{"id":593892,"date":"2025-11-22T09:24:24","date_gmt":"2025-11-22T09:24:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/593892\/"},"modified":"2025-11-22T09:24:24","modified_gmt":"2025-11-22T09:24:24","slug":"wir-alle-haben-einen-persoenlichen-bezug-zum-kolonialismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/593892\/","title":{"rendered":"\u201eWir alle haben einen pers\u00f6nlichen Bezug zum Kolonialismus\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"tspBHk1 tspBHk2\"><strong>Herr Diop, Sie haben Mitte Oktober im Abgeordnetenhaus das Konzept \u201eKolonialismus Erinnern\u201c f\u00fcr das Land Berlin \u00fcbergeben. Wie waren die Reaktionen bisher?<\/strong><br \/>Sehr positiv. Mich hat das \u00fcberrascht, angesichts einer erstarkenden AfD und der von Bundeskanzler Merz angesto\u00dfenen Diskussion um das sogenannte Stadtbild. <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/berlin-wo-konnte-ein-erinnerungsort-zum-kolonialismus-entstehen-14554343.html?icid=in-text-link_14888726\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Unser Konzept wurde auch von der Politik gut aufgenommen<\/a>. Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson hat sich offiziell bedankt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/abo.tagesspiegel.de\/tagesspiegel-app?icid=single-topic_14888726___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspB5ni\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Tagesspiegel-App Aktuelle Nachrichten, Hintergr\u00fcnde und Analysen direkt auf Ihr Smartphone. Dazu die digitale Zeitung. Hier gratis herunterladen.  <\/a><\/p>\n<p class=\"tspBHk1\"><strong>Warum hat die Erarbeitung so lange gedauert, drei Jahre insgesamt? Sie haben eine erste Fassung bereits 2024 im Haus der Kulturen vorgestellt.<\/strong><br \/>Zu diesem Zeitpunkt wurde noch heftig diskutiert, ob in Deutschland \u00fcberhaupt an den Kolonialismus erinnert werden muss. Gleichzeitig brachte die damalige Kulturstaatsministerin Claudia Roth ihr Gedenkst\u00e4tten-Konzept heraus. Unser erster Entwurf sollte anschlie\u00dfend erneut mit einzelnen Verb\u00e4nden diskutiert werden, etwa dem Afrika-Rat Berlin-Brandenburg oder Decolonize Berlin und auch mit den Gedenkst\u00e4tten-Leitern, inwieweit sich das Konzept dort anbinden l\u00e4sst. Au\u00dferdem wurde der Historische Beirat mit zwei Workshops hinzugezogen. Die Ergebnisse gingen zur\u00fcck in die Arbeitsgruppe und mussten eingearbeitet werden. All das hat gedauert.<\/p>\n<p class=\"tspBHk1\"><strong>Gibt es auch in anderen St\u00e4dten \u00e4hnliche Initiativen f\u00fcr Koloniales Erinnern?<\/strong><br \/>Hamburg hat ebenfalls ein solches Konzept, in Stuttgart und Hannover gibt es eigene Stellen, die sich um Erinnerungskultur k\u00fcmmern. In Frankfurt wird gerade ein Konzept verfasst. Aber in Berlin ist einmalig, dass es eigenst\u00e4ndig von der Zivilgesellschaft erarbeitet und von der Politik unterst\u00fctzt wurde.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/gedenkmarsch-kolonialgeschichte-deu-deutschland-germany-berlin-25-02-2024-demonstranten-mit-transpar.jpeg\" alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-14896259\" width=\"620\" height=\"413\" loading=\"lazy\" class=\"tspAVii\"\/> Auf dem j\u00e4hrlichen Gedenkmarsch zur Erinnerung an die afrikanischen und Schwarzen Opfer von Versklavung, Kolonialismus und rassistischer Gewalt. Er findet in Berlin immer Ende Februar anl\u00e4sslich des Jahrestages der Kongo-Konferenz statt. <\/p>\n<p class=\"tspAEf9\"> \u00a9 imago\/IPON <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\"><strong>Hatten Sie Vorbilder?<\/strong><br \/>Ja, bei meiner Suche bin ich auf ein 190-seitiges Papier des auf Martinique geborenen Philosophen \u00c9douard Glissant f\u00fcr die franz\u00f6sische Regierung unter dem Titel \u201eM\u00e9moires des Esclavages\u201c gesto\u00dfen. Darin versucht er auf Grundlage vieler Gespr\u00e4che und seiner Theorie der \u201eTout-Monde\u201c zu erkl\u00e4ren, was Versklavungshandel ist und wie sich daran erinnern l\u00e4sst. Auch wir wollen auf andere L\u00e4nder zugehen, mit denen Deutschland eine gemeinsame Kolonialgeschichte hat. Wir laden Menschen aus Tansania, Namibia, Ruanda und anderen betroffenen L\u00e4ndern ein, mit uns eine Form des Erinnerns zu finden. <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\"><strong>Warum ist das gerade f\u00fcr Berlin so wichtig?<\/strong><br \/>Hier wurde die koloniale Struktur geboren. In der Wilhelmstra\u00dfe 92, dem Reichskanzlerpalais, wurden anl\u00e4sslich der Kongo-Konferenz 1884\/85 Grenzen gezogen und Regeln f\u00fcr die Aufteilung des afrikanischen Kontinents aufgestellt. Die europ\u00e4ischen M\u00e4chte teilten den \u201eKuchen\u201c unter sich auf. Hier fand 1896 im Treptower Park die Kolonialausstellung statt, wo sich Tausende Besucher Menschen anderer Kulturen wie Exponate angeschaut haben. Gleichzeitig war Berlin der Ort des antikolonialen Widerstands. <\/p>\n<p> Ibou Diop <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Der 1979 in Segatta in Senegal geborene <strong>Literaturwissenschaftler <\/strong>hat in Paris und Berlin studiert und zu Fragen von Globalisierung und Universalisierung promoviert. Er arbeitet als <strong>Ausstellungskurator <\/strong>und organisiert Diskursprogramme. Dabei legt er die Betonung auf Partizipation, um Kunst, Denken und Zivilgesellschaft miteinander zu verbinden.<\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Seit 2022 arbeitet Diop eng mit zivilgesellschaftlichen Initiativen zusammen an Konzepten und Orten zur Erinnerung an <strong>Berlins koloniale Vergangenheit<\/strong>. Mit dem Schriftsteller Max Czollek hat er im Herbst 2024 <strong>das Festival \u201eheimaten\u201c<\/strong> im Haus der Kulturen der Welt organisiert, als Start f\u00fcr ein mehrj\u00e4hriges Programm zur Neudeutung des Heimatbegriffs. Au\u00dferdem bereitete er das internationale <strong>Symposium \u201eSture Muster: Kolonialismus in der Bildwerbung\u201c <\/strong>(21.\/22. November) im Vortragssaal am Kulturforum mit vor.<\/p>\n<p class=\"tspBHk1\"><strong>Spielt auch die j\u00fcngere Geschichte eine Rolle?<\/strong><br \/>In Berlin befinden wir uns an einem Ort, der durch die Mauer in Ost und West geteilt war, einem Ort unterschiedlicher Erfahrungen. Au\u00dferdem gibt es hier diverse Migrationsgesellschaften, hier leben besonders viele Menschen vom afrikanischen Kontinent, aus dem pazifischen Raum und China, wo Deutschland Kolonialmacht war.<\/p>\n<p class=\"tspBHk1\"><strong>Worin bestehen bisher die gr\u00f6\u00dften Defizite?<\/strong><br \/>Wir alle haben einen pers\u00f6nlichen Bezug zum Kolonialismus, aber er ist im Alltag unsichtbar. Wir laufen durch die Stra\u00dfen und fragen uns nicht, nach wem sie benannt sind. Wir leben in einem der reichsten L\u00e4nder der Welt und fragen uns ebenso wenig, woher dieser Reichtum kommt. Und beim Museumsbesuch fragen wir nicht, woher die gezeigten Objekte stammen. Wir befinden uns an einem Ort, der zur heutigen Weltordnung beigetragen hat, aber nicht dar\u00fcber informiert.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/deutschland-erkennt-kolonialverbrechen-als-volkermord-an.jpeg\" alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-14896271\" width=\"620\" height=\"414\" loading=\"lazy\" class=\"tspAVii\"\/> Gedenktafel in der Wilhelmstra\u00dfe. In der Nummer 92, dem Reichskanzlerpalais, teilten die Kolonialm\u00e4chte anl\u00e4sslich der Kongo-Konferenz 1884\/85 den afrikanischen Kontinent unter sich auf.  <\/p>\n<p class=\"tspAEf9\"> \u00a9 picture alliance\/dpa\/dpa-Zentralbild\/Paul Zinken <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\"><strong>K\u00f6nnen Sie ein Beispiel nennen?<\/strong><br \/>In der Wilhelmstra\u00dfe gibt es eine Stele der afrikanischen Vereine, aber sie ist unter einem Baum versteckt. Dabei k\u00f6nnte gerade dort die Verschr\u00e4nkung von Kolonialismus, Nationalsozialismus und SED-Diktatur dargestellt werden. Die vorbeilaufenden Touristen erfahren zwar viel \u00fcber den Hitler-Bunker, wie viele Menschen im Holocaust grausam ermordet wurden. Zu den Kolonialverbrechen erfahren sie nichts.<\/p>\n<p class=\"tspBHk1\"><strong>Gibt es noch andere Leerstellen?<\/strong><br \/>Es gibt sie \u00fcberall, egal in welchem Bezirk. Da w\u00e4ren die Kaufh\u00e4user, die durch den Kolonialismus entstanden. Edeka tr\u00e4gt noch heute abgek\u00fcrzt die Vergangenheit in seinem Namen: Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenh\u00e4ndler. Auch in Familien tauchen Verbindungen auf, wenn man nur gr\u00e4bt. Die meisten haben einen Vorfahren, der involviert war. Diese Geschichten m\u00fcssen erz\u00e4hlt werden, um zu verstehen, dass der Kolonialismus mit uns allen zu tun hat.<\/p>\n<blockquote class=\"tspB4ng\">\n<p>Die Touristen erfahren zwar viel \u00fcber den Hitler-Bunker, zu den Kolonialverbrechen erfahren sie nichts.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"tspB4nh\"><strong>Ibou Diop, <\/strong>Mitverfasser des Konzeptes Koloniales Erinnern.<\/p>\n<p class=\"tspBHk1\"><strong>Droht nicht \u00dcberdruss bei all den Gedenktafeln und Stra\u00dfenumbenennungen?<\/strong><br \/>Solange Menschen Rassismus erfahren, gibt es kein Zuviel. Rassismus ist oft nichts anderes als Unwissen. Ich kann die Frage trotzdem gut verstehen. Aber in diesem Land, von dem ein Genozid ausging, sitzt 80 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg eine Partei im Bundestag, welche ebenfalls Vertreibung propagiert. Solange wir solche Abgeordneten haben, kann es keinen \u00dcberdruss geben. Selbst wenn 99 Prozent keine Rassisten w\u00e4ren, h\u00e4tten wir immer noch die Aufgabe, dieses eine Prozent zu bekehren.<\/p>\n<p class=\"tspBHk1\"><strong>An wen richtet sich der Lern- und Erinnerungsort?<\/strong><br \/>An alle Berlinerinnen und Berliner, alle Besuchenden und jeden, der sich f\u00fcr die ganze Geschichte Deutschlands interessiert. Er richtet sich an die Menschen der Zukunft, damit ein Zusammenleben gelingen kann.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/umbenenunng-mohrenstrasse-in-anton-w-amo-strasse-deu-deutschland-germany-berlin-23-08-2017-prot.jpeg\" alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-14896931\" width=\"620\" height=\"413\" loading=\"lazy\" class=\"tspAVii\"\/> Umbenennung der Mohrenstra\u00dfe in Berlin-Mitte in Anton-W.-Amo-Stra\u00dfe zur Erinnerung an den ersten deutschen Schwarzen Akademiker. <\/p>\n<p class=\"tspAEf9\"> \u00a9 imago\/IPON\/imago stock <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\"><strong>Gibt es schon einen Standort?<\/strong><br \/>Drei stehen zur Wahl: der Treptower Park, die Stresemannstra\u00dfe, wo einst das K\u00f6nigliche V\u00f6lkerkundemuseum stand, und das ehemalige Kolonialmuseum, das sich zwischen 1899 und 1915 an der Moltkebr\u00fccke befand. Es muss kein Neubau sein, aber Erinnerung braucht Orte, an denen etwas stattgefunden hat.<\/p>\n<p class=\"tspBHk1\"><strong>Wie realistisch ist die Umsetzung, nachdem im gerade von Kulturstaatsminister Weimer vorgestellten <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/deutsche-erinnerungskultur-eine-gedenkstattenkonzeption-kann-die-kolonialismus-debatte-nicht-vorwegnehmen-14829551.html?icid=in-text-link_14888726\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gedenkst\u00e4ttenkonzept <\/a>das Thema Kolonialismus ausgespart wird?<\/strong><br \/>Was in den letzten Jahren angesto\u00dfen wurde, l\u00e4sst sich nicht mehr zur\u00fcckdrehen. Es geht nicht um die Haltung einzelner Politiker, sondern wie sich Deutschland international positioniert. Und es geht nicht allein um Berlin, sondern unsere Beziehung zum Rest der Welt, mit Kamerun, Tansania, Togo, China. F\u00fcr sie spielt eine Rolle, wie wir uns mit der Geschichte des Kolonialismus auseinandersetzen. Bei der n\u00e4chsten Verhandlung etwa mit Namibia werden wir wieder auf koloniales Raubgut und Human Remains in den Museen angesprochen und m\u00fcssen agieren. <\/p>\n<blockquote class=\"tspB4ng\">\n<p>Selbst wenn 99 Prozent keine Rassisten w\u00e4ren, h\u00e4tten wir immer noch die Aufgabe, dieses eine Prozent zu bekehren.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"tspB4nh\"><strong>Ibou Diop<\/strong><\/p>\n<p class=\"tspBHk1\"><strong>Welche Chancen geben Sie dem Lern- und Erinnerungsort angesichts der Streichung im Berliner Kulturetat?<\/strong><br \/>Es geht nicht nur um Geld, sondern auch um den Prozess. Wird es die Stresemannstra\u00dfe, m\u00fcssen wir die Anwohner mitnehmen. Wie soll die Architektur aussehen? Soll sie sich in Vorhandenes einf\u00fcgen? Das braucht viele Gespr\u00e4che, Partizipation: mit dem Stra\u00dfen- und Gr\u00fcnfl\u00e4chenamt, der Denkmalpflege, den Kulturh\u00e4usern, was die neue Institution jenseits des Themas Kolonialismus anbieten kann. Sie soll nicht wie beim Humboldt-Forum wie ein Klotz, zack, in die Mitte gesetzt werden.<\/p>\n<p class=\"tspBHk1\"><strong>Die Kultursenatorin hat das Konzept zwar gelobt, was die Gr\u00fcnen als wohlfeil kritisierten, weil sie ohnehin auf den Bund als Geldgeber setzt. F\u00fcrchten Sie nicht, dass alles Papier bleibt?<\/strong><br \/>Wir haben schon vorher nicht auf die Politik gewartet, aber sie w\u00fcrde eine einmalige Chance f\u00fcr das ganze Land verpassen. Die Black-Lives-Matter-Bewegung verschwindet zwar immer mehr aus dem deutschen Alltag und \u00fcber koloniale Raubkunst wird kaum noch geredet\u2014 aber die Zivilgesellschaft arbeitet weiter daran: dass Stra\u00dfen umbenannt werden, Berlin weniger rassistisch wird. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/konigliches-museum-fur-volkerkunde-in-berlin-1895.jpeg\" alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-14895935\" width=\"620\" height=\"487\" loading=\"lazy\" class=\"tspAVii\"\/> Das K\u00f6nigliche Museum f\u00fcr V\u00f6lkerkunde\u00a0in Berlin wurde im Krieg zerst\u00f6rt. Heute erinnert nur noch eine Gedenktafel neben dem Parkplatz vom Gropius Bau an das Geb\u00e4ude. Einst wurde dort koloniales Raubgut gehortet. <\/p>\n<p class=\"tspAEf9\"> \u00a9 Staatsbibliothek zu Berlin <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\"><strong>Gew\u00fcnscht ist au\u00dferdem ein Mahnmal. Wo sollte dies stehen?<\/strong><br \/>Es k\u00f6nnte sich innerhalb des k\u00fcnftigen Erinnerungs- und Lernorts befinden oder an der Wilhelmstra\u00dfe. Aber es k\u00f6nnte auch die Form eines Gedenktages haben. Die afrikanische Gemeinde in Berlin veranstaltet seit 20 Jahren \u2013 analog zum Ende der historischen Afrika-Konferenz Ende Februar \u2013 einen <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/erinnerungskultur-spd-berlin-braucht-mahnmal-fur-opfer-des-kolonialismus-13994678.html?icid=in-text-link_14888726\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gedenkmarsch f\u00fcr die widerst\u00e4ndigen Opfer des Kolonialismus<\/a> von der Wilhelmstra\u00dfe zum Hausvogteiplatz.<\/p>\n<p class=\"tspBHk1\"><strong>Nehmen Sie auch Vorschl\u00e4ge aus L\u00e4ndern auf, die mit Deutschland eine koloniale Vergangenheit haben?<\/strong><br \/>Das Konzept sieht eine Zusammenarbeit mit anderen Orten vor, die an Kolonialgeschichte erinnern, ebenso mit L\u00e4ndern, mit denen wir eine entsprechende Beziehungsgeschichte haben. Es kann sein, dass von dort weniger ein Mahnmal gew\u00fcnscht wird als eine finanzielle Entsch\u00e4digung, zumindest endlich eine Anerkennung des Unrechts.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/potsdam\/potsdam-kultur\/gestohlenes-leben-nobelpreistrager-abdulrazak-gurnah-uber-seinen-neuen-roman-diebstahl-14316905.html?icid=single-topic_14888726___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspB5ni\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gestohlenes Leben Nobelpreistr\u00e4ger Abdulrazak Gurnah \u00fcber seinen neuen Roman \u201eDiebstahl\u201c <\/a><\/p>\n<p class=\"tspBHk1\"><strong>Was sind Ihre n\u00e4chsten Schritte, die Gr\u00fcndung einer Gesch\u00e4ftsstelle?<\/strong><br \/>Nein, es w\u00e4re ein falsches Signal, als erstes einen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer zu suchen. Wir sprechen parallel mit den Communities \u00fcber ihre Erwartungen, mit dem Stadtmuseum, den Politikern. Erst danach entwickeln wir eine Entscheidungsstruktur. Und dann kl\u00e4ren wir, wo der Lern- und Erinnerungsort machbar ist. 2026 laden wir K\u00fcnstlerinnen, Architekten, Politikerinnen, Aktivisten zu einer Konferenz ein, um zu \u00fcberlegen, wie dieser Ort physisch aussehen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p class=\"tspBHk1\"><strong>K\u00f6nnte es nicht zu sp\u00e4t sein angesichts des nachlassenden Interesses am Thema Kolonialismus?<\/strong> <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Mich \u00fcberrascht der Rollback nicht. Zu Beginn der Auseinandersetzung mit Kolonialrassismus in Deutschland wurden kaum Strukturen geschaffen, die langfristig in gro\u00dfen Institutionen verankert werden. Der Gro\u00dfteil der Arbeit erfolgte bisher auf Projektbasis und als Reaktion unter anderem auf den Tod von George Floyd und die dadurch erstarkende Black Lives Matter Bewegung in Deutschland. Jetzt muss Deutschland Haltung zeigen. F\u00fcr alle ist es eine Lebensrealit\u00e4t: Entweder ist man von Rassismus betroffen oder \u00fcbt ihn, bewusst oder unbewusst, aus. Beiden Seiten w\u00fcrde es helfen, sich damit auseinanderzusetzen \u2013 sowohl demjenigen, der die Unterdr\u00fcckung erlebt, als auch demjenigen, der die Macht hat.<\/p>\n<p> Das Konzept Kolonialismus Erinnern <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Wie erinnert man sich an etwas, das<strong> im kollektiven Bewusstsein <\/strong>der Deutschen tief verankert und dennoch kaum pr\u00e4sent ist? Diese Frage bildete der Ausgangspunkt f\u00fcr das zivilgesellschaftliche Erinnerungskonzept \u201eKolonialismus Erinnern\u201c, das von 2022-25 im Auftrag des Abgeordnetenhauses ausgearbeitet wurde.<\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Gefordert wird eine dauerhafte Struktur \u201ef\u00fcr eine <strong>nachhaltige Erinnerungskultur <\/strong>zu Kolonialismus und Widerstand\u201c, zu der ebenso ein sogenannter Lern- und Gedenkort geh\u00f6rt wie eine dezentrale Erinnerungslandschaft. Der Lernort soll Forschung, Bildung, Community-Arbeit und Gedenken miteinander verbinden. Die zentrale Erinnerungslandschaft soll <strong>koloniale Spuren im Stadtraum<\/strong> sichtbar machen, die ein einheitliches Markierungssystem miteinander verbindet.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/ubergabe-erinnerungskonzept-kolonialismus-erinnern.jpeg\"   alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-14897207\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspAVii\"\/> Ibou Diop (re.), Projektleiter Erinnerungsort Kolonialismus am Stadtmuseum Berlin, \u00fcberreicht das Erinnerungskonzept an Sarah Wedl-Wilson, Berlins Kultursenatorin.  <\/p>\n<p class=\"tspAEf9\"> \u00a9 picture alliance\/dpa\/Britta Pedersen <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\"><strong>F\u00fcrchten Sie nicht \u00c4hnliches wie in den Vereinigten Staaten?<\/strong><br \/>Was in Amerika gerade passiert, dass ein Pr\u00e4sident quasi im Alleingang entscheidet, Menschen rechtswidrig des Landes zu verweisen und dies in einer enormen Geschwindigkeit durchsetzt, ohne bisher auf erfolgreichen Widerstand zu sto\u00dfen, wird hier nicht eintreten. Die USA k\u00f6nnen sich das leisten. In Europa geht das zum Gl\u00fcck nicht. Ich setze hier gro\u00dfe Hoffnung in die Zivilgesellschaft und die staatlichen Institutionen in Deutschland, und vertraue darauf, dass dieses Land die Lehren aus seiner j\u00fcngeren Geschichte ziehen wird. <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\"><strong>Kulturstaatsminister Weimer hat sich zuletzt f\u00fcr \u201edie unbedingte Restitution aller geraubten Objekte aus den Museen\u201c ausgesprochen. Halten Sie das f\u00fcr realistisch?<\/strong><br \/>Hat er das wirklich gesagt? Es w\u00fcrde uns guttun, denn eine solche R\u00fcckgabe bedeutet Gr\u00f6\u00dfe \u2013 und die braucht dieses Land. Wir brauchen ein Deutschland, das uns allen eine Zukunft anbietet. Das ist eine staatliche Aufgabe. Wir haben diese Forderung nach Restitution schon vor mehr als zehn Jahren formuliert. Aus Wolfram Weimers Mund klingt sie nach Populismus.<\/p>\n<p class=\"tspBHk1\"><strong>Wird sich die geplante Stiftung auch bei der R\u00fcckgabe von Raubgut und Human Remains einbringen?<\/strong><br \/>Wir m\u00f6chten uns beratend beteiligen, auch bei den Museen. Es fehlt eine Institution, wo Restitutionsfragen diskutiert werden. Bisher arbeiten die Museen einzeln mit den sogenannten Herkunftsl\u00e4ndern zusammen. Die Stiftung k\u00f6nnte ein Ort sein, wo emotionales Wissen verankert ist, das den Museen fehlt. Sie haben sich jahrelang weggeduckt, ja R\u00fcckgaben verhindert. Nun m\u00fcssen Taten folgen.<\/p>\n<p> Mehr zu Kolonialismus in Berlin <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/nach-dem-uberfall-der-oba-anhanger-in-benin-stadt-wo-stecken-eigentlich-die-berliner-bronzen-14853218.html?icid=topic-list_14888726___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspB5ni\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nach dem \u00dcberfall der Oba-Anh\u00e4nger in Benin-Stadt Wo stecken eigentlich die Berliner Bronzen? <\/a><a href=\"https:\/\/checkpoint.tagesspiegel.de\/langmeldung\/1o2WbKoqLiQT3jxb0nXcIw?icid=topic-list_14888726___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspB5ni\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kai Wegner in Namibia Was bleibt von der viert\u00e4gigen Reise des Berliner Regierenden? <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/strassenumbenennung-der-nettelbeckplatz-in-berlin-mitte-hat-einen-neuen-namen-14602007.html?icid=topic-list_14888726___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspB5ni\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stra\u00dfenumbenennung Der Nettelbeckplatz in Berlin-Mitte hat einen neuen Namen <\/a><\/p>\n<p class=\"tspBHk1\"><strong>Warum ist das so wichtig?<\/strong><br \/>Es geht nicht darum, dass wir anderen etwas Gutes tun, sondern wir tun es auch uns selbst, wenn wir Objekte zur\u00fcckgeben. Ich m\u00f6chte nicht durch die Welt reisen und mir den Vorwurf anh\u00f6ren, mein Land hat die Gebeine von Menschen anderer L\u00e4nder im Museum. Ich w\u00fcrde das auch nicht meinen Kindern und Kindeskindern \u00fcberlassen, sondern selbst erledigen wollen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Herr Diop, Sie haben Mitte Oktober im Abgeordnetenhaus das Konzept \u201eKolonialismus Erinnern\u201c f\u00fcr das Land Berlin \u00fcbergeben. Wie&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":593893,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[186,296,227,29,775,30,692,27668,4850,57,98260,103983],"class_list":{"0":"post-593892","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-afd","9":"tag-berlin","10":"tag-china","11":"tag-deutschland","12":"tag-friedrich-merz","13":"tag-germany","14":"tag-hamburg","15":"tag-kunst-in-berlin","16":"tag-lehrer","17":"tag-nationalsozialismus","18":"tag-ruanda-aktuelle-beitraege-und-hintergruende","19":"tag-zweiter-weltkrieg-und-kriegsende"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115592630860255061","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/593892","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=593892"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/593892\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/593893"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=593892"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=593892"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=593892"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}