{"id":592522,"date":"2025-11-21T19:50:21","date_gmt":"2025-11-21T19:50:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/592522\/"},"modified":"2025-11-21T19:50:21","modified_gmt":"2025-11-21T19:50:21","slug":"tennis-nationalheld-djokovic-kehrt-seiner-heimat-serbien-den-ruecken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/592522\/","title":{"rendered":"Tennis: Nationalheld Djokovic kehrt seiner Heimat Serbien den R\u00fccken"},"content":{"rendered":"<p>Novak Djokovic ist in seiner serbischen Heimat eine Legende, ein Held. Doch nun ist der Tennisprofi mit Frau und Kindern ausgewandert, offenbar wegen der politischen Lage. Er sagt: \u201eIn den letzten zwei Jahren sind gewisse Dinge passiert.\u201c<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Novak Djokovic lie\u00df sich nie verbiegen. Wenn dem <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/sport\/tennis\/\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/sport\/tennis\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Tennisprofi<\/a> etwas nicht passt, sagt er es. Manchmal legt er sich mit dem Publikum an. Und seine Weigerung, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen, kostete ihn wohl einige Grand-Slam-Titel. Er nahm selbst die Ausweisung aus Australien im Januar 2022 in Kauf. <\/p>\n<p>Kraft und Best\u00e4tigung sch\u00f6pfte er in den schwierigsten Zeiten stets in Serbien, wo er mit seinen Erfolgen wie ein Halbgott verehrt wird. Doch nun hat er seiner Heimat den R\u00fccken gekehrt. <\/p>\n<p>Vor gut zwei Monaten ist er mit seiner Familie rund 1000 Kilometer s\u00fcdw\u00e4rts gezogen \u2013 von Belgrad nach Athen. Und er nahm gleich auch noch das ATP-250-Turnier mit, das von seinem j\u00fcngeren Bruder Djordje organisiert wird. Die Voraussetzungen, das Turnier in Belgrad im geplanten Format und Zeitraum durchzuf\u00fchren, seien nicht mehr gegeben, hie\u00df es. So fand es vom 2. bis 8. November unter dem neuen Namen Hellenic Championship in Athen statt.<\/p>\n<p>H\u00e4tte man es nicht besser gewusst, man h\u00e4tte sich bei der Live\u00fcbertragung in Serbien gew\u00e4hnt. Das Publikum unterst\u00fctzte Djokovic leidenschaftlich und trug ihn zum Turniersieg. Transparente mit Aufschriften wie \u201eNovak GOAT\u201c oder \u201eGo Nole\u201c fassten die allgemeine Stimmung zusammen. Nach seinen Spielen richtete Djokovic auch einige Worte auf Griechisch ans Publikum. Es ist davon auszugehen, dass er die Sprache bald flie\u00dfend beherrschen wird.<\/p>\n<p>\u201eAthen hat einen Platz in meinem Herzen\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs f\u00fchlt sich wie ein Heimspiel an, hier in Athen zu spielen\u201c, schw\u00e4rmte der 38-J\u00e4hrige auf Englisch. \u201eEs war wunderbar, die gro\u00dfartige Gastfreundschaft des griechischen Volkes zu erleben, f\u00fcr die Griechenland weltweit bekannt ist. Mehr noch als die Anerkennung meiner sportlichen Leistungen ber\u00fchrt mich, wie freundlich und menschlich mir die Menschen hier begegnen. Athen hat einen Platz in meinem Herzen, keine Frage.\u201c<\/p>\n<p>Im Interview mit der griechischen Tennisreporterin Vicky Georgatu von der Onlinepublikation \u201eSports DNA\u201c sagte er \u00fcber seinen Umzug: \u201eIch hatte das nicht lange im Voraus geplant. Aber in den letzten zwei Jahren sind gewisse Dinge passiert und haben Entscheidungen in unserem Leben beeinflusst \u2013 sowohl privat als auch beruflich. Wir haben zwei kleine Kinder und versuchen, das bestm\u00f6gliche Umfeld f\u00fcr sie zu finden. Denn das ist unsere Priorit\u00e4t: dass die Kinder in einer Umgebung aufwachsen, die f\u00fcr ihre psychische, physische und emotionale Gesundheit am f\u00f6rderlichsten ist.\u201c <\/p>\n<p>Sohn Stefan (11) und Tochter Tara (8) besuchen nun das St. Lawrence College in Athen \u2013 eine britische Privatschule mit Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern aus 50 verschiedenen Nationen. Die Familie Djokovic wurde in Griechenland, das sich als Steuerparadies f\u00fcr Verm\u00f6gende positioniert, mit offenen Armen empfangen. Und nach dem sportlichen Niedergang der griechischen Tennisstars Stefanos Tsitsipas und Maria Sakkari haben die griechischen Fans nun in Djokovic einen neuen Topspieler gefunden, dem sie die Daumen dr\u00fccken d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Entfremdung von der Staatsmacht<\/p>\n<p>Doch wie kam es dazu, dass er, der lange als serbischer Patriot galt und auch mit nationalistischen Parolen auffiel, sich von seiner Heimat abgewandt hat? Beim Turnier in Athen mochte er nicht konkret dar\u00fcber reden. Wohl im Wissen darum, wie heikel das Thema ist. So \u00e4u\u00dferte er sich auch nicht \u00fcber die heftige Kritik der Anh\u00e4nger des serbischen Pr\u00e4sidenten Aleksandar Vucic.<\/p>\n<p>Es kam bei Djokovic in den letzten zw\u00f6lf Monaten zu einer schrittweisen Entfremdung von der Staatsmacht. Am Ursprung stand die Protestbewegung der Studenten nach dem tragischen Unfall vom 1. November 2024 in Novi Sad, der zweitgr\u00f6\u00dften Stadt Serbiens. 16 Menschen kamen ums Leben, als das frisch renovierte Vordach des Hauptbahnhofs einst\u00fcrzte. Die Studenten warfen der Regierung Korruption vor und gingen auf die Stra\u00dfe. Die Proteste weiteten sich auf rund 400 St\u00e4dte aus. <\/p>\n<p>Auf der Plattform X dr\u00fcckte Djokovic am 18. Dezember auf Serbisch seine Solidarit\u00e4t mit den Studenten aus: \u201eAls jemand, der fest an die Kraft der jungen Menschen und ihren Wunsch nach einer besseren Zukunft glaubt, finde ich es wichtig, dass ihre Stimme geh\u00f6rt wird. Serbien hat ein enormes Potenzial, und die gebildete Jugend ist seine gr\u00f6\u00dfte St\u00e4rke. Was wir alle brauchen, ist Verst\u00e4ndnis und Respekt. Ich bin mit euch, Novak.\u201c<\/p>\n<p>Seiner Position blieb Djokovic in den folgenden Monaten treu. Am Australian Open widmete er einen seiner Siege einer Studentin, die bei einem Protest angefahren worden war. Im M\u00e4rz postete er auf Instagram ein Foto der bis dahin gr\u00f6\u00dften Demonstration in Belgrad mit rund 300.000 Menschen und schrieb: \u201eGeschichte, gro\u00dfartig!\u201c Bei einem Basketballspiel trug er einen Kapuzenpullover mit der Aufschrift \u201eStudenten sind Champions\u201c.<\/p>\n<p>Djokovic als moralischer Orientierungspunkt<\/p>\n<p>Pr\u00e4sident Vucic, wohl wissend, wie gro\u00df die Popularit\u00e4t von Djokovic im Land ist, kritisierte den Tenniscrack nicht \u00f6ffentlich. Aber die staatsnahen Medien p\u00f6beln ihn an. So bezeichnete ihn das regierungsnahe, aggressiv-nationalistische Boulevardblatt \u201eInformer\u201c als \u201efalschen Patrioten\u201c und als \u201eSchande\u201c f\u00fcr Serbien. In den sozialen Medien \u00fcberboten sich einige mit ihren Beschimpfungen gegen Djokovic. In der breiten Bev\u00f6lkerung genie\u00dft dieser aber weiter ein hohes Ansehen. <\/p>\n<p>Die Studentenproteste in Serbien dauern an und flammten zum Jahrestag der Trag\u00f6die erneut auf. Tausende Menschen versammelten sich am 1. November 2025 in Belgrad, Novi Sad und \u00fcber hundert weiteren St\u00e4dten, um der Opfer zu gedenken. Noch immer ist unklar, wer politisch die Verantwortung f\u00fcr die Trag\u00f6die in Novi Sad tr\u00e4gt. Die juristische Aufarbeitung verl\u00e4uft schleppend.<\/p>\n<p>Die Forderung nach Aufkl\u00e4rung ist l\u00e4ngst zum Symbol einer breiteren Bewegung geworden, die sich gegen Machtmissbrauch, Korruption und institutionelle Intransparenz richtet.<\/p>\n<p>Djokovic hat sich zu einem moralischen Orientierungspunkt dieser Bewegung entwickelt \u2013 weniger durch politische Parolen als durch seine konsequente Haltung. Er verk\u00f6rpert f\u00fcr viele junge Serbinnen und Serben einen Gegenentwurf zum Status quo. Eine politische Karriere hat er bislang immer abgelehnt. Doch wer wei\u00df? Vor Herausforderungen ist Novak Djokovic ja noch nie zur\u00fcckgeschreckt.<\/p>\n<p>Dieser Artikel erschien zuerst in der Schweizer Tageszeitung \u201eTagesanzeiger\u201c, wie WELT Mitglied der \u201eLeading European Newspaper Alliance\u201c (LENA).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Novak Djokovic ist in seiner serbischen Heimat eine Legende, ein Held. 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