die fast schon&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":591196,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1842],"tags":[141495,141496,141497,141498,141499,6690,141500,1741,3364,29,141501,141502,6692,30,44797,51325,1209,38592,51328,30360,141503,41770,38593],"class_list":{"0":"post-591195","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-bonn","8":"tag-aaron-cawley","9":"tag-aile-asszonyi","10":"tag-alvona-guz","11":"tag-andre-kellinghaus","12":"tag-anne-fleur-werner","13":"tag-beethoven-orchester-bonn","14":"tag-bettina-bartz","15":"tag-bonn","16":"tag-de","17":"tag-deutschland","18":"tag-die-frau-ohne-schatten","19":"tag-die-frau-ohne-schatten-in-bonn","20":"tag-dirk-kaftan","21":"tag-germany","22":"tag-giorgos-kanaris","23":"tag-johannes-leiacker","24":"tag-nordrhein-westfalen","25":"tag-oper-bonn","26":"tag-peter-konwitschny","27":"tag-richard-strauss","28":"tag-ruxandra-donose","29":"tag-sibylle-eichhorn-das-opernmagazin","30":"tag-theater-bonn"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":"Validation failed: Text character limit of 500 exceeded"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/591195","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=591195"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/591195\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/591196"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=591195"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=591195"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=591195"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}