{"id":595749,"date":"2025-11-23T05:23:14","date_gmt":"2025-11-23T05:23:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/595749\/"},"modified":"2025-11-23T05:23:14","modified_gmt":"2025-11-23T05:23:14","slug":"einfach-mal-durch-10-bis-13-ortsteile-im-ansichtskartenformat-blaettern-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/595749\/","title":{"rendered":"Einfach mal durch 10 bis 13 Ortsteile im Ansichtskartenformat bl\u00e4ttern \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt eine Reihe von Gemeinden und kleinen St\u00e4dten rund um Leipzig, die sich immer wieder erfolgreich gegen eine Eingemeindung nach Leipzig gewehrt haben. Dazu geh\u00f6ren auch Oetzsch und Gautzsch. Da k\u00f6nnten heute noch Stra\u00dfenbahnen hinfahren, h\u00e4tte man die eine nicht just vor zehn Jahren eingestellt, und die andere f\u00e4hrt halt nicht nach Oetzsch, sondern nach Markkleeberg-Ost. Als w\u00fcrde das St\u00e4dtchen im Leipziger S\u00fcden noch heute mit seiner Geschichte hadern, besonders seiner slawischen.<\/p>\n<p>Denn Oetzsch und Gautzsch waren nun einmal slawische Gr\u00fcndungen und bis 1934 auch die gr\u00f6\u00dften unter allen Gemeinden, die sich dann zu einer neuen Stadtgemeinde zusammentaten. Die aber erhielt dann den Namen einer der kleineren Gemeinden: Markkleeberg.<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/2906803a62c14fc187b51348096bdfd0.gif\" alt=\"\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/buecher\/2025\/11\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/buecher\/2025\/11\/1\"\/><\/p>\n<p>Was sich schon Jahre vorher andeutete. Ein St\u00e4dtchen mit dem Namen Oetzsch-Gautzsch konnten sich auch deren Gemeindeoberh\u00e4upter nicht vorstellen. Es ist also in gewisser Weise der kleinste gemeinsame Nenner, dass ein kleiner Gemeindeteil der neuen Stadt ihren Namen gab.<\/p>\n<p>Was die Zersplitterung des Stadtgebietes nat\u00fcrlich nicht beendete. Noch heute kann man durch Markkleebergs Ortsteile spazieren und vergeblich nach einem Zentrum suchen. Es gibt schlichtweg keins.<\/p>\n<p>Nicht am 1904\/1905 erbauten Bahnhof, der damals tats\u00e4chlich noch Oetzsch-Gautzsch hie\u00df, nicht am Rathaus von Markkleeberg, das der Wirt Gustav Kipping 1910\/1911 als Gasthaus erbaute, das aber schon 1920 zum Rathaus von Oetzsch wurde. Denn Oetzsch war gewachsen, brauchte mehr als ein Gemeindeamt. Den Stra\u00dfenbahnanschluss bekam Oetzsch \u00fcbrigens erst 1928, als die Stra\u00dfenbahn von D\u00f6litz aus verl\u00e4ngert wurde.<\/p>\n<p>Mit der \u201eSternbahn\u201c nach Gautzsch<\/p>\n<p>Dass es die \u201eSternbahn\u201c nach Gautzsch schon seit 1902 gab, hatte schlicht damit zu tun, dass es eine beliebte Ausflugsbahn war: Sie endete nicht nur an einem Gasthof, sie passierte unterwegs auch den bis heute ber\u00fchmtesten Gasthof von Markkleeberg \u2013 das Forsthaus Raschwitz, das nat\u00fcrlich auch mit vielen spannenden Ansichtskarten in diesen dicken Band gefunden hat, der eben nicht nur das zur Stadt zusammengebundene Markkleeberg ab 1934 zeigt, sondern alle Gemeinden, die sich im Lauf der Zeit zusammentaten oder eingemeindet wurden.<\/p>\n<p>Offiziell sind es zehn. Da aber einige einstige Ortsteile auch vom Kohlebergbau verschlungen wurden, sind es sogar dreizehn.<\/p>\n<p>Und jeder Ortsteil bekommt in diesem Band sein eigenes Portr\u00e4t. Denn zu jedem existieren diverse Ansichtskarten, die vor allem seit 1895 in Umlauf kamen. Gedruckt nat\u00fcrlich als ideales Werbemedium f\u00fcr Gastst\u00e4tten aller Art, denn die Orte im Leipziger S\u00fcden waren allesamt sonnt\u00e4gliche Ausflugsziele der Leipziger. Noch gab es die riesigen Tagebaue und Brikettfabriken nicht, die einmal die komplette Ausflugslandschaft im S\u00fcden zerst\u00f6ren w\u00fcrden. Noch waren Orte wie Pr\u00f6del, Cospuden und das Gut Lauer heimelige und gleichzeitig beliebte Ausflugsziele der Leipziger.<\/p>\n<p>Dabei bekam Markkleeberg relativ wenig Industrie ab. Die Orte im Gemeindeverbund waren vor allem beliebte Wohnorte f\u00fcr erholungsbed\u00fcrftige Leipziger, die sich hier auf parzellierten \u00c4ckern ihre Villen errichten lie\u00dfen. Es war ruhig, idyllisch, erholsam. Sogar ein Flussbad gab es, bevor auch die Plei\u00dfe mit den stinkenden Abw\u00e4ssern der Textil- und Kohleindustrie im S\u00fcdraum geflutet wurde.<\/p>\n<p>Als die Bahnlinie nach Oetzsch gebaut wurde, war nat\u00fcrlich auch der Zeitpunkt gekommen, in deren N\u00e4he gro\u00dfe und beliebte Ausflugsrestaurants zu errichten \u2013 wie das \u201eSchloss Rheinsberg\u201c, den \u201eTh\u00fcringer Hof\u201c oder \u2013 am Wendepunkt der \u201eSternbahn\u201c \u2013 das Gasthaus \u201eZum wei\u00dfen Stern\u201c.<\/p>\n<p>Ver\u00e4nderte Landschaften<\/p>\n<p>Und sie alle warben mit Postkarten, zeigten ihre Tanzs\u00e4le und gro\u00dfen Freisitze. Sodass auf den alten Ansichtskarten auch eine Welt einfangen ist, die es heute so nicht mehr gibt. Begraben letztlich in jenen Zeiten, als sich die Tagebaue von S\u00fcden und Westen an Markkleeberg heranfra\u00dfen und dabei nicht nur die Harth verschlangen, die zwischen Gaschwitz und Zwenkau die Leipziger zum Waldspaziergang einlud.<\/p>\n<p>Wie das aus Zwenkauer Perspektive aussah, kann man <a href=\"http:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/buecher\/2025\/11\/zwenkau-ansichtskartenflut-stadtchen-leipziger-suden-638660\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">im ebenso dicken Ansichtskartenband zu Zwenkau<\/a> nachbl\u00e4ttern.<\/p>\n<p>Was ja Ortskundige sowieso tun werden: Wo verliefen damals die Stra\u00dfen und Wanderwege? Erkennt man die Stra\u00dfenz\u00fcge von 1900 heute noch wieder? Wo waren eigentlich die einst ber\u00fchmte Gastwirtschaften? Und wo verlief eigentlich die Plei\u00dfe, bevor sie im Zuge des Bergbaus begradigt und kanalisiert wurde? Ein Thema, das die Leser gerade beim Kapitel Agra-Park besonders besch\u00e4ftigen d\u00fcrfte, der ja ab 1889 vom <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Paul_Herfurth\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Leipziger Verleger Paul Herfurth<\/a> als Landschaftspark angelegt worden war.<\/p>\n<p>Damals noch mit einer nat\u00fcrlich m\u00e4andernden Plei\u00dfe und einem viel gr\u00f6\u00dferen Teich. Er h\u00e4tte sich wohl nie tr\u00e4umen lassen, dass man einmal eine Fernverkehrsstra\u00dfe auf Stelzen durch den Park bauen w\u00fcrde und die Plei\u00dfe in einen tief eingeschnittenen Kanal packen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Nach 1945 wurde der Park dann zum Schauplatz von Landwirtschaftsausstellungen. Dazu gibt es ein eigenes Kapitel, denn auch dazu wurden Ansichtskarten produziert. Einige mit der im Bau befindlichen Hochstra\u00dfe im Hintergrund. Und auch die heutige Gro\u00dfe Kreisstadt Markkleeberg produziert weiter bunte Ansichtskarten \u2013 nun mit der Seenlandschaft direkt vor der Stadt. Einige zeigen auch tapfer noch die Linie 9, <a href=\"http:\/\/www.l-iz.de\/melder\/rueckmelder\/2015\/12\/leserbrief-ach-du-gruene-9-ein-nachruf-117812\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die ja bis 2015 bis nach Markkleeberg-West fuhr.<\/a><\/p>\n<p>Kirchen, Parks und Wasserburgen<\/p>\n<p>Und da jeder Ortsteil dereinst auch eine Art Rittersitz und Gutsherrschaft war, gibt es auch eine ganze Reihe kleiner Schl\u00f6sser zu besichtigen, historische Parks wie den Kees\u2019schen, und nat\u00fcrlich die Kirchen, die teils ihre ganz besondere Zerst\u00f6rungs- und Wiederauferstehungsgeschichte haben \u2013 so wie die Kirchenruine Wachau oder die Radfahrerkirche in Z\u00f6bigker.<\/p>\n<p>Es l\u00e4sst sich also nicht nur an den Ufern von Cospudener und Markkleeberger See etwas entdecken. Und wer wirklich neugierig ist, der sucht auch das kleine, einst namensgebende Markkleeberg mit der Auenkirche und dem alten Rittergut Markkleeberg.<\/p>\n<p>Es l\u00e4sst sich also finden, wenn man wei\u00df, wo man suchen muss. Und so werden nicht nur die heute in Markkleeberg Wohnenden in diesem mit \u00fcber 700 Ansichten gespickten Band nach den Orten suchen, die sie kennen. Auch f\u00fcr alle, die sonst immer nur mit S-Bahn, Stra\u00dfenbahn oder Bus durchfahren, um schnellstm\u00f6glich an den Strand zu kommen, laden die Ortsansichten ein, vielleicht doch mal vom Weg abzukommen und die historischen Teile der zusammengeflickten Stadt f\u00fcr sich zu entdecken.<\/p>\n<p>Vielleicht nicht gerade diesen dicken Band in der Tasche, denn er ist wirklich schwer.<\/p>\n<p>Aber mit dem Wissen im Kopf, das im Einleitungsteil unterm Titel \u201eMarkkleeberg im Wandel\u201c die Geschichte der kleinen Stadt komprimiert erz\u00e4hlt, und das teilweise auch in den vielen kleinen Erl\u00e4uterungstexten zu finden ist, die einige Markkleeberger Besonderheiten extra beleuchten. Sei es die Geschichte der Martin-Luther-Kirche oder die der Schokoladenfabrik Riquet.<\/p>\n<p>Oder eben die jedes einzelnen Ortsteils mit seiner jahrhundertealten Geschichte. Denn einige Ortsteile in Markkleeberg sind \u00fcber 1.000 Jahre alt, auch wenn die Ersterw\u00e4hnung dann meist erst im Mittelalter erfolgte, wenn dann die ans\u00e4ssigen Ritter auf ihren Wasserburgen erw\u00e4hnt wurden.<\/p>\n<p>Was dann wieder daran erinnert, dass Markkleeberg eigentlich an einer historischen Auenlandschaft liegt, wo es geradezu auf der Hand lag, seine Burgen mit einem ordentlichen Wassergraben zu umgeben. So waren etwa die Ritterburgen in Gaschwitz wie die in Markkleeberg urspr\u00fcnglich Wasserburgen, auch wenn das im Postkartenzeitalter nirgendwo mehr so zu sehen war.<\/p>\n<p><strong>Thomas Nabert, Frank Sallowsky, J\u00fcrgen Winter <a href=\"https:\/\/www.lehmanns.de\/isbn\/9783949586163@liz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eMarkkleeberg und seine Ortsteile in alten Ansichtskarten\u201c<\/a><\/strong> Pro Leipzig, Leipzig 2025, 29 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es gibt eine Reihe von Gemeinden und kleinen St\u00e4dten rund um Leipzig, die sich immer wieder erfolgreich gegen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":595750,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1832],"tags":[136223,3364,29,30,71,14711,136224,1803,859],"class_list":{"0":"post-595749","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-leipzig","8":"tag-ansichtskarten","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-leipzig","13":"tag-markkleeberg","14":"tag-regionalgeschichte","15":"tag-rezension","16":"tag-sachsen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115597345109278423","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/595749","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=595749"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/595749\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/595750"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=595749"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=595749"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=595749"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}