{"id":595978,"date":"2025-11-23T07:47:21","date_gmt":"2025-11-23T07:47:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/595978\/"},"modified":"2025-11-23T07:47:21","modified_gmt":"2025-11-23T07:47:21","slug":"ulm-berlin-bauschaum-attacken-verdacht-auf-versuchte-wahlbeeinflussung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/595978\/","title":{"rendered":"Ulm\/Berlin | Bauschaum-Attacken: Verdacht auf versuchte Wahlbeeinflussung"},"content":{"rendered":"<p>Ulm\/Berlin (dpa) &#8211; Knapp ein Jahr nach der Serie von Bauschaum-Attacken auf 276 Autos in vier Bundesl\u00e4ndern gehen die Ermittler davon aus: Was zun\u00e4chst wie eine einfache Sachbesch\u00e4digung aussah, war in Wirklichkeit ein plumper Versuch, den Ausgang der Bundestagswahl zu beeinflussen. Wer der Auftraggeber der Aktionen in Baden-W\u00fcrttemberg, Bayern, Brandenburg und Berlin war, ist bislang nicht abschlie\u00dfend gekl\u00e4rt. Die Aussage eines Tatverd\u00e4chtigen deutet allerdings darauf hin, dass dieser in Russland zu suchen ist.\u00a0<\/p>\n<p>Was war geschehen?<\/p>\n<p>An einer Vielzahl von Fahrzeugen wurden zwischen dem 8. Dezember und dem 11. Dezember vergangenen Jahres die Abgasrohre mit Bauschaum bef\u00fcllt. Die T\u00e4ter brachten an den Autos jeweils Aufkleber mit einem Bild des damaligen Bundeswirtschaftsministers Robert Habeck (Gr\u00fcne) und der Aufschrift \u00abSEI GR\u00dcNER!\u00bb an. F\u00fcr die Autobesitzer war das \u00e4rgerlich. Denn ist der Montageschaum erst einmal ausgeh\u00e4rtet, l\u00e4sst er sich nicht mehr so leicht entfernen. Laut Staatsanwaltschaft wurde der Bauschaum teilweise auch nur oberfl\u00e4chlich an den Autos aufgetragen.\u00a0<\/p>\n<p>Im Bereich des Polizeipr\u00e4sidiums Ulm wurden den Angaben zufolge Sachbesch\u00e4digungen an 113 Fahrzeugen zur Anzeige gebracht. Hunderte Kilometer entfernt, im brandenburgischen Sch\u00f6nefeld, meldeten sich die Besitzer von 43 Fahrzeugen, die das gleiche Problem hatten. In Bayern wurden zehn Autos besch\u00e4digt, in Berlin besch\u00e4digten die T\u00e4ter 110 Fahrzeuge.<\/p>\n<p>Russischer Geheimdienst-Auftrag?<\/p>\n<p>Die Staatsanwaltschaft Ulm, die in diesem Ermittlungsverfahren den Hut aufhat, teilt auf Anfrage mit, ein 18-j\u00e4hriger Tatverd\u00e4chtiger habe angegeben, \u00abdass die Taten durch einen wohl serbischen Staatsangeh\u00f6rigen aus Russland, dessen Identit\u00e4t noch ungekl\u00e4rt ist, in Auftrag gegeben worden seien, um das Wahlverhalten der Bundesb\u00fcrger und dadurch das Ergebnis der Bundestagswahl vom 23.02.2025 zu beeinflussen.\u00bb Dieser habe den Beschuldigten f\u00fcr jedes Fahrzeug 100 Euro als Pr\u00e4mie geboten.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abDiese Angaben konnten bislang durch weitere Beweismittel aber nicht best\u00e4tigt werden\u00bb, sagt Oberstaatsanwalt Michael Bischofberger. Auch die vier weiteren bisher ermittelten Beschuldigten machten Angaben, bestritten aber die Vorw\u00fcrfe.<\/p>\n<p>Modus operandi deutet auf Einflussoperation hin<\/p>\n<p>\u00abAufgrund Inhalt und Gestaltung des an den betroffenen Fahrzeugen hinterlassenen Aufklebers und des gew\u00e4hlten Tatzeitraums kurz vor den Bundestagswahlen ist eine beabsichtigte Beeinflussung des Meinungsbildes und somit von m\u00f6glichen W\u00e4hlern naheliegend\u00bb, hei\u00dft es von der federf\u00fchrenden Staatsanwaltschaft in Ulm.\u00a0<\/p>\n<p>Die Vorgehensweise entspreche einem typischen Muster, hei\u00dft es vom Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (BfV). \u00abAktionen wie diese, sollen die Gesellschaft polarisieren und spalten\u00bb, sagt BfV-Vizepr\u00e4sidentin Silke Willems. Aktuelle Themen &#8211; in diesem Fall die Klimapolitik &#8211; w\u00fcrden aufgegriffen und es werde versucht, die \u00f6ffentliche Meinung zu beeinflussen.<\/p>\n<p>Eingesetzt w\u00fcrden daf\u00fcr sogenannte \u00abLow-Level-Agenten\u00bb, erkl\u00e4rt Willems. So nennt der Verfassungsschutz Menschen, die im Auftrag ausl\u00e4ndischer &#8211; meist russischer &#8211; Nachrichtendienste Straftaten in Deutschland begehen, ohne selbst Mitarbeiter des ausl\u00e4ndischen Geheimdienstes zu sein. Die zumeist \u00fcber Soziale Medien rekrutierten Handlanger machten sich \u00abzum willigen Werkzeug fremder M\u00e4chte\u00bb. Im Falle einer Verurteilung drohten ihnen erhebliche Freiheitsstrafen.<\/p>\n<p>Polizei kontrollierte Mietfahrzeug<\/p>\n<p>Ins Rollen gekommen war der Stein, als einer Polizeistreife in Sch\u00f6nefeld im Dezember ein Transporter mit drei jungen M\u00e4nnern auffiel, die mehrere Kartuschen mit Bauschaum bei sich hatten, wie er etwa zum Abdichten von Fenster- und T\u00fcrrahmen verwendet wird. Kurz nach der Kontrolle des in Ulm angemieteten Mietfahrzeugs gingen die ersten Anzeigen von Autobesitzern ein.\u00a0<\/p>\n<p>Das Trio &#8211; ein 17 Jahre alter bosnisch-herzegowinischer Jugendlicher aus dem bayerischen Kreis G\u00fcnzburg, ein 20-J\u00e4hriger mit serbischer und kroatischer Staatsangeh\u00f6rigkeit aus dem Alb-Donau-Kreis und ein 18 Jahre alter deutscher Mann aus Ulm &#8211; hatte bei einer Kontrolle in Tatortn\u00e4he mehrere Bauschaumdosen bei sich. Die jungen M\u00e4nner konnten aus Sicht der Polizei nicht \u00fcberzeugend erkl\u00e4ren, warum sie die Dosen mit sich trugen.\u00a0<\/p>\n<p>Dutzende Beweisbilder auf dem Handy<\/p>\n<p>Bei allen Beschuldigten gab es Hausdurchsuchungen. Auf einem Handy wurden 74 Tatbeweisbilder entdeckt. Bei einem der Beschuldigten fanden die Ermittler weitere Dosen mit Bauschaum sowie eine Kassenquittung vom 9. Dezember 2024 \u00fcber den Einkauf weiterer Bauschaumdosen.<\/p>\n<p>Im Laufe der weiteren Ermittlungen gerieten laut Staatsanwaltschaft zwei rum\u00e4nische Staatsangeh\u00f6rige &#8211; eine 19 Jahre alte Frau und ein 29 Jahre alter Mann aus dem Alb-Donau-Kreis &#8211; ins Blickfeld. Den Angaben zufolge wurden vom Handy des 29-J\u00e4hrigen, das auch die Frau genutzt haben soll, in der Nacht des 9. Dezembers \u00fcber 50 Tatbeweisbilder auf den Mobilfunkanschluss eines der drei M\u00e4nner, die bei der Kontrolle aufgefallen waren, geschickt. Der 29-J\u00e4hrige gab demnach an, das Handy sei von der 19-J\u00e4hrigen, einer Verwandten, genutzt worden, was sich nach Angaben der Ermittler auch verifizieren lie\u00df. Der Verdacht gegen den 29-J\u00e4hrigen sei dadurch weitgehend entkr\u00e4ftet, hie\u00df es.\u00a0<\/p>\n<p>S\u00e4mtliche Beschuldigte befinden sich laut Staatsanwaltschaft auf freiem Fu\u00df. Die Finanzermittlungen dauerten noch an. Angaben dazu, wer wom\u00f6glich welchen Tatbeitrag geleistet habe, k\u00f6nnten derzeit nicht gemacht werden.<\/p>\n<p>Warnung vor Anwerbeversuchen<\/p>\n<p>Das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hatte zuletzt \u00f6ffentlich vor Versuchen russischer Geheimdienste, f\u00fcr Spionage und Sabotage in Deutschland sogenannte Wegwerf-Agenten zu rekrutieren, gewarnt. Deren Taten werden von den Sicherheitsbeh\u00f6rden als Teil der hybriden Bedrohung, der sich Deutschland vor allem seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine ausgesetzt sieht, eingesch\u00e4tzt.\u00a0<\/p>\n<p>Unter hybrider Kriegsf\u00fchrung wird eine Kombination aus milit\u00e4rischen, wirtschaftlichen, geheimdienstlichen und propagandistischen Mitteln verstanden, mit der auch die \u00f6ffentliche Meinung beeinflusst werden kann &#8211; bis hin zur Destabilisierung ganzer Gesellschaften.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ulm\/Berlin (dpa) &#8211; Knapp ein Jahr nach der Serie von Bauschaum-Attacken auf 276 Autos in vier Bundesl\u00e4ndern gehen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":595979,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1841],"tags":[1634,772,296,1605,1890,3364,29,3557,30,1584,1209,307],"class_list":{"0":"post-595978","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-bielefeld","8":"tag-baden-wuerttemberg","9":"tag-bayern","10":"tag-berlin","11":"tag-bielefeld","12":"tag-brandenburg","13":"tag-de","14":"tag-deutschland","15":"tag-geheimdienste","16":"tag-germany","17":"tag-kriminalitaet","18":"tag-nordrhein-westfalen","19":"tag-russland"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115597912091915038","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/595978","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=595978"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/595978\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/595979"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=595978"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=595978"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=595978"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}